Archiv der Kategorie: E

Erinnerung

Die E. ist mal Lust, mal Last, jedenfalls ein Schemen, das permanent zunimmt an Gewicht, bis es die Tagesereignisse aussticht. Dann bist du alt (vgl. Alter, Altersweisheit).

 

 

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Erinnerungen

Besser als jedes Sparbuch. Du sammelst Jahr für Jahr immer mehr gelebtes Leben im Hinterkopf und hast dann, wenn du alt bist und für dies und das dir Kraft und Saft fehlt, alles noch als E., und das mit mehr Kraft und Saft als je zuvor, quasi mit Zins und Zinseszins (vgl. Genuss, Selbststeuerung, Spaß, Zufriedenheit).

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Erzähler

Der E. verdoppelt und vervielfacht das Leben. Er übt damit zweifellos den ältesten Beruf der Menschheit aus. Selbst der Alte, der in der Antike am Stadttor hockte und gegen kleine Münze Geschichten erzählte, hatte bereits urzeitliche Vorgänger. Musste doch schon immer irgendwer da sein, der seinen Mitmenschen bot, was denen an Lebensfülle fehlte. Andernfalls hätten die sich schon als Jugendliche umgebracht, und die Spezies Mensch wäre längst ausgestorben (vgl. Lebenshilfe, Roman, Surrogat). 

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Erzählung

Eine E. ist eine Situation, die sich über die momentane Situation des Lesers legt. Als eine zwangsläufig kurzgefasste Wiedergabe von wirklichem oder erfundenem Geschehen löst sie Interpretationsunsicherheiten aus. Die Phantasie des Lesers muss darüber hinweghelfen, indem sie Lücken ausfüllt und damit die E. erst komplett macht. Da aber jedes Verstehen, wie Wilhelm von Humboldt erkannt hat, zugleich ein Nichtverstehen ist, bleibt ein unverstandener Rest. Das ist der Antrieb zum Weiterdenken. Von daher hat alles Erzählen seine Berechtigung und seinen besonderen Wert, vor allem auch im Vergleich mit der Sachbeschreibung. Denn das Weiterdenken ist der eigentliche Motor der Kulturentwicklung (vgl. Informiert, Kunstgenuss, Roman).

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Esoterik

Aktuelles Fremdwort für Unsinn. Denn E. spricht nicht den Verstand an, sondern den Glauben und ist deshalb um so attraktiver für einen Menschen, je weniger Verstand er hat (vgl. Rationalität, Kommerz).

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Esperanto

Eine Hoffnung, die zwar verständlich war und sich auch gut verständlich zu machen verstand, die sich aber zum Glück nicht erfüllt hat (vgl. Welthilfssprache).

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Etymologie

Die Lehre von der Herkunft der Wörter war bei den Alten Griechen beliebt, weil sie den Zugang zur wahren (etymos) Bedeutung eines Wortes zu bieten schien. Heute kennen wir den vielfachen Bedeutungswandel vieler Wörter und glauben nicht mehr daran, dass die erste Bedeutung „wahrer“ ist als die momentane soundsovielte, die Gemeingut geworden ist. Was jeden, der mit etymologischer Wahrheit argumentiert, als gefährlichen Wortverdreher entlarvt (vgl. Rhetorik, Virtuell, Wahrheit).

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Eudämonismus

Der permanent vorherrschende schlichte Wunsch glücklich zu sein – für den einzelnen Menschen wohl sowas wie ein Geheimtip. Doch eine Gesellschaft, die sich dem E. hingibt, muss aussterben, weil sie kaum noch Kinder zeugt. Denn Kinder bieten wenig Genuss, statt dessen machen sie Kosten und Arbeit und Ärger und früh alt, weil sie so rücksichtslos ihr Jungsein betonen (vgl. Bevölkerungsentwicklung, Gossen, Kindergeld, Liebesarten).

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Euro

Noch hatte kein Mensch in Europa auch nur einen einzigen Euro in der Tasche, da zeigte sich schon am Devisenmarkt und an ersten Lockerungen der Stabilitätskriterien für Italien, dass auch für diese Mischwährung, die zum Entsetzen vieler eine harte Währung wie die Deutsche Mark ablösen sollte, die alte Volksweisheit gilt: Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. In dem Moment wusste man: Da kann noch viel Murks auf uns zukommen (vgl. Glücksspiel, Ignoranz, Politiker, Schuldenmacherei).

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Europa

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Illustration: Guntram Erbe, Hilpoltstein

Die Dame E. wird in der Malerei stets nackt dargestellt. Und einigermaßen verzweifelt. Weil sie einmal eine große Hoffnung war, sich dann aber als höchst verschwenderische Kokotte entpuppt hat, die zu oft auf Bauern hereingefallen ist, besonders durch die von ihr wider besseres Wissen eingeführten planwirtschaftlichen Regelungen, weil sie zudem aus nationalem Eigennutz ständig an außenpolitischer Verstopfung leidet und weil sie fast nur noch für zwielichtige Geschäftemacher und abgehalfterte Politiker attraktiv ist (vgl. Europafeindlichkeit, Marktwirtschaft, Sozialismus).

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