Archiv der Kategorie: U

Untergang

U. ist der Inbegriff des Negativen. Doch mit der vorgespannten Sonne finden wir ihn besonders schön (vgl. Relativität, Wertung).

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Unterhaltsames

U. ist das Gegenteil von Kunst und gehört zu den Lieblingsspeisen von uns Menschen, weil sie ein köstliches Sättigungserlebnis bietet, im Moment. Doch nur wer auf den Gehalt an Fettsäuren, Kalorien, Vitaminen und künstlichen Zusätzen achtet, ernährt sich wirklich gesund. Die Kunst ist, beim U.-Genuss diese Komponenten zu entdecken, weil sie nicht auf der Verpackung ausgewiesen sind (vgl. Anspruch, Bescheidenheit, Geschmack).

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Unterhaltung

Der Sammelbegriff U. stellt Grundverschiedenes nebeneinander und täuscht damit vor, es sei egal, was man bevorzugt. Die drei heute beliebtesten Formen der U. sind Film/Fernsehen, Musik und Bücher. Daneben steht das Internet, das alle drei Formen der U. bietet, je nach Lust und Laune abrufbar. Der Film- und Fernseher lässt sich in ein Geschehen hineinziehen, das sein Auge, Ohr und Gemüt füllt und ihn doch abseits sitzen lässt, nicht beteiligt, nicht gefordert, nur scheinbar überlegen, weshalb er die fehlende Aktivität durch Knabbern und Trinken ersetzt. Der Musikhörer ist einseitig auf die Ohren konzentriert, willenlos hingegeben, von Empfindungen durchflutet und ins Nirgendwo entführt, was man auch als Dösen bezeichnen kann. Der Buchleser dagegen läuft geduldig mit den Augen an den endlos langen Buchstabenzäunen entlang und schickt dabei seine Phantasie über den Zaun, wo sie sich austoben, die schönsten Bilder malen und die tollsten Abenteuer erleben darf. Was mehr oder weniger kunstvoll bloß zur U. der Menschen produziert wird, ist akzeptabel, wenn es glückliche Stunden macht, in allen anderen Fällen aber ist bloße U. ein Raub an Lebenszeit  (vgl. Bestseller, Infotainment, Krimi, Nachdenklichkeit, Operette, Passivität, Rentnerlustbarkeit, Scheintote, U-Musik, Unterhaltungsliteratur).

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Unterhaltungsliteratur

Die überkommene Zweiteilung in Ernst-Literatur (E) und Unterhaltungs-Literatur (U) ist in der Literaturwissenschaft überwunden, weil man akzeptieren musste, dass Unterhaltung ein ernstzunehmendes Bedürfnis des Menschen ist und durch besondere Inhalte und deren Gestaltung auch niveauvoll geboten werden kann. Seit dieser Anhebung des Begriffs Unterhaltung gilt in der Literaturwissenschaft die Dreiheit von Hochliteratur, Unterhaltungsliteratur und Trivialliteratur. In der ersten Kategorie wenden sich Verlage, die was für ihr Renommee tun wollen, vor allem an die Berufsrezensenten, die über Zeitungen und Zeitschriften sowie Literaturpreise für den Verkauf sorgen. In der dritten Kategorie bedienen Verlage einfach nur die Bedürfnisse und vorgefassten Meinungen der breiten Masse, vor allem mit Krimis, und schaffen so Verkaufserfolge. In der zweiten Kategorie nehmen vor allem unabhängige, kleinere Verlage durch sprachliche Ambition, Information und Sinnvermittlung eine wichtige Mittelstellung ein, was zwar keine hohen Umsätze garantiert, doch den Lesern eindeutig am meisten bringt. Wie bei jeder Kategorisierung gibt es fließende Übergänge, wohinter sich mal Schund versteckt, mal Gold zu entdecken ist (vgl. Literatur, Trivialliteratur, Unterhaltung).

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Untertitel

Eine widersprüchliche Bezeichnung, weil der Titel stets über einem Artikel steht, nie unter ihm. Nur wenn der Titel als Offizier so nichtssagend ist, dass er einer Erläuterung bedarf, ist der Unteroffizier U. gefordert. Der ist dann wichtiger als der über ihm – wie so oft im Leben (vgl. Karriere).

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Untreue

Die natürliche Neugier und die unwiderlegbare Tatsache, dass jeder Mensch anders gebaut ist und auch anders reagiert, das sind die stärksten Feinde des gut gemeinten Gebots der Treue (vgl. Liebe, Promiskuität, Treue).

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Unübersetzbarkeit

Die U. war für Karl Kraus das Kennzeichen und das Kriterium für einen literarischen Text. Weil in einer Übersetzung bloß der transportierte Inhalt des Textes wiedergegeben werden kann, nicht aber die besondere künstlerische Raffinesse der sprachlichen Ausformung. Die U. markiert den Unterschied zwischen Literatur als Kunst und  brauchbarem Text (vgl. Kraus, Nebengeräusche, Übersetzung literarische, Werbetexter).

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Unverschämtheit

So unverschämt wir sind, Mutter Natur hat uns an U. übertroffen, indem sie uns mit mehr oder weniger prächtigen und protzigen Penissen und Brüsten bestückt hat. Verteilt sie doch völlig willkürlich diese Vor-Teile, die sich dann in unserem Lebenslauf als unfaire Begünstigungen oder Behinderungen bemerkbar machen (vgl. Attraktivität, Chancengleichheit, Gerechtigkeit, Länge, Schüchternheit).

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Unzucht

Für was wir kein Wort haben, weshalb wir es bloß als die Negation von Zucht bezeichnen, das kommt so schlicht daher, weil alle positiven Begriffe nicht groß und schwergewichtig genug wären, um das auszudrücken, was die U. für uns bedeutet. Zudem soll die U. durch die offizielle Verurteilung als das Gegenteil von etwas Gutem umso mehr private Lust abwerfen. Denn für viele Menschen ist U. der eigentliche Lebensinhalt, weil die Substituierung der U. durch künstlerische, philosophische oder religiöse Genüsse zuviel an Bildung voraussetzt (vgl.: Ich-Kitzel, Sozialisierung, Bildung).

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Urinstinkt

Mehr als ein Scherzwort. Richtig gesprochen bezeichnet es das peinlichste Manko des Menschen gegenüber den höher entwickelten Tieren, falsch gesprochen ihre peinlichste Gemeinsamkeit (vgl. Evolution, Instinkt).

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