Walter Laufenberg:
Jesus Online

Roman


SALON Literatur VERLAG, München 2009, 396 S., broschiert, Preis 15,50 €ISBN 978-3-939321-22-4

Auf der Leipziger Buchmesse
Der Autor auf der Leipziger Buchmesse im März 2009



Dieser Roman schildert die pränatalen Ereignisse und das gesamte Leben Jesu, der als jüdischer Dissident auf ungewöhnliche Weise vom Autor gesehen wird. Dabei wird unübersehbar: Der Mann Jesus ist ein aufregender Kosmos für sich. Nachdem sein Vorhaben, den jüdischen Glauben zu reformieren, unter reformunwilligem Judentum scheitert, wurde seine Lehre für uns die christliche Lehre. In dem Buch gibt Jesus uns die Antwort auf die immer wieder vorgebrachte Frage, woher der Antisemitismus kommt. Diese Beschreibung des Lebens Jesu hält sich an die Fakten, wie sie im Neuen Testament mitgeteilt werden, ergänzt durch viele moderne Erkenntnisse zur Zeitgeschichte, Landschaft, Kultur und zu den damaligen politischen Bedingungen und Lebensverhältnissen der kleinen Leute. Womit das Leben Jesu erst in seiner Besonderheit erkennbar wird, allerdings auch die Abhängigkeit Jesu von einer seine Gruppe finanzierenden Frau sowie das Vorhandensein einer Ehefrau.



Elke Barker im "Mannheimer Morgen" vom 4. August 2009

Der in Mannheim lebende Autor, der Sachbücher, Zeitromane, historische Romane und Kriminalromane schreibt, hat mit "Jesus Online Annäherung an Unbekannt" ein Jesus-Buch der besonderen Art geschrieben. Nachdem er 1991 den Roman "Im Paradies fing alles an Die Geschichte von Adam und Eva und uns" veröffentlichte, wo er die Ereignisse des Alten Testaments unter dem Gesichtspunk heutiger Erkenntnisse darstellte, hat er in "Jesus Online" die Ergebnisse seiner Beschäftigung mit dem Neuen Testament eingebracht. Jesus als jüdischer Dissident, Jesus als Jude, der seinen jüdischen Glauben reformieren will und damit scheitert, weil sich das Judentum als reformunwillig zeigt.

Laufenberg beschreibt das Leben dieses außergewöhnlichen Mannes, seine Kindheit, Jugend und sein Wirken als Erwachsener. Dabei hält er sich an die biblischen Fakten, wie sie im Neuen Testament mitgeteilt werden, ergänzt sie aber durch moderne Erkenntnisse zur Zeitgeschichte und eigene Rechercheergebnisse. Laufenbergs Erzählstil ist flott, unterhaltsam und spannend. Das Besondere an dem fast 400 Seiten starken Roman ist letztlich aber seine Form: Einen E-Mail-Roman zwischen Autor und einer fiktiven Agentin über Jesus und das Neue Testament, das hat es in der Form noch nicht gegeben. Durchaus lesenswert.



Und das sagen die Leser:

"Jesus Online" ist ein Roman, kein Sachbuch, gehört aber zu denjenigen Werken 
der schöngeistigen Literatur, aus denen man durchaus mehr lernen kann als aus
so manchem Sachbuch. Den Anspruch des Buches,die Geschichte von Jesus lebendiger
darzustellen, als wir sie aus der Bibel kennen, löst Laufenberg in höchst
gelungener Weise ein.

Ist es bei jemandem wie Walter Laufenberg eigentlich nötig, noch extra darauf
hinzuweisen, dass sein Buch lebendig und spannend geschrieben ist? Höchstens
für solche Menschen, die noch nie ein Buch von ihm gelesen haben. Aber die
Spannung bezieht sich auf mindestens zwei weitgehend parallel laufende Erzähl-
und Erklärungsstränge: Einmal auf das Leben Jesu, angefangen von seiner
angeblich unbefleckten Empfängnis bis zu seinem Tod am Kreuz, und zum anderen
auf den Inhalt seiner Lehre. Hinzu kommen noch beabsichtigte Parallelen zu
Moses sowie Verflechtungen mit anderen Personen der Zeitgeschichte,
insbesondere mit Johannes dem Täufer. Ein wenig vermisst haben wir in dem Buch
lediglich ein Eingehen Laufenbergs auf den Mythos der Auferstehung Jesu. 

