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Die Frauen des Malers.

Die Frauen des Malers.

von Walter Laufenberg

Auf der Website von Amazon können Sie weitere Details nachlesen.

ISBN

978-3-939321-09-5

Umfang

352 Seiten, Paperback

Verlag

SALON Literatur VERLAG, München 2007

Preis

15,50 €

Kategorie

Historischer Roman

Review

Historischer Roman über das Malergenie Pieter Bruegel d.Ä.

Der Verlag schreibt:

Endlich: der erste umfassende Roman über das geheimnisvolle Malergenie Pieter Bruegel d.Ä.

Der Autor liest aus dem Roman Die Frauen des Malers"

Der Autor liest aus dem Roman Die Frauen des Malers"

Wer war Pieter Bruegel d.Ä.? Kaum jemand weiß über das Leben dieses geheimnisvollen und engagierten Malergenies Bescheid. Dabei sind seine Bilder jedermann bekannt. Das Schlaraffenland, der Turmbau zu Babel …. und viele andere haben sich als Sinnbilder für Epochen, Parabeln und Lebensweisheiten eingeprägt. Über ihn selbst aber sind kaum belegte Fakten bekannt. Nur in seinen Bildern legt er Zeugnis ab. Walter Laufenberg hat aus diesen und in jahrelanger Recherche über die Lebensumstände in der damaligen Zeit ein bewegendes Portrait geschaffen, das die Rätsel um dieses geheimnisvolle Malergenie begreifen lässt, und das die Hintergründe seines größten Geheimnisses aufzeigt: seine vor aller Welt sorgsam gehütete Liebe zu den drei Frauen, die sein Leben bestimmten.

Ein Historienbild voller Dramatik aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die römisch-katholische Kirche kämpft verzweifelt gegen den Protestantismus an. In den Niederlanden führen die spanischen Besatzer eine Schreckensherrschaft. Allerorts brennen die Scheiterhaufen. Der Geruch von verbranntem Menschenfleisch legt sich über das Land. Schon ein unbedachtes Wort kann den Tod bedeuten. In diese Situation fällt die übermütig verbrachte Jugendzeit eines Malers, der von seiner Grand tour nach Italien als jemand zurückkommt, um den sich alle reißen. So offensichtlich ist der Heimgekehrte eine Ausnahmeerscheinung, dass er es wagen kann, sich gegen den aufkommenden Körperkult der Renaissance zu stellen. Dabei fühlt er sich jedoch stets bedroht. Er lebt, als wäre er auf der Flucht, denn in seinen Bildern sagt er mehr, als man sagen darf. Dieser Mann, für uns immer noch der unbekannte Maler allseits bekannter Bilder, bekommt hier ein Gesicht. Durch die Frauen, die ihn geformt haben und denen er zum Schicksal wurde, und durch die Gemälde, denen der Autor, seit mehr als zwanzig Jahren diesem Maler auf der Spur, hinter die buntbemalte Stirn schaut.

Rezension von Dr. Carolin Raffelsbauer über „Die Frauen des Malers“
(in: Literatur in Bayern, Ausgabe 88/89, Juni 07)

Der Münchner SalonLiteraturVerlag stellte auf der Leipziger Buchmesse 2007 das neueste Werk des Fernsehreporters, Filmemachers und Schriftstellers Walter Laufenberg vor: „Die Frauen des Malers“. Genug Erfahrung, was die Verfassung historischer Romane angeht, sammelte er bereits durch seine Romane „Der Zwerg von Heidelberg“, „Ritter, Tod und Teufel“, „Goethe und die Bajadere“, „Stolz und Sturm“ und zuletzt „Hotel Pfälzer Hof“.

Die Figur des Malers, um den sich die neue Roman-Biographie spinnt, heißt Peter Brueghel (der Ältere) und gilt uns heute als Hauptvertreter der niederländischen Renaissance. Geboren wurde Brueghel vermutlich zwischen 1525 und 1530 in Breda oder Grote-Brogel in Limburg (Belgien), gestorben ist er am 5. September 1569 in Brüssel. Seine Darstellungen des bäuerlichen Lebens im Flandern des 16. Jahrhunderts sowie sog. Wimmelbilder wie „Das Schlaraffenland“ (1567), „Die niederländischen Sprichwörter“ (1559), „Kampf zwischen Fasching und Fasten“ (1559) oder „Die Bauernhochzeit“ (um 1568) machten ihn zu einem Genie der Bildsprache und zum Meister des Details. Waler Laufenberg befaßte sich nun mit der Frage, wer der Mensch Pieter Brueghel war? Denn abgesehen von wenigen Eckdaten ist über Pieter Brueghels Leben nicht sehr viel bekannt. So bekommt der Maler drei Frauen von Laufenberg an die Hand, die sein Leben bestimmen, die ihn geformt haben und denen er zum Schicksal wurde. Spannend ist besonders der geschichtliche Hintergrund: Vor dem Kampf der römisch-katholischen Kirche gegen den Protestantismus in den Niederlanden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, dort, wo die spanischen Besatzer damals ihre Schreckensherrschaft führten, zeichnet sich das Schicksal des Künstlers Pieter Brueghel ab. Geschickt werden seine Bilder in die Geschichte miteingebracht, die für Laufenberg die einzige Zeugnis-Quelle darstellten. Der Roman stellt eine spannend zu lesende erfundene Geschichte auf historischem Hintergrund dar.

