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	<title>Das Laufenberg Netzine</title>
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	<description>Ein Internet-Magazin für Zeitgenossen, die sich Fragen stellen</description>
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		<title></title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 17:18:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

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		<description><![CDATA[Passiertes! Passierte es?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>Passiertes! Passierte es?</strong></p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.netzine.de%2Fpassiertes-passierte-es%2F&amp;title=" id="wpa2a_2"><img src="/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>623. Ausgabe</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 14:09:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laufenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

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		<description><![CDATA[In den USA hat man keinen Platz mehr in den Haftanstalten. Deshalb fängt man allmählich an, darüber nachzudenken, dass Häftlinge für den Steuerzahler viel zu teuer sind. Dreißig Jahr lang brachten die Richter in den USA immer mehr Menschen ins Gefängnis. Waren es 1980 von 100.000 Amerikanern noch 139, die &#8230; <a href="/623-ausgabe/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In den USA hat man keinen Platz mehr in den Haftanstalten. </strong>Deshalb fängt man allmählich an, darüber nachzudenken, dass Häftlinge für den Steuerzahler viel zu teuer sind. Dreißig Jahr lang brachten die Richter in den USA immer mehr Menschen ins Gefängnis. Waren es 1980 von 100.000 Amerikanern noch 139, die einsaßen, waren es im Jahr 2010 schon 750. Ein großartiger Rekord. In Deutschland können wir nur mit 87 von 100.000 hinter Gittern mithalten. Also laufen bei uns mehr Verbrecher frei herum als jenseits des Atlantiks. Endlich habe ich einen guten Grund gefunden für die Auswanderung in die USA.</p>
<p><strong>Dem amerikanischen Autoriesen General Motors geht es wieder richtig gut,</strong> nur die deutsche Tochter Opel vermasselt das Ergebnis. Dabei wäre unseren Opelwerken so leicht zu helfen. Die amerikanische Mutter brauchte ihnen nur zu erlauben, ihre Autos General Motors zu nennen statt Opel. So geil, wie die Deutschen auf alles sind, was englisch benamst ist, wäre der Verkaufserfolg garantiert.</p>
<p><strong>Griechenland, die vielgerühmte und beweihräucherte Wiege der Demokratie, </strong>führt uns jetzt vor, wie man dieses Regierungsprinzip kaputt kriegt: Politiker an die Spitze bringen, die perfekt sind im Betrügen und Schuldenmachen und Geldverstecken sowie Wegducken, wenn es um Verantwortung geht. Fazit: Wir sollten Griechisch lernen! Aber bitte Altgriechisch und nicht Neugriechisch.</p>
<p><strong>Bei der aktuellen Diskussion über den Erhalt des Urheberrechtsschutzes</strong> wird zu wenig bedacht, wer diesen Schutz tatsächlich genießt. Bei Büchern verrät der Schlüssel, nach dem der Netto-Ladenpreis (also der Verkaufspreis ohne MWSt) des Buches verteilt wird, schon alles: 35-55 % bekommt der Buchhändler, ebenso 35-55 % der Verleger, die restlichen 10 % der Autor, der das Buch ja bloß geschrieben hat. Davon muss der eine wie der andere und auch der Autor seine Betriebskosten decken und leben. Damit ist klar, dass es nicht nur um den Erhalt des Urheberrechtsschutzes gehen kann, sondern um den Schutz des Urhebers gehen muss.</p>
<p><strong>Die deutsche Psychotherapeutenkammer meldet, </strong>uns fehlten viertausend Psychotherapiepraxen. Dazu sagt manch einer: Nur gut so. Ich sage: Wieder ein Beweis dafür, dass die amerikanischen Verhältnisse stets mit einigen Jahren Verspätung bei uns Einzug halten.</p>
<p><strong>In Berlin fährt man als Tourist besonders gern mit den doppelstöckigen Bussen Nr. 100 und 200.</strong> Und selbstverständlich klettert man dann nach oben, um die Aussicht zu genießen. Manche Fahrer sind auch so begeistert von ihrer Stadt, dass sie über Mikrofon Hinweise geben, was rechts und links zu sehen ist. Dabei konnte ich nicht viel sehen, weil die Scheiben weitgehend zugeklebt waren mit Reklame für das Zweite Deutsche Fernsehen. Danke &#8211; verstanden: Das indirekte Erlebnis ist wichtiger als das direkte.</p>
