Archiv der Kategorie: Reisebilder

Unterwegs diesseits und jenseits der deutsch-polnischen Grenze (2017)

 

Aber zunächst eine Zwischenstation: Heil in Weimar angekommen. Natürlich im Hotel  P1020109Elephant, weil Goethe an so manchem Abend im Elephantenkeller seinen Stammplatz gehabt hat. Leider ist der Großmeister der Schreiberei nicht mehr da, doch begegnet er mir in der Stadt auf Schritt und Tritt. Goethehaus und Goethe-Memorabilien aller Art in den Klimbimläden, Goethe und Schiller überlebensgroß vor dem Theater, Goethes Gartenhaus an der Ilm und die Buchhandlungen voller Goethe. Man atmet Goetheluft, speist mit Goetheappetit, trinkt Wein und Bier nach Goethes Herzenslust. Dabei ist der Mann nicht im BMW, Audi oder Mercedes herumgesaust, hat kein Flugzeug und keine Eisenbahn gekannt, hat nicht einmal ein Fahrrad und einen Laptop gehabt, auch kein Tablet und Smartphone, der Ärmste. So nackt kann er eigentlich mit keinem von all den Besuchern mithalten, mit Besuchern aus aller Welt, die ihn trotzdem verehren. Warum nur? – Kein Mensch zu sehen, der mit einem Goethebuch in der Hand dasitzt oder herumläuft statt mit einem Handy.

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Auf nach Russland! (2017)

 

Jeder, ja, ausnahmslos jeder sieht sich im Mittelpunkt der Welt. Schon deshalb ist die Herumreiserei, der wir uns so gern hingeben, sinnvoll. Sie lässt uns aus dem Mittelpunkt rutschen. Weil wir damit zurechtkommen müssen, dass unsere Nationalität ein bloßer Zufall ist, genau wie unsere Sprache und unsere Religion und unser Beruf, unser Geschlecht, unser Alter und unsere Größe sowie Hautfarbe. Gibt es erstaunlicherweise alles auch ganz anders und doch genauso menschlich. Deshalb gibt es so viele Mittelpunkte der Welt, wie es Menschen gibt.

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Im Salzkammergut, da … (2015)

 

Ja, stimmt, und da müsste man sich eigentlich auch besonders sicher fühlen, weil so imposante Felskolosse die Straßen flankieren. Aber sie machen mich klein und lassen mich verloren erscheinen, wie zwischen die Beine von Mammuts und Elefanten und 001Riesendinos geraten. Da nützt mir nicht einmal, dass ich mir vorstelle, das unendliche Himmelsblau sei bloß phantasievoll mit Bergzackenbildern bemalt, um keine blaue Langeweile aufkommen zu lassen. Nein, alles ist Wirklichkeit, wenn auch ein bisschen übertrieben. Etwa dass die stoppelbärtigen Hänge von der halben Höhe bis in die letzten Spitzen weiß überpudert sind, das wäre wirklich nicht nötig gewesen. So ein zusätzlicher Aufwand. Bin ich doch schon zufrieden damit, dass die Straße keine Löcher aufweist, dass Sturm und Eis abgemeldet sind und der Steinschlag ein anderes Timing hat als ich.

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Indian Summer (2014)

 

Ich gestehe, ich habe noch einmal mitgemacht bei dem modischen Kreuzfahrtrummel. Ich habe mich von den literarischen Aspekten dieser Tourismusvariante reizen lassen, die mir unter den beiden Stichwörtern Narrenschiff und Schlaraffenland vertraut waren. Außerdem sollte ja auch einiges zu sehen sein. Vor allem die herbstliche Buntfärbung der Wälder in den Neuenglandstaaten. Dazu kämen etliche Städte, in denen das Schiff mit den mehr als zweitausend Touristen jeweils für ein paar Stunden anlegen würde.

