Von Bangkok nach Bangkok, eine Zwei-Wochen-Tour. Dabei immer diese gewaltigen Bugwellen, wie sie aufschäumen, fast möchte ich sagen: In strahlendstem Weiß. Ja, imponierend, nur um gleich darauf wieder in Schwärze zu zerfließen. Als ob sie das Motto dieser Reise auf die weite Meeresfläche schreiben wollten: Alles nur Schaum. All die Animation, all die Lautstärke der Musik, all die Highlights der Ausflüge und all der Überfluss an Speisen und Getränken und Verlegenheitsbeschäftigungen. Ein Wohlstandsschaum, der für einen kurzen Moment auf der unendlichen Schwärze des alles beherrschenden Elements Wasser schwimmt.
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So sehr man sich nach einem mehr als zwölf Stunden langen Flug freut, endlich am Ziel angekommen zu sein, der Flughafen Bangkok erregt Mitleid. So seltsam wehrlos wirkt der Stolz des Landes, wie er in den langen Tentakeln eines mindestens zwanzigarmigen Kraken eingeschnürt ist. Gefangen in der Umarmung eines graues Riesentiers mit auf unzähligen Stelzen sich dahin windenden Straßenbändern, die übereinander und durcheinander ins Endlose zu führen scheinen. Weiterlesen →
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Glücklich heimgekehrt, frage ich mich: In welchem Land gibt es so viele heilige Orte wie in Frankreich? Immer wieder kommt man zu einem Saint- oder Sainte-Soundso. Entweder war das Volk früher so fromm, dass es aus seinen Reihen haufenweise Heilige hervorbrachte, oder es war so rabiat, dass die wenigen Anständigen gleich zur Ehre der Altäre befördert wurden. Hoffentlich nicht als Menschenopfer. Dagegen spricht, dass die Franzosen das Opfern von Menschen andersherum sehen: Heilig ist, wer viele Menschen geopfert hat, beispielsweise der Sachsenschlächter Karl der Große, hier als der heilige Charlemagne verehrt. Weiterlesen →
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Luzern
Der Turm an der gedeckten Brücke in Luzern, heißt heute schlicht Wasserturm, weil er im Wasser steht, gilt aber als das meist fotografierte Denkmal der Schweiz. Früher war der Turm mal Gefängnis und mal Schatzhaus der Stadt, wie man das schon in so vielen anderen Städten der Welt auf den Plaketten an uraltem Gemäuer gelesen hat. Das Gefängnis als Schatzhaus, leider viel zu oft wahr. Denk mal!
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Riga ist stolz auf sein Wahrzeichen: Die als kecke Nadel in den nordisch wolkigen Himmel stechende Fernsehantenne. Genau so ein Demonstrationsobjekt wie beispielsweise der Fernsehturm am Alexanderplatz in Berlin. Doch wenn ich mich frage, für was diese Bauwerke stehen, dann muss ich zugeben: Für die totale Fremdsteuerung des Bewusstseins. Deshalb nennt man sie mit Recht Wahr-Zeichen.
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Schönes Györ, dass du einmal Raab warst, das ist nichts im Vergleich zu dem Klosterhotel, in dem ich heute Nacht schlafe. Weil das Hotel nicht nur einmal ein Kloster war, sondern heute wieder ein praktizierendes Carmeliterkloster ist. Der Kirche reumütig zurückgegeben, als der kommunistische Albtraum vorbei war. Natürlich konnten die wenigen nach Györ zurückgekehrten Mönche soviel Kloster nicht brauchen. So haben sie sich im hinteren Drittel eingenistet, um ein eigenes kleines Höfchen herum. Haben sich von den langen Fluren des größeren Teils mittels fest verriegelter Türen und dichter Vorhänge abgenabelt. Weiterlesen →
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Goethe in Weimar hat sich immer nach Griechenland gesehnt, es aber nie gesehen. Lichtenberg in Göttingen hat sich jahrelang auf eine Italienreise vorbereitet, zu der es dann doch nicht gekommen ist. Ich aber bin in Japan, nach dem ich mich nicht gesehnt habe, und auf das ich auch nicht vorbereitet bin. Mal sehen, wie das Land das aushält. Jedenfalls bin ich bereit, mich mit einer völlig fremden Kultur zu beschäftigen. Bin ja Teilnehmer einer Studienreise.