<p><strong>Tagtäglich fallen mir offiziell wirkende schriftliche Hinweise auf,</strong> die von Leuten angebracht wurden, die kaum Deutsch konnten. Ob es das Schild ist, das den Weg „Nach dem Bahnhof“ weist statt „Zum Bahnhof“, oder ob es die „Konrad Adenauer-Straße“ ist statt der „Konrad-Adenauer-Straße“, das Schild am Lift, das befiehlt „Aufzug im Brandfalle nicht benutzen!“ statt „Aufzug bei Brand nicht benutzen!“, oder der Hinweis „Notrufsender in keinem Fall ortsverändern“ statt „Notrufsender nicht entfernen!“ oder die Meldung des Geldautomaten: „Ihr Auftrag wird bearbeitet“ statt „Ihr Auftrag wird ausgeführt“ oder auf dem Umschlag für Postlagerndes: „Hier Ihre Briefsendungen“ statt „Hier die empfangenen Briefe“. Das heißt, dass man für Leute, die in der öffentlichen Verwaltung oder als Grafiker arbeiten wollen, spezielle Deutschkurse anbieten müsste.</p>
<p><strong>Mobilität versus Immobilität:</strong> Mit unserem Mobilitätsgerede machen wir uns nur was vor. Wollen wir doch bei aller Ortsveränderung so bequem wie im heimischen Fernsehsessel sitzen. Ganz anders unsere Vorfahren. Die haben viele Stunden lange Fußmärsche gemacht, Tag für Tag, um zur Schule oder zur Arbeitsstelle zu kommen. Diese Leute waren noch immobil, das heißt, sie wohnten, wo sie geboren waren.</p>
<p><strong>Die Sprache beschnüffeln.</strong> Unsere Sprache ist über und über gespickt mit Klischees, die im journalistischen Text belebend wirken und das Verständnis erleichtern, weil sie uns Bekanntes bieten. Beispielsweise die läufige Hündin, die ein gängiges Bild ist für eine sexbesessen umtriebige Frau. Der ernsthafte Schriftsteller dagegen darf Klischees nicht mit leichter Hand in seinen Text einstreuen. Er muss jedes Klischee so intensiv beschnüffeln, bis er es als falsch erkennt. Ist die Hündin, die heiß ist, in Wahrheit doch nicht läufig. Sie lässt laufen, nämlich die Rüden, die ihren Duft empfangen haben. Die lässt sie kilometerweit zu ihr hin laufen.</p>
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		<title>622. Ausgabe</title>
		<link>http://www.netzine.de/622-ausgabe/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 May 2012 14:17:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laufenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein afrikanischer Gewaltherrscher, Charles Taylor, der ehemalige Präsident von Liberia, ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit – richtiger muss es heißen: gegen die Menschheit – vom Internationalen Gerichtshof  in Den Haag verurteilt worden. Ein weiterer Gewaltmensch, der ehemalige Präsident der Elfenbeinküste Laurent Gbagbo, sitzt ebenfalls in Den Haag ein und &#8230; <a href="/622-ausgabe/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein afrikanischer Gewaltherrscher</strong>, Charles Taylor, der ehemalige Präsident von Liberia, ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit – richtiger muss es heißen: gegen die Menschheit – vom Internationalen Gerichtshof  in Den Haag verurteilt worden. Ein weiterer Gewaltmensch, der ehemalige Präsident der Elfenbeinküste Laurent Gbagbo, sitzt ebenfalls in Den Haag ein und wartet auf seinen Prozess. Das lässt hoffen. Immerhin ist der Internationale Gerichtshof von den Vereinten Nationen gegründet worden, und inzwischen gibt es weltweit fast ein Dutzend ähnlicher international besetzter Gerichte, die sich um die Massenmörder im Amt kümmern. Dennoch liegt die Gefahr für Staatsführer, verurteilt und eingesperrt zu werden, immer noch weit unter 0,1 Prozent.</p>
<p><strong>Island hat es uns vorgemacht.</strong> Das kleine Land im Abseits des Nordatlantiks hat es als erstes gewagt, einen früheren Spitzenpolitiker wegen seiner Rolle in der Finanzkrise vor Gericht zu stellen. Doch hat es nicht zu einer Bestrafung geführt. Dass der Mann, Geir Harde heißt der ehemalige isländische Ministerpräsident, jetzt freigesprochen wurde, hängt sicher auch mit der Komplexität der Finanzwissenschaft zusammen, in der seine Richter nicht ausgebildet wurden. Also müssen wir uns jetzt nicht gefordert fühlen, dem mutigen Beispiel Islands zu folgen und Politiker wegen ihres Versagens in der Krise anzuklagen. Denn bei uns ist die Juristenausbildung ebenfalls so schmalspurig angelegt, dass sie unsere Richter in Wirtschaftsfragen ahnungslos dastehen lässt.</p>
<p><strong>Immer wieder ärgert mich das dumme Geschreibsel in der Presse </strong>über den Ein-Parteien-Staat China. Dabei gibt es keinen Ein-Parteien-Staat, und den kann es auch nicht geben, weil es niemals nur eine Partei gibt, denn Partei heißt Teil. Wo aber eine Organisation nicht eine von mehreren ähnlichen Organisationen ist, sondern die einzige, ist sie die Macht und nicht ein Teil der Macht.</p>