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Auf Kreuzfahrt rund um Britannia (2014)

 

Die hellen Abbruchkanten der Kreidefelsen von Dover sind ein Grund zum Jubeln. Oder zumindest zum Knipsen. Da sind sich die Touristen einig, die sich an der Reling zusammenquetschen. Aber warum nicht auch den grünen Pelz bejubeln, den die Felsen  Saarbrücken Theater 035tragen, und erst recht das dicke graue Untier auf ihrem Rücken, genannt Dover Castle? Symbol der abweisenden Haltung Englands, der berühmt-berüchtigten splendid isolation. Die ließ den gegenüber liegenden flachen und dunklen Streifen Land zum Feindbild werden, für hundert Jahre. Denn dieser Landstreifen ist die französische Küste. Jetzt torkeln zwischen den alten Frontlinien Segelboote wie Kohlweißlinge, von denen man ebenfalls nie weiß, wohin der Flug geht. Jedenfalls sind die weißen Schaumhäufchen, die so kurzlebigen, keine Blüten, auf denen die Falter zur Ruhe kommen können.

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Resteverwertung in der Westtürkei (2014)

 

Istanbul. Den Besucher empfängt eine Textilorgie: Die türkische Flagge da und dort und überall, an Gebäuden und Schiffen und einsamen Riesenmasten, in Formaten, die mit Fußballfeldern rivalisieren. Und das ohne jeden besonderen Anlass. Kein Feiertag, kein     Jahrestag, einfach nur, weil das Flattern so schön ist. Die Flagge zeigt die schmale Sichel des abnehmenden Mondes mit dem Abendstern gegenüber, allerdings, wenn der Wind sich dreht, den zunehmenden Mond. Eine Wetterwendigkeit, die den Abendstern nicht zu beeindrucken scheint. Er sieht über alles hinweg, was früher einmal war, über Altgriechisches und Byzantinisches, über Römisches und Frühchristliches, und leuchtet nur für das Land des Propheten.

In der Hagia Sophia

In der Hagia Sophia

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Komm mit mir nach Afrika! (2013)

Auf dem ersten Tagesplan der Rundfahrt durch Namibia, das ehemalige Deutsch-Südwestafrika, steht die Plattitüde, die als eine alte afrikanische Weisheit ausgegeben wird: „Selbst eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.“ Meine ersten Schritte aus dem Zimmer der ersten Lodge, in die ich nach fast 24 Stunden Anreise endlich gekommen bin, führen mich vor die Tür der ebenerdigen Unterkunft – und in den Regen. Das war noch eine schnelle Tour, weiß ich, denn vor hundert Jahren dauerte die Reise mit dem jeden Mittwoch von Hamburg ablegenden Dampfer nach Lüderitzbucht 26 Tage. Heute meint auch der Himmel es gut mit der Reisegruppe, die aus dem kalten November-Deutschland gekommen ist, und überfällt uns nicht mit einem Sonnenschock. Und gleich hinter dem Flughafen von Windhoek habe ich den ersten Pavian gesehen. Na, also, es geht doch. Das Äffchen saß auf dem unteren Gestänge eines Telegraphenmastes – und beachtete mich überhaupt nicht.

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Der alte Heide in der Heide (2013)

Das Erste, das mir auffiel, als der Zug mit dem schönen Namen Heidesprinter mich von Hannover in die Heide brachte, waren Windräder. Darunter Maisfelder, Maisfelder, Maisfelder, die sich abwechselten mit Kiefernwäldern, Kiefernwäldern, Kiefernwäldern. Wenig Wind, aber viel Grün rechts und links von mir. Erfreulich. Wahllos hinein gesprenkelt diese braven Einfamilienhäuser, gebrannter Klinker im Fassonschnitt. Stumpfer Spitzgiebel und rotbraune Dachpfannen. Dann auf einmal dunkelbraun zotteliges Vieh in stoischer Haltung. Wie eine Büffelherde, solange keine jagdlüsternen Indianer in der Nähe sind. Die rötlichen Kiefernstämme aber reißen mich in eine andere Richtung, hin zu der preußischen Streusandbüchse, geradewegs nach Berlin und zu Leistikow, der sie so nackt und verschämt errötet gemalt hat.

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Irland überlebt (2013)

Ich sitze im irischen Cork im Hotel und schüttel den Kopf über das Wetter, das nicht weiß, was es will, und in viel zu schnellem Wechsel Wasser schüttet und mit Sonne blendet. Ich schüttel und schüttel den Kopf, bis ich selbst nicht mehr weiß, was ich überhaupt hier will. – Ach so, ja, Irland erleben, wie Irland nun mal so ist.

