Archiv der Kategorie: E

Erdbewohner

Immer reizvoll sind die Spekulationen, wie viele Menschen unsere Erde insgesamt hervorgebracht hat. Dabei geht man davon aus, dass der Homo sapiens als erster Mensch gesehen werden kann. Er soll etwa um 50 000 vor unserer Zeitrechnung aufgetreten sein. Wie viele Mitmenschen er hatte, konnte er uns nicht überliefern, weil er noch nicht weiter als bis drei zählen konnte, und ein paar mehr müssen es schon gewesen sein. Schätzungen kommen auf rund 107 Milliarden Menschen, die bis heute geboren wurden. Von denen leben heute (im Jahr 2011) noch fast 7 Milliarden. Das sind also weniger als  7 %. Das heißt: Mehr als 93 % aller jemals geborenen Menschen sind schon tot. Carpe diem, aber beeil dich dabei (vgl. Lebenskünstler, Tod).

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Erderwärmung

Wer behauptet, die E. komme nur von den heißen Debatten über sie und den rauchenden Köpfen, die wir uns dabei holen, der ist genauso auf dem Holzweg wie der, für den die E. von der geballten Warmherzigkeit der rapide wachsenden Erdbevölkerung herrührt (vgl. Naturgesetze, Naturwissenschaft, Spekulation).

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Erektion

Die E. des männlichen Geschlechtsmuskels wird vom Gehirn ausgelöst, sobald dort irgendwas Erogenes besondere Aufmerksamkeit erregt. Beim jungen Mann passiert das alle Augenblicke, weil ihm noch soviel unbekannt ist, beim alten Mann viel seltener, weil man ihm so leicht nichts Neues mehr bieten kann. Die E. ist also nichts, auf das man besonders stolz sein kann, eher im Gegenteil ein Zeichen von Unerfahrenheit. Mit Potenz hat sie nichts zu tun. Ihr mit sogenannten Potenzmitteln (Levitra und Viagra) auf die Sprünge zu helfen, heißt an den Symptomen herumfummeln. Wenn E.-Störungen auftreten, muss die Partnerin sich was Neues einfallen lassen – oder ausgewechselt werden (vgl. Potenz, Sex, Willensfreiheit).

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Erektionsstörung

Die Erektion des männlichen Gliedes muss nicht den Sinn haben, Nachwuchs zu zeugen, wie Kirchenmänner glauben. Es geht nicht um den Sinn des schönen Tuns, sondern um die Sinne, die über das Bewusstsein einen Befehl ans Blut geben, den Joystick zu füllen. Doch sind die Sinne launisch, besonders wenn ihnen allzu Bekanntes zugemutet wird. Sie machen ihre Mitwirkung gern von der Bedingung abhängig, dass ihnen Neues geboten wird. Das und nicht die Potenz unterscheidet den erfahrenen älteren Mann von dem jungen Springer (vgl. Abwechslung, Erektion, Treue).

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Erinnerung

Die E. ist mal Lust, mal Last, jedenfalls ein Schemen, das permanent zunimmt an Gewicht, bis es die Tagesereignisse aussticht. Dann bist du alt (vgl. Alter, Altersweisheit).

 

 

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Erzählung

Eine E. ist eine Situation, die sich über die momentane Situation des Lesers legt. Als eine zwangsläufig kurzgefasste Wiedergabe von wirklichem oder erfundenem Geschehen löst sie Interpretationsunsicherheiten aus. Die Phantasie des Lesers muss darüber hinweghelfen, indem sie Lücken ausfüllt und damit die E. erst komplett macht. Da aber jedes Verstehen, wie Wilhelm von Humboldt erkannt hat, zugleich ein Nichtverstehen ist, bleibt ein unverstandener Rest. Das ist der Antrieb zum Weiterdenken. Von daher hat alles Erzählen seine Berechtigung und seinen besonderen Wert, vor allem auch im Vergleich mit der Sachbeschreibung. Denn das Weiterdenken ist der eigentliche Motor der Kulturentwicklung (vgl. Informiert, Kunstgenuss, Roman).

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Esoterik

Aktuelles Fremdwort für Unsinn. Denn E. spricht nicht den Verstand an, sondern den Glauben und ist deshalb um so attraktiver für einen Menschen, je weniger Verstand er hat (vgl. Rationalität, Kommerz).

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Esperanto

Eine Hoffnung, die zwar verständlich war und sich auch gut verständlich zu machen verstand, die sich aber zum Glück nicht erfüllt hat (vgl. Welthilfssprache).

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Etymologie

Die Lehre von der Herkunft der Wörter war bei den Alten Griechen beliebt, weil sie den Zugang zur wahren (etymos) Bedeutung eines Wortes zu bieten schien. Heute kennen wir den vielfachen Bedeutungswandel vieler Wörter und glauben nicht mehr daran, dass die erste Bedeutung „wahrer“ ist als die momentane soundsovielte, die Gemeingut geworden ist. Was jeden, der mit etymologischer Wahrheit argumentiert, als gefährlichen Wortverdreher entlarvt (vgl. Rhetorik, Virtuell, Wahrheit).

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Eudämonismus

Der permanent vorherrschende schlichte Wunsch glücklich zu sein – für den einzelnen Menschen wohl sowas wie ein Geheimtip. Doch eine Gesellschaft, die sich dem E. hingibt, muss aussterben, weil sie kaum noch Kinder zeugt. Denn Kinder bieten wenig Genuss, statt dessen machen sie Kosten und Arbeit und Ärger und früh alt, weil sie so rücksichtslos ihr Jungsein betonen (vgl. Bevölkerungsentwicklung, Gossen, Kindergeld, Liebesarten).

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