<p><strong>Der Fußball und die Olympischen Spiele werden uns wieder Tag für Tag</strong> auf die völlige Unkenntnis über Flagge und Fahne stoßen lassen. Der Mann, den man gern als den neuen Sprachpapst bezeichnet, Bastian Sick, hat kürzlich geschrieben, Flagge und Fahne seien gleichbedeutend. Das ist Unsinn. Er hätte einmal ins Flaggengesetz schauen sollen. Dort ist der Unterschied festgeschrieben: Nur Gebietskörperschaften, also Länder und Städte, haben Flaggen. Bei der Flagge hat das einzelne Stück Stoff keinen besonderen Wert außer dem, dass es ein Hoheitszeichen ist und seine Vernichtung deshalb als Hoheitsdelikt strafbar ist, wobei die Empfindlichkeit der Staaten sehr unterschiedlich ist. Im Übrigen kann es in beliebiger Menge ersetzt werden, auch aus Papier für die angeblich Fähnchen schwenkenden Kinder beim Staatsbesuch, die in Wahrheit Fläggchen schwenken, nur dass dieser Ausdruck ungebräuchlich ist. Jedes Tuch oder Papier mit den Farben einer Gebietskörperschaft ist eine Flagge. Dagegen ist eine Fahne kein Hoheitszeichen, sondern bloß das Zeichen einer beliebigen Vereinigung, von  der Pfadfindergruppe über den Liederkranz und Schützenverein bis zum Regiment. Die Fahne ist stets ein Einzelstück und hat ihren besonderen Wert in dem Stück Stoff und seiner jeweiligen besonderen Gestaltung. Wer eine Fahne zerstört, macht sich bloß wegen Sachbeschädigung strafbar und ist nach Zivilrecht schadensersatzpflichtig. Dass es in der Umgangssprache auch die Alkoholfahne gibt und das Flaggenalphabet der Seefahrer, ist einfach Tradition, missverständlich, aber so belanglos wie der Umstand, dass Angelsachsen oder Schweizer den Unterschied zwischen Fahne und Flagge nicht kennen. Ist doch der Vorteil der deutschen Sprache neben ihrem Formenreichtum ihre größere Differenzierungsmöglichkeit, weshalb sie bis vor hundert Jahren mit Recht noch die internationale Wissenschaftssprache war.</p>
<p><strong>Jetzt ist es mit Zahlen belegt, dass wir Deutschen in ein neues Biedermeier abrutschen.</strong> Erstmals hat die Zeitschrift „Landlust“, die uns sagt, wie mit Kübelpflanzen, Kräutertee und Milchschafen umzugehen ist, die Millionenauflage erreicht, während gleichzeitig „Der Spiegel“ deutlich unter die Millionenauflage zurückgefallen ist. Man darf gespannt darauf sein, welches Verlagshaus demnächst die alle selig machende Zeitschrift „Gartenlaube“ zu neuem Leben erweckt.</p>
<p><strong>Aus der Zeitung erfahre ich,</strong> dass Aldi-Mitarbeiter heimlich Filmaufnahmen gemacht haben von jungen Frauen in besonders kurzen Röcken oder mit tiefen Dekolletés, wenn sie sich über Kühltheken beugten. Die Firmenleitung ist empört. Vermutlich also schöne Bilder. Dabei wird leider nicht mitgeteilt wird, ob die Frauen aus Armut zu wenig Stoff trugen, um ihre Blößen zu bedecken, oder ob sie zeigen wollten, was sie zu bieten haben.</p>
<p><strong>Als ob die Digitalfotografie etwas Neues wäre,</strong> weil sie mit Fingern zu tun hat. Das wirklich Neue an ihr ist doch, dass nur noch ohne jeden Gedanken an Kosten drauflos geknipst wird. Weil man keine Filme mehr zu kaufen braucht und keine Blitzbirnchen dabei draufgehen. Also heißt digital: Fingerfertig statt mit Verstand.</p>
<p><strong>Manchmal packt mich das Mitleid mit den angeleinten Hunden.</strong> Dann muss ich mich schnell zur Ordnung rufen: Denk ja nicht, der Hund fände es herabsetzend, immer an der Leine laufen zu müssen. Viel zu gern führt der Hund dieses große Wesen Mann oder Frau an der Leine.</p>
<p><strong>Und in eigener Sache:</strong> Mein neues Buch „Die Berechnung des Glücks“ hat der Frankfurter Allgemeinen Zeitung so gut gefallen, dass sie den Buchtitel gleich als Überschrift für einen eigenen ganzseitigen Artikel genommen hat.</p>
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		<title>Kentaur</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Apr 2012 07:49:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laufenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[J-R]]></category>
		<category><![CDATA[K]]></category>
		<category><![CDATA[Lästerlexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Kentaur]]></category>