Walter Laufenberg: Die Frauen des Malers, 352 Seiten, SALON LiteraturVERLAG, München, 2007, € 15,50. ISBN 978-3-939321-09-5.

Aus der Rezension im Mannheimer Morgen vom 23. Juli 2007:

Die Tatsache, von der Kunst alles, von seinem Leben aber fast nichts zu wissen, muss es wohl gewesen sein, die Walter Laufenberg zu dem spannend erzählten und sorgfältig recherchierten Roman anspornte.

Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Barbara Zoeke, München,

schrieb am 29. August 2007 als amazon-Rezension über dieses Buch unter dem Titel “Der Maler in seinem Labyrinth”:
Ein vor Talent und Vitalität strotzender Mann und drei junge Frauen, gleichzeitig, nacheinander, durcheinander – dass es bei einem solchen Plot Spannung pur gibt, wird kaum verwundern. Und so lässt man sich gerne verleiten, immer tiefer in das private Labyrinth eines Malers einzudringen, von dessen Biografie bislang kaum die Eckdaten gesichert sind.
Nur seine Bilder sind den meisten bekannt: Die Bauernhochzeit, Der Turmbau zu Babel, Schlaraffenland…, in sämtlichen großen Museen der westlichen Welt sind die farbintensiven Werke Pieter Bruegels des Älteren (gestorben 1569 in Brüssel) zu bewundern. Mit seinem eigenwilligen Stil, detailreich und symbolträchtig, erreichte die flämische Malerei einen Höhepunkt.
Walter Laufenberg hat sein fiktives Künstlerporträt vor einen sorgfältig recherchierten geschichtlichen Hintergrund gesetzt. Das konfliktbeladene 16. Jahrhundert – hier die katholischen spanischen Besatzer, dort die protestantischen Niederländer – in diesem Buch wird es dank lebendiger Szenen und einer knappen, bildreichen Sprache erfahrbar. Das gleiche gilt für das Schicksal des Künstlers und die Entstehung einiger seiner großen Bilder: Der Leser folgt allen Wendungen des Autors mit Spannung und bekommt Lust weiterzudenken, weiterzufabeln, die Bilder Pieter Bruegels noch einmal anzusehen. Kurzum: ein Lesevergnügen und mehr.

Leserurteile

Gerade habe ich “Die Frauen des Malers” zu Ende gelesen und bin noch tief beeindruckt von diesem spannenden, inhaltvollen Buch – kein Wunder, dass du 20 Jahre recherchiert hast. Danke für dieses wundervolle Geschenk. Ich finde, du kannst meisterhaft erzählen!
Sabine Precht, Soltau 16. Oktober 2013

Kur. Drei Wochen lang nichts zu organisieren, keine Termine. Lesezeit ist angesagt! “Die Frauen des Malers” glühen schon. Mein Mann hat das Buch bereits gelesen, und es gefiel ihm sehr gut.
Grete Kubai, Schärding/Oberösterreich 20. Juni 2009

“Die Frauen des Malers”, das ist ja ein tolles Buch. Ich habe es verschlungen!
Margret Tietz genannt Richterin, Köln 19. Dezember 08

Das Buch “Die Frauen des Malers” habe ich mit solcher Begeisterung gelesen. Der Mann ist mir richtig ans Herz gewachsen. Etliche seiner Bilder konnte ich mir dazu ansehen, weil ich sie in einem großen Bildband fand.
Brigitte Geiger, Reutlingen 12. 8. 2008

Das Buch “Die Frauen des Malers” musste ich einfach fast ohne jede Pause durchlesen. Dabei haben mich ganz besonders die Beschreibungen der Bilder angesprochen. Jetzt sehe ich Gemälde viel intensiver an als vorher.
Karin Ziemke, Heidelberg 1. Juni 08

Habe schon lange nicht mehr ein Buch mit so viel Vergnügen verschlungen wie den Roman “Die Frauen des Malers”. Schon allein wie der Maler bei seinem Besuch in Heidelberg die Stadt von den verschiedenen Seiten sieht und immer wieder meint, das ist jetzt wirklich die einzig richtige Sicht. Toll!
Wilma Heggemann, Rielasingen 25. 5. 2008

Habe nun den Roman “Die Frauen des Malers” abends in aller Ruhe gelesen, und es war für mich ein ungemein instruktives Leseerlebnis. Erstaunlich, obgleich ich die niederländische Malerei jener Zeit sehr liebe und Pieter Bruegel d.Ä. ganz besonders, habe ich mich nie gefragt, in welcher historisch präzisen Zeit sie entstanden ist. Dabei kenne ich natürlich schon allein durch den “Egmont” den Kontext, doch die Verbindung zur Malerei habe ich nie so wie Sie hergestellt … Hier hängt neben dem Kamin eine gute holzgerahmte Reproduktion “Der Sturz des Ikarus”, den Sie so schön beschreiben. Nach der Lektüre Ihres Romans, in dessen Vorbereitung sicher eine unglaubliche Arbeit steckt, werde ich wohl vor einem Bruegel-Bild noch weit mehr Zeit verbringen als bisher. Prof. Dr. Helga Abret, Nancy 22. 4. 2008