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Aus allen Himmeln regnen sie herab auf Kroatien, die Touristen, um dort das Naturwunder der Plitvicer Seen zu bestaunen. Wirklich überwältigend, wie sie zwischen den vielen Kaskaden in die jeweils nächste Tiefe rinnen, rauschen, plätschern oder sich ergießen, die Touristen, und dabei ein Foto nach dem anderen schießen, Tropfen für Tropfen.
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Natürlich sind wir Europäer erstaunt, hier nur seltsame Pflanzen und Vögel zu sehen statt der steinernen Zeugen einer großen Vergangenheit, wie wir es gewohnt sind. Doch versagen wir es uns dünkellos, davon zu reden, dass wir ja aus einem alten Kulturland kommen. Dabei ersparen wir uns das peinliche Eingeständnis: Altes Kulturland ist immer altes Kampfland. Spazieren wir in Europa doch, wo immer wir uns hinbewegen, über Halden von Totenköpfen, hier auf der Insel nur ausnahmsweise, nämlich in den beiden Ortschaften La Victoria und La Matanza de Acentejo, wo die Ureinwohner von den spanischen Eroberern niedergekämpft wurden. Im Übrigen lässt uns die Insel über das jungfräulich unschuldige Innerste unserer Erde schreiten, irgendwann vor langer Zeit an die Oberfläche gespuckt, wo es vor Schreck erstarrt ist, als es mit unserer Wirklichkeit konfrontiert wurde.
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Im Westen des Landes unterwegs, in einer Landschaft, die naturgesät und wildwuchsig scheint, mit kleinen Weilern da und dort, in denen mehr Leute auf dem Friedhof zu finden sind als in den Häusern. Wenn überhaupt Menschen in den Behausungen sind. Niemand zu sehen. Doch die Schüsseln neben den Fenstern beruhigen mit dem Hinweis: Hier wohnen Leute, die satellitisch so schön rundum versorgt sind, wie ihr daheim.
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Gdańsk, das alte Danzig. In den Süden reist jeder Popel. Warum nicht einmal in den wieder offenen und jetzt florierenden Osten mit seinen wichtigen Hansestädten? Dabei das literarisch wohlbekannte Danzig als Etappenziel aufsuchen. Ihr solltet Euch aus dieser scheinbaren Abwertung nichts machen, liebe Danziger. So schön, wie Ihr die schmalen Großstadthäuser herausgeputzt habt. Jedes in einem anderen Stil, alle an bekannte kunstgeschichtliche Epochen erinnernd. Wunderbar. Einen Stoß ins Wasser des Jungbrunnens, so könnte man das nennen, was Danzig im Zweiten Weltkrieg passiert ist. Steht nun da als eine strahlend schöne Jungfrau, zumindest was die Fassade verspricht. Das verjüngende Brunnenwasser, nein, das kam nicht aus der Ostsee. Das entsprang einem anderen Element. Es lässt sich entdecken beim Lustwandeln durch die vielen herrlich restaurierten Innenstadtstraßen, nämlich in dem Wort Bank, das überall ins Auge fällt. Tatsächlich, heute hat Danzig noch mehr Banken als Kirchen, von den vielen Bankautomaten, die einem überall ihre Dienste anbieten, gar nicht zu sprechen. Um es mit anderen Worten zu sagen: Offensichtlich hat im erzkatholischen Polen eine Wachablösung stattgefunden. Geld ist die neue Zauberformel für das Glück des kleinen Mannes.
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Gleich unterhalb dieser prächtigen Römerwade Italiens, in Pescara, gelandet. Das Meer nur kurz vom Flieger aus gesehen. Opulent gegessen und getrunken und dann mit dem Wagen in ein Dorf weit hinter der Küste gebracht worden. Das Ortsschild nicht gesehen, weil es schon dunkel war. Hauptsache: am Ziel. Überm Rotwein und Reden zum Freund geworden und freundschaftlich in eine fremde Wohnung aufgenommen, um in einen tiefen Schlaf zu fallen.
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Schon der aus der Gegend von Marseille stammende griechische Händler Pytheas, soll um 320 v.u.Z. auf einer Nordlandreise die Insel Island entdeckt und Thule genannt haben. Grund genug für mich, ihm nach 2326 Jahren zu folgen.