		<category><![CDATA[Mythologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine mythische Figur, die seit dem 8. Jahrhundert v.u.Z. auf griechischen Vasen dargestellt wurde. Eine Kombination aus Mann und Pferdehinterteil, zuerst mehr Mann, später dann mehr Pferd, weil vom Mann nur noch der Oberkörper mit Kopf und Armen blieb. So oder so die Verkörperung der Überlegenheit an Kraft und Schnelligkeit &#8230; <a href="/kentaur/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine mythische Figur, die seit dem 8. Jahrhundert v.u.Z. auf griechischen Vasen dargestellt wurde. Eine Kombination aus Mann und Pferdehinterteil, zuerst mehr Mann, später dann mehr Pferd, weil vom Mann nur noch der Oberkörper mit Kopf und Armen blieb. So oder so die Verkörperung der Überlegenheit an Kraft und Schnelligkeit und auch sexueller Begier durch das Zusammenwirken von Mann und Pferd. Die Mythologie schien schreckliche Wirklichkeit geworden, als die Spanier hoch zu Ross die Völker Mittelamerikas, die keine Reiter kannten, überfielen, ausraubten und ausrotteten. Wie im Laufe des 20. Jahrhunderts das Pferd durch das Auto verdrängt wurde, so wurde der K. aus Mann und Pferd abgelöst durch den neuen K. aus Mann und Auto, bei dem vom Mann nur noch Wampe, Fettarsch und Bleifuß blieben (vgl. <a title="Auto" href="/auto/">Auto</a>, Mythologie).</p>
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		<title>Buchbesprechungen</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Apr 2012 15:22:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier stehen nur die letzten Buch-Rezensionen. Wer eine der früheren Besprechungen haben möchte, kann mir eine E-mail schicken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier stehen nur die letzten Buch-Rezensionen.<br />
Wer eine der <a title="früheren Besprechungen" href="/?page_id=1223">früheren Besprechungen</a> haben möchte, kann mir eine E-mail schicken.</p>
<hr />
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.netzine.de%2Fbuchbesprechungen%2F&amp;title=%3Ch1%3EBuchbesprechungen%3C%2Fh1%3E" id="wpa2a_10"><img src="/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Hans Joachim Schädlich: &#8220;Sire, ich eile&#8230;&#8221;</title>
		<link>http://www.netzine.de/hans-joachim-schadlich-sire-ich-eile/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 Apr 2012 12:17:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laufenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>

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		<description><![CDATA[  Jonglieren mit drei Bällen (Hans Joachim Schädlich: „Sire, ich eile &#8230;“ Voltaire bei Friedrich II., Novelle, gebunden, 144 Seiten, Rowohlt Reinbek 2012, 16,95 EURO,  ISBN 9783498064167) Erster Eindruck: Ein Stück Erzählliteratur mit dem Charme eines kommunalen Melderegisters. Was ist da passiert? -  Ein moderner Autor hat sich auf die &#8230; <a href="/hans-joachim-schadlich-sire-ich-eile/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-1737"></span> </p>
<p><strong><span style="font-size: medium;">Jonglieren mit drei Bällen</span></strong></p>
<p>(Hans Joachim Schädlich: „Sire, ich eile &#8230;“ Voltaire bei Friedrich II., Novelle, gebunden, 144 Seiten, Rowohlt Reinbek 2012, 16,95 EURO,  ISBN 9783498064167)</p>
<p>Erster Eindruck: Ein Stück Erzählliteratur mit dem Charme eines kommunalen Melderegisters. Was ist da passiert? -  Ein moderner Autor hat sich auf die Suche gemacht nach einer neuen, einer modernen Erzählform. Offenbar frustriert von dem Geschreibsel der Bestsellerautoren, das gebunden und in Taschenbuchform als Stapelware in den Buchhandlungen liegt. Dieses belanglose Lesefutter, bei dem auch noch das Kragenhochstellen der fünfundzwanzigsten Nebenfigur ausführlich geschildert ist und das Geschwätz der Leute eins zu eins wiedergegeben wird. Auf dass ein Buchklotz von wenigstens 700 Seiten zustande komme, quasi der papierene Goldbarren der Buchbranche. Nie war Gold weniger werthaltig.</p>
<p>Doch was wie ein Muss aussieht, ist auf dem Buchmarkt zum Glück noch nicht alleinherrschend. Schon haben sich Autoren, in verschiedene Richtungen eilend, von diesem Spuk freigestrampelt. Der eine vermeidet fast jede wörtliche Rede, der andere versucht sich in bemüht altertümlicher Ausdrucksweise, wieder ein anderer wiederholt sich selbst in schier endlos erscheinenden Variationen des gerade Gesagten. Hier schreibt einer alles im Konjunktiv, dort nur noch in Frageform. Der Autor Schädlich macht in totaler  Reduktion. All das ist Experimentalliteratur, entsprechend mühsam zu goutieren. Und doch anerkennenswert und durchaus auch lesbar. In einer Zeit, in der die Sprache Tag für Tag durch Presse und Politiker ruiniert wird, suchen ernsthafte Autoren jenseits des Gewöhnlichen nach neuen Erzählformen. Wohl wissend, dass sie damit einem der ältesten Bedürfnisse der Menschheit dienen, nämlich dem, sich etwas erzählen zu lassen. Schon die Geschichtenerzähler an den Stadttoren Babylons machten sich ja nicht nur durch den Inhalt ihrer Geschichten Konkurrenz, sondern mit Sicherheit auch durch die besondere Geschicklichkeit, in der sie ihre Ware gegen kleine Münze servierten. Jeder darum bemüht, dass die Zuhörer die Stadt durch „sein“ Tor verlassen, weil sie dort beim Zuhören besonderen Genuss erwarten können.</p>