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Frankreich Frankreich (2013)

Habe mir in Beaugency, diesem romantischen Städtchen an der Loire, einmal alle Verkehrsschilder weggedacht, die Autos sowieso, und war auf einer tollen Zeitreise plötzlich im Mittelalter gelandet. Allerdings in einem Augenblick, da mal wieder ein feindliches Heer auf der anderen Seite der alten Brücke zu stehen schien und sich deshalb kein Mensch in den Gassen zwischen den hingeduckten, unverputzten Häuschen sehen ließ. Nur angstvolle Leere über dem uralten Trampelpflaster, das mir beim Hin- und Her-Rennen krumme Füße machen wollte. Gerade dass ich es noch schaffte, mich in das festungsartig gebaute ehemalige Kloster zu flüchten. Dabei war der Empfang in Beaugency doch so vielversprechend: Linden da und Linden dort und lange Lindenalleen, die mich auf gut Deutsch begrüßten und freundlich bemüht waren, die beiden nahen Kühltürme mit ihren gewaltigen Wasserdampfwolken zu verdecken, gleich auch noch die vielen Fernleitungen, die so bedrohlich den Himmel schraffierten.

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Kreuzfahrt im Südchinesischen Meer (2012)

Von Bangkok nach Bangkok, eine Zwei-Wochen-Tour. Dabei immer diese gewaltigen Bugwellen, wie sie aufschäumen, fast möchte ich sagen: In strahlendstem Weiß. Ja, imponierend, nur um gleich darauf wieder in Schwärze zu zerfließen. Als ob sie das Motto dieser Reise auf die weite Meeresfläche schreiben wollten: Alles nur Schaum. All die Animation, all die Lautstärke der Musik, all die Highlights der Ausflüge und all der Überfluss an Speisen und Getränken und Verlegenheitsbeschäftigungen. Ein Wohlstandsschaum, der für einen kurzen Moment auf der unendlichen Schwärze des alles beherrschenden Elements Wasser schwimmt.

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Ein Lächeln in Thailand (2012)

So sehr man sich nach einem mehr als zwölf Stunden langen Flug freut, endlich am Ziel angekommen zu sein, der Flughafen Bangkok erregt Mitleid. So seltsam wehrlos wirkt der Stolz des Landes, wie er in den langen Tentakeln eines mindestens zwanzigarmigen Kraken eingeschnürt ist. Gefangen in der Umarmung eines graues Riesentiers mit auf unzähligen Stelzen sich dahin windenden Straßenbändern, die übereinander und durcheinander ins Endlose zu führen scheinen.   Weiterlesen

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An Frankreichs Kanalküste (2011)

Glücklich heimgekehrt, frage ich mich: In welchem Land gibt es so viele heilige Orte wie in Frankreich? Immer wieder kommt man zu einem Saint- oder Sainte-Soundso. Entweder war das Volk früher so fromm, dass es aus seinen Reihen haufenweise Heilige hervorbrachte, oder es war so rabiat, dass die wenigen Anständigen gleich zur Ehre der Altäre befördert wurden. Hoffentlich nicht als Menschenopfer. Dagegen spricht, dass die Franzosen das Opfern von Menschen andersherum sehen: Heilig ist, wer viele Menschen geopfert hat, beispielsweise der Sachsenschlächter Karl der Große, hier als der heilige Charlemagne verehrt. Weiterlesen

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Schweiz – Nicht nur Käse (2011)

Luzern

Luzern

Der Turm an der gedeckten Brücke in Luzern, heißt heute schlicht Wasserturm, weil er im Wasser steht, gilt aber als das meist fotografierte Denkmal der Schweiz. Früher war der Turm mal Gefängnis und mal Schatzhaus der Stadt, wie man das schon in so vielen anderen Städten der Welt auf den Plaketten an uraltem Gemäuer gelesen hat. Das Gefängnis als Schatzhaus, leider viel zu oft wahr. Denk mal!

