Archiv der Kategorie: U

U-Musik

U-M. ist der Sahnetupfer des Alltags, also mit Vorsicht zu genießen. Denn ein Kopf, der sich ständig von U-M. zudröhnen lässt, ist bald so attraktiv wie ein Bauch, der ständig mit Sahne vollgestopft wird (vgl. Hohlkopf).

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Überalterung

Popanz der Politiker, denen beim Ansteigen des Anteils der Alten an einer Gesellschaft weniger Steuereinnahmen, weniger Wehrpflichtige, weniger Gebärfreudige und weniger Leichtverführbare zur Verfügung stehen. Deshalb dramatisieren sie die Ü. als Gefahr für die Rentensicherung und das Gesundheitswesen. In den Zeiten, da Alter noch mit Erfahrung und Überlegenheit gleichgesetzt wurde, war ein Ausdruck wie Ü. unmöglich. Dass er heute in aller Munde ist, beweist, dass die erfolgreiche Steigerung der Lebenserwartung uns  – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – nichts bringt (vgl. Schafsköpfigkeit, Wortsetzungsmacht).

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Überentwicklung

Der Mensch ist das einzige Tier, das mit dem Wissen vom Tod leben muss. Weil das extrem belastend ist, neigt er dazu, sich immer mal wieder wie ein Schwein zu benehmen (vgl. Ratio).

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Überfluss

Ü. ist zehn Regalmeter Essigvarianten und fünfundzwanzig Regalmeter Ölvarianten im Supermarkt der Vorstadt (vgl. Qual, Wohlstand).

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Übergangsregierung

In der Presse ist mal bei diesem und mal bei jenem Staat die Rede von einer Ü., die neu sei. Die Regierung, deren Ablösung sie ist, war also eine Untergangsregierung. Definiert sich doch nach unserer Logik alles von seinem Gegenteil her. Warum nur hat man das nicht schon vor Jahren so gelesen? (Vgl. Journaille, Logik).

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Übermensch

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Der Ü. war die Lieblingsvorstellung Friedrich Nietzsches. Der von ihm propagierte Ü. sollte sich in dem Maße vom Menschen unterscheiden, wie der Mensch sich vom Affen unterscheidet. Was sich als nicht realistische Entwicklungsperspektive erwiesen hat. Sind und bleiben wir Menschen doch Wesen, die nur bis eins zählen können. Denn das Ich ist Einzahl – und darüber geht uns bekanntlich nichts (vgl.: Ich, Eigenliebe, Evolution).

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Übersetzung, literarische

Es gibt immer nur die beinahe genaue Wiedergabe der Vorlage in einer anderen Sprache, weil die Sprachen zu unterschiedlich in ihren Eigenarten und Möglichkeiten sind. Typisches Beispiel für das Manko: Das Drama des Aristophanes, das im Deutschen “Die Vögel” heißt und im Englischen “The Birds”, heißt mit griechischem Originaltitel “Ornithes”. So bezeichnen die Griechen aber nur eine einzige Gattung der Vögel, nämlich die fluguntauglichen, also erdgebundenen. Deshalb ist schon der Titel dieses antiken Stückes eine Tragödie für sich, die Ü. eine weitere (vgl. Glücksspiel, Nebengeräusche).

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Überzufällig

Wissenschaftlicher Ausdruck für ein auffälliges Geschehen, das sich weder als naheliegend noch als wahrscheinlich oder einfach als zufällig erklären lässt und deshalb manche Menschen dazu bringt, an Gott zu glauben (vgl. Horoskop, Religion, Statistik, Wahrscheinlichkeitsrechnung).

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Uhr

Jahrhundertelang hieß eine runde Scheibe mit Zwölfereinteilung und ein bis drei Zeigern U., doch bald nach der Erfindung der Digitalisierung wurde sie zur Analoguhr. Was keine Aufwertung war, eher eine Abwertung, weil analog bloß entsprechend heißt (vgl. Homoehe).

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Umweltverschmutzung

Wir beklagen uns darüber, Lärm sei der Umweltschmutz Nr. 1. Dabei ist zu erwarten, dass schon bald die Computer so perfekt zur individuellen Sprachaufnahme fähig sind, dass auch der illiterate Großteil der Bevölkerung, der sich jetzt noch mit Telefon und Musik behelfen muss, in der Lage sein wird, sein dummes Geplapper als automatisch korrigiertes und schön gedrucktes Geschreibsel massenweise auf seine Mitmenschen loszulassen. Dann erst wissen wir wirklich, was U. ist (vgl. Analphabet, E-Mail, Lärm, Musik, SMS, Twitter, Formel 1).

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Unehrliche

Noch zu Zeiten der Gotik galten die Wundärzte, Bader genannt, neben den Scharfrichtern, den Sängern, Springern und Schauspielern, damals Gaukler genannt, als die U.n und standen auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter. Dass wir die Leiter einfach umgedreht haben, aber nicht für alle, das finde ich unehrlich (vgl. Arzt, AbrechnungsbetrugSchauspieler, Showgeschäft).

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Ungerechtigkeit

Die U. der Natur ist die schlimmste, weil es dagegen keine Mittel und keine Berufungsinstanz gibt. Mutter Natur verteilt die Intelligenz blindlinks. Was den Linken einen Reputationsbonus gibt, der sich jedoch in der Lebenspraxis meist als Täuschung erweist. Gut ist nur, dass die weniger Intelligenten weniger leicht zu Verbrechern werden und sich – falls doch – leichter schnappen lassen. Dafür empfinden sie dann den Kontrast zu ihrem Wachpersonal nicht so krass, was immerhin ein kleiner Ausgleich für die U. der Natur ist (Vgl. Gerechtigkeit, Intelligenz).

