Archiv des Autors: Laufenberg

758. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

In Hamburg haben beim Treffen der führenden Wirtschaftsländer Protestler zahlreiche Autos abgefackelt. In Frankreich waren es landesweit fast 900 Autos, die am französischen Nationalfeiertag in Flammen aufgingen, was dort schon Tradition ist. So äußert sich hier wie dort die Wut des Kleinen Mannes auf den Kapitalismus in Aktionen, die vor allem den Absatz der Autoindustrie fördern. Damit erweisen sich diese heißen Attacken als ein Bildungsproblem: Die Protestler wissen weder, was Kapitalismus ist, noch was alles das Brutto-Inlandsprodukt des verhassten Landes steigert. Es müsste also entschieden mehr in die Grundschulen investiert werden – und in die Ausbildung der Grundschullehrer.

 

 

In diesem Jahr arbeiten wir erst ab dem 19. Juli in die eigene Tasche. Alles, was bisher verdient wurde, war für die Steuer und diverse Abgabenkassen. Dieser vom Steuerzahlerbund berechnete so genannte Steuerzahler-Gedenktag lag im vorigen Jahr noch etwas näher an der Jahresmitte: der 16. Juli 2016. Die Belastung der Bundesbürger wird also ungeniert weiter über die 50 % ihres Arbeitseinkommens hinaus gesteigert.

 

 

Wer Martin Luther als einen unserer wichtigsten Sprachschöpfer verehrt, kann sich nur noch wundern über die Evangelische Kirche Deutschlands. Weil die sich ausgerechnet im Lutherjahr 2017 mit Anglizismenbegeisterung (sie nennt ihr kostenloses W-Lan godspots) und mit Schulmeisterei an klassischen deutschen Liedtexten hervortut, nämlich im Liederbuch des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2017. Dort soll es genderneutral statt „So legt euch denn, ihr Brüder“ jetzt heißen: „So legt euch, Schwestern, Brüder“, und in dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“ soll „und unsern kranken Nachbarn auch“ ersetzt werden durch „und alle kranken Menschen auch.“ Der sprachgewandte Martin Luther war offensichtlich in der Evangelischen Kirche eine absolute Ausnahmeerscheinung.

 

 

Die Neue Zürcher Zeitung hat meinen Wortschatz mit einigen sehr schönen Übernahmen aus dem Schweizerdeutschen bereichert: Mein Fahrrad heißt Velo (steht zufällig auch auf dem Rahmen), jeder Atemzug ist ein Schnauf, und wenn ich mich mit einer Sache nicht weiter beschäftigen will, dann schubladisiere ich sie einfach.

 

 

Schöne neue Welt. Seit Anfang dieses Monats gilt in Deutschland die von der EU geforderte Obergrenze von 10.000,- Euro für eine unkontrollierte Bargeldzahlung. Bei höheren Bargeldbeträgen muss der Zahlende Personalausweis oder Reisepass vorlegen und es hinnehmen, dass der Vorgang notiert wird. Das ist neben der Propagierung der Kartenzahlung der nächste Schritt hin zum gläsernen Bürger. Die dafür gegebenen Begründungen wie Schwarzgeldentdeckung und Verhinderung von Rauschgifthandel sind nur vorgeschoben. Der Staat und die ihn tragenden Banken sowie Interessenvereinigungen wollen in Wahrheit jederzeit wissen, wer wann und wo für was wieviel Geld ausgegeben hat, um uns noch besser an der kurzen Leine halten und in unserem Konsumverhalten manipulieren zu können.

 

 

Der BER und sein Alleinstellungsanspruch. Für den irgendwann kommenden Berliner Großflughafen soll der Flughafen Tegel geschlossen werden. Da bekämpfen sich mehrere Flughafengesellschaften. Und das, obwohl Berlin gern eine Metropole wie London und Paris sein möchte. Dass dazu auch mehr als ein einziger Flughafen gehört, ist noch nicht angekommen. Hat man in Berlin wirklich noch nicht mitgekriegt, dass es Witterungsbedingungen oder Terrorwarnungen geben kann, die ein Ausweichen auf den Nachbarflughafen erforderlich machen?