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Als Förderer Lettlands unterwegs (2010)

Riga ist stolz auf sein Wahrzeichen: Die als kecke Nadel in den nordisch wolkigen Himmel stechende Fernsehantenne. Genau so ein Demonstrationsobjekt wie beispielsweise der Fernsehturm am Alexanderplatz in Berlin. Doch wenn ich mich frage, für was diese Bauwerke stehen, dann muss ich zugeben: Für die totale Fremdsteuerung des Bewusstseins. Deshalb nennt man sie mit Recht Wahr-Zeichen.

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Ungarn auf den zweiten Blick (2010)

Schönes Györ, dass du einmal Raab warst, das ist nichts im Vergleich zu dem Klosterhotel, in dem ich heute Nacht schlafe. Weil das Hotel nicht nur einmal ein Kloster war, sondern heute wieder ein praktizierendes Carmeliterkloster ist. Der Kirche reumütig zurückgegeben, als der kommunistische Albtraum vorbei war. Natürlich konnten die wenigen nach Györ zurückgekehrten Mönche soviel Kloster nicht brauchen. So haben sie sich im hinteren Drittel eingenistet, um ein eigenes kleines Höfchen herum. Haben sich von den langen Fluren des größeren Teils mittels fest verriegelter Türen und dichter Vorhänge abgenabelt. Weiterlesen

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Unter Japanern, diesen Menschen zwischen Vorgestern und Morgen (2009)

Goethe in Weimar hat sich immer nach Griechenland gesehnt, es aber nie gesehen. Lichtenberg in Göttingen hat sich jahrelang auf eine Italienreise vorbereitet, zu der es dann doch nicht gekommen ist. Ich aber bin in Japan, nach dem ich mich nicht gesehnt habe, und auf das ich auch nicht vorbereitet bin. Mal sehen, wie das Land das aushält. Jedenfalls bin ich bereit, mich mit einer völlig fremden Kultur zu beschäftigen. Bin ja Teilnehmer einer Studienreise.

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In Kroatien ohne Krawatte (2009)

Aus allen Himmeln regnen sie herab auf Kroatien, die Touristen, um dort das Naturwunder der Plitvicer Seen zu bestaunen. Wirklich überwältigend, wie sie zwischen den vielen Kaskaden in die jeweils nächste Tiefe rinnen, rauschen, plätschern oder sich ergießen, die Touristen, und dabei ein Foto nach dem anderen schießen, Tropfen für Tropfen.

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Reif für die Insel Teneriffa (2009)

Natürlich sind wir Europäer erstaunt, hier nur seltsame Pflanzen und Vögel zu sehen statt der steinernen Zeugen einer großen Vergangenheit, wie wir es gewohnt sind. Doch versagen wir es uns dünkellos, davon zu reden, dass wir ja aus einem alten Kulturland kommen. Dabei ersparen wir uns das peinliche Eingeständnis: Altes Kulturland ist immer altes Kampfland. Spazieren wir in Europa doch, wo immer wir uns hinbewegen, über Halden von Totenköpfen, hier auf der Insel nur ausnahmsweise, nämlich in den beiden Ortschaften La Victoria und La Matanza de Acentejo, wo die Ureinwohner von den spanischen Eroberern niedergekämpft wurden. Im Übrigen lässt uns die Insel über das jungfräulich unschuldige Innerste unserer Erde schreiten, irgendwann vor langer Zeit an die Oberfläche gespuckt, wo es vor Schreck erstarrt ist, als es mit unserer Wirklichkeit konfrontiert wurde.

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Nur zu gern in Ungarn (2008)

Im Westen des Landes unterwegs, in einer Landschaft, die naturgesät und wildwuchsig scheint, mit kleinen Weilern da und dort, in denen mehr Leute auf dem Friedhof zu finden sind als in den Häusern. Wenn überhaupt Menschen in den Behausungen sind. Niemand zu sehen. Doch die Schüsseln neben den Fenstern beruhigen mit dem Hinweis: Hier wohnen Leute, die satellitisch so schön rundum versorgt sind, wie ihr daheim.