Meine Frau hatte “Die Frauen des Malers” als Urlaubslektüre eingepackt und freute sich auf zwei unterhaltsame Wochen. Aber das Buch war so spannend, da hatte sie es nach zwei Tagen und zwei halben Nächten schon aus.
Klaus-Dieter Ziemke, Heidelberg 22. März 2008

Ich fand den Roman “Die Frauen des Malers” gut gelungen und dabei sehr informativ. Geht es doch bei dem Maler Pieter Bruegel d. Ä. als der Hauptfigur um eine historische Gestalt. Das ist viel mehr als die meisten historischen Romane zu bieten haben, bei denen bloß erfundene Figuren vor einer historischen Kulisse agieren.
Frederik Berger, Schondorf/Ammersee 12. Januar 2008

Meine Frau war restlos begeistert von dem Roman “Die Frauen des Malers”, und ich werde ihn auch noch lesen.
Karl-Heinz Kramer, Kaiserslautern 5. November 07

Das Pieter-Bruegel-Buch “Die Frauen des Malers” ist einfach großartig. Ein Leseerlebnis, das ich nicht missen möchte und nur weiterempfehlen kann. Weil meine Buchhandlung das Buch nicht zu kennen behauptete, möchte ich hiermit jedes neue Laufenberg-Buch bestellen. Bitte ohne weitere Aufforderung sofort nach Erscheinen mit Autogramm und Rechnung mir zuschicken.
Elfi Weber, Heiligkreuzsteinach 30. 10. 2007

Meiner Frau hat Ihr neuestes Buch “Die Frauen des Malers” sehr gut gefallen. Das wollte ich Ihnen nur mitteilen. Sie mag historische Romane.
Mathias Wagener, Mannheim 1. 9. 2007

“Die Frauen des Malers” habe ich von der ersten bis zur letzten Zeile regelrecht verschlungen. Ein großartiges Buch, so fesselnd, als säße man im Kino. Ich hoffe, es wird tatsächlich bald verfilmt, alle Voraussetzungen für einen Kinohit hat es ja schon.
Gerd Leienbach, Düsseldorf 13. 6. 2007

Ich wundere mich über mich selbst, aber nachdem ich die Lebensgeschichte Pieter Bruegels gelesen habe, diesen wunderbaren Roman “Die Frauen des Malers”, sehe ich alle gemalten Bilder mit ganz anderen Augen an. Weil – jetzt weiß ich, was alles dahintersteht.
Günther Gebetsroither, Mannheim 28. Mai 2007

Betrifft: “Die Frauen des Malers”. Bin in der Hälfte des Buches, kann’s gar nicht aus der Hand legen und weiß, daß ich es noch oft verschenken werde.
Anna-Maria Avenius, Hockenheim 4. 4. 2007


Leseprobe:

1. Kapitel

Wer die großen Augenblicke seiner Südlandreise, die Städte mit den sonnengleißenden Namen, hinter sich gebracht hat, der macht immer längere Schritte, um den schäbigen Rest schneller zu erledigen. Dabei wird er immer unvorsichtiger. Nur noch heimwärts, sagt der Maler sich. Und das heißt nach Norden. Ein Südländer zu werden, dafür fehlt mir das Talent, muß er sich zugeben. Aber nicht zum Zeichnen und Malen, hält er trotzig dagegen. Die Skizzenmappen sind voll, die so lange kleingekniffenen Augen zwar noch wie verbrannt, doch meine Lebensgeister, die beinahe ertrunken waren im südlichen Licht, sie wollen sich wieder in die klare Luft des Nordens erheben. Ich spüre wieder ihren unruhigen Flügelschlag. Deshalb jetzt nur noch heim!

Pieter Brueghel, der Mann zwischen Noch-Da und Bald-Dort, war in Eile. Er konnte ja nicht ahnen, daß ihm auf der lästigen letzten Etappe seiner Reise noch einiges bevorstand.

Sein Weg führte durch das fruchtwucherige Schwemmland des Rheins. Nirgend sonst hätte er einen so bequemen Heimweg finden können. Ein Fluß, der dasselbe Ziel hat wie ich, nämlich das Meer, ist allemal besser als ein zerfurchter Weg. Immer wieder findet sich ein Schiffer, der mich mitnimmt, ein paar eifrige Wellenschläge näher an die Heimat heran. Doch wenn der freundliche Bootsmann mich dann irgendwo am Ufer absetzt, weil er am Ziel ist, dann geht es weiter über Stock und Stein. Wie hier. Immer den Bergkamm entlang. Rechter Hand unten Wein, oben Wald, linker Hand Felder, bis ans Wasser heran. Und hin und wieder ein Bauernwagen, der mich ein paar Meilen weiterbringt.