Dass die Behauptung der 'unbefleckten' Empfängnis, aus der mit dem Christentum
eine ganze Weltreligion hervorgegangen ist, in Wirklichkeit der beste
Marketing-Gag aller Zeiten war, ist ja sicher auch vor Walter Laufenberg schon
vielen Lesern längst klar gewesen. Aus Laufenbergs Darstellung wird immerhin
deutlich, aufgrund welcher zeitgenössischen Gedankenwelt eine derart
unrealistische Behauptung überhaupt geglaubt und kolportiert werden konnte (für
mehr Details: Lesen Sie das Buch doch einfach selber!). Auch die weiteren
Stationen in Jesu Leben lesen sich bei Laufenberg nicht mehr, wie man es vor
einigen Jahren noch in der Christenlehre erleben musste, wie eine zufällige
Anhäufung von 'Wundern', sondern sie bekommen in Laufenbergs Darstellung eine
Logik der menschlichen und ideellen Entwicklung eines Mannes, der gar kein
Wunderheiler für körperliche Gebrechen sein wollte, sondern sich bemühte, das
soziale Denken seiner Zeitgenossen vom Kopf auf die Füße zu stellen und der mosaischen
Lehre wieder die ihr gebührende Geltung zu verschaffen. Laufenberg zeigt Jesus
als autodidaktischen Gelehrten, der, obwohl aus armen Verhältnissen stammend,
vielen seiner Zeitgenossen im logischen Denken und in der Konsequenz seiner
Auffassungen weit überlegen war. 

Noch spannender als die Darstellung des Lebens und der Persönlichkeit Jesu
scheint uns die Darstellung der Entwicklung seiner Gedanken und seiner Lehre zu
sein. Dass Laufenberg als Grundlage der mosaischen Ein-Gott-Lehre den Ich-Bezug
der Persönlichkeit (zumindest der von Moses selbst) ansieht, mag von manchem
fundamentalistischen Glaubensfanatiker vielleicht als Blasphemie empfunden
werden, ist aber eine ganz erfrischende unter sicherlich weiteren existierenden
Möglichkeiten, den Monotheismus über rationales Denken zu erklären. Als
entscheidend für die Gedankenwelt Jesu betont Laufenberg aber die logisch
begründete Forderung, ein jeder Mensch sollte sich bemühen, anderen Menschen zu
nützen, dann werde das auch für ihn selber Früchte tragen. Wenn sich nur die
sich auf Christus berufende Kirche in den rund zweitausend Jahren ihrer
Existenz auch wirklich daran gehalten hätte! Hätte es z.B. die furchtbaren
Kreuzzüge nicht gegeben, in denen sogar eine kulturell hochstehende christliche
(!) Weltmetropole wie das Konstantinopel von 1204 verwüstet wurde, dann hätten
wir jetzt wohl kaum die Probleme mit dem islamischen Terrorismus, unter denen
heute die Welt so leidet. Wie man sieht, ist es leider möglich, selbst eine so
humane Ethik wie die von Jesus zur Rechtfertigung einer Machtpolitik zu machen,
die mit dieser Ethik in Wirklichkeit nur noch die Sprachregelung, nicht aber
das Handeln gemein hat. 

Aber das ändert natürlich nichts daran, dass "Jesus Online" ein ganz
wunderbares Buch ist, das seine Leser nicht nur immer wieder köstlich
amüsieren, sondern zugleich auch zum Selber-Denken anregen kann - mit einem
Wort: Ein typischer Laufenberg-Roman. 

Ina und Armin Bassarak, Berlin, am 5. 3. 2010 als Kundenrezension bei www.amazon.de

 


Habe gerade das Buch "Jesus Online" mit großem Interesse gelesen. Ich bin Theologin und habe lange Jahre als Religionslehrerin gearbeitet, deshalb wird es nicht verwundern, dass ich schon viele Jesusbücher mit unterschiedlichen Perspektiven gelesen habe. Dieses Buch hat mich einmal von der Art her angesprochen und ich finde, es bringt einige nachvollziehbare und bedenkenswerte Aspekte. Es ist ja nicht nur soziologisch und historisch, sondern bringt eine gute Portion Philosophie. Diese Qumran-Geschichte bricht ja unmittelbar ab. So viel ich weiß, enthalten die Schriften nichts direkt über Jesus - oder wenn, wird eine Nähe zu den Essenern vermutet, eine Mönchsgemeinschaft, die in der Wüste lebte.
Das Buch räumt ja gründlich mit vielen Vorurteilen auf, vor allem die Sympathie für Judas hat mir gefallen. Ich habe es nie verstanden, dass er so verteufelt worden ist. Geärgert hat mich aber, dass es Maria Magdalena als Prostituierte darstellt. Das ist ja auch längst als Geschichtsfälschung erwiesen. Sie ist weder mit der Frau identisch, die Jesus die Füße wäscht, noch mit der Frau, die Jesus salbt. Da beide letztgenannten Frauen nicht mit Namen genannt werden, wurden sie einfach mit Maria aus Magdala identifiziert.
Rita Hausen  Walldorf  28. 2. 2010



Ich schaue immer in die Bestsellerlisten und finde den Walter Laufenberg dort nicht vertreten, 
was ich eigentlich nicht verstehe, da ich einige seiner Bücher echt dafür empfehlen könnte,
z. B. "Im Paradies fing alles an" oder auch "Jesus Online".
Dieter Feuser, Köln  4. Dezember 2009



Halb habe ich es schon gelesen, das neue Buch "Jesus Online".
Das ist ja so amüsant geschrieben, so hat man das in der Kirche nie gehört.
Liesel Günther, Mannheim  4. 12. 2009