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Ostlandfahrt (2008)

Gdańsk, das alte Danzig. In den Süden reist jeder Popel. Warum nicht einmal in den wieder offenen und jetzt florierenden Osten mit seinen wichtigen Hansestädten? Dabei das literarisch wohlbekannte Danzig als Etappenziel aufsuchen. Ihr solltet Euch aus dieser scheinbaren Abwertung nichts machen, liebe Danziger. So schön, wie Ihr die schmalen Großstadthäuser herausgeputzt habt. Jedes in einem anderen Stil, alle an bekannte kunstgeschichtliche Epochen erinnernd. Wunderbar. Einen Stoß ins Wasser des Jungbrunnens, so könnte man das nennen, was Danzig im Zweiten Weltkrieg passiert ist. Steht nun da als eine strahlend schöne Jungfrau, zumindest was die Fassade verspricht. Das verjüngende Brunnenwasser, nein, das kam nicht aus der Ostsee. Das entsprang einem anderen Element. Es lässt sich entdecken beim Lustwandeln durch die vielen herrlich restaurierten Innenstadtstraßen, nämlich in dem Wort Bank, das überall ins Auge fällt. Tatsächlich, heute hat Danzig noch mehr Banken als Kirchen, von den vielen Bankautomaten, die einem überall ihre Dienste anbieten, gar nicht zu sprechen. Um es mit anderen Worten zu sagen: Offensichtlich hat im erzkatholischen Polen eine Wachablösung stattgefunden. Geld ist die neue Zauberformel für das Glück des kleinen Mannes.

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Ein Blinzeln in Bella Italia (2007)

Gleich unterhalb dieser prächtigen Römerwade Italiens, in Pescara, gelandet. Das Meer nur kurz vom Flieger aus gesehen. Opulent gegessen und getrunken und dann mit dem Wagen in ein Dorf weit hinter der Küste gebracht worden. Das Ortsschild nicht gesehen, weil es schon dunkel war. Hauptsache: am Ziel. Überm Rotwein und Reden zum Freund geworden und freundschaftlich in eine fremde Wohnung aufgenommen, um in einen tiefen Schlaf zu fallen.

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Schwarzes Schaf auf Thule (2007)

Schon der aus der Gegend von Marseille stammende griechische Händler Pytheas, soll um 320 v.u.Z. auf einer Nordlandreise die Insel Island entdeckt und Thule genannt haben. Grund genug für mich, ihm nach 2326 Jahren zu folgen.

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Überwintern auf Mallorca (2007)

Und ob Mallorca ein guter Platz zum Überwintern ist. Auch zum Schreiben nach Lust und Laune. Keine Störung zu befürchten. Die Oleanderbüsche stehen stumm um mich herum wie übersatte schwarze Stiere, die wissen, dass sie nicht zum Kampf aufgerufen werden. Ganz in feinmaschige Kunststoffnetze eingepackt, weltabgewandt. Und die Palmen gehen wie Pilger in Sack und Asche, so fürsorglich sind ihre immer unruhigen Wedelköpfe in graue Turbane eingewickelt.

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Auch ich in Romania (2006)

Bukarest wurde einst als das Paris des Ostens gefeiert. Solche Sprüche machen skeptisch. Doch dann durch die Innenstadt zu fahren und rechts und links Bauwerke zu sehen, die wie die ehrwürdig ergrauten Großeltern moderner Prächtigkeit dastehen, stumm, reglos und runzelig, mit vielen Altersflecken. Die Würde des Alters, die Achtung fordert – und ein freundliches Hinwegsehen über die Blessuren, die ein langes Leben nun mal mit sich bringt. Statt dessen sich bemühen, es einzeln zu bestaunen, was so ungewöhnlich ist. Da den Fassadenschmuck mit Blendarkaden, mit schnörkeligen Balkons und Balustraden, dort das Prachtportal mit hochgewölbtem Glasvordach, unter dem die Equipagen anhielten, hier die Türmchen und kühnen Spitzen und dann die Karyatiden mit ihren schweren Säulenlasten. Zugegeben, manche Bleideckung mag inzwischen mehr imposant als dicht sein, gähnen doch manche Fensterhöhlen in den obersten Geschossen, wo einst die Domestiken wohnten, mir scheibenlos ihren Moderatem entgegen. Was mich schaudern läßt. Selbst schuld, sage ich mir. Warum auch muß ich hundert Jahre zu spät kommen?

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