Ich komme gut voran, machte der Heimkehrer sich klar, von der Vorfreude auf daheim beschwingt. Immer den nächsten Weinberg, den nächsten Forst, den nächsten Acker entlang, bis der Berghang rechts plötzlich endete und sich ein enger Trichter öffnete, aus dem ihm eine Stadt entgegenleuchtete.

„Heidelberg“, sagte der Bauer, der ihn auf den Karren genommen hatte, mit ausgestrecktem Arm. Also ein schneller Entschluß: Den freundlichen Landmann anhalten lassen, hier, sofort, alle sieben Sachen einfach auf die Erde werfen, abspringen von dem Ochsengefährt und hastig den Skizzenblock rauskramen. Und den Stift. Die Sonne bleibt ja nicht stehen. Kurz das steif gewordene Handgelenk schütteln, um dann das Bild dieses Spätnachmittags festzuhalten. Die Blicke auf den schrägen Sonnenstrahlen in die Stadt hineinschicken. Was für ein Bild. Haus für Haus wie golden aufgespießt. Sie können ja nicht ausweichen, so eng wie sie ins Tal hineingepreßt dastehen, den Fluß zwischen sich, der die Ellbogen spreizt, da und dort auch noch Kirchen als korpulente Nachbarn der kleinfenstrigen Behausungen, und über allem Dächergewirr die Burg – der Stadt wie ein schwerer Schuh in den Nacken gedrückt.

Ja, gratulierte der Maler sich, vom Westen her muß man dieses Heidelberg sehen. Ein Bühnenprospekt beinahe, vielfach gestaffelter Aufbau. Der Neckar kommt aus der Tiefe des Hintergrundes, die Steinmassen der Burg wirken leicht wie Kulissen, die halbhoch bewaldeten Berge zu beiden Seiten schließen ihre Umarmung, daß kaum noch Platz bleibt über der Horizontlinie für einen tagmüden Himmel.

Schon am nächsten Nachmittag, beim Blick von der Burg hinunter auf die Stadt, wußte er es besser: Vom Osten her muß man dieses Heidelberg sehen. Wenn es eingetaucht in ein beinahe südländisches Sonnenlicht daliegt, dem staunenden Betrachter ausgeliefert wie eine schlafende nackte Frau. Das Gleißen des Flusses, kaum auszuhalten, das Weiß des Papiers ist viel zu schwach. Die Kirchturmspitzen wie Nadeln von Riesensonnenuhren. Und in der Ferne, über dem Rhein, dieser gewaltige Strahlenfächer, der hinter den Wolken ausgebreitet ist, der ist …

„Eja, et wird Rejen jeben“, meinte der Fremde, der sich unbemerkt von hinten an den Maler herangepirscht hatte und jetzt neugierig auf seinen Zeichenblock schaute. Der Mann sagte dann in seiner sonderbaren Mundart noch so was wie: „De Sonn hät Stippen, dann jib et Drippen.“ Und als Pieter ihn verständnislos ansah, warf der Mann seinen Kleidersack hin und zeigte mit beiden Händen und lebhaftem Fingerspiel, wie der Regen fallen würde. Aha, es wird Regen geben, verstand Pieter. Nun gut, aber zuvor noch diese Zeichnung fertig machen. Wo der Mann nur herkommen mag? Für Pieter klang seine Sprache schon fast heimatlich und doch so fremd. Aber er hütete sich, ihn zu fragen. Das hätte nur vom Skizzieren abgelenkt.

Am Tag darauf war er auf der anderen Neckarseite bei den Ruinen des Stephansklosters. Auf der Suche nach dem freien Blick hinunter ins Tal und auf die gedeckte Brücke. Und hinüber zum anderen Ufer, zu dem üppig sonnengrünen Waldhang hin, auf dem die rotschimmernde Burg prangte, wie eine breite Schmuckspange. Eigentlich schon mehr als eine Burg, ein Ensemble schloßartiger Bauten, was sich ihm da aufgereiht präsentierte, eingespannt zwischen die massigen Türme. Ja, verstand er, von Norden her muß man Heidelberg sehen. Und zeichnete mit schnellen Strichen und notierte wieder die Farben auf ein Extrablatt, für das Gemälde, das einmal daraus werden sollte, wenn er erst wieder daheim wäre.

Armer Pieter, so leicht entkommst du diesem Städtchen nicht. Immer wieder ein anderer Anblick, der der richtige, der noch effektvollere zu sein scheint. Immer wieder eine neue Zeichnung. Das verzögerte den Aufbruch, das hielt ihn in Heidelberg fest. Nur ein paar Tage, dachte er erst. Nur ein paar Wochen, beruhigte er sich dann.