<p>Und wie steht es mit dem Genuss bei Schädlichs Novelle über Voltaire und den Preußenkönig? &#8211; Nach anfänglicher Irritation wegen der vielen Namen, die einem &#8211; wie auf losen Zetteln mit Kurzangaben notiert &#8211; entgegen flattern, nimmt eine Frau Gestalt an: Gabrielle-Émilie Le Tonnelier de  Breteuil, die sehr schnell durch Heirat zur Madame Émilie du Châtelet wird. Sie bekommt Kinder, die ihr nichts bedeuten, und wird Geliebte bedeutender Männer und bildet sich bei alledem intensiv weiter in modernen Wissenschaften wie Mathematik und Physik, weil ihr die Beschäftigung mit Philosophie und Fremdsprachen nicht genügt, nicht einmal das Übersetzen aus dem Lateinischen und Englischen oder der Briefwechsel mit Friedrich von Preußen. Der Autor Schädlich schildert mit offensichtlicher Sympathie eine Intellektuelle, die sich selbst als ein geistiges Wesen beschreibt. Émilie fordert, einen Missbrauch abzuschaffen, der die Hälfte der Menschheit zurücksetzt. „Wenn ich König wäre, … ich würde Frauen an allen Menschenrechten teilhaben lassen“, schreibt sie im Kommentar zu ihrer Übersetzung von Mandevilles „The Fable of  the Bees“.</p>
<p>Mit diesem Porträt der Émilie liefert Schädlich etwas, das über den programmatischen Titel seiner Novelle hinausgeht. Er zeichnet eine moderne, eine gebildete und selbstbewusste Frau. Und indem er seine Leser miterleben lässt, wie diese erstaunliche Frau Voltaires Geliebte und dann seine Lebenspartnerin wird, malt er auch schon am Bild dieses Philosophen. Der Mann, den Émilie bewundert, wird zum Zankapfel zwischen ihr und Friedrich von Preußen, der ihn ebenfalls bewundert. Sie will ihn so total besitzen, wie der Kronprinz und spätere König ihn besitzen will. Und Voltaire, der sich geschmeichelt fühlt von der Begeisterung des Preußen, registriert zwar die wechselseitige Abneigung der beiden Menschen, die an ihm zerren, folgt aber nicht der Skeptik und den Ratschlägen seiner Émilie, sondern lässt sich von Friedrich einfangen.</p>
<p>Damit zeichnet Schädlich, ohne auf die Inhalte der Voltaireschen Veröffentlichungen einzugehen ein Bild des berühmten Philosophen, das einer Demaskierung des Intellektuellen gleichkommt: Gutgläubig wie ein Schuljunge, dabei grenzenlos ehrpusselig und idealistisch. Was er selbst so rechtfertigt: „Ich habe so viele arme und verachtete Schriftsteller gesehen, dass ich schon vor langer Zeit beschlossen habe, ihre Zahl nicht auch noch zu erhöhen.“</p>
<p>Im selben Atemzug wird der König decouvriert. Hier ist der französische Ausdruck passend, da der Preußenkönig stolz darauf ist, nur Französisch zu sprechen und zu schreiben, weil er die deutschen Dialekte verachtet. Ein paar Zitate aus Briefen des Königs an seinen ehemaligen Kammerdiener in Rheinsberg, in denen er versucht hat, in Deutsch zu schreiben, sind ein grausiger Jux. Sie sind auch ein aktueller Kommentar zu dem Verrat der heutigen Politiker – besonders in Brüssel – an ihrer deutschen Muttersprache.</p>
<p>Dem glänzender Aufstieg Voltaires zum Lieblingsunterhalter des Herrschers folgt ein entsprechend jämmerlicher Fall, als der König genug hat von dem Geistesheros. Er wirft die Orange, die er ausgepresst hat, als leere Schale weg, wie er sich auszudrücken beliebt.</p>
<p>Das Doppelporträt des Philosophen und des Herrschers, angereichert mit der besonders ergreifenden Zugabe Émilie, entpuppt sich überm Lesen mehr und mehr als ein geglücktes Jonglieren mit drei Bällen, von denen einer immer in der Luft ist. Und dass die Bälle klein gehalten wurden, macht sie nicht nur besonders griffig, es lässt auch viel besser hinter das schöne Spiel schauen, dorthin, wo grundsätzliche Erkenntnisse des menschlichen Zusammenlebens aufscheinen. So wird aus Reduktion  Intensität. Was einem anfangs wie ein Melderegister vorkam, das wirkt schließlich wie eine gelungene Generalisierung: So nämlich sind sie, die Menschen, egal ob mächtig durch Soldaten oder durch überlegenen Geist oder durch das bessere weibliche Verständnis.</p>
<p> (Walter Laufenberg in: www.netzine.de)</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.netzine.de%2Fhans-joachim-schadlich-sire-ich-eile%2F&amp;title=Hans%20Joachim%20Sch%C3%A4dlich%3A%20%26%238220%3BSire%2C%20ich%20eile%26%238230%3B%26%238221%3B" id="wpa2a_12"><img src="/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Padgett Powell: Roman in Fragen</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Apr 2012 14:07:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laufenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>