 


Das Buch "Jesus Online" hat mich wirklich begeistert,
vor allem durch die raffinierte Art, wie der Autor 
seine Darstellung selbst kommentiert. Der Briefwechsel

per E-Mail
mit der Lektorin, einfach herrlich. Und
zuletzt kommen die beiden noch zusammen. Das ist ein
so kundiges Buch, das mich Kapitel für Kapitel
bereichert hat. Und ich muss dem Autor sagen: Er hat
meinen Respekt dafür, dass er nicht versucht hat,
seinen Lesern den Glauben auszureden. Da steht er
drüber.
Eberhard Stößel   Mannheim  21. 10 2009


Ihr Roman "Jesus Online" kommt zunächst erzählend daher, 
überrascht aber zunehmend durch Detailkenntnisse, die anregen,
Quellenliteratur zu benutzen. Das ist ein Zeugnis für mannigfache
und fundierte Recherchen. Sie beherrschen die vielfältigsten
und originellsten sprachlichen sowie gestalterischen Möglichkeiten,
dieses für Ihre Leserinnen und Leser in der Ihnen eigenen
Gestaltung umzusetzen:
Man nehme einen historischen Hintergrund oder ein Ereignis, durchwoben
mit feiner, humorvoller (Selbst)Ironie, scheinbare Gedankenpausen,
aus denen immer wieder neue Einfälle sprudeln, gebe dazu dem(der)
Leser(in) Fragen auf und erzeuge so eine am Geschehen beteiligende
innere Spannung. Sie dirigieren und stimulieren Ihre "Kundschaft"
(nach Belieben) durch meisterliche Sprachbeherrschung in einer
zugleich auffordernden, nie zudringlichen und liebevollen Art, die
zum Weiterlesen geradezu zwingt.
Ich freue mich auf den nächsten Roman.
Barbara Hansen  Heidelberg-Wieblingen  10. 10. 2009


Jetzt habe ich das Buch "Jesus Online" gelesen.  Das mit den E-Mails ist ja ein toller Einfall. Doch ganz davon abgesehen, muss ich sagen: Ich bin ja kein besonders frommer Mensch, aber wie der Laufenberg da ein Evangelium des Jesus bringt, das hat mich umgehauen. Alle Achtung für einen Autor, der sich so intensiv mit dem zweitausend Jahre alten Mann Jesus beschäftigt! Aber im Ernst, ich frage mich, wer das versteht, was da Umwerfendes gesagt wird.
Klaus-Dieter Ziemke   Heidelberg   22. 9. 2009


"Jesus Online" habe ich von der ersten bis zur letzten Seite gelesen. Manchmal habe ich schon mehr als nur geschmunzelt. Denn diese Art der Darstellung ist so amüsant wie informativ. Ich sehe den jüdischen Religionsstifter Jesus, der mich genauso stark interessiert wie Buddha oder Moses oder Mohammed, jetzt mit ganz anderen Augen, weil ich so viel über ihn erfahren habe, was man von den offiziellen Vertretern der Kirche nie gehört hat.
Frithjof Knoll,  Mannheim  16. August 2009


Interessante Theorien haben Sie da ja aufgestellt. Ich werde dieses Buch wahrscheinlich nächstes Jahr meiner Nichte zur Konfirmation schenken.
D. K.   Berlin  1. Juni 2009


"Jesus Online" - eine Wucht! Bin gerade auf Seite 85 bei den Appetithäppchen der Dottoressa angelangt. Toll zu lesen bis jetzt. Herzliche Gratulation. Mein Pfingstwochenende ist gerettet. Ich werde wahrscheinlich die meiste Zeit mit dem Jesusroman auf der Hängematte im Garten anzutreffen sein. Mein Lieblingsplatz im Sommer zum Lesen.
Silvia Davi, Luzern  30. 5. 09


Ich bin tief beeindruckt! Erst einmal hat mir die besondere Art der immer wieder eingestreuten Dialoge gefallen. Man hat das Gefühl, auf diese Weise zusätzliche Informationen zu erhalten, was ja auch der Fall ist. Außerdem gibt es ab und zu einen "Meilenstein", der die Reise durch das Buch markiert. Der Autor ist den Dingen wirklich auf den Grund gegangen, das merkt man immer wieder. Auch sein Humor hat mich erfreut, und seine Wortschöpfungen "Taufereibetrieb" und "Hilfswundertäter" sind eine Bereicherung für mich. Ganz besonders gut hat mir die Predigt (S. 233-240) gefallen. Und immer wieder findet man den Sprachforscher und Psychologen am Werk. Das Buch ist hochaktuell und vielleicht sogar brisant, wenn ich an die aus dem brennenden Dornbusch klingenden Worte denke und an all die Weiterungen, die sich daraus entwickeln. Was könnten Menschen guten Willens alles tun, wenn sie die immer wieder zu hörende Botschaft beherzigen würden!
Karl Schmid,  Eppelheim   8. Mai 2009


