Archiv der Kategorie: E

Erbsünde

Illustration: Walter Hanel, Bergisch Gladbach

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Nach Auffassung der christlichen Kirchen ein Makel, der als übles Erbe jeden Menschen verunziert, weil Eva dem Adam den Apfel vom verbotenen Baum zu essen gegeben hat. Diese märchenhafte Erklärung für die Unvollkommenheit des Menschen ist vermutlich die Umdeutung einer Freveltat aus der frühesten Frühzeit des Menschen. Bei diesem Frevel könnte es sich um die uns nicht zustehende Erhebung in den aufrechten Gang handeln, die uns mancherlei Vorteile, aber auch diverse heute noch spürbare Moläste eingebracht hat (vgl. Plattfuß, Religion, Rückenleiden, Stierkampf, Verschlucken, Wackelknie).

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Erdbewohner

Immer reizvoll sind die Spekulationen, wie viele Menschen unsere Erde insgesamt hervorgebracht hat. Dabei geht man davon aus, dass der Homo sapiens als erster Mensch gesehen werden kann. Er soll etwa um 50 000 vor unserer Zeitrechnung aufgetreten sein. Wie viele Mitmenschen er hatte, konnte er uns nicht überliefern, weil er noch nicht weiter als bis drei zählen konnte, und ein paar mehr müssen es schon gewesen sein. Schätzungen kommen auf rund 107 Milliarden Menschen, die bis heute geboren wurden. Von denen leben heute (im Jahr 2011) noch fast 7 Milliarden. Das sind also weniger als  7 %. Das heißt: Mehr als 93 % aller jemals geborenen Menschen sind schon tot. Carpe diem, aber beeil dich dabei (vgl. Lebenskünstler, Tod).

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Erderwärmung

Wer behauptet, die E. komme nur von den heißen Debatten über sie und den rauchenden Köpfen, die wir uns dabei holen, der ist genauso auf dem Holzweg wie der, für den die E. von der geballten Warmherzigkeit der rapide wachsenden Erdbevölkerung herrührt (vgl. Naturgesetze, Naturwissenschaft, Spekulation).

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Erderwärmung 2

Eine Binsenweisheit ist, dass alles Geschehen, egal ob von uns Menschen verursacht oder nicht, Vor- und Nachteile hat. Unübersehbar gibt es neben Tieren und Pflanzen, denen durch die E. das Aussterben droht, auch Tiere und Pflanzen, die Profiteure der Veränderungen sind. Zwar verlieren Eisbären ihren Lebensraum, aber Tigermücken weiten ihren aus, Fichten sterben ab, aber Algen blühen auf. Und auch wir Menschen können neben Nachteilen deutliche Vorteile verbuchen. Beispielsweise dass die Grönländer durch das Abschmelzen des Eises immer mehr nutzbares Land gewinnen, sie also Bewohner der absaufenden Malediven bei sich aufnehmen können, schließlich ist Insel Insel. Und die Leute auf Spitzbergen können demnächst ihre Toten, statt sie wie bisher nach Norwegen zu verschiffen, in heimischer Erde bestatten, weil der Boden nicht mehr zu hart gefroren sein wird für die Schaufeln der Totengräber. Nicht zu vergessen die Wissenschaftler, die in Sibirien haufenweise gut erhaltene Kadaver von längst ausgestorbenen Tierarten aus dem auftauenden Permafrostboden bergen können (vgl. Eulenspiegel, Relativität, Sehweise, Wertung).

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Erektion

Die E. des männlichen Geschlechtsmuskels wird vom Gehirn ausgelöst, sobald dort irgendwas Erogenes besondere Aufmerksamkeit erregt. Beim jungen Mann passiert das alle Augenblicke, weil ihm noch soviel unbekannt ist, beim alten Mann viel seltener, weil man ihm so leicht nichts Neues mehr bieten kann. Die E. ist also nichts, auf das man besonders stolz sein kann, eher im Gegenteil ein Zeichen von Unerfahrenheit. Mit Potenz hat sie nichts zu tun. Ihr mit sogenannten Potenzmitteln (Levitra und Viagra) auf die Sprünge zu helfen, heißt an den Symptomen herumfummeln. Wenn E.-Störungen auftreten, muss die Partnerin sich was Neues einfallen lassen – oder ausgewechselt werden (vgl. Potenz, Sex, Willensfreiheit).

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Erektionsstörung

Die Erektion des männlichen Gliedes muss nicht den Sinn haben, Nachwuchs zu zeugen, wie Kirchenmänner glauben. Es geht nicht um den Sinn des schönen Tuns, sondern um die Sinne, die über das Bewusstsein einen Befehl ans Blut geben, den Joystick zu füllen. Doch sind die Sinne launisch, besonders wenn ihnen allzu Bekanntes zugemutet wird. Sie machen ihre Mitwirkung gern von der Bedingung abhängig, dass ihnen Neues geboten wird. Das und nicht die Potenz unterscheidet den erfahrenen älteren Mann von dem jungen Springer (vgl. Abwechslung, Erektion, Treue).

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Erinnerung

Die E. ist mal Lust, mal Last, jedenfalls ein Schemen, das permanent zunimmt an Gewicht, bis es die Tagesereignisse aussticht. Dann bist du alt (vgl. Alter, Altersweisheit).

 

 

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Erinnerungen

Besser als jedes Sparbuch. Du sammelst Jahr für Jahr immer mehr gelebtes Leben im Hinterkopf und hast dann, wenn du alt bist und für dies und das dir Kraft und Saft fehlt, alles noch als E., und das mit mehr Kraft und Saft als je zuvor, quasi mit Zins und Zinseszins (vgl. Genuss, Selbststeuerung, Spaß, Zufriedenheit).

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Erzähler

Der E. verdoppelt und vervielfacht das Leben. Er übt damit zweifellos den ältesten Beruf der Menschheit aus. Selbst der Alte, der in der Antike am Stadttor hockte und gegen kleine Münze Geschichten erzählte, hatte bereits urzeitliche Vorgänger. Musste doch schon immer irgendwer da sein, der seinen Mitmenschen bot, was denen an Lebensfülle fehlte. Andernfalls hätten die sich schon als Jugendliche umgebracht, und die Spezies Mensch wäre längst ausgestorben (vgl. Lebenshilfe, Roman, Surrogat). 

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Erzählung

Eine E. ist eine Situation, die sich über die momentane Situation des Lesers legt. Als eine zwangsläufig kurzgefasste Wiedergabe von wirklichem oder erfundenem Geschehen löst sie Interpretationsunsicherheiten aus. Die Phantasie des Lesers muss darüber hinweghelfen, indem sie Lücken ausfüllt und damit die E. erst komplett macht. Da aber jedes Verstehen, wie Wilhelm von Humboldt erkannt hat, zugleich ein Nichtverstehen ist, bleibt ein unverstandener Rest. Das ist der Antrieb zum Weiterdenken. Von daher hat alles Erzählen seine Berechtigung und seinen besonderen Wert, vor allem auch im Vergleich mit der Sachbeschreibung. Denn das Weiterdenken ist der eigentliche Motor der Kulturentwicklung (vgl. Informiert, Kunstgenuss, Roman).

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