Er wohnte vor der westlichen Stadtmauer – zum Malen gehört Distanz – in dem Dörfchen Bergheim. Im Häuschen eines Fischers. Nur noch ein lächerliches Restchen Geld im Beutel, das reduzierte die Ansprüche. Immerhin war er aufgenommen in die Enge und Vertrautheit der Familie. Einfache, anspruchslose Fischersleute. In Antwerpen sind sie nicht anders als in Heidelberg. Nur unsere Fische sind anders, sind größer. Und die großen Fische fressen die kleinen Fische. Also haben die Seefische von daheim die kleineren Fische aus dem Neckar im Bauch. Überall dasselbe. Nein, die Süßwasserfische werden den Salzwasserfischen nicht vors Maul kommen, korrigierte er sich selbst. Sobald sie im Mündungsgebiet des Rheins, da wo sich die Wasser mischen, den ersten Salzgeschmack spüren, kehren sie um. Das rabiate Gesetz des Fressens und des Gefressenwerdens, so läßt es sich unwirksam machen. Man muß nur auf der Hut sein, muß in seinem Wasser bleiben, in seinem Element. Man muß das große Wasser meiden. Weil dort nur die Großen in ihrem Element sind.

Süß und salzig, dieser so bedeutsame Unterschied der Gewässer, den er erst auf seiner Grand tour richtig kennengelernt hatte, er schien ihm nicht nur für das Wasser zu gelten, sondern auch für die Menschen am Wasser. Beispielsweise für Eva, die Tochter seiner Gastgeber. Ganz anders als die Freundin, die er in Antwerpen zurückgelassen hatte. Vor fast fünf Jahren, als er nach Frankreich und Italien aufgebrochen war. Eva, so süß, wie er sich immer wieder sagte. Das hatte er in Italien gelernt, wo alles Angenehme als süß bezeichnet wurde. Dolce vita, das war das Zauberwort des Südens. Schon wie Eva sprach, in dieser weichen Kuschelsprache der Heidelberger, die er so schön fand, wie er sie schlecht verstand. Nur das eine verstand er: Sie mag mich, aber sie achtet auf Abstand, als wäre ich der große Fisch des Meeres und sie der kleine Flußfisch. Wie sie dasteht, wenn sie mit mir spricht, das Kreuz durchgedrückt, daß ihre prall gerundeten Brüste mich dreist anstarren. Und wenn sie dann ihre Hände im Nacken verschränkt, denke ich, die dunklen Pinsel ihrer Achselhaare müßten neu gebunden werden. Dabei ist es kaum mal möglich, Eva wenigstens kurz in die Arme zu nehmen. Vielleicht morgen? Oder übermorgen?

Damals in Antwerpen, mit Saskia, da war alles viel einfacher. Auch sie eine Fischerstochter, ja, aber so anschmiegsam, so ohne alles Steifgrätige. Saskia war ein Genuß, zartfleischig, butterweich und gut gesalzen. Mit Seefisch aufgewachsen. Sie war so stolz darauf, einem Maler als Modell dienen zu dürfen. Und war doch immer voller Ungeduld. Daß ich endlich die Pinsel weglegen, meinen farbbekleckerten Kittel ausziehen würde. Wie sie mich dann ansprang. Wie ein Hündchen. Ob sie manchmal noch an mich denkt? – Ach was, sie wird längst weggeheiratet sein. Irgendeinem Fischerburschen in die Reuse gegangen. Das war damals unser Ausdruck, wenn wir die Mädchen erschrecken wollten: „Komm nur in meine starken Arme. Die sind wie eine Reuse. Da findest du nie mehr raus.” Das wollten sie nicht wahrhaben, die stolzen Mädchen von Antwerpen. So sagten sie wenigstens. Dabei wollten sie es nur wahrmachen. „Ihr mit eurer Reuse“, haben sie uns ausgelacht. „Starke Arme, aber nichts im Kopf.“ Und Saskia hatte geflüstert: „Nicht du, nein, ich, ich hab’ die Reuse, unterm Rock hab’ ich sie. Pass nur auf, Pieter!“ – Das würde Eva nie sagen.

Als Pieter von einem seiner stundenlangen Ausflüge zurückkam, die Zeichenmappe unterm Arm, sein wohlgefülltes Netz, gab es eine Störung in der Idylle. Ein Bote des Pfalzgrafen sei dagewesen, sagte Eva. Der habe nach ihm gefragt. Er habe ihn eingeladen, am nächsten Vormittag zum Pfalzgrafen aufs Schloß zu kommen. Er habe alle Zeichnungen mitzubringen, die er in Heidelberg gemacht hat.

„Es gibt keine Möglichkeit der Weigerung, hat der Bote gesagt. Wenn euer ausländischer Hausgast nicht freiwillig kommt, wird er verhaftet und vorgeführt.“

„Aber er hat doch gesagt: eingeladen, oder?“

„Ja, schon.“

„Also soll ich Gast des Pfalzgrafen sein. Aber wieso dann verhaften und vorführen?“

„Ich weiß nicht“, kam mal wieder die Antwort, die er von Eva ein Dutzend mal am Tag zu hören kriegte. Nicht gerade aufmunternd. Gegen Abend pflegte sie regelmäßig deutlicher zu werden: „Ich kann nicht.“ Doch in der Nacht, in der er nicht konnte, nämlich sich noch länger zurückhalten, als er aufgestanden war und an der Tür ihrer Kammer gekratzt hatte wie ein Kater, da hatte sie überhaupt nicht geantwortet. Sie hatte nur mit angehaltenem Atem dagelegen und darauf gewartet, daß er die Tür aufdrückte. Die nicht verschlossen war. Aber er war davongeschlichen, als er nichts von ihr hörte. Die Gastfreundschaft nicht mißbrauchen, hatte er sich gesagt. Und: Nur nicht zu bald in die Reuse gehen! Und hatte auch gedacht: Nicht noch einmal so ein Abenteuer erleben, das tödlich ausgeht. Was findet man nicht alles an guten Gründen für den Verzicht, wenn man nicht rankommt an die Trauben.