Ich weiß, was es heißt, ein Buch zu schreiben, welche Mühe, wie viel harte Arbeit in die Recherche und die Ausformulierung investiert werden  muss. Daher zunächst einmal meine Anerkennung für Ihr Werk, nicht zuletzt auch für Ihren leicht lesbaren, anschaulichen Stil. Ob die Online-Unterhaltung mit Ihrer Agentin viel zum Ganzen beiträgt, wage ich allerdings zu bezweifeln, ein hübscher Kunstgriff ist sie natürlich schon.
Dr. Wolfgang Sternstein,  Stuttgart  8. 4. 2009

"Jesus Online"- großartig. Das wird ein Renner. Die Figuren sind so lebensnah, voller Lebenserfahrung und mit Witz und Charme modelliert. Ein Treffer! Ich werde dieses Buch zu Ostern wie Fabergé-Eier an meine Bekannten verschenken, an die Gläubigen wie die Ungläubigen und die Pharisäer.
Professor Jochen Müller, Berlin  31. 3. 2009


Mit dem biografischen Roman "Jesus Online" ist dem Autor ein Lebensbild des Phänomens Jesus gelungen, das hochinformativ ist, nicht von vorgefassten Meinungen oder Glaubenssätzen beherrscht und dabei in einer Art erzählt, dass die Lektüre zu einem einzigen Vergnügen wird - egal, ob man an die Bibel glaubt oder nicht, und auch egal, ob man Laufenberg glaubt oder nicht.
Franz Westner,  München 12. März 2009



Der Anfang des Buches als Leseprobe

Betreff: Jesus

Von: walter.laufenberg@web.de

Datum: 27.09.2006 13.34

An: dipflbauer.ac.agentur@web.com

 

Sehr geehrte Frau Dr. Dipflbauer,

 

es geht los. Als meine Agentin wollten Sie ja von

Anfang an in die Entwicklung des Romans eingebunden

sein, weil wir uns mit diesem Thema auf gefährlich

dünnem Eis bewegen, wie Sie es ausdrückten.

Deshalb hier als Anlage der Anfang, wie ich ihn mir

vorstelle. Ich kann mir denken, dass Sie da oder dort

andere Vorstellungen haben, aber stoppen Sie mich

nicht gleich, lassen Sie mich erst einmal loslegen.

Denn ich habe eine ganz tolle Idee!

 

Freundlicher Gruß

Walter Laufenberg

 

Anlage

War da ein kleines, verträumtes Landstädtchen in

Judäa namens Betlehem, das stolz war auf die Fruchtbarkeit

seiner Umgebung. Die Leute lebten recht gut vom

Ertrag ihrer Felder, waren glücklich und vermehrten sich

entsprechend eifrig. Dann kam dieser verhängnisvolle

Tag, der eigentlich schön zu werden versprochen hatte,

ein Tag mit klarem Winterwetter und einer milden

Sonne. Plötzlich zog ein Trupp Bewaffneter durch die

Gassen Betlehems. Grimmig und entschlossen dreinschauende

Kerle, die keiner kannte. Dabei war kein

Krieg. Es gab keinerlei bewaffnete Auseinandersetzungen

mit den Nachbarn, wie früher üblich. Man hatte sich

schon so an den Frieden gewöhnt. Und dann das.

Die Männer drangen ohne ein Wort der Erklärung

in alle Behausungen und Hütten ein und rissen die

Kleinkinder aus dem Schlaf und von den Brüsten

ihrer Mütter. Sie gingen systematisch vor und duldeten

keinen Widerstand. Haus für Haus wurde durchsucht.

Alle Kinder im Ort und in der näheren Umgebung,

die männlichen Geschlechts und weniger als zwei Jahre

alt waren, grob geschätzt, wurden kurzerhand abgestochen

Ein himmelschreiendes Unrecht. Ja, aber was nützt

das lauteste Schreien, wenn außer dem hohen, kalten

Himmel keine Instanz ist, an die man sich mit seiner

Klage wenden könnte. Denn der erste Verdacht,

die Mördertruppe losgeschickt zu haben, fiel auf die

höchste irdische Instanz. „Ich glaube, die kommen

vom König“, so flüsterte es einer der verängstigten

Bürger dem anderen zu. Und jeder wusste: Wenn sich

dieser Verdacht bestätigte, dann war nichts zu machen.

Dann hieß das: Maul halten!

Und ich, ich sitze hier in meiner mit Büchern vollgestopften

Bude, sitze schön im Warmen und ohne

Furcht vor Überfällen, zum Glück auch ohne ein Kind

im Arm (meine Kinder sind die Bücher, mehr kann

ich mir nicht leisten), schlage nach, wie das mit der

verkorksten Entwicklung des christlichen Kalenders

war, rechne hin und her und stelle fest: Dieses schreckliche

Blutbad fand im Winter des Jahres 7 vor unserer

Zeitrechnung statt. Unser Kalender hinkt ja leider etliche

Jahre hinter der Zeit her.