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Bukarest wurde einst als das Paris des Ostens gefeiert. Solche Sprüche machen skeptisch. Doch dann durch die Innenstadt zu fahren und rechts und links Bauwerke zu sehen, die wie die ehrwürdig ergrauten Großeltern moderner Prächtigkeit dastehen, stumm, reglos und runzelig, mit vielen Altersflecken. Die Würde des Alters, die Achtung fordert – und ein freundliches Hinwegsehen über die Blessuren, die ein langes Leben nun mal mit sich bringt. Statt dessen sich bemühen, es einzeln zu bestaunen, was so ungewöhnlich ist. Da den Fassadenschmuck mit Blendarkaden, mit schnörkeligen Balkons und Balustraden, dort das Prachtportal mit hochgewölbtem Glasvordach, unter dem die Equipagen anhielten, hier die Türmchen und kühnen Spitzen und dann die Karyatiden mit ihren schweren Säulenlasten. Zugegeben, manche Bleideckung mag inzwischen mehr imposant als dicht sein, gähnen doch manche Fensterhöhlen in den obersten Geschossen, wo einst die Domestiken wohnten, mir scheibenlos ihren Moderatem entgegen. Was mich schaudern läßt. Selbst schuld, sage ich mir. Warum auch muß ich hundert Jahre zu spät kommen?
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Mit Friedrich Hebbels Gedicht unterwegs: “Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah.”
Die totale Desorientiertheit, früher zeichnete man sie mit dem Bild: Die rechte Hand weiß nicht, was die linke Hand tut. Jetzt weiß ich: Die moderne Großstadt ist solch ein mißglückter Körper, dessen einzelne Glieder sich verselbständigt haben und tun, was sie wollen. Ergebnis einer Wochenendvisite in Paris.
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Zugegeben, was Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Raabe, Hermann Löns und Heinrich Heine so ausführlich und stimmungsvoll beschrieben haben, die Besteigung des Brockens, des höchsten Berges Norddeutschlands, heute ist das im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreiblich. Denn man fährt von Wernigerode mit der Schmalspurbahn, der Größten der Kleinen, wie sie sich stolz nennt, hinauf. Für 22 € hin und zurück. Pauschalpreis, ohne Anspruch auf einen Sitzplatz, wie auf dem nostalgisch kleinen Fahrkärtchen besonders klein aufgedruckt. Also eingeklemmt in eine Hundertschaft beinahe expeditionsmäßig ausgerüsteter Menschen – Wanderstiefel, Rucksäcke, Sonnen- und Regenschutz, Teleskopstöcke und Ferngläser neben den diversen Kameras, die Aufmachung ist das Ziel – zunächst den Kampf um einen Sitzplatz durchstehen, den alle die verloren haben, die auf der offenen Plattform stehen bleiben müssen, wo der Aufenthalt laut Beschriftung verboten ist.
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(Die ausführliche Darstellung meiner sämtlichen Begegnungen mit den von der amerikanischen Invasion bedrohten Menschen im Irak und mein Fazit dieser Erkundung gibt es jetzt in Buchform unter dem Titel: “Denk ich an Bagdad in der Nacht – Staatsgast am Abend vor Kriegsbeginn“, Edition Karo, Berlin 2012, 115 Seiten, 14 €, ISBN 978-3-937881-38-6)
Wie es dazu kam
Der Autor und Herausgeber dieses Magazins ist am 2. März für 10 Tage nach Bagdad geflogen, um sich auf Einladung der dortigen Regierung und der Deutsch-Irakischen Gesellschaft sowie der Gesellschaft für Europäische Außen- und Sicherheitspolitik ein Bild zu machen vom Leben einer Bevölkerung, die unter dem Druck des täglich möglichen Kriegsausbruchs lebt, wie jahrelang in der Todeszelle auf die Hinrichtung wartend. Damit soll der Öffentlichkeit einmal eine andere als die journalistische Sehweise und Darstellung der Lebensverhältnisse im Irak geboten werden. Walter Laufenberg erhielt diese Einladung, weil er im Ausland noch besser bekannt ist als in Deutschland, da er seit dem Jahreswechsel 1995/96 das politisch-literarische Wochenmagazin im Internet herausgibt (www.netzine.de), das erste deutschsprachige Blog, das in mehr als fünfzig Ländern der Erde gelesen wird. In diesem Magazin wird er nach seiner Rückkehr über seine Erlebnisse berichten.