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		<description><![CDATA[  Ist verrückt nicht bloß unüblich? (Padgett Powell: Roman in Fragen, übersetzt von Harry Rowohlt, Berlin-Verlag, Berlin 2012, 192 Seiten, gebunden, EURO 17,90, ISBN 978-3-8270-1052-0) Wenn ich als Titel dieser Rezension geschrieben hätte: Eine Masche ist eine Masche ist eine Masche, wäre Ihnen das lieber gewesen? Würden Sie mich für &#8230; <a href="/padgett-powell-roman-in-fragen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> <span id="more-1734"></span></p>
<p><strong>Ist verrückt nicht bloß unüblich?</strong></p>
<p>(Padgett Powell: Roman in Fragen, übersetzt von Harry Rowohlt, Berlin-Verlag, Berlin 2012, 192 Seiten, gebunden, EURO 17,90, ISBN 978-3-8270-1052-0)</p>
<p>Wenn ich als Titel dieser Rezension geschrieben hätte: Eine Masche ist eine Masche ist eine Masche, wäre Ihnen das lieber gewesen? Würden Sie mich für deppert halten, wenn ich Ihnen sagen würde: Ich habe dieses Buch trotzdem ganz gelesen? Würden Sie sich darauf versteifen, es könne solch ein Machwerk, das nur aus Fragen besteht, unmöglich ein Roman sein? Und wären Sie dann sehr zufrieden mit sich selbst, wenn Sie im Impressum den Originaltitel dieses amerikanischen Buches fänden, einen Titel, der selbst das Romansein in Frage stellt: „The Interrogative Mood. A Novel? Aber würden Sie wenigstens mit mir übereinstimmen in der Meinung, dass ein Buch, das der bekannte Übersetzer von besonderen literarischen Divertissementchen, nämlich Harry Rowohlt, aus dem amerikanischen Englisch übersetzt hat, kein völliger Unsinn sein kann? Muss man sich nicht auf einen bekannten Namen verlassen dürfen? Kann ich also auf Ihr Verständnis hoffen, wenn ich versuche, eine Rezension dieses sonderbaren Buches zu schreiben?</p>
<p>Sind Sie vielleicht sogar mit mir in der grundsätzlichen Erkenntnis einig, dass die  literarischen Formen keine gusseisernen sind, vielmehr allerlei Verformungen zulassen? Dazu muss ich wohl nicht noch auf den begnadeten Erzähler Günter Grass hinweisen, der gerade erst ein Nebenprodukt seiner Arbeit, ein politisches Pamphlet, das er an die Presse gegeben hat, als Gedicht bezeichnet hat, oder? Erinnern Sie sich noch an Raymond Queneau (1903-1976), der mit „Autobus 5“ eine Erzählung abgeliefert hat, die in 99 Varianten immer wieder dasselbe Geschehen schilderte? Kennen Sie vielleicht noch mehr solcher Beispiele von mutigen bis übermütigen Formausweitungen? Und was halten Sie von Arno Schmidt (1914-1979), der mit „Zettel&#8217;s Traum“ einen umfangreichen Roman vorgelegt hat, in dem er versuchte, das Typische des Erzählens, nämlich das Nacheinander, durch ein Nebeneinander zu überwinden? Sind Sie mit mir einig, dass ihm das nicht gelungen ist und auch nicht gelingen konnte, weil das Erzählen nun einmal ein Fortschreiten Schrittchen für Schrittchen ist? Oder haben Sie in das Schmidtsche Monsterbuch überhaupt nicht reingeschaut, weil schon der falsche Genitiv im Titel abschreckend genug war? Aber dass der Amerikaner Powell ebenfalls mit einem wohl gefüllten Zettelkasten gearbeitet haben muss, also auch einer von diesen manischen Sammlertypen ist, darin wir wir uns wohl einig, oder etwa nicht?</p>
<p>Können Sie sich noch zurückversetzen in Ihre Kindheit, als Ihnen so gut wie alles fraglich war? Oder ist Ihnen die Erinnerung an Ihre spätere Lernphase lieber, in der es hieß: Die Frage ist der Schlüssel zum Wissen? Haben Sie sich das jetzt noch einmal klargemacht, so dass ich davon ausgehen darf, dass Ihnen die Frageform nicht generell fragwürdig ist? Darf ich also einsteigen in die Betrachtung dieses Buches von Padgett Powell, weil ich weiß, Sie haben den Sicherheitsgurt festgezurrt? Sehen Sie mich, wie ich unter der Fragendusche des Autors stehe und es geduldig ertrage, von sämtlichen Aspekten des American Way of Life vollgeklatscht zu werden? Sehen Sie, dass ich mich anschließend schütteln muss wie ein aus dem Bach geretteter Hund, um sie loszuwerden, all die Belanglosigkeiten des alltäglichen Lebens, auch all die Namen von Pseudohelden, all die Einzelheiten aus abgelegenen Wissensgebieten und erst recht auch die immer mal wieder aufkommenden letzten Fragen, von denen wir so gern verschont würden?</p>
