Archiv der Kategorie: W

Weltpolizist

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Die jahrtausendelangen Kämpfe zwischen den Völkern der Erde haben immer wieder einen Wunsch aufkommen lassen: Ein W. muß her! Doch jetzt, da die USA sich in der Uniform der NATO anschicken, diesen Job zu übernehmen, geht das Gejaule weltweit los: “Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage.” “Wieso gerade die Amerikaner?” “Die sollten sich lieber um ihren eigenen Dreck kümmern!” “Die denken dabei doch nur an ihren Vorteil.” – Alles nur dummes Gerede. Denn erstens hat sich das Recht immer und überall erst entwickelt, nachdem ein starker Mann in einer Region gewaltsam für Ruhe und Ordnung gesorgt hatte (“Gewalt geht vor Recht”, zeitlich gesehen), zweitens sind die Amerikaner heute die stärkste Militärmacht der Welt, können sich also gegen andere durchsetzen, drittens darf auch ein Polizist dreckige Fingernägel haben, und viertens darf er an sein Einkommen und seine Karriere denken und im übrigen manch einem Mitbürger zutiefst unsympathisch sein, – wenn er sich nur nicht allzu dumm und tollpatschig anstellen würde bei seiner Arbeit (vgl. Amerikaner, Nothilfe).

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Weltreligionen

Der statistische Vergleich des Zustands von 2010 mit dem von 1990 zeigt: Gerade noch ein knappes Drittel der Weltbevölkerung ist christlich, aber fast schon ein Viertel ist muslimisch, immer noch sind annähernd vierzehn Prozent hinduistisch, doch nur noch weniger als sieben Prozent buddhistisch und nur noch nullkommazwei Prozent jüdisch. Eine stark steigende Tendenz zeigt die bereits auf elfeinhalb Prozent angewachsene Gruppe der Religionslosen. Gratulation, doch die immer wieder geforderte Religionsfreiheit, richtig verstanden als die Freiheit der Menschen von religiöser Bevormundung, sieht anders aus (vgl. Aufklärung, Fundamentalismus, Religion, Religionsfreiheit).

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Weltverbesserer

So peinlich es ist, wir müssen gestehen: Alles menschliche Streben ist letztlich egoistisch. Hat doch ausnahmslos jeder das stärkste Interesse an sich selbst. Man könnte deshalb versucht sein, die Menschen, die ihr Eigeninteresse auf dem Umweg über die Förderung der Gemeinschaft verfolgen, also die W., als die relativ wertvollsten Egoisten zu sehen. Doch steht dem im Weg, dass große Weltverbesserungsideen regelomäßig die schlimmsten Terrorherrschaften hervorbringen, wie nicht nur die Französische Revolution und der Kommunismus gezeigt haben. Deshalb ist es wohl ratsam, in der Beurteilung der Mitmenschen dem blindlings idealistischen W. den Kleingärtner mit seinen bescheidenen Glücksansprüchen vorzuziehen (vgl. Biedermeier, Gartenlaube, Grüne, Saint-Just, Stalinismus).

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Weltwunder

Im Altertum galten die folgenden sieben Bau- und Kunstwerke als Weltwunder: Die ägyptischen Pyramiden, die Hängenden Gärten von Babylon, der Tempel der Artemis zu Ephesus, das Kultbild des Olympischen Zeus von Phidias, das Mausoleum von Halikarnassos, der Koloss von Rhodos und der Leuchtturm auf der Insel Pharos. Bis auf das älteste, die Pyramiden, sind sie alle längst verschwunden. Und Dutzende von achten Weltwundern hat man kreiert. Vergebens. Heute wundert man sich nicht mehr, schon gar nicht bewundert man. Die bedeutendsten Werke unserer Zeit sind uns nur noch Fragezeichen (vgl. Atomenergie, Computer, Digitalisierung, Gentechnologie, Spaceshuttle).

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Werbetexter

Moderne US-Autoren geben an, als W. gearbeitet zu haben. Nachfolger von Frank Wedekind, der für Maggi getextet hat, und Charles Dickens, der für Schuhcreme gedichtet hat, und mir – für Dutzende Firmen und Produkte. Damit wird eine viel zu lange verachtete Arbeit endlich akzeptiert und sogar zum Aushängeschild. War mir doch schon immer fraglich, wie ein Dichter ohne den Werbetext als Hohe Schule der Genauigkeit im Ausdruck auskommen kann – und ohne diese Straße, auf der das Geld liegt (vgl. Dichter, Sprache, Werbung).

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Werbung

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Für manche Menschenbeglücker ist W. ein rotes Tuch. Dabei gehört W. zur Marktwirtschaft wie das Wasser zum Händewaschen. Wer das eine gut findet, muss auch das andere gut finden. Denn nur selten ist der völlige Verzicht erfolgversprechend, andererseits ist der übermäßige Einsatz noch keine Garantie für einen Erfolg. Die W. verdankt den Künsten so viel, wie die Künstler der W. verdanken. Was dazu führt, dass die Werbung oft besser ist als das beworbene Produkt und sogar als das redaktionelle Umfeld, in das sie eingebettet ist wie die Made in den Speck (vgl. Autoren, Dummheit, Influencer, Kommerz, Reklame, Werbetexter)

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Wermutstropfen

Ein W., der einem ins Weinglas fällt, macht noch den besten Jahrgang bitter. Eine Umschreibung für die Tatsache, dass jeder Freude ein bisschen Leid beigemengt ist. Die gelegentlich zu hörende Verballhornung zu Wehmutstropfen macht aus der guten alten Lebenserfahrung eine Sentimentalität (vgl. Volksmund, Weisheit, Wissen).

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Werte

Früher kämpfte man für Führer, Volk und Vaterland, heute kämpft man für die W., die als das Tafelsilber der Gesellschaft gesehen werden. Dass diese W. meist mit den speziellen Interessen irgendwelcher Gesellschaftsgruppen verwechselt werden, ist zwar verständlich, nimmt der Begeisterung für sie aber einiges an Glaubwürdigkeit (vgl. Demokratie, Freiheit, Marktwirtschaft, Tresor, Wertewandel).

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Wertegemeinschaft

Europa wird von seinen Politikern gern als W. bezeichnet, weil in Europa der Wert des Menschen und die Menschenrechte Tradition haben. Und kein Mensch stellt das in Frage. Dabei haben wir Deutschen diese Tradition gebrochen mit der Judenvernichtung, wie die Engländer mit der Verseuchung des chinesischen Volkes mit Opium, die Belgier mit der grausamen Versklavung der Kongolesen, die Holländer mit der Ausbeutung ihrer Untertanen in den Kolonien Südostasiens, die Franzosen mit der rabiaten Befriedung der Nordafrikaner, die Italiener mit der gewaltsamen Unterdrückung der Abessinier, die Spanier mit der Ausrottung ganzer Völkerschaften in Lateinamerika und so weiter. Wir haben in Europa also viel mehr gemeinsam als nur die hehren Werte (vgl. Europa, Geständnis, Werte).

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Wertewandel

Im antiken Griechenland, unserer ehemaligen Leitkultur, galt: Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Im heutigen Griechenland gilt: Lautstärke ist das Maß aller Dinge – und das Muss, nämlich Lautstärke in jeglicher Form der Unterhaltung und erst recht im Straßenverkehr sowie im Protest, wenn es darum geht, das genießerische Leben zu verteidigen, den aktuellen Hauptwert (vgl. Hässlich, Leitkultur, Musik, Verallgemeinerung, Werte).

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