Archiv der Kategorie: Lästerlexikon

Aasfresser

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Der Mensch ist immer noch ein A., weil er Appetit auf gut abgehängtes Fleisch hat. Das zeigt, es fehlte unseren Urururahnen viel zu lange an der nötigen Intelligenz zur Entwicklung von Waffentechniken für das Erbeuten von Frischfleisch. Heute ist die hochentwickelte Waffentechnik ein Indikator für ein anderes menschliches Defizit (vgl. Frieden, Friedfertigkeit, Hautgout, Ich-Instinkt, Krieg, Tierlieb, Waffenproduzent).

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Abenteuerreisen

Abenteuerreisen

Wenn es keine anderen Anlässe zum Reisen gibt, kann man sich auch aus Abenteuerlust auf den Weg machen. Dafür gibt es inzwischen sogar organisierte Touren, die immer billiger angeboten werden. Sollte etwas schiefgehen, kann man sich darauf verlassen, dass Vater Staat alle Hebel in Bewegung setzt, einen zu retten. Wieviel Millionen das kostet, muss einen nicht kümmern. Je schwieriger und aufwendiger die Rettung verläuft, umso höher das Honorar, das man nachher mit der Veröffentlichung des Abenteuerberichts einstreicht. Und wenn der Staat pflichtgemäß Kostenerstattung verlangt, sind das nur ein paar Tausender, weil die Beamten sich größere Summen gar nicht vorstellen können (vgl. Geiselnahme, Ignoranz, Tourist).

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Abklatsch

Illustration: Guntram Erbe,   Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

„Der Spiegel“ hat damit angefangen. Danach glaubte man, dass eine neue Zeitschrift oder eine neue Fernsehsendung in Deutschland nur Erfolg haben kann, wenn sie ein amerikanisches Vorbild nachahmt (Ausnahme: dieses Netzine). Beweis unserer weitgehenden Amerikanisierung und schreckliche Zukunftsvision zugleich (vgl. Amerikaner, Leitkultur, Netzine).

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Ablenkung

Wir lassen uns von Krimis und Fußball und dem Pöstchenschacher der Parteien so total ablenken, dass wir überhaupt nicht bemerken, wohin unsere westlichen Gesellschaften abdriften. Dabei werden klammheimlich und immer schneller unsere Wertvorstellungen, die auf einer nur noch halbherzig ernst genommenen Religion basieren, die kaum noch stört, von einer Nachfolgereligion abgelöst, die keine Halbherzigkeit duldet (vgl. Abendland, Fundamentalismus, Morgenland).

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Abrechnungsbetrug

Moderne Form der Finanzierung aufwendiger Arzt- und Zahnarztpraxen auf Kosten der Versicherten, indem überhöhte Rechnungen ausgestellt und heimlich Provisionen von Laboren als Schwarzgelder eingesackt werden. Verständlich, dass immer mehr Mediziner sich sagen: Bevor ich als der letzte brave Idiot dastehe, mache ich lieber mit, weil unser System der Krankenversicherung ja direkt zur Kriminalität einlädt (vgl. Arzt, Geldgier, Korruption, Krankenversicherung).

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Abschied

Der erste A. ist die Geburt, der letzte der Tod; alles dazwischen sind nur kleine A.e, doch je öfter wir die erleiden, umso intensiver erleben wir das Leben (vgl. Lebenskunst, Lebenslauf).

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Absurd

Je älter mein Passfoto wird, um so jünger werde ich darauf (vgl. Fahrzeug, Fotografie, Großstadt, Populist, Relativität).

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Absurdität

Eine Absurdität ist etwas Widersinniges, etwas, das dem gesunden Menschenverstand widerspricht. Ein schönes Beispiel bot die deutsche Bundesregierung, die viele Jahre lang sagte, wir könnten trotz der weltpolitischen Entspannung nicht die allgemeine Wehrpflicht abschaffen, weil wir die Wehrpflichtigen brauchen, die die Wehrpflicht verweigern (vgl. Absurd, Beamtenstatus, Glaubensgewissheit, Leistungslohn, Zivi).

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Achtundsechziger

Sammelbegriff für die studierende Jugend, die um das Jahr 1968 in deutschen Großstädten für Unruhe sorgte, weil sie alles besser als das Establishment zu wissen und richtiger anzupacken vorgab. Auslöser waren vielfach außenpolitische Problemfelder (Vietnamkrieg, Iran). Geistig stützte sich diese Bewegung vor allem auf die noch junge Wissenschaft der Soziologie, die scheinbar alle gesellschaftlichen Entwicklungen erklären und auch steuern kann. Maßgebend war u. a. die Kritische Theorie von Adorno und Horkheimer. Die Wirksamkeit dieses geistigen Aufbruchs für die deutsche Gesellschaft wird meist überschätzt, doch führte die Radikalisierung von Teilen der A. in den Siebzigern (Baader-Meinhof, Bewegung 2. Juni) zu einem deutlichen Ausbau der Staatsmacht, also zu dem Gegenteil von dem, was die Studenten wollten. Dass die A. später in ihrem Berufsleben noch nachteilige Wirkung gezeigt haben, vor allem in den Lehrberufen, ist ein Vorwurf, der sich mit ihnen in den Ruhestand verabschiedet hat (vgl. Besserwisser, Kommune, Liberalität, Terrorismus).

 

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Adel

adel

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Es tut sich was in der sozialen Schichtung unserer Gesellschaft. Denn viele Jahrhunderte lang  feierte man nur den Geburtsadel als den krönenden Abschluss der Pyramide. In der Zeit unserer Klassiker, vorneweg Goethe und Schiller, erkämpften sich die Hochgebildeten die Spitze: Der Geistesadel war geboren. Gut 200 Jahre später erleben wir heute wieder einen Wechsel: Nicht mehr Geburt und nicht mehr Geist gelten als das Größte, sondern Geld – der Geldadel erntet die höchste Bewunderung. Und in fünfzig Jahren wird wohl nach der Entwertung von Geburt, Geist und Geld die optimale Genkonstellation die Spitzenstellung einnehmen: Dann haben wir den Genadel (vgl. Bildung, Fortschritt, Geld, Persönlichkeit, Wissenschaft).

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