Archiv der Kategorie: E

Erektion

Die E. des männlichen Geschlechtsmuskels wird vom Gehirn ausgelöst, sobald dort irgendwas Erogenes besondere Aufmerksamkeit erregt. Beim jungen Mann passiert das alle Augenblicke, weil ihm noch soviel unbekannt ist, beim alten Mann viel seltener, weil man ihm so leicht nichts Neues mehr bieten kann. Die E. ist also nichts, auf das man besonders stolz sein kann, eher im Gegenteil ein Zeichen von Unerfahrenheit. Mit Potenz hat sie nichts zu tun. Ihr mit sogenannten Potenzmitteln (Levitra und Viagra) auf die Sprünge zu helfen, heißt an den Symptomen herumfummeln. Wenn E.-Störungen auftreten, muss die Partnerin sich was Neues einfallen lassen – oder ausgewechselt werden (vgl. Potenz, Sex, Willensfreiheit).

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Erektionsstörung

Die Erektion des männlichen Gliedes muss nicht den Sinn haben, Nachwuchs zu zeugen, wie Kirchenmänner glauben. Es geht nicht um den Sinn des schönen Tuns, sondern um die Sinne, die über das Bewusstsein einen Befehl ans Blut geben, den Joystick zu füllen. Doch sind die Sinne launisch, besonders wenn ihnen allzu Bekanntes zugemutet wird. Sie machen ihre Mitwirkung gern von der Bedingung abhängig, dass ihnen Neues geboten wird. Das und nicht die Potenz unterscheidet den erfahrenen älteren Mann von dem jungen Springer (vgl. Abwechslung, Erektion, Treue).

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Erhängen

Das E. als Strafe ist eine Form der Erhöhung eines Menschen, mit der sich die dafür Verantwortlichen erniedrigen – durch Selbstüberhöhung (vgl. Gerechtigkeit, Todesstrafe).

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Erinnerung

Die E. ist mal Lust, mal Last, jedenfalls ein Schemen, das permanent zunimmt an Gewicht, bis es die Tagesereignisse aussticht. Dann bist du alt (vgl. Alter, Altersweisheit).

 

 

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Erinnerungen

Besser als jedes Sparbuch. Du sammelst Jahr für Jahr immer mehr gelebtes Leben im Hinterkopf und hast dann, wenn du alt bist und für dies und das dir Kraft und Saft fehlt, alles noch als E., und das mit mehr Kraft und Saft als je zuvor, quasi mit Zins und Zinseszins (vgl. Genuss, Selbststeuerung, Spaß, Zufriedenheit).

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Erzähler

Der E. verdoppelt und vervielfacht das Leben. Er übt damit zweifellos den ältesten Beruf der Menschheit aus. Selbst der Alte, der in der Antike am Stadttor hockte und gegen kleine Münze Geschichten erzählte, hatte bereits urzeitliche Vorgänger. Musste doch schon immer irgendwer da sein, der seinen Mitmenschen bot, was denen an Lebensfülle fehlte. Andernfalls hätten die sich schon als Jugendliche umgebracht, und die Spezies Mensch wäre längst ausgestorben (vgl. Lebenshilfe, Roman, Surrogat). 

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Erzählung

Eine E. ist eine Situation, die sich über die momentane Situation des Lesers legt. Als eine zwangsläufig kurzgefasste Wiedergabe von wirklichem oder erfundenem Geschehen löst sie Interpretationsunsicherheiten aus. Die Phantasie des Lesers muss darüber hinweghelfen, indem sie Lücken ausfüllt und damit die E. erst komplett macht. Da aber jedes Verstehen, wie Wilhelm von Humboldt erkannt hat, zugleich ein Nichtverstehen ist, bleibt ein unverstandener Rest. Das ist der Antrieb zum Weiterdenken. Von daher hat alles Erzählen seine Berechtigung und seinen besonderen Wert, vor allem auch im Vergleich mit der Sachbeschreibung. Denn das Weiterdenken ist der eigentliche Motor der Kulturentwicklung (vgl. Informiert, Kunstgenuss, Roman).

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Esoterik

Aktuelles Fremdwort für Unsinn. Denn E. spricht nicht den Verstand an, sondern den Glauben und ist deshalb um so attraktiver für einen Menschen, je weniger Verstand er hat (vgl. Rationalität, Kommerz).

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Esperanto

Eine Hoffnung, die zwar verständlich war und sich auch gut verständlich zu machen verstand, die sich aber zum Glück nicht erfüllt hat (vgl. Welthilfssprache).

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Etymologie

Die Lehre von der Herkunft der Wörter war bei den Alten Griechen beliebt, weil sie den Zugang zur wahren (etymos) Bedeutung eines Wortes zu bieten schien. Heute kennen wir den vielfachen Bedeutungswandel vieler Wörter und glauben nicht mehr daran, dass die erste Bedeutung “wahrer” ist als die momentane soundsovielte, die Gemeingut geworden ist. Was jeden, der mit etymologischer Wahrheit argumentiert, als gefährlichen Wortverdreher entlarvt (vgl. Rhetorik, Virtuell, Wahrheit).

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