Archiv der Kategorie: P

Philanthrop

Vor allem in den USA ein beliebter Titel, für den man gerne die Spendierhosen anzieht. Als Urvater wird Andrew Carnegie gefeiert. Er rangiert noch vor John Rockefeller. Beide jedoch werden heute von den Microsoft-Inhabern Bill und Melinda Gates in den Schatten gestellt. Wenn es auch immer nur um den Verzicht auf kleine Fetzen eines Riesenvermögens geht, nennt der P. als Triebfeder seiner Spendenbereitschaft stets seine Menschenfreundlichkeit. Die hätte er natürlich auch mit weniger unverschämten Preisen für seine Produkte beweisen können. Was ihm jedoch nicht so wohltuend vom Steuersystem honoriert worden wäre und seinen Namen nicht unsterblich gemacht hätte (vgl. Ich).

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Philosophenbart

Illustration: Klaus Päkel, Neunkirchen-Seelscheid

Erbsenzählmethoden favorisierende Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Bartträgerquote unter den Philosophen unverhältnismäßig hoch ist. Und sie benutzen dieses Sprungbrett zur Vorführung von allerlei artistischen Deutungsvarianten. Dabei ist die Erklärung so einfach: Den Bart, den die Natur dem Mann sprießen lässt, nicht abzumachen, ist nichts anderes als ein Akt der Wahrhaftigkeit; denn jedes glattgeschabte Männergesicht ist Täuschung. Und nichts anderem als der Wahrheit gilt bekanntlich das ganze Streben des Philosophen (vgl. Modebewusst, Wissenschaftlich).

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Piktogramm

Illustration: In den Linienbussen von Reykjavik

Illustration: In den Linienbussen von Reykjavik

Aus der Not entstanden, eine Aussage zu machen, die für die Vertreter der unterschiedlichsten Sprachen eindeutig verständlich ist, beschritt man den Weg der Schriftentwicklung in Gegenrichtung. Von der Buchstabenschrift (H bzw. D) über die Silbenschrift (Psst) bis zurück zur Bilderschrift. Dabei entstehen immer noch neue Zeichen, gelegentlich so kryptische, dass jeder erkennen kann: Hier hat der Auftraggeber die Intelligenz des Graphikers genauso überschätzt, wie der Graphiker die des Publikums (vgl. Schrift, Smiley).

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Planespotter

Ein Spotter ist im Englischen ein Beobachter, im Amerikanischen ein Privatdetektiv. Das passt auf den Menschen mit Kamera und modernem Hobby, der von einem Flughafen zum anderen zieht und dort an den Startbahnen stundenlang hinterm Zaun auf der Lauer liegt, um ein startendes oder landendes Flugzeug zu fotografieren. Die Leidenschaft, seine Fotosammlung von Fluggesellschaften, Flugzeugtypen, Bemalungsvarianten und Registrationen zu komplettieren, weist ihn als harmlosen Irren aus. Was für die an Kuriositäten gewöhnten Engländer nur Beobachter sind, das wurden für die amerikanischen Geheimdienste jedoch gefährliche Privatdetektive, weil sie auch streng geheime Flüge zu geheimen Flugbasen und damit illegales Geschehen dokumentierten (vgl. Hobby, Staatsterrorismus).

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Plastik

Zu unserer Vorstellung vom schönen Leben gehört, da sind wir uns einig, der feine Sandstrand. Doch jetzt hat man an britischen Stränden festgestellt, dass schon ein Drittel des Sandes gar kein Sand ist, sondern kleingewaschenes P., und im Pazifik fanden Forscher sechs Mal soviel P. wie tierisches Plankton. Über Meerestiere und Vögel ist das P. auch bereits in unsere Nahrungskette gekommen. Das heißt, wir müllen nicht nur die Meere, den Boden und das Weltall voll, darüber könnte man als Gourmet ja noch großzügig hinwegschauen, nein, wir sind jetzt schon dabei, uns selbst zuzumüllen. Wohl bekomm’s! (vgl. Gourmet, Ignoranz, Müll, Verantwortungsbewusst, Verbraucherschutz).

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Pleonasmus

Es gibt Leute, die erklären einem, ein P. sei eine Tautologie. Wem das nichts sagt, der merke sich die Erklärung: Das eine Fremdwort wie das andere bezeichnet eine überflüssige Doppelung des Ausdrucks. Ein typisches Beispiel erscheint immer wieder in der Presse: Religiöser Wahn (vgl. Brustbeutel, Musiklärm, Religion, Tautologie).

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Poesie

Dichtung, die unprosaisch daherkommt. Oft ist P. jedoch nur eine schönende Bezeichnung für Dummquatsch. Denn die Poeten kultivieren in der P. gern die Kunst des etwas falschen Ausdrucks, um damit Eindruck zu schinden. Beispielsweise Gottfried Benn: „ …eine zögernde Stunde“ oder Paul Celan: „ …zechen die Krüge Gottes“ (vgl. Semantik, Showgeschäft).

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Political Correctness

Unter P.C. versteht man, dass alles nur so ausgedrückt werden darf, wie es sich gehört, d. h. wie die das jeweilige Thema beherrschende Gesellschaftsgruppe es hören will. So werden Begriffe wie Ausländer, Neger und Zigeuner verboten. Da ist Vorsicht geboten. Denn wer sich vorschreiben lässt, was er nicht sagen darf, bekommt bald auch vorgeschrieben, was er zu denken und zu sagen hat (vgl. Gedankenfreiheit, Meinungsfreiheit).

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Politik

P. wird gemacht, ist also nichts Ursprüngliches, wenn auch der Ursprung der meisten Übel. Denn P. zu machen heißt, Schurkereien um eines höheren Interesses willen zu begehen. Dieses höhere Interesse bekommt die unterschiedlichsten, meist schönen Namen, die kaschieren sollen, dass es in Wahrheit heißt: Machterhaltung der eigenen Clique. Denn diese Macht dient ja dazu, überhaupt P. machen zu können (vgl. Förderer, Moral, Parteien, Politiker, Protest).

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Politiker

Jeder P. bemüht sich, den Eindruck zu erwecken, er diene der Allgemeinheit. Dabei geht es ihm nur ums Verdienen und ums Einflusshaben. Schon bevor er gewählt wird, ist ein Spitzen-P. von Großkonzernen, Banken und Verbänden für sein neues Amt „gemacht“ worden. Er ist also kaum mehr als deren Marionette. Wichtigster Charakterzug eines P.s ist Falschheit. Trotzdem wird das Schimpfwort P. von den Gerichten noch nicht als Beleidigung gewertet (vgl. Deutscher Michel, Ignorant, Opportunist, Popanz, Populist, Populisten, Prioritäten, Propaganda-Bots, Showgeschäft, Volksverdummung).

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