Archiv der Kategorie: E

Entfesselungskünstler

Beim E. liegt die wahre Kunst nicht im dramatisch vorgeführten Entfesseln, vielmehr im Fesseln, bei dem er den entscheidenden Knoten unauffällig so geschickt anbringen muss, dass er sich mit einem einzigen kräftigen Ruck befreien und den Applaus des dämlich dreinschauenden Publikums einheimsen kann (vgl. Kurpfuscher, Psychotherapeut, Unternehmensberater).

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Entlassungsproduktivität

Einerseits als Unwort des Jahres 2005 verworfen, andererseits als Fachbegriff in die Betriebswirtschaftslehre aufgenommen. Der besondere Reiz liegt in der Prägnanz der Bezeichnung für einen komplizierten Zusammenhang. Das A & O des Wirtschaftens ist bekanntlich die Produktivitätssteigerung. Die Faustformel dafür heißt: Die Produktivität eines Betriebes steigt, wenn ein höherer Ertrag bei gleichem Einsatz erzielt wird oder der gleiche Ertrag bei weniger Einsatz. Pfiffige Köpfe haben nun zwischen dieser Lehrbuch-Alternative eine Ideallinie entdeckt: Die Produktivitätssteigerung durch Massenentlassungen, wenn weniger Einsatz von Lohngeldern den gleichen Ertrag bringt, wobei nichts davon gesagt wird, dass dieses Ergebnis nur durch höhere Leistung der im Betrieb verbliebenen Mitarbeiter zustande kommt. Das wird in der Chefetage grinsend als unvermeidlich hingenommen und an der Börse zu Recht mit einem Kurssprung honoriert (vgl. Arbeit, Ehrlichkeit, Investition, Kapitalismus).

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Entschädigung

Ein Wort, das nach jahrzehntelanger Zahlung von E.en Deutschlands aus dem deutschen Wortschatz gestrichen wurde, weil semantisch falsch und irreführend. In Wahrheit aber, damit nicht irgendwelche Leute eines Tages auf die fixe Idee kommen, eine E. zu verlangen für die Schäden, die sie im und nach dem Zweiten Weltkrieg durch die völkerrechtswidrige Flächenbombardierung von deutschen Wohngebieten erlitten haben oder durch die Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten oder durch den Raubbau am Schwarzwald oder durch die Demontage der deutschen Industrie oder durch die Mißachtung deutscher Patente oder als Frau durch die Vergewaltigung durch die Eroberer oder als Kriegsgefangener durch den gegen die Haager Landkriegsordnung verstoßenden Einsatz zur Zwangsarbeit. Ein Trost: In allen anderen europäischen Sprachen sowie im Russischen und Hebräischen gibt es das Wort E. nach wie vor. Es ist also für die Kultur kein großer Verlust zu beklagen (vgl. Krieg, Siegermentalität, Sprache).

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Entwicklungshilfe

Umschreibung für das mit gutem Gewissen ausgehaltene Verreckenlassen ganzer Völker. Denn je mehr seit einem halben Jahrhundert darüber geschrieben und an Organisationen gegründet wird, um so mehr vergrößert sich der Abstand zwischen den reichen und den armen Ländern. Selbst das 1970 von den Vereinten Nationen vorgegebene maßvolle Ziel, daß die Industriestaaten 0,7 % ihres Bruttosozialprodukts für E. ausgeben sollten, ist nicht annähernd erreicht worden (rühmliche Ausnahmen bilden nur Norwegen, Schweden, Dänemark und die Niederlande). Was leider nur zu verständlich ist. Denn so wie das Lebensgefühl des einzelnen Menschen vom Kontrast seiner Verhältnisse zu denen schlechter gestellter Menschen bestimmt wird, so lebt das weltweite wirtschaftliche Handeln von dem deutlichen Wohlstandsgefälle zwischen den Ländern (vgl. Egotismus, Entwicklungsländer, Ignoranz, Menschlichkeit).

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Entwicklungsländer

Die nach den westlichen Maßstäben der Produktivität und des Lebensstandards als unterentwickelt bezeichneten Länder Asiens, Afrikas, Amerikas und teilweise auch Europas haben sich als besonders attraktiv für den Tourismus erwiesen. Weil der Tourist seinen Wohlstand dort am wohltuendsten wahrnimmt, wo er im größtmöglichen Kontrast zum Leben der Einheimischen steht. Der Tourismus fördert jedoch die Entwicklung dieser Länder nicht, wie man lange Zeit geglaubt hat. Im Gegenteil. Verweigern sich doch immer mehr Menschen in den E.n der sogenannten Höherentwicklung, sobald sie die Touristen aus den höher entwickelten Ländern kennengelernt haben (vgl. Entwicklungshilfe, Mastferkel, Tourismus).