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Unisex

Was für die Friseure nur heißt, dass sie Herren und Damen bedienen, das heißt bei Versicherungen, dass sie für beide Geschlecher denselben Tarif haben. Linksgewickelte aber fordern neuerdings unter dem Schlagwort U. zusätzliche öffentliche Toiletten neben den für Männer und Frauen, um damit die unzumutbare Benachteiligung Intersexueller und Transsexueller zu beseitigen, die sich bisher für eines der beiden Geschlechter entscheiden müssen, wenn sie einmal müssen, obwohl beide ihnen zum Pissen nicht passen (vgl. Ideologen, Probleme, Weltuntergang).

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Unschuld

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Illustration: Vangelis Pavlidis, Rhodos

Ein Mädchen verliert dadurch, dass es sich zur Frau machen lässt, seine U., was wohl heißen soll, dass es nun schuldig ist. Die uns diesen Unsinn eingeredet haben, natürlich in aller Unschuld, kann ich leider nicht mehr fragen: Welchen Verbrechens hat das Mädchen sich schuldig gemacht? (vgl. Dummheit, Initiation, Reiz, Religion).

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Unterhaltung

Der Sammelbegriff U. stellt Grundverschiedenes nebeneinander und täuscht damit vor, es sei egal, was man bevorzugt. Die drei heute beliebtesten Formen der U. sind Film/Fernsehen, Musik und Bücher. Daneben steht das Internet, das alle drei Formen der U. bietet, je nach Lust und Laune abrufbar. Der Film- und Fernseher lässt sich in ein Geschehen hineinziehen, das sein Auge, Ohr und Gemüt füllt und ihn doch abseits sitzen lässt, nicht beteiligt, nicht gefordert, nur scheinbar überlegen, weshalb er die fehlende Aktivität durch Knabbern und Trinken ersetzt. Der Musikhörer ist einseitig auf die Ohren konzentriert, willenlos hingegeben, von Empfindungen durchflutet und ins Nirgendwo entführt, was man auch als Dösen bezeichnen kann. Der Buchleser dagegen läuft geduldig mit den Augen an den endlos langen Buchstabenzäunen entlang und schickt dabei seine Phantasie über den Zaun, wo sie sich austoben, die schönsten Bilder malen und die tollsten Abenteuer erleben darf. Was mehr oder weniger kunstvoll bloß zur U. der Menschen produziert wird, ist akzeptabel, wenn es glückliche Stunden macht, in allen anderen Fällen aber ist bloße U. ein Raub an Lebenszeit  (vgl. Bestseller, Infotainment, Krimi, Nachdenklichkeit, Operette, Passivität, Rentnerlustbarkeit, U-Musik).

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Untertitel

Eine widersprüchliche Bezeichnung, weil der Titel stets über einem Artikel steht, nie unter ihm. Nur wenn der Titel als Offizier so nichtssagend ist, dass er einer Erläuterung bedarf, ist der Unteroffizier U. gefordert. Der ist dann wichtiger als der über ihm – wie so oft im Leben (vgl. Karriere).

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Untreue

Die natürliche Neugier und die unwiderlegbare Tatsache, dass jeder Mensch anders gebaut ist und auch anders reagiert, das sind die stärksten Feinde des gut gemeinten Gebots der Treue (vgl. Liebe, Promiskuität, Treue).

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Unübersetzbarkeit

Die U. war für Karl Kraus das Kennzeichen und das Kriterium für einen literarischen Text. Weil in einer Übersetzung bloß der transportierte Inhalt des Textes wiedergegeben werden kann, nicht aber die besondere künstlerische Raffinesse der sprachlichen Ausformung. Die U. markiert den Unterschied zwischen Literatur als Kunst und  brauchbarem Text (vgl. Kraus, Nebengeräusche, Übersetzung literarische, Werbetexter).

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Unzucht

Was man bloß als die Negation von Zucht bezeichnet, kommt so schlicht daher, weil alle positiven Begriffe nicht groß, nicht prächtig, nicht schwergewichtig genug wären, um das auszudrücken, was die U. für uns bedeutet. Zudem soll sie durch die offizielle Verurteilung um so mehr private Lust abwerfen. Für die meisten Menschen ist U. der eigentliche Lebensinhalt, weil ihre Substituierung durch künstlerische, philosophische oder religiöse Genüsse zuviel an Bildung voraussetzt (vgl.: Ich-Kitzel, Sozialisierung, Bildung).

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Urinstinkt

Mehr als ein Scherzwort. Richtig gesprochen bezeichnet es das peinlichste Manko des Menschen gegenüber den höher entwickelten Tieren, falsch gesprochen ihre peinlichste Gemeinsamkeit (vgl. Evolution, Instinkt).

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Urteilsvermögen

Entsteht erst bei der Betrachtung von Fakten und Erfahrungen aus größerer Höhe, weil dort ihre Zusammenhänge sichtbar werden. Das Dilemma des U.s ist, dass selbst der letzte Schwachkopf glaubt, geistige Höhenflüge vorzuführen, sobald er einen Satz mit also beginnt (vgl. Dumm, Faktenwissen, Erfahrung, Klugheit).

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