<p>Dann kann ich Sie jetzt ohne Umschweife fragen: Spricht eigentlich irgendwas dagegen, wenn ich behaupte, man könne auch mit Fragesätzen Aussagen machen und sogar handfeste Informationen weitergeben, Gefühle auslösen ebenfalls und etwas erzählen, Spannung aufbauen oder sein Gegenüber in eine besondere Stimmung versetzen, jemanden zur klaren Stellungnahme herausfordern, zur ehrlichen Selbsterforschung und eventuell auch zu einem stillen Geständnis der Unkenntnis oder sogar der Schuld, zumindest aber zum Weiterdenken? Sie haben nichts gefunden, was grundsätzlich gegen die Fragerei spricht, weil all das als Kommunikationserfolg möglich ist? Ja, was können wir noch mehr von einem Roman verlangen? &#8211; Also denn: Viel Geduld und viel Spaß bei der Fragenlektüre!</p>
<p>(Walter Laufenberg in: www.netzine.de)</p>
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		<title>Hoffnungsträger</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Mar 2012 08:47:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laufenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[A-I]]></category>
		<category><![CDATA[H]]></category>
		<category><![CDATA[Lästerlexikon]]></category>

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		<description><![CDATA[Schön und gut, doch aus den meisten jungen Männern werden Rentner mit krampfadrigen Sitzbeinen und Fußballverstand, bei den Frauen gibt es unten und oben anderes zu diagnostizieren, aber nichts Besseres (vgl. Massenmedien).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schön und gut, doch aus den meisten jungen Männern werden Rentner mit krampfadrigen Sitzbeinen und Fußballverstand, bei den Frauen gibt es unten und oben anderes zu diagnostizieren, aber nichts Besseres (vgl. <a title="Massenmedien" href="/massenmedien/">Massenmedien</a>).</p>
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		<title>Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Mar 2012 13:14:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laufenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchbesprechungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Literatur als Likör (Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Roman, aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, Verlag Carl’s Books, München 2011, 416 Seiten, Pappband 14,99 Euro, Originalausgabe bei Piratförlaget, Stockholm 2009) Schade, dass das Buch zu spät geschrieben wurde für eine Verfilmung mit Walter Matthau &#8230; <a href="/jonas-jonasson-der-hundertjahrige-der-aus-dem-fenster-stieg-und-verschwand/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span id="more-1726"></span></p>
<p><strong>Literatur als Likör</strong></p>
<p>(Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Roman, aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn, Verlag Carl’s Books, München 2011, 416 Seiten, Pappband 14,99 Euro, Originalausgabe bei Piratförlaget, Stockholm 2009)</p>
<p>Schade, dass das Buch zu spät geschrieben wurde für eine Verfilmung mit Walter Matthau in der Hauptrolle. Ihn sieht man unwillkürlich als den Hundertjährigen vor sich, als diesen schon leicht verdaddelten, aber immer noch pfiffigen und so herrlich schnodderig mit seinen Zeitgenossen umspringenden Altenheimflüchtling Allan Karlsson. Aber mit Walter Matthau im Film wäre man wieder der üblichen Täuschung erlegen, die stets überlegenen Winkelzüge und umwerfend komischen Repliken dem Schauspieler zuzuschreiben statt dem Autor, der sie sich hat einfallen lassen, und der Übersetzerin, die dafür die passenden Ausdrücke gefunden hat.</p>
<p>Also doch lieber bei dem Buch bleiben. Da steigt ein Hundertjähriger am Montag, den 2. Mai des Jahres 2005 eine Stunde vor seiner offiziellen Geburtstagsfeier aus dem Fenster des Altenheims in einer schwedischen Kleinstadt &#8211; zum Glück liegt sein Zimmer im Erdgeschoss &#8211; und verschwindet zum Bahnhof. Dort stiehlt er einen Koffer und ist plötzlich ein reicher Mann, aber auch ein Mann auf der Flucht. Denn nicht nur die Leitung des Altenheims und der Stadt sucht nach ihm, auch eine Verbrecherbande ist ihm auf den Fersen, zudem die Kriminalpolizei und schon bald die gesamte Presse Schwedens. Der Alte bleibt nicht lange allein. Immer mehr kuriose Typen tun sich mit ihm zusammen, bleiben an ihm kleben, wie an einem Fliegenfänger. Und den Lesern geht es nicht anders. Kein Wunder, wird einem doch ein geschickt konstruierter Krimi serviert, mit einem Toten nach dem anderen, wie sich das so gehört. Ein Schwedenkrimi, was ja neuerdings schon so was wie ein Markenzeichen ist.</p>