Der Pfalzgraf empfing ihn mit Freundlichkeit: „Ihr also seid der Maler Pieter Brueghel, eingetragen in die Meisterrolle von Antwerpen, wie man mir berichtet hat. Ihr sollt ein sehr geschickter Zeichner sein, und auch als Landschaftsmaler sollt Ihr Euch schon bewährt haben.”

Sicher will er von mir gemalt werden, überlegte Pieter. Aber ob er mir eine so große Leinwand stellen kann. Der Mann ist ja fast so breit wie hoch. „Durchlaucht, Eure freundliche Einladung und Begrüßung sind mir eine große Ehre. Ich möchte Euch dafür meinen Dank sagen und Euch zugleich meine Glückwünsche zum neuangetretenen Amt als Kurfürst bei Rhein aussprechen.”

Der junge Mann weiß sich zu benehmen. Und er weiß sich auszudrücken. Wenn er jetzt auch aus einer Fischerhütte kommt, er scheint Besseres kennengelernt zu haben. „Ihr treibt Euch herum ohne feste Arbeit, wie mir meine Leute berichtet haben.”

Nach Arbeit sieht der Fettkloß wahrhaftig selbst nicht aus. „Ich bin seit fast fünf Jahren, Durchlaucht, auf der für uns Maler in den Niederlanden längst üblich gewordenen großen Reise in den Süden. Jetzt befinde ich mich auf dem Heimweg und mache nur einen kurzen Aufenthalt in Eurem Land, weil mich die Schönheit der Stadt und der Landschaft festgehalten hat.”

„Die der Fischerstochter wohl auch?”

„Durchlaucht, ich …”

„Schon gut. Was habt Ihr gesehen auf Eurer großen Reise?”

„Was ich gesehen habe? Mir ist der Kopf zum Bersten gefüllt mit Bildern, meine Mappen sind voller Skizzen und Zeichnungen, ich sehne mich nach meiner Staffelei und will …”

„Ich meine, welche Städte habt Ihr gesehen?”

„Über Paris bin ich nach Lyon gereist, von dort hinüber ins Italienische, das mich hinabgezogen hat bis Cala di Reggio und Sizilien. In Neapel habe ich mich länger aufgehalten, ebenfalls in Rom. Über Bologna, Mailand und den Sankt Gotthard bin ich nun zurückgekehrt. Und nächste Woche werde ich mich auf den Weg nach Antwerpen machen.”

„Das ist noch nicht ausgemacht.”

„Wenn Ihr damit auf die Fischerstochter anspielt, Durchlaucht, ich werde Euer Landeskind in Ehren zurücklassen. Mich erwartet in Antwerpen viel Arbeit, künstlerische Arbeit. Die Familiengründung hat noch Zeit, – muß noch Zeit haben.”

Dieser noch so junge Mann hat eine Ernsthaftigkeit, die ihn weit bringen kann. Ich darf ihn nicht zu weit von der Hand lassen. „Ihr seht Euch schon wieder in Antwerpen. Aber im Moment seid Ihr noch in Heidelberg, wo Ihr Euch sehr intensiv umgesehen habt, wo Ihr viel gezeichnet habt, wo Euch auch die Bastionen und Stadtmauern, ja alles, was von fortifikatorischer Bedeutung ist, in den Blick gekommen ist – und aufs Papier.”

Der Pfalzgraf machte eine Pause, um die Wirkung dieser Andeutungen auf den fremden Maler zu beobachten. Doch der lächelte nur still vor sich hin.

Er scheint so sauber zu sein, wie er aussieht. „Ich könnte Euch als Spion in den Kerker werfen lassen.”

Pieter ließ sich nicht erschrecken. Es gibt ja jede Art von Verrücktheit bei den Herrschenden, überlegte er. Aber der dicke Pfalzgraf sieht doch mehr nach einem Genußmenschen aus als nach einem Unmenschen. „Verzeiht, Durchlaucht, aber Ihr hattet befohlen, daß ich meine Zeichnungen mitbringe. Bitte, hier sind sie.”

Dabei legte er seine große Mappe auf den Tisch, hinter dem der Pfalzgraf saß, schnürte die Bänder auf und schob eine Zeichnung nach der anderen zu ihm hin, zunächst die Heidelbergbilder. Und der Pfalzgraf ließ sich auch gleich so von den Bildern fesseln, daß das Gespräch zunächst nicht mehr weitergeführt wurde. Nichts mehr von wegen Spion.