Egal. Jedenfalls hatte diese Bluttat, von der man

zunächst nicht wusste, nur ahnte, wer dahinter steckte,

eine lange Vorgeschichte ... (Dazu bald mehr).

 

***

Betreff: Jesus-Roman

Von: dipflbauer.ac.agentur@web.com

Datum: 02.10.2006 09.32

An: walter.laufenberg@web.de

 

Sehr geehrter Herr Laufenberg,

 

Sie hatten gesagt, Sie wollten die Geschichten des

Neuen Testaments nacherzählen, und das in einer

lebendigeren Form, als sie in der Bibel stehen. Und

nach dem heutigen Erkenntnisstand, weil man inzwischen

weiß, was stimmen kann und was nicht. Sie

wollten zurechtrücken, was schief überliefert ist. Das

war es, was mich an Ihrem Konzept begeistert hat.

Aber Sie sollten nicht gleich alles auf den Kopf stellen

und was ganz Neues aus der Bibel machen. Da

bekäme ich ganz sicher Schwierigkeiten, Ihr Buch an

einen Verleger zu bringen. Beispielsweise, dass unser

Kalender ein paar Jahre hinter der Zeit her hinkt, das

ist allgemein bekannt und kann deshalb einfach weggelassen

werden. Nur keine unnötige Kompliziertheit

in die Darstellung bringen. Und was Ihre persönliche

Arbeitssituation betrifft, so interessiert die keinen

Menschen. Auch dass Sie kein Kind im Arm haben

und warum nicht, gehört hier nicht hin. Ich habe ja

auch keins. Hier geht es aber nicht um Kinder. Doch

im Übrigen gefällt mir der Einstieg. Weiter so!

Freundlicher Gruß

 

Dr. Dipflbauer

 

***

Betreff: Falscher Kalender

Von: walter.laufenberg@web.de

Datum: 05.10.2006 11.42

An: dipflbauer.ac.agentur@web.com

 

Sehr geehrte Frau Dipflbauer,

 

zugegeben, normalerweise stört mich unser falscher

Kalender so wenig wie das fehlende Kind. Damit

kann ich leben. Aber hier geht es doch um Kinder.

Und das viel mehr als nur bei dem vermaledeiten

Kindermord von Betlehem, der nach richtiger

Kalendrierung noch in die Regierungszeit des Königs

Herodes gefallen ist, während er nach unserem falschen

Kalender in die Regierungszeit seiner Söhne

fallen würde. Das ist für meine Story von ausschlaggebender

Bedeutung, wie Sie noch sehen werden.

Deshalb muss es so stehen bleiben. Ich muss den

Kindermord von Betlehem noch einmal passieren

lassen. Mit seiner schrecklichen Brutalität, mit dem

verzweifelten Geschrei der Mütter und dem hilflosen

Zugucken der Männer. Muss sein! Denn diese Bluttat

hatte, wie gesagt, eine lange Vorgeschichte. Doch

lesen Sie zunächst einmal in der Anlage, wie es weitergeht.

 

Gruß

Walter Laufenberg

 

Anlage

Der schwer bewaffnete Torwächter sagte es dem

Chef der Torwache, der sagte es dem Leibgardisten,

der hinter ihm stand und auf Anweisungen wartete,

der lief los und sagte es dem Chef der Leibgarde,

der würdig gemessenen Schrittes davoneilte und dem

Privatsekretär meldete: „Hoher Besuch für unseren

allergnädigsten Herrn!“

Der Privatsekretär erkannte den Anführer der Delegation,

den Großkaufmann Makarios, und auch

mancher von den anderen Herren war ihm zumindest

vom Aussehen her bekannt. Das waren nicht nur

Leute, von denen keine Gefahr drohte, das war die

Crème de la Crème der Jerusalemer Gesellschaft, wie

er wusste. Da blieb ihm nur, den Dienern einen Wink

zu geben, dass sie schnell die zweiflügelige Tür zum

Audienzsaal öffnen sollten. Höchstpersönlich führte er

die Herren, die sich – der nicht mehr ganz aktuellen

römischen Mode folgend, um den König der Besatzer

zu ehren –  in ihre feinste weiße Toga gehüllt hatten, zu

den Besucherplätzen in respektvoller Distanz gegenüber

dem Thronsessel. Dann eilte er hinaus, um seinem

Herrn Bescheid zu geben.

Die Herren, denen als die Spitzen der Gesellschaft

eigentlich Reichtum etwas Vertrautes sein müsste,

schauten sich mit einiger Verwunderung um. Was

dieser Saal an verschiedenfarbenem Marmor zeigte, das

war beinahe wie ein Reiseprospekt der Welt, mit der

man Handel trieb.

