Archiv der Kategorie: W

Weichbild

Wenn in alten Texten vom W. der Stadt die Rede ist, geht es nicht um die Vedute, also das Bild der Stadt. Und es sagt das auch nichts über die Korpulenz der Bewohner oder die schlechten Augen des Betrachters. Weich kommt vom lateinischen vicius=Ort, und Bild kommt von dem altdeutschen Begriff Bill=Recht (wie in Unbill oder in billig). Gemeint ist also das Gebiet, auf dem die Rechtsordnung der Stadt gilt. Also ein Wort, das nur noch für den passiven Wortschatz wichtig ist, nicht mehr für den aktiven (Vgl. Bedeutungswandel, Etymologie, Vedutenmalerei).

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Weihnacht

Schon immer ein altertümliches Wort, das nur zu Klingglöckchenklingelingeling und Lametta passt, wird W. jetzt von den perfekt außengeleiteten Zeitgenossen rigoros aufs Altenteil abgeschoben. Steht doch bei allen sich modern Gebenden das X in dem englischen Ausdruck Xmas, den sie gerne als Umschreibung für W. benutzen, für nichts Bestimmtes, schon gar nicht für das Christus-Initial (vgl. Frömmigkeit, Gemütswert, Tradition).

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Weihnachten

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

In den sog. christlichen Ländern das schönste Fest für Kinder und Kaufleute, in allen anderen Ländern für die Transportunternehmer, Bettenvermieter und Gastronomen. Wer nach dem Warum fragt, erfährt: W. ist der Höhepunkt des Jahres, das kurz danach endet. Was aber nichts ändert, weil gleich das nächste beginnt (vgl. Gewohnheit, Religion).

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Weihnachtsbaum

Erst haben die christlichen Kirchen ihn vereinnahmt, dann die Koofmichs. Manch einen bringt es auf die Palme, dass für den einen wie den anderen Kult jedes Jahr so viele junge Tannen und Fichten abgeholzt werden. Dabei ist es mit ihnen wie mit Soldaten und Hähnchen: Man zieht sie nur für den frühen Tod auf (vgl. Sinn, Wehrpflicht).

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Wein

W. ist hundert Mal mehr als bloß vergorener Fruchtsaft oder flüssige Sonne, denn W. ist der Auslöser eines Kopfaustauschs, der uns die Welt mit anderen Augen sehen lässt – weniger scharf, dafür aber viel menschenfreundlicher (vgl. Alkohol, Illusion, Rauschgift, Schnaps, Weltanschauung).

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Weinprobe

Die große Prüfung. Da zeigt sich der Charakter. Dabei lässt die W. den Wein völlig unbeeindruckt, weil der sich nicht gefordert fühlt. Denn der Weinfreund, der sich der W. unterzieht, muss sie bestehen. Muss ausspucken statt runterschlucken, viel trockenes Brot kauen und all das vollmundige Gequatsche über den unterschiedlichen Charakter der Weine ertragen, das auf ihn herabregnet (vgl. Genuss, Marketing).

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Welthilfssprache

Gut gemeint, aber falsch. Weil dabei Sprache als bloßes Verständigungsmittel gesehen wird. Mittlerweile gibt es an die 1000 nicht gewachsene, sondern künstlich konstruierte Sprachen, die der Vereinfachung der weltweiten Kommunikation dienen sollen. Erfolg: Es hat sich eine eigene Wissenschaft entwickelt, die Plansprachenwissenschaft oder Interlinguistik. Relativ bekannt als W. wurden z. B. Volapük, Interlingua, Mondial und Ido. Als Verkehrssprache zu einer gewissen Bedeutung herangewachsen ist aber nur das 1887 von dem polnischen Augenarzt L. L. Zamenhof geschaffene Esperanto, das weltweit von über einer Million Esperantisten gesprochen und geschrieben wird (vgl. Emoji, Esperanto, Lingua franca, Sektierertum, Sprache, Sprachkolonisierung, Verdrängungswettbewerb).

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Weltpolizist

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Die jahrtausendelangen Kämpfe zwischen den Völkern der Erde haben immer wieder einen Wunsch aufkommen lassen: Ein W. muß her! Doch jetzt, da die USA sich in der Uniform der NATO anschicken, diesen Job zu übernehmen, geht das Gejaule weltweit los: „Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage.“ „Wieso gerade die Amerikaner?“ „Die sollten sich lieber um ihren eigenen Dreck kümmern!“ „Die denken dabei doch nur an ihren Vorteil.“ – Alles nur dummes Gerede. Denn erstens hat sich das Recht immer und überall erst entwickelt, nachdem ein starker Mann in einer Region gewaltsam für Ruhe und Ordnung gesorgt hatte („Gewalt geht vor Recht“, zeitlich gesehen), zweitens sind die Amerikaner heute die stärkste Militärmacht der Welt, können sich also gegen andere durchsetzen, drittens darf auch ein Polizist dreckige Fingernägel haben, und viertens darf er an sein Einkommen und seine Karriere denken und im übrigen manch einem Mitbürger zutiefst unsympathisch sein, – wenn er sich nur nicht allzu dumm und tollpatschig anstellen würde bei seiner Arbeit (vgl. Amerikaner, Nothilfe).

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Weltreligionen

Der statistische Vergleich des Zustands von 2010 mit dem von 1990 zeigt: Gerade noch ein knappes Drittel der Weltbevölkerung ist christlich, aber fast schon ein Viertel ist muslimisch, immer noch sind annähernd vierzehn Prozent hinduistisch, doch nur noch weniger als sieben Prozent buddhistisch und nur noch nullkommazwei Prozent jüdisch. Eine stark steigende Tendenz zeigt die bereits auf elfeinhalb Prozent angewachsene Gruppe der Religionslosen. Gratulation, doch die immer wieder geforderte Religionsfreiheit, richtig verstanden als die Freiheit der Menschen von religiöser Bevormundung, sieht anders aus (vgl. Aufklärung, Fundamentalismus, Religion, Religionsfreiheit).

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Weltwunder

Im Altertum galten die folgenden sieben Bau- und Kunstwerke als Weltwunder: Die ägyptischen Pyramiden, die Hängenden Gärten von Babylon, der Tempel der Artemis zu Ephesus, das Kultbild des Olympischen Zeus von Phidias, das Mausoleum von Halikarnassos, der Koloss von Rhodos und der Leuchtturm auf der Insel Pharos. Bis auf das älteste, die Pyramiden, sind sie alle längst verschwunden. Und Dutzende von achten Weltwundern hat man kreiert. Vergebens. Heute wundert man sich nicht mehr, schon gar nicht bewundert man. Die bedeutendsten Werke unserer Zeit sind uns nur noch Fragezeichen (vgl. Atomenergie, Computer, Digitalisierung, Gentechnologie, Spaceshuttle).

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