 

 

Der Deutsche Bundestag hat ein Gesetz zur Rehabilitierung und Entschädigung der wegen Homosexualität Bestraften beschlossen. Eine notwendige Regelung, weil sich die öffentliche Meinung zur Homosexualität in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert hat. Jetzt darf man gespannt sein, wie in den vielen anderen Fällen der grundlegenden Änderung der öffentlichen Meinung und der deswegen erfolgten Abschaffung eines Straftatbestandes die Rehabilitierung und Entschädigung geregelt wird, beispielsweise bei Abtreibung, Kuppelei, Ehebruch, Desertion, Majestätsbeleidigung und Erregung öffentlichen Ärgernisses. Deswegen Bestrafte bilden Opfergruppen, hinter denen nicht so eine starke Lobby steht wie hinter den Homosexuellen.

 

Wenn es im Gespräch um den Brexit geht, höre ich immer öfter die Forderung: Man sollte den Abschied der Briten dazu nutzen, endlich auch die Absurdität zu beenden, dass in der EU bei allen Veröffentlichungen die Sprache der größten Volksgemeinschaft, nämlich das Deutsche, als drittrangig hinter Englisch und Französisch abgetan wird. Die Nazizeit und der verlorene Krieg liegen jetzt soweit zurück, dass die heutigen Bewohner Deutschlands und Österreichs – und vor allem ihre Politiker – nicht länger gesenkten Hauptes und in Sack und Asche gehen müssen.

 

Vor einigen Tagen überraschte mich Franz Westner, der Inhaber des Salon Literatur Verlags in München, in dem 2008 mein Roman „Der Hund von Treblinka“ erschienen ist, mit der Meldung: Ein Verlag in Luxemburg bringt jetzt eine Sonderausgabe dieses Buches heraus, und die ist bereits im Druck, in Israel. Daraufhin habe ich mein Buch noch einmal gelesen und bin erschüttert. Das ist sicher das Stärkste, das ich je geschrieben habe. Ich habe immer viel gelesen, und zu rund hundertfünfzig Büchern habe ich ausführliche Rezensionen veröffentlicht, doch habe ich kein Buch gelesen, das so inhaltsschwer und so treffsicher im Ausdruck ist, so ergreifend  wie „Der Hund von Treblinka“. Jetzt meinte mein Verleger Franz Westner, „Der Hund von Treblinka“, sei für ihn einfach ein Glücksfall.  Treblinka

 

 

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Toleranzmeister

Neben Fußball und Tennis ist Toleranz die dritte Sportart, in der wir Deutschen uns nicht gern übertreffen lassen. Wir tolerieren deshalb alles, und das bis zur Selbstaufgabe. Beispielsweise tolerieren wir, dass wir die Alleinschuld tragen am Ausbruch von zwei Weltkriegen. Dass wir die Kolonien verloren haben, weil wir nicht so mit den Einheimischen umgegangen sind wie unsere europäischen Nachbarn. Dass wir die Deutsche Mark abschaffen mussten, damit die Mauer fällt. Dass unsere Ersparnisse zugunsten der großzügigen Bankenrettung weggeschmolzen sind. Dass uns jetzt auch noch der Euro als Bargeld aus der Hand genommen wird. Dass wir uns daheim und auf der Straße nicht mehr sicher fühlen können. Dass unsere Sprache von den europäischen Institutionen, die wir finanzieren, als drittrangig abgetan wird. Dass ausländische Künstler generell besser sind als deutsche. Dass wir Ausländer, Zigeuner, Neger und zig andere Wörter nicht mehr in den Mund nehmen dürfen. Und dass uns nach zweihundert Jahre langem Ringen um Gedankenfreiheit eine neue Religion aus dem Orient aufs Auge gedrückt wird (vgl. Deutscher, Dummheit).

 

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Grieche

Als G. darf man sich genießerisch zurücklehnen, weil schon die Vorvorvorfahren all das durchgekaut haben, was die Barbaren aller Art heute noch an Grundsatzfragen beschäftigt. Die Erinnerung an diese Leistung ist ein großzügiges Honorar wert, auch heute und morgen und übermorgen. Verstanden? (vgl. Schläue, Überlegenheit, Verallgemeinerung).

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Förderer