Die Zeichnungen müssen für sich sprechen, war Pieter Brueghels Standpunkt. Deshalb schwieg er und ließ seinen Bildern das Wort. Und sein Gegenüber hatte offenbar Kunstsinn genug zuzuhören, mit wachem Gesicht, und die Zeichnungen nicht zu unterbrechen bei dem, was sie ihm von seiner Grafschaft, seiner Stadt erzählten. Das gab Brueghel Gelegenheit, den Kunstbetrachter genauer in den Blick zu nehmen.

Wenn einer was für Kunst übrig hat, warum muß er das immer mit so einem auf Kunst getrimmten Gesichtsausdruck zeigen? Mit dieser Fürwitznase, die kaum noch den Kneifer zu halten vermag. Daß sein Gesicht fast schon selbst zu einem Kunstwerk wird. Damit man bemerkt, daß er was merkt? Daß er ein Kunstgourmet ist, der den Mund nicht mehr zumachen kann vor lauter Bewunderung. Ein Begnadeter. Das muß ich zeichnen. Das werde ich zeichnen, sobald ich zuhause bin. Der Kunstbetrachter vor einem Kunstwerk. Es anstarrend. Und wie er dabei an dem Künstler, der doch viel wichtiger wäre, vorbeischaut.

Daß der Pfalzgraf sich so lange von seinen Zeichnungen einfangen lassen würde, hatte Pieter Brueghel nicht erwartet. So fand er Zeit, sich den prächtigen Raum anzusehen, in dem er saß, und sich alle Einzelheiten gut einzuprägen. Eine Angewohnheit, auf die ein Maler sich verlassen kann. Alles im Gedächtnis gespeichert: Die auf massigen Pfeilern ruhende Gewölbedecke und die Tapisserien an den Wänden. Und die feisten Höflinge, die schweigend im Hintergrund blieben. Devot dastehend. Dabei schienen das keine Diener zu sein, eher höhere Chargen, wie ihre kostspielige Kleidung zeigte. Das also sind die Berater und engsten Vertrauten des Pfalzgrafen.

Dieses Untertänige der Höflinge ist abstoßend. Wie sie dastehen, den Kopf etwas schief haltend wie in höchster Aufmerksamkeit. Dabei bleiben die Hände hinterm Rücken, und die Knie sind nicht durchgedrückt, nein, knickebeinig stehen sie da. Dafür ist der Steiß leicht rausgedrückt. Das kommt vom vielen Bücklinge-Machen, vom höfischen Kniefall. Ein zürnender Blick ihres Herrn, und sie würden vor ihm auf dem Bauch liegen. Widerlich. Und so was sollen die hohen Herren des Landes sein. Aber daß sie alle dabeisein müssen, wenn ich dem Pfalzgrafen meine Skizzenmappen zeige, das ist sonderbar. Wieso sind meine Zeichnungen so wichtig für sie?

Er kam nicht dazu, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Denn plötzlich sprach der so lange stummgebliebene Betrachter ihn an: „Ihr habt Talent, Meister Brueghel. Ganz ohne Zweifel ein großes Talent. Also hört, was ich Euch zu sagen habe.”

„Aber mit Verlaub, Durchlaucht“, wagte Pieter einen schnellen Einwand, „das sind ja nur Skizzen, die einmal zu Bildern werden sollen. Nur so im Vorbeigehen hingeworfen. Die Skizzen von meiner Italienreise, wo ich mir an manchem Ort viel mehr Zeit genommen habe, wo ich ausführlicher zeichnen konnte, die habt Ihr noch gar nicht gesehen.” Damit griff er nach der nächsten Mappe und begann, die Verschnürung mit bunten Bändern aufzunesteln.

Der junge Mann tut bescheidener als er ist, schüttelte der Schloßherr den Kopf. Da bin ich sicher. Denn der wahre Künstler ist niemals bescheiden. Ein Künstler ist der unbescheidenste Mensch, den man sich denken kann, ist eigentlich ein widerlicher Mensch, nur durch die Kunst, die er schafft, zu ertragen.

„Die Italienbilder brauche ich nicht zu sehen. Ohnehin könnte ich bei diesen mir fremden Landschaften nicht das Verhältnis von Wahrheit und Wiedergabe beurteilen. Aber bei diesen Vorzeichnungen zu Heidelbergbildern, bei denen kann ich das. Und ich muß sagen, Ihr habt ein ungewöhnlich scharfes Auge, Meister Brueghel, und eine so sichere Hand, daß Ihr in der Lage seid, dem Vorgefundenen einen Zwilling an die Seite zu stellen.”

Warum schmeichelt er mir? Was kann er von mir wollen? Wenn sich ein Herrscher für einen begeistert, dann steckt eine Gemeinheit dahinter. Denn für den Herrscher gibt es keine andere Person von Wichtigkeit als ihn allein.