„Aus aller Herren Länder“, flüsterte Makarios dem

Herrn ins Ohr, der neben ihm saß. Und der wies

bewundernd auf die reichen Blattgoldverzierungen

hin, die überall zu sehen waren, und flüsterte, noch

eine Spur leiser: „Das stellt sogar noch die Pracht des

Tempels in den Schatten.“

Gardisten traten auf und verkündeten mit dem dreimaligen

Aufstampfen ihrer Lanzen auf den Marmorboden

den Auftritt des Hausherrn. Und dann kam er auch

schon hereingeschritten, erstaunlicherweise recht schlicht

gewandet, schon fast zu schlicht – so als wäre er gerade

aus dem Bett gekommen: König Herodes.

Die Herren der Delegation waren aus ihren Sesseln

aufgestanden und hatten sich mit vor dem Leib gekreuzten

Armen demutsvoll verbeugt, so tief, als wollten

sie mit der Stirn den Boden berühren. Man konnte

den Eindruck haben, dass sie diesen letzten Rest der

Ehrerbietung nur wegließen, weil das Rückgrat nicht

mitmachte. Waren sie doch sämtlich schon in einem

Alter, wo man mehr durch Würde und Reichtum als

durch Beweglichkeit zu glänzen pflegt.

Der König hatte jetzt auf seinem Thronsessel Platz

genommen. Mit einem Wink lud er die Herren ein,

sich aus ihrer gekrümmten Erstarrung zu lösen und

sich auf ihre Plätze zu setzen. Die Herren hatten den

gnädigen Wink nur mühsam schielend wahrnehmen

können. Sie waren froh, sich nun im Sitzen von dieser

Anstrengung der Begrüßung erholen zu können. Dazu

ließ der König ihnen aber nicht allzu lange Zeit. Denn

seine Frage kam schon nach einem schnellen schweifenden

Blick über die Gesichter der Männer: „Kurz und

ohne alles Drumherumgerede! Was gibt es Wichtiges

zu melden?“

Da stand der Anführer der Delegation auf und

richtete das Wort an seinen König: „Erhabener Herrscher,

die Herren vom Olympischen Komitee von

Judäa, das Ihr hier in geziemender Demut vor Euch

versammelt seht, geben sich die Ehre, Euch zu fragen,

ob Ihr geneigt wäret, die Präsidentschaft über das

Olympische Komitee von Judäa zu übernehmen, um so

dafür Sorge zu tragen, dass die nächsten Olympischen

Spiele in einer Art stattfinden, die Euch und Eurem

Land Ruhm und Ehre einbringt.“

„Man wird sehen“, sagte der König, stand auf und

schlurfte hinaus.

Womit die Herren vom Olympischen Komitee entlassen

waren. Wortlos gingen sie, durch eine Palasttür

nach der anderen hinaus in die Stadt, in ihre Stadt

Jerusalem, in deren belebten Straßen sie sich offensichtlich

wohler fühlten. Denn erst jetzt taten sie den

Mund wieder auf.

„Was ist da noch lange zu überlegen“, meinte einer

der Herren zu Makarios, „schließlich handelt es sich

doch um eine hohe Ehre.“

„Und um eine Ehre, die keinerlei Arbeit mit sich

bringt. Die Last mit der Organisation der Spiele haben

ja wir“, meinte ein anderer.

Schon überschlugen sich die Stimmen: „Das war ja

auch zu dick aufgetragen. Euch und Eurem Land sollte

das Ruhm und Ehre einbringen. So ein Quatsch!“

„Ja, als ob Herodes nicht genau wüsste, dass wir das

Land, in dem wir leben, als unser Land betrachten und

nicht als sein Land.“

„Das musste sein. Ihr wisst, wie unser König ist.

Immer sehr misstrauisch“, versuchte Makarios abzuwiegeln.

„Was heißt hier überhaupt unser König?“, zischte

einer der Herren durch die Zähne. Er verließ sich

offenbar darauf, dass man seine Bemerkung nicht verstehen

könnte, waren sie doch inzwischen in den Lärm

der geschäftigen Altstadt eingehüllt.

„Aber, aber, Ruhe doch!“, beschwor Makarios seine

Mitstreiter. „Ihr wisst es so gut wie ich: Herodes ist der

König der Juden.“

„König der Juden, König der Juden, dass ich nicht

lache. Der hohe Herr ist nicht einmal einer von uns.

Er ist kein Jude, sondern ein Edomiter, wie Ihr wisst“,

kam es prompt von Jonas, dem jüngsten der würdigen

Herren, der aber auch schon kein junger Mann mehr

war. Die Herren vom Komitee hatten eigentlich sämtlich

schon lange die Zeit der jugendlichen Aufmüpfigkeit

hinter sich gelassen. Trotzdem jetzt dieser hassverzerrte

Blick, dieses beifällige Kopfnicken. Was Jonas zu der

grundsätzlichen Äußerung verleitete: „Wir sind Juden,

und er ist kein Jude, das ist der Unterschied, der die

Welt aufteilt, in Menschen und andere. Und dass wir

vor ihm Bücklinge machen müssen, statt er vor uns, das

zeigt, die Welt steht Kopf.“

„Ja, das stimmt, Jonas. Und doch kann man das so

nicht sagen. Unser König kommt zwar von der entfernten

Verwandtschaft, aus Aschkalon, tief unten an der

Mittelmeerküste, doch er praktiziert unseren Glauben,

und deshalb ist er doch einer von uns“, verteidigte

Makarios seinen obersten Herrn.

