Archiv der Kategorie: L

Leitkultur

In jedem Staat haben die Bürger die verschiedensten Vorstellungen von Gott und der Welt. Doch die in ihrem Land von den meisten Menschen vertretenen, also vorherrschenden Grundsätze von Recht, Sitte und Tradition (in Deutschland ist das Christlich-Jüdisch-Römisch-Hellenistisches mit ein wenig Germanischem) bilden die Leitkultur, der sie unterworfen sind, gleichgültig, ob ihnen das gefällt oder nicht. Was selbstverständlich weitgehend auch für ausländische Mitbürger gilt. Nicht dass es in jedem Land eine L. gibt, ist das Aufregende, sondern wie schnell sie sich heute überall verändert, durch Tourismus und Migration, vor allem aber durch die über Film und Fernsehen sich weltweit breitmachende L. der USA (vgl. Amerikaner, Kulturimperialismus, Multikulti, Toleranz).

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Lektorat

Früher war das L. die Abteilung in einem Buchverlag, in der die Literaturkenner saßen, die eingegangene Manuskripte prüften und die besten aussuchten, die sie dem Verleger zur Produktion vorschlugen. Heute ist das L. personell überall so ausgedünnt, dass dort kaum noch eine Prüfung der eingegangenen Manuskripte stattfinden kann. Deswegen verlässt man sich entweder auf die Vorauswahl, die in ausländischen Hitlisten getroffen wird, kauft die Lizenz und bedient den Markt mit Übersetzungen, oder man verlässt sich auf die Literaturagenturen, die eine Vorauswahl treffen und den Verlag nichts kosten, weil sie von den Autoren bezahlt werden. Was nach einer sehr geschickten Weiterentwicklung des Verlagswesens aussieht, hat allerdings den Pferdefuß, dass Übersetzungen fast immer ein Behelf sind, weniger gut als das Original, und dass die Literaturagenturen stets die Manuskripte empfehlen, die für das breiteste Publikum attraktiv erscheinen, weil sie selbst prozentual am Verkaufserfolg beteiligt sind. So ist der L.- Rückbau die Erklärung dafür, dass von den etablierten Verlagen kaum noch anspruchsvolle Literatur veröffentlicht wird, diese Risiko-Sparte vielmehr fast ganz den Kleinstverlagen überlassen bleibt (vgl. Bestseller, Agentur, Literatur).

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Lesen

Wer nicht lesen will, muss fernsehen. Das ist das Unterschichten-Schicksal (vgl. Analphabetismus, Buchkultur, Fernsehen, Lerneifer).

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Leserbrief

Ein L. ist die nur andeutungsweise und ausnahmsweise gewährte Gegenrichtung in der journalistischen Informations- und Meinungs-Einbahnstraße Redaktion – Leser. Wer einen L. schreibt, hofft darauf, dass er veröffentlicht wird. Es erhöht seine Chance, wenn er zu einem gelesenen Artikel nur unwesentliche Einzelheiten als Ergänzung bringt. Oder wenn er eine naiv-gläubige Bestätigung aus eigener Erfahrung bietet. Keine Chance hat ein L., der wesentliche Gesichtspunkte nachreicht, die in dem Artikel gefehlt hatten. Klar. Welcher Journalist lässt sich schon gern von seinen Lesern beschämen? (vgl. Journaille, Selbstbewusstsein, Zeitung).

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Leugnen

Das als unwahr Bezeichnen eines Sachverhalts. Es ändert zwar nichts an dem betreffenden Sachverhalt, trotzdem kann es strafbar sein, z. B. bei der Zeugenaussage vor Gericht, weil es das Finden der Wahrheit behindert, also ein Verstoß gegen das staatliche Gewaltmonopol ist. Ebenfalls strafbar, obwohl anders störend, ist das Holocaust-Leugnen, das die Aufrechterhaltung einer einmal gefundenen Wahrheit erschwert, also ein Verstoß gegen das Meinungsmonopol der gerade die Political Correctness Bestimmenden ist (vgl. Political Correctness).

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Lichtenberg

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Dass der spottlustige Philosoph, Schriftsteller und Göttinger Physikprofessor Georg Christoph L. (1742 – 1799) in diesem Läster-Lexikon hinter Laufenberg steht, ist alphabethbedingt und weder historisch noch inhaltlich berechtigt. Er ist einer meiner Vorläufer. Ich schätze den aufklärerischen Autor der “Sudelbücher” so hoch ein, dass ich ihn glatt auf den Stuhl neben mir heben würde. Vor allem wegen seines auch für das “Laufenberg NETzine” programmatischen Satzes: “Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.” Und wegen der überlegenen Abrundung dieses Programms: “Der Weisheit erster Schritt ist: alles anzuklagen. Der letzte: sich mit allem zu vertragen.” (vgl. Aufklärung, Kraus, Schubart, Skepsis).

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Liebe

Illustration: Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

Illustration: Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

Machen wir uns doch nichts vor. Wenn wir stammeln: “Ich liebe dich”, dann glauben wir, dem anderen damit Gutes zu tun. Dabei heißt das bloß: Es begeistert mich, dass es dich begeistert, wie es mich begeistert, dass es dich … Das ist das Gesetz, nach dem wir Menschen angetreten sind. Im Tierreich ist die Liebe noch simpler. Da geht es nur um heiß oder kalt (vgl. Betrug, Eigenliebe, Fusion, Ich, Satiriker, Schauspielerehe).

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Liebesarten

Die Jungen können sich nicht vorstellen, dass die Alten Liebe machen können. Dabei ist deren Liebe die wahre, weil freiwillig und bewusst. Die Jungen dagegen machen bloß zwangsläufig in Liebe, weil ihre Körper es so unwiderstehlich verlangen (vgl. Erektion, Fremdbestimmung, Viagra).

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Liebesglück

L. ist, wenn der eine Mensch nicht mehr weiß, ob der andere Mensch so gierig über ihn hergefallen ist oder er über ihn – und es sowieso nicht sagen könnte, weil man ja nicht darüber sprechen darf. Zu dumm, so eine Einschränkung dieses Glücks (vgl. Sex).

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Liebespaar

Er hat sie gern, sie hätte ihn gern: ein L. (vgl. Egoismus, Illusion, Liebe).

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