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Zugegeben, die Nationalfarben der Türkei sind nicht Blau-Braun-Grün. Aber warum sollte ich sie nicht neu festlegen. Neu wie ich hier bin, in den Hügeln hinter der Ägäischen Küste: unter dem unentwegt blauen Himmel, auf der braunverkrusteten Erde und zwischen dem ängstlich sich hinduckenden Grün. Habe ein paar Vormittagsschritte hinaus nicht unterlassen können. Jetzt habe ich alles schnell von mir geworfen: die Kappe so durchgeschwitzt wie mein Hemd. Und habe mich an den Tisch geflüchtet. Zu meinem Laptop. Die Hände müssen über der Tastatur in Schwebe bleiben. Denn wenn ich sie einen Moment auf der Tischplatte ablege, Kunststoff-Furnier, bilden sie kleine Pfützen.
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Dasselbe Gefühl wie auf Rhodos und Gotland: Diese Insel hat eine Größe, die einem das Insulare zur immer wieder neu bemühten Meerumschlungen-Eigenart werden läßt. Äußerst mühsam, weil beim stundenlangen Herumlaufen und tagelangen Herumfahren völlig unglaubhaft. Auch bewegen sich die Leute hier nicht anders als Festlandmenschen. Nur daß sie anders sprechen. Und daß sie besonders gern schreiben, worauf sie nicht wenig stolz sind. Wie auf ihre Geschichte. Dabei war doch nur immer das Erleiden von Eroberung und Unterdrückung zu beschreiben. Erst kamen die Wikinger, dann die Normannen und schließlich die Engländer. Aber das ist bei anderen Inselbewohnern nicht anders. Die können auf noch viel phantastischere Blutsmischungen verweisen. Wenn ich nur an Malta denke oder an Sizilien.
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Málaga aus der Parador-Perspektive, das gibt Überblick. Aber es wird auch alles so winzig. Da trifft mich ein Lichtstrahl. Von wo? – Von dort. Ein Fischerboot schiebt sich fanggierig aus dem Hafen, die Fensterscheibe der kleinen Kajüte blinkt hell auf, schickt mit dem ersten flach übers Wasser kriechenden Sonnenstrahl ein Signal zu meinem Balkon auf dem Hausberg hinauf. „Fahr weiter”, sage ich. „Was kannst du mir Neues melden?”
Der spanische Frühstückstisch unterscheidet sich deutlich vom deutschen. Nicht Essig und Öl im Ständer. Die beiden kleinen Fläschchen offerieren zwei verschiedene Sorten Olivenöl. Und statt der Pfeffer- und Salz-Streuer im Partnerlook nur ein einsamer Salzstreuer. Als wollte man sich nicht daran erinnern, daß man das Land, wo der Pfeffer wächst, bestens gekannt hat, einstmals.
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Elf Tage in London, und du kannst deine Ohren wegschmeißen. Für Umweltschutz hatten die Engländer ja noch nie viel übrig, aber beim Umweltschaden Nr. 1, dem Lärm, sind sie Spitze. Und das nicht nur, in der Aufführung von „Phantom der Oper”. Viel Lärm um nichts, um gar nichts. Und weil dem überforderten Mister Webber keine einzige einprägsame Melodie mehr eingefallen ist, nicht einmal das Summ-Vergnügen auf dem Heimweg, wie bei „Hair” oder „Westside Story” oder „My Fair Lady”….
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Sintra, nahe der äußersten Westspitze unseres Kontinents, hat für jeden etwas Besonderes zu bieten. Für den Kitschfreund den Penapalast, eine Art Neuschwanstein, nur zu ertragen, weil er den weitesten Ausblick über Land und Meer bietet. Für den historisch Interessierten die Königliche Sommerresidenz mit ihrer imponierenden Küche, und in diesem Stadtpalast für das Auge des Kunstfreundes eine Ansammlung der schönsten Azulejos, die auf der Iberischen Halbinsel zu sehen sind. Für den Naturfreak den Monserratepark, ein ehemaliger Garten Eden, mit seinen leeren Moderbauwerken, in einem Dschungel von wildwuchernden Gewächsen untergetaucht, die ebenso längst vermoderte Gartenfreunde von allen Erdteilen herangeschafft hatten. Und für den, der gesunde Beine und genug Phantasie hat, die Maurenburg im Felsenmeer überm Atlantik. Zwischen den abgeschliffenen Felsklötzen mit ihrer moosigen Tarnung, im tropfnassen Wald wenig mehr als nichts. Dabei war das einer der letzten Stützpunkte der Mauren, als die Ritter der Reconquista dem Islam auf der Iberischen Halbinsel den Garaus machten. Längst verhallt der vielstimmige Hilferuf, der zu dem einen und zu dem anderen Gott aufstieg, längst vergessen das Blut der einen, das sich mit dem Blut der anderen vermischte, wie es hektoliterweise im Gestein versickerte, um vielfach ausgefiltert als Quellwasser im Meer seine Ruhe zu finden.