„Ha ha, er praktiziert. Daneben aber betet er den

römischen Kaiser als seinen Gott an.“

„Ja, wie das Gesetz es befiehlt. Rom ist unsere Schutzmacht.

Dagegen kann der König sich nicht auflehnen.

Das muss man ihm zugute halten.“

„Quatsch Schutzmacht – Besatzungsmacht“, warf

einer der Herren dazwischen.

Doch Makarios ließ sich nicht auf diesen Tonfall

ein. „Immerhin müssen wir anerkennen“, sagte er,

„dass König Herodes uns nicht bei der Ausübung unseres

Glaubens stört, er lässt uns unsere Institutionen. Er

hat uns sogar den Tempel des Salomo, der Jahrhunderte

zerstört war, wiederaufgebaut, und zwar schöner als je

zuvor. Und ist nicht eine seiner Frauen sogar eine von

uns, die Mariamne? Und das ist die Frau, die er besonders

heiß liebt.“

„Der Tempel ist nur der dicke Verband, den er uns

über die Augen gelegt hat, und Mariamne, die Makkabäertochter,

hat er doch nur geheiratet, um seine

Herrschaft zu legitimieren. Damit drängt er sich in die

Reihe unserer Könige, in die er nicht gehört.“

„Aber nicht doch, nicht doch. Seid ruhig, meine

Freunde, wir können die Verhältnisse nicht ändern.

Und schon gar nicht durch eine Diskussion auf

der Straße. Ihr wisst, dass unser König von Kaiser

Oktavianus höchstpersönlich neu eingesetzt worden

ist, als er zu ihm nach Rhodos gereist war, wo der sich

gerade aufhielt, und ihm die Krone unseres Landes

demütig zu Füßen gelegt hatte.“

„Ja, unser kleiner Provinzkönig hat es verstanden,

sich in dem Gerangel zwischen Antonius und Oktavian

Augustus um die Macht in Rom und um das Bett der

Kleopatra lange genug neutral zu verhalten.

Dann, als Oktavian Augustus in der entscheidenden

Schlacht bei Actium den Sieg errungen und das

unglückliche Liebespaar Antonius und Kleopatra den

Tod gefunden hatte, schlug er sich demonstrativ auf

die Seite des Siegers. Wie üblich bei solchen Leuten.

Er nahm unser prächtigstes Schiff und segelte zur Insel

Rhodos. In einer feierlichen Zeremonie legte er dem

neuen Machthaber die Königskrone zu Füßen, mit

tausend Treueschwüren dazu. Ich sage euch, wenn man

nur durch so plumpe Schmeichelei eine Königskrone

aufgesetzt kriegt, dann werde ich nie König“, schüttelte

sich der jüngste der Herren, den Makarios mit Jonas

angesprochen hatte.

Er hatte das etwas lauter sagen müssen, weil er von

Makarios getrennt worden war. Im Gedränge hatte ein

Fischverkäufer seinen stinkenden Karren zwischen sie

geschoben und immer mal wieder seine Ware ausgerufen.

Nach Jonas‘ Bemerkung über plumpe Schmeichelei

hatte der Mann seinen Karren einfach stehengelassen

und sich sehr eilig in eine Nebengasse verdrückt.

„Was war das jetzt?“ erschrak Makarios. Ihm

schwante, dass sich sein Olympisches Komitee nach

diesem etwas zu offenen Gespräch in der Öffentlichkeit

verkleinern könnte. Deshalb sagte er schnell: „Ich halte

es für besser, wenn jetzt jeder seiner Wege geht. Guten

Abend, meine Herren!“ Damit verschwand er ebenfalls

in einer Nebengasse.

Reichlich spät hatten die Herren sich daran erinnert,

dass solche aufmüpfigen Reden nicht auf der

Straße gehalten werden sollten. Dafür war das Leben

in Jerusalem viel zu gefährlich. Im Grunde genommen

hatten sie ja recht mit ihren kritischen Bemerkungen.

Aber was nützt das Rechthaben, wenn andere die

Macht haben? Zugegeben, es herrschte gerade einmal

Ruhe und Ordnung im Land am Jordan.

Schon seit ein paar Jahrzehnten war Schluss mit dem

ewigen Kämpfen und Sichabschlachten. Zuletzt hatten

die aufständischen Makkabäer unter schrecklichen

Blutopfern Judäa von der syrischen Zwangsherrschaft

befreit. Worauf sie sich viel einbildeten, obwohl es

nicht viel genutzt hatte. Die Makkabäer kann man

getrost vergessen. Denn prompt hatte Rom, der Herr

der damaligen Welt, seine schwere Hand auf das Land

gelegt und ihm einen neuen König verpasst. Sein Name

war Herodes.

Herodes war ein Herrscher, so klug wie schrecklich.