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Ephemera

In der Medizin der Fachbegriff für Eintagsfieber. Im Alltagsgebrauch der Sammelbegriff für allerlei Flüchtiges, für Dinge ohne bleibende Bedeutung, die nur für einmaligen Gebrauch bestimmt sind. Das sind vor allem diverse Papiererzeugnisse wie Fahrscheine und Eintrittskarten, Zeitungen, Reklamezettel, Poster und Bierdeckel, Tütchen und Kassenbons. Auf sie haben sich E.-Sammler spezialisiert. Erstaunlich ist, dass E. durch den Gebrauch wertvoller werden können wie Briefmarken, Notizzettel und Ansichtskarten. Was aber ganz sicher nicht generell gilt, weil auch Papiertaschentücher und Toilettenpapier unter den Begriff E. fallen, und die werden nun mal nicht durch den Gebrauch, sondern durch den Verbrauch wertvoller – für den Hersteller (vgl. Abfall, Kleinkram).

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Erbsünde

Illustration: Walter Hanel, Bergisch Gladbach

Illustration: Walter Hanel, Bergisch Gladbach

Nach Auffassung der christlichen Kirchen ein Makel, der als übles Erbe jeden Menschen verunziert, weil Eva dem Adam den Apfel vom verbotenen Baum zu essen gegeben hat. Diese märchenhafte Erklärung für die Unvollkommenheit des Menschen ist vermutlich die Umdeutung einer Freveltat aus der frühesten Frühzeit des Menschen. Bei diesem Frevel könnte es sich um die uns nicht zustehende Erhebung in den aufrechten Gang handeln, die uns mancherlei Vorteile, aber auch diverse heute noch spürbare Moläste eingebracht hat (vgl. Büstenhalter, Plattfuß, Religion, Rückenleiden, Stierkampf, Verschlucken, Wackelknie).

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Erdbewohner

Immer reizvoll sind die Spekulationen, wie viele Menschen unsere Erde insgesamt hervorgebracht hat. Dabei geht man davon aus, dass der Homo sapiens als erster Mensch gesehen werden kann. Er soll etwa um 50.000 vor unserer Zeitrechnung aufgetreten sein. Wie viele Mitmenschen er hatte, konnte er uns nicht überliefern, weil er noch nicht weiter als bis drei zählen konnte, und ein paar mehr müssen es schon gewesen sein. Schätzungen kommen auf rund 110 Milliarden Menschen, die bis heute geboren wurden. Von denen leben heute (im Jahr 2019) noch 7,75 Milliarden. Das sind also rund 8,5 %. Das heißt:  91,5 % aller jemals geborenen Menschen sind schon tot. Deshalb: Carpe diem! Aber beeil dich dabei (vgl. Lebenskünstler, Tod).

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Erderwärmung

Wer behauptet, die E. komme nur von den heißen Debatten über sie und den rauchenden Köpfen, die wir uns dabei holen, der ist genauso auf dem Holzweg wie der, für den die E. von der geballten Warmherzigkeit der rapide wachsenden Erdbevölkerung herrührt (vgl. Naturgesetze, Naturwissenschaft, Spekulation).

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Erderwärmung 2

Eine Binsenweisheit ist, dass alles Geschehen, egal ob von uns Menschen verursacht oder nicht, Vor- und Nachteile hat. Unübersehbar gibt es neben Tieren und Pflanzen, denen durch die E. das Aussterben droht, auch Tiere und Pflanzen, die Profiteure der Veränderungen sind. Zwar verlieren Eisbären ihren Lebensraum, aber Tigermücken weiten ihren aus, Fichten sterben ab, aber Algen blühen auf. Und auch wir Menschen können neben Nachteilen deutliche Vorteile verbuchen. Beispielsweise dass die Grönländer durch das Abschmelzen des Eises immer mehr nutzbares Land gewinnen, sie also Bewohner der absaufenden Malediven bei sich aufnehmen können, schließlich ist Insel Insel. Und die Leute auf Spitzbergen können demnächst ihre Toten, statt sie wie bisher nach Norwegen zu verschiffen, in heimischer Erde bestatten, weil der Boden nicht mehr zu hart gefroren sein wird für die Schaufeln der Totengräber. Nicht zu vergessen die Wissenschaftler, die in Sibirien haufenweise gut erhaltene Kadaver von längst ausgestorbenen Tierarten aus dem auftauenden Permafrostboden bergen können (vgl. Eulenspiegel, Relativität, Sehweise, Wertung).

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