Archiv der Kategorie: F

Freiheit

Das Wort F. ist soviel missbraucht worden, wir sind soviel mit F. verarscht worden, dass wir endlich so ehrlich sein sollten uns einzugestehen: F. ist immer nur teilweise. Nicht nur, dass sie ihre Grenzen in der F. der anderen findet, sie ist auch eingeschränkt von tausend Sitten und Gesetzen. Die F. ist ein prächtiger Ballon, aus dem schon so viel Gas rausgelassen wurde, dass er ganz klein wurde und kaum noch Auftrieb hat. Aber nur dadurch können auch die kleinen Leute ihn erhaschen (vgl. Ideal, Realitätsverlust).

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Freikörperkultur (FKK)

Illustration: Jürgen Frey, Mannheim

Illustration: Jürgen Frey, Mannheim

Was so mutig schien, entpuppte sich als ein übler Renfall. Denn mit der Aufhebung des Nacktheitstabus verschwand der ganze Reiz des geschickten Hautfreilegens. Und der Versuch, als Ersatz für diesen Verlust die Sonnenbegeisterung und den Natürlichkeitswahn zu kultivieren, geriet zu einem sektiererischen Krampf (vgl. Dummheit, Jugendstil, Mode, Sünde).

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Fremdgehen

Das F. ist so ungeheuer reizvoll, weil uns alles Fremde reizt. Es sollte aber nicht so wichtig genommen werden, weil die Fremdheit bekanntlich sehr schnell der Bekanntheit weicht – mit der üblichen Folge, dem F. (vgl. Treue, Wahn).

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Fremdsprache

Recht praktisch für die Verständigung mit Ausländern. Man darf nur nicht glauben, dass die Beherrschung einer F. schon Bildung sei. Eine F. ist ein schönes Hilfsmittel wie Computer, Führerschein und Brille. Ob ich aber daneben auch noch Fn. brauche, d. h. sowas wie Segelschein, Freischwimmerschein, Jagdschein oder Pilotenschein, ist mehr als zweifelhaft. Dann hätte ich gleich Dolmetscher werden sollen, d. h. einer mit nichts als Zungen im Kopf. Wichtig ist doch nur, was man zu sagen hat, und nicht, in wie vielen Sprachen man nichts Wesentliches auszudrücken weiß (vgl. Bildung, Domestikentugend, Modernität).

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Freude

Am Anfang unseres Lebens ist es der Teddybär, der uns Freude macht, am Ende ein Eichhörnchen oder der Hund. Was für ein Leben, wenn dazwischen nichts Gehaltvolleres steht (vgl. Zufriedenheit).

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Frieden

Illustration: Georg Bischof, Mannheim

Illustration: Georg Bischof, Mannheim

Der F. ist ein Phantom, ja, unser Lieblingsphantom. Wir sprechen so gern über ihn, weil er uns so fremd ist. Denn der Mensch ist nun mal kein friedliches Wesen. Was immer einer für sich anstrebt – und wir streben ja ständig nach etwas -, er nützt dazu andere aus, missbraucht sie schamlos oder beraubt sie oder nimmt es zumindest achselzuckend hin, dass er ihnen oder seiner Gesellschaft oder der Umwelt, der Natur Schaden zufügt. Shalom! (vgl. Ich, Politiker).

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Friedensnobelpreis

Einer der fünf von Alfred Nobel gestifteten Nobelpreise. Meist nur eine Unterstützung und Ermunterung bei dem Versuch, Frieden zu schaffen, z. B. der F. von 1994 für Shimon Peres, Yitzhak Rabin und Jasir Arafat oder der F. von 2001 für die Vereinten Nationen und ihren Generalsekretär Kofi Annan, statt ein Preis für erfolgreich geschaffenen Frieden, wie der F. von 1978 für Menachem Begin und Anwar as-Sadat. Deshalb hätte auch Jesus von Nazareth den F. bekommen können, wenn er nicht gut 1900 Jahre zu früh auf die Welt gekommen wäre (vgl. Frieden, Nobelpreis).

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Frisur

Mit F. bezeichnet man die Gestaltung des Haarwuschels auf dem Kopf, die den Menschen um so wichtiger ist, je weniger sie im Kopf haben (vgl. Haare, Körperkultur).

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Frust

Eine typische F.-Situation ist es, wenn auch eine der angenehmsten, wenn ein Mann an den Knospen eines schönen Weiberbusens saugt, und nichts kommt dabei heraus (vgl. Illusion, Olympische Spiele).

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Fundamentalismus

Eine zunächst im Islam, dann auch in seinen Vorläuferreligionen aufgetretene Tendenz zur Radikalisierung des Glaubens. Es ist das eine verzweifelt wirkende Gegenbewegung zu 250 Jahren Aufklärung und der Einsicht, dass alles Leben nicht mehr als ein Blubbern der Materie ist, in höher entwickelten Formen lustgesteuert und beim Menschen sogar weitgehend bewusst, doch generell ohne Sinn und Heilserwartung. Absurderweise wirkt die Art, in der Fundamentalisten mit dem Leben umgehen, mit fremdem und mit dem eigenen, wie eine Bestätigung dieses materialistischen Standpunkts (vgl. Religion, Sinn, Taliban).

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Fußballweltmeisterschaft

Eine F. ist die bloße Fiktion eines friedlichen Kampfes von Ländern gegeneinander. Trotz der Flaggen und Nationalhymnen ist es völlig gleichgültig, wo ein Spieler geboren wurde, wo er wohnt und für welchen Verein er spielt. Beispielsweise können Spieler von Inter Mailand oder Real Madrid genauso für die Niederlande antreten wie Leute von den Molukken oder Brasilianer. Das ist die endgültige Überwindung des Nationalstaats mit anderen Mitteln. Wer noch nicht heisergebrüllt ist, sollte in Bravorufe ausbrechen. Die zu den Spielen anrückenden Horden von Hooligans dagegen sind noch in der Wolle gefärbte echte Angehörige der einzelnen Länder und deshalb mehr ernstzunehmen als die Spieler (vgl.: Sport, Kommerz).

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