Die Juden hatten ihn als ihren König zu respektieren.

Und sie konnten – bei einigem guten Willen – sogar

Positives an ihm entdecken. Aber wie jeder Herrscher

lebte auch Herodes in der ständigen Furcht, dass

jemand ihm seine Herrschaft streitig machen könnte.

Kann man doch als Staatsführer noch so oft betonen,

dass man alles nur für sein Volk tut, und kann das

Gesicht in noch so tiefe Sorgenfalten legen, weil die

Verantwortung einen verzehrt, immer gibt es Leute, die

einem diese schwere Last nur allzu gern abnehmen wol-

len, um sie sich selbst aufzubürden. Ein Gedanke, der

König Herodes bei Tag und bei Nacht nicht zur Ruhe

kommen ließ. Immer und überall glaubte er Verrat und

Arglist zu entdecken.

Immer wieder wurden ihm irgendwelche kleinen

Geschehnisse gemeldet, die ihn ein Geschrei machen

ließen, dass es schaurig von den Wänden des prächtigen

Palastes widerhallte: „Was? Wer? Wie? Wo?“ Die

Frage nach dem Wann ließ er weg. Weil alltäglich. Und

die nach dem Warum war keine Frage. Einfach jeder

war verdächtig, egal wie nahe er oder sie ihm stand

und wie hingebungsvoll sie oder er ihm diente. Nur

folgerichtig, dass Herodes nach und nach seine sämtlichen

Vertrauten und Freunde umbringen ließ, auch

seine höchsten Würdenträger und sogar die nächsten

Verwandten. Niemand schien ihm vertrauenswürdig

genug. Es könnte ja jeder hinter dem nächsten Umsturzversuch

stehen, der im Dunkel der Nacht schon

vorbereitet wird.

***

 

Betreff: Herodes der Argwöhnische

Von: dipflbauer.ac.agentur@web.com

Datum: 23.10.2006 13.01

An: walter.laufenberg@web.de

 

Sehr geehrter Herr Dr. Laufenberg,

 

dieser Herodes ist doch für jeden halbwegs bibelkun-

digen Menschen ein fester Begriff. Wozu also noch

diese langen Ausführungen über den Mann? Zumal er

auch noch ein ausgesprochener Fiesling war.

 

Gruß

Dr. Dipflbauer

 

***

Betreff: König Fiesling

Von: walter.laufenberg@web.de

Datum: 25.10.2006 17.03

An: dipflbauer.ac.agentur@web.com

 

Sehr geehrte Frau Dr. Dipflbauer,

 

wer verstehen will, was zur Zeit Jesu und mit diesem

geschah – und warum, der kommt nicht darum

herum, sich die Figur Herodes genauer anzusehen.

Das war nämlich eine Marionette, die plötzlich

lebendig wurde. Die Römer hatten es nicht gewagt,

das eroberte Gebiet Palästina, das sie Judäa nannten,

ihrem Imperium voll einzuverleiben. Dafür waren

ihnen die Juden ein zu aufsässiger Volksstamm. Beim

besten Willen nicht zu domestizieren, weil nicht zu

verstehen in ihrem Eigensinn und ihrer unerschütterlichen

Rechthaberei. Deshalb hatten die Römer

ihnen einen halbwegs selbständigen Status verliehen.

Mit einem eigenen König von Roms Gnaden, eben

diesem Herodes. Der war ein Mann mit Heißhunger

nach Macht und mit der nötigen Brutalität wie

Unterwürfigkeit an der richtigen Stelle. Herodes

gelang es, aus der Stellung eines Quasi-Oberkellners,

also aus dieser Zwitterstellung zwischen den Gästen

unterschiedlichster Art und dem Restaurantbesitzer,

ein Maximum an persönlicher Macht herauszuholen.

Dabei hatte er jedoch einen Fehler gemacht: Um

seine Herrschaft historisch zu legitimieren, hatte er

die Makkabäertochter Mariamne geheiratet. Und

das nicht nur formal. Er liebte diese zweite von seinen

zehn rechtmäßigen Ehefrauen mehr als jede

andere. Liebe ist ja sehr schön, aber sie macht auch

abhängig. In diesem Fall war das gefährlich. Denn

hinter Mariamne stand deren Mutter Alexandra, die

Vertreterin des erst kürzlich abgesetzten jüdischen

Königsgeschlechts. Die war natürlich die verbissenste

Feindin des von den Römern eingesetzten Königs.

Verständlich. Hatten die Römer doch den letzten

König aus dem Geschlecht der Makkabäer, Antigonus,

einfach gefangengenommen und mit dem Beil enthauptet.

Diese Erbfeindschaft verstand Alexandra auch

ihrer Tochter einzupflanzen. Im Ehebett des Herodes

traf also echte Liebe auf echten Hass. Was wohl nicht

gestört hat, führt doch beides zu temperamentvollem

Einsatz. Im Übrigen war das auch ein Spiegelbild der

Gefühle und Meinungen in der Bevölkerung. Darüber

mehr in der Anlage.