<p>Zum Krimi als Literaturgattung hat der Rezensent seine eigene Meinung. Eine nicht gerade positive. Danach ist der Krimi der Rennwagen der Literatur, aufregend aufgemotzt, aber zu nichts nütze, von einem gefahren, der nichts anderes kann als fahren und nur darauf aus ist, an ein Ziel zu kommen, das kein Ziel ist. Also etwas absolut Belangloses, nur dass es spannend ist.</p>
<p>Den an sich belanglosen Krimi dadurch zu veredeln, dass man ihn zur Lächerlichkeit, also zur Kriminalkomödie macht, ist schön, aber nicht neu. Immerhin hat Jonas Jonasson sein Buch damit in eine Riege gehoben, in der man nicht mehr bloß von Spannung schwärmt, sondern schon sprachlichen Genuss haben kann. Was der Autor aber dann alles mit seinem Hundertjährigen anstellt, hievt sein Buch in die literarische Oberliga, nämlich in die Kategorie Schelmenroman. Jonasson unterschneidet die in der Gegenwart spielende Handlung, als ob die nicht schon chaotisch genug wäre, immer wieder mit Szenen aus dem früheren Leben des Hundertjährigen, angefangen mit seiner Geburt als Sohn einer Frau, die für das Frauenwahlrecht kämpfte, und eines gewalttätigen Eisenbahners, der sich schon bald nach Russland davonmachte, um den Zaren zu stürzen.</p>
<p>So politisch aktiv die Eltern waren, so hartnäckig unpolitisch ist der Sohn, der dabei dennoch in das Geschäft der großen Politik des 20. Jahrhunderts verwickelt wird. So unglaublich es ist, so plausibel wird dem Leser erzählt, wie Allan Karlsson im spanischen Bürgerkrieg General Franko das Leben rettet und sein Freund wird, wie er den Amerikanern den entscheidenden Tipp zum Bau der Atombombe gibt und wie er der Duzfreund von Präsident Truman wird. Er begegnet Chiang Kai-shek und Mao Tse-tung, die er für sich einnimmt, lernt weitere amerikanischen Präsidenten kennen und nur mehr oder weniger schätzen und baut eine indonesische Analphabetin zur Präsidentin ihres Landes auf.</p>
<p>Das heißt: Der völlig unpolitische Abenteurer Karlsson wird zu einer wichtigen politischen Figur. Er hat das Atompatt zwischen Amerika und Russland hergestellt, nur um seine Ruhe zu haben, sein Essen und seinen regelmäßigen Schnaps. Dafür ist er mal Staatsgast und mal Häftling, überquert mal den Himalaja zu Fuß und schafft es erst nach einer höchst abenteuerlichen Odyssee, wieder in seine schwedische Heimat zu gelangen, zu der es ihn hinzieht.</p>
<p>Das alles in einer gefälligen und einfachen Sprache gebracht, gewürzt mit vielen Nebenbemerkungen, die so herrlich lakonisch und ironisch daherkommen, dass die Leser schmunzeln und sich absolut überlegen vorkommen dürfen.</p>
<p>Das Buch zeigt, wie man einen Bestseller für Jedermann und Jedefrau schreibt: Mit überschäumender Phantasie, mit hintergründiger Durchleuchtung der Großen der Welt und ihrer Großtaten, wobei man selbstverständlich Problemfälle wie Nazis oder Holocaust weglässt, mit einem Streifzug durch fast alle Ecken der Welt, mit dem Aufbau einer Hauptfigur, die mehr mit ihrem naiven Selbstvertrauen imponiert als mit Untaten, und mit dem Verzicht darauf, den Lesern hohe Ideale und hehre Ziele zu empfehlen. So fühlen sich die Leser nicht nur optimal unterhalten, sondern auch besser informiert als von dem besten Leitartikel eines politischen Redakteurs: Literatur als Likör.</p>
<p>(Walter Laufenberg in: www.netzine.de)</p>
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		<title>Dankbarkeit</title>
		<link>http://www.netzine.de/dankbarkeit/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 11:08:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laufenberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[D]]></category>
		<category><![CDATA[Lästerlexikon]]></category>

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		<description><![CDATA[sollte man möglichst intensiv zeigen, sieht sie doch immer gut aus, obwohl sie viel schwieriger zu aktivieren ist, als man glaubt. Zumindest wenn man sich klargemacht hat, dass jeder Mensch letztlich alles für sich selbst tut (vgl. Dank, Ich).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>sollte man möglichst intensiv zeigen, sieht sie doch immer gut aus, obwohl sie viel schwieriger zu aktivieren ist, als man glaubt. Zumindest wenn man sich klargemacht hat, dass jeder Mensch letztlich alles für sich selbst tut (vgl. <a title="Dank" href="/dank/">Dank</a>, <a title="Ich" href="/ich/">Ich</a>).</p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fwww.netzine.de%2Fdankbarkeit%2F&amp;title=Dankbarkeit" id="wpa2a_20"><img src="/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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