Archiv der Kategorie: D

Deutscher Michel

Illustration: James Steakley, Eulenspiegel Nr. 13, 1849

Der d., ursprünglich teutsche M. ist seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die personifizierte deutsche Dummheit. Ein tumber, kräftiger Kerl mit Schlafmütze auf dem Kopf, der immer wieder das belächelte Opfer der diversen Obrigkeiten sowie der lebenstüchtigeren Menschen in den Nachbarländern wird. Von daher ist die überkommene bildliche Darstellung der deutschen Wesensart immer noch hochaktuell (vgl. Anglizismen, Deutscher, Dumm, Flüchtlingskrise, Gutmenschen, Politiker, Toleranzmeister, Verdrängungswettbewerb).

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Deutschlandfahne

Die von Journalisten immer gern erwähnte D. gibt es überhaupt nicht, es sei denn als Bierfahne, das heißt als der Atemhauch eines deutschen Biertrinkers, was die Schreiber jedoch nicht meinen (vgl. Flagge, Journaille).

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Dialekt

Jeder D. ist Mutterlaut und deshalb jeder Hochsprache an Gemütswerten und an Intensität des Ausdrucks überlegen. Ein D.-Sprecher jedoch, dem noch als Erwachsener die Hochsprache Schwierigkeiten bereitet, erweist sich damit als nicht richtig abgenabelt. Das wirkt sich negativ auf sein berufliches Fortkommen aus. Zu unterscheiden nach D.en, die einem gefallen, und solchen, die einem nicht gefallen, ist zwar üblich, dennoch unsinnig, weil sich niemand seine Mutter aussuchen kann (vgl. Sprache, Bildung, Karriere).

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Dialektik

Illustration: Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

Illustration: Jules Stauber, Schwaig bei Nürnberg

Während ein unvereinbarer Widerspruch eine Antinomie ist und bleibt, sollen spitzfindig konstruierte Widersprüche sich durch D. überwinden lassen. Dabei ist zu bedenken: Dem griechischen Ursprung nach kommt D. von “sich unterhalten”. Deshalb ist die D. mehr unterhaltsam als informativ. Den Begriff soll der griechische Philosoph Zenon von Elea (ca. 490-430) aufgebracht haben. Er konnte nicht ahnen und verhindern, dass im Laufe der Jahrhunderte immer wieder anderes unter D. verstanden wurde. Nur dass es stets um Gegensätzliches ging, das man unter einen Hut zu bringen versuchte, hatten die diversen Deutungen gemeinsam. Die D. hat als “alter Hut” ausgedient, nachdem der Marxismus, krampfhaft um den Anschein von Wissenschaftlichkeit bemüht, sich auf den Begriff gestürzt hat, um damit seine “Erkenntnisse”, vor allem auch die Sicherheit seiner kühnen Zukunftsdeutung zu begründen (vgl. Rabulistik, Philosophie, Wahrheit).

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Diät

In der Einzahl ein zweifelhafter Vorschlag, durch gezielte Enthaltsamkeit im Essen eine Verschlankung zu erreichen. In der Mehrzahl dagegen wird zweifellos nur eine Verdickung erreicht. Wogegen auch ständige, meist unanständig überzogene Steigerungen nicht helfen (vgl. Körperkultur, Politiker, Speck).

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Diäten

D. bieten ein gutes Beispiel dafür, dass es das Gute an sich und als solches und überhaupt nicht gibt. Denn sie machen Politiker hässlich dick und Frauen hässlich dünn (Körperkultur, Philosophie, Politiker).

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Dichter

Illustration: Silvia Davi, Luzern

Illustration: Silvia Davi, Luzern

D. ist das Gegenstück zu Bauer. Für die Grundversorgung einer Gesellschaft ist der eine so wichtig wie der andere. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Was mit einer Gesellschaft los ist, erkennt man daran, wie sie den einen und den anderen fördert. Obwohl die beiden  gemeinsam haben, dass sie auch Mist produzieren, sind wir in Deutschland so dreist, einen deutlichen Unterschied zu machen: Der Bauer erhält 46 % seines Einkommens durch Direktzahlungen und Zuschüsse aller Art, der Dichter 0 %. Da ist es kein Wunder, dass wir kulturell verarmen, was man durch Importe amerikanischer Machwerke auszugleichen versucht (vgl. Hungerleider, Bauer).

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Dichtung

Die drei Formen der Dichtung heißen Epik, Lyrik und Drama. Für viele ist die Lyrik das Höchste, für mich die Epik. Das Drama ist nur noch eine Krüppelform des Erzählens, weil durch die Verselbständigung von Dialog und Monolog die Schilderung der Situationen fast ganz wegfällt. Dabei zeigt sich vor allem in diesen Sätzen, was ein Dichter an Verdichtung zu bieten hat. Allerdings hat auch die Epik eine Krüppelform ausgebildet, den Krimi, bei dem durch die Verselbständigung eines einzelnen Erzählelements, nämlich der Spannung, die den Leser über alles Drumherum hastig hinweg hoppeln lässt, die Erzählkunst deformiert wird (vgl. Krimi, Lyrik).

 

 

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Dienstleistungsgesellschaft

Angeblich soll sich jede moderne Gesellschaft zur D. entwickeln. Was in Deutschland nicht funktioniert, weil die meisten Dienstleistungsunternehmen frühere Behörden sind und es mit der bloßen Privatisierung nicht getan ist, solange uns das Dienen ein Fremdwort bleibt (vgl. Lächeln).

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Digital

D. gilt als das Zauberwort für alles Moderne. Wer Latein gelernt hat, weiß, es kommt von den Alten Römern. Denn deren digitalis heißt: mit den Fingern. Doch Vorsicht! Wer jetzt auf diese scheinbar moderne Essmethode umsteigt, sollte sich vorher gründlich die Hände waschen, natürlich nicht nur analog. Die immer so nervend konservativen Briten halten eine andere Herleitung für richtig: Weil sie noch alles an den Fingern abzählen, hilfsweise auch an den Zehen, haben sie das Wörtchen digit erfunden, das Finger, Zehe oder Ziffer heißen soll und mit dem sie die Welt d. machen, indem sie alles befingern, an den Zehen abzählen oder beziffern. Weil die Ziffern 0 – 9 an unseren zehn Fingern oder Zehen abgezählt werden können und weil die Alten Römer auch in England waren, sind mir beide Herleitungen recht (vgl. Analog, Digitalisierungswahn, Fingerfood, Petting).

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