„Ihr seid sehr freundlich, Durchlaucht. Euch meine Skizzenmappe zeigen zu dürfen, hat mir große Freude gemacht. Dafür danke ich Euch. Ich werde daheim von Eurem Kunstsinn berichten.”

Wenn der junge Fant meint, er könnte das Gespräch beenden, wann er will, so täuscht er sich. Der Pfalzgraf legte seine fleischige Patschhand auf die geöffnete Mappe.

„Wir sind noch nicht fertig miteinander.”

„Wie meinen, Durchlaucht?”

„Ich habe Euch einen Vorschlag zu machen, ein Angebot, das Ihr nicht ablehnen könnt.”

Dieser aufgeblasene Ochsenfrosch glaubt, mir Vorschriften machen zu können. Das muß ich ihm gleich ausreden.

„Ihr seht mich erschreckt, Durchlaucht. Denn ein Vorschlag, den ich nicht ablehnen kann, das hört sich ja beinahe an wie ein Befehl. Aber Ihr wolltet sicherlich nicht sagen, daß Ihr mir befehlt, bin ich doch keiner von Euern Untertanen.”

Nicht länger drumherum reden. Überrumpeln und festnehmen. Der Pfalzgraf lehnte sich in seinem Sessel zurück und sah sein Gegenüber unverwandt an.

„Ihr sagt es, Meister Brueghel, das ist ein Befehl. Ich befehle Euch, mein Hofmaler zu werden. Ihr seid zwar noch sehr jung, fast zu jung für so eine hohe Ehre, aber ich bin sicher, Ihr werdet Euch in diesem Amt bewähren.”

Pieter Brueghel erschrak und konnte nicht verhindern, daß sein Gegenüber ihm dieses Erschrecken ansah. Dieses Faß soll ich malen? Dafür ist keine Leinwand groß genug. Und ich sollte wohl auch noch seine Hofschranzen, diese jämmerlichen Kreaturen, goldbetreßt und mit Kammerherrenschlüssel am Gürtel, in prächtigen Bildern darstellen?

„Ihr seht mich überrascht, Durchlaucht. Aber mit einem so ehrenvollen Angebot hatte ich nicht rechnen können. Und ich bin sicher, Ihr versteht mich richtig, wenn ich sage: Das wäre für mich der Ehre zuviel. Stehe ich doch erst am Anfang meiner künstlerischen Entwicklung.”

Wie er sich windet, geschickt, geschickt. Wie er sich selbst verleugnet und mir doch nicht zu widersprechen wagt. Das ist ein Mann, der sich im Hofleben schnell zurechtfinden wird. Das ist der richtige Mann für mich.

„Ich denke, wir haben uns verstanden, Meister Brueghel. Ich gab Euch den Befehl, mein Hofmaler zu sein. Damit ist alles gesagt. Nur zum besseren Verständnis: Wenn nicht Hofmaler, dann Gefangener. Denn wie Ihr die fortifikatorischen Schutzmaßnahmen meiner Hauptstadt gezeichnet habt, das ist Spionage. Dafür könnte ich Euch hängen lassen. Aber ich schätze das Talent, das der Himmel Euch geschenkt hat. Dieses Geschenk möchte ich nicht zerstören. Deshalb beginnt Euer Dienst morgen. Ihr werdet auf Kosten des Hofes eine standesgemäße Wohnung beziehen, und Ihr werdet Eurer Stellung gemäß gekleidet und honoriert. Meine Leute sorgen für alles Nötige.”

Das ist das Netz, das der Gladiator im Circus Maximus zu Rom seinem Gegner übergeworfen hat. Der nur mit Schild und Kurzschwert kämpfen mußte. Immer die extreme Ungleichheit der Waffen, das war es, was das Volk sehen wollte. Mein Schild und Kurzschwert, das sind Zeichenblock und Stift. Nichts, was mich aus dem Wurfnetz befreien könnte.

„Pardon, aber ich bitte um drei Tage Bedenkzeit, Durchlaucht, damit ich mir über die Tragweite dieser ehrenvollen Berufung klar werden kann.”

„Keine Bedenkzeit, ich sagte es schon: Euer Dienst beginnt morgen.” Dabei war der Pfalzgraf aufgestanden. Pieter Brueghel stand ebenfalls sofort auf.

„Wenn es denn gar so eilig ist mit dem Arbeitsbeginn, Durchlaucht, dann will ich mich jetzt beeilen, mich von meinen freundlichen Gastgebern in Bergheim zu verabschieden und meine Sachen zu packen, um mich gleich morgen früh mit allem, was ich an Gepäck bei mir habe, auf Eurer Burg einzufinden.”

Dabei begann er, seine Skizzenmappen mit den lang herabhängenden Schnüren zuzubinden. Doch als er sie unter den Arm nehmen wollte, um zu gehen, legte der Pfalzgraf wieder seine vollfleischige Hand auf die Mappen und sagte: „Die bleiben gleich hier. Damit Ihr sie nicht unnötig hin und her schleppen müßt, Hofmaler Brueghel.” Damit übergab er die Mappen einem seiner Höflinge, den er herangewinkt hatte, wandte sich um und ging grußlos aus dem Raum.