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Hier in Konstanz wird er erst, der deutsche Rhein. Hier unter der Fußgänger-Eisenbahn-Straßen-Radfahrer-Brücke wird er von der Spindel genommen, wird aus dem weiten Wassergewirbel des Bodensees der glatte, dünne Faden Rhein gezwirbelt. Lang und länger wird er, unaufhaltsam, ohne Ende: zuverlässig. So taugt er zur Verarbeitung. Zur Arbeit zunächst noch nicht, aber bald. Und schon wird er zu einem warmen Wams für die deutsche Seele.
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Graubraun ist die Farbe der Arbeit. Sogar der Rost der tausend Sampans, die längst keinen Anstrich mehr erkennen lassen, ist graubraun. Und das vielgerühmte Lied der Arbeit ist ein hartes, lautes Tackern. Die auf jedem Heck frei im Fahrtwind stehenden Motoren mit ihrem überkochenden Kühlwasser singen es: tack-tack-tack-tack-tack-tack. Ein, zwei oder gar vier Motoren nebeneinander. Davor, an der rostigen Ruderstange im Tackerlärm, sitzt der Mann, klein, halbnackt, die Zigarette zwischen den verkniffenen Lippen. Vorn auf dem niedrigen Steven steht die junge Frau, in bunter Bluse und Jeans. Eine Galionsfigur der Arbeit. Sie schwenkt ein weißes oder rotes Fähnchen an kurzer Stange, dirigiert damit den Gegenverkehr um ihren Kahn herum. Mitschiffs spielt ein Kind auf kleinster Fläche, mit Brustgeschirr und Stoffriemen an das Schiff gefesselt, als sollte es so früh wie möglich an diese lebenslange Bindung gewöhnt werden. Die braunen Wellen lappen über die Bordwand, in der Mitte liegt das Boot gerade in Wasserhöhe. Darüber zerrt Wäsche an der Leine. Schwarzer Qualm als einziger Fahnenschmuck: Ein Arbeitsschiff auf dem Kaiserkanal, der auch der Große Kanal genannt wird. Die Verbindung von Nordchina mit Südchina. Einzelne Stücke dieses längsten von Menschenhand geschaffenen Kanals der Welt sind schon vor zweieinhalbtausend Jahren gebaut worden. Weiterlesen →
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Der internationale Flughafen Israels ist der von Tel Aviv, mußte ich als erstes lernen. Denn den Jerusalemer Airport fliegt keine Gesellschaft an, weil die Umgebung der Stadt als besetztes Gebiet einen ungeklärten Status hat. Dort könnte es durchaus passieren, daß mal ein Heckenschütze seine Flinte hebt und auf einen Jet schießt. Deshalb sind auch alle Botschaften in Tel Aviv und nicht in der Hauptstadt Jerusalem. Tel Aviv heißt soviel wie Alt-Neu-Stadt, weil es auf Ruinen aus grauer Vorzeit ganz neu erbaut wurde. Es sei das die einzige rein jüdische Stadt in Israel, ergriff prompt Dina das Mikrophon und das Wort, die einheimische Führerin, weil die Palästinenser, die dort wohnten, bei der Teilung Palästinas im Jahre 1948 weggezogen seien. Weggezogen, das hörte sich so schlicht und plausibel an, daß man nicht einmal darüber lachen konnte. Mit den Worten Sabbat Schalom hatte sie uns begrüßt. Und weil wir am Sabbat nichts Besseres unternehmen konnten, starteten wir sofort am ersten Tag zu einer Fahrt nach Jerusalem hinüber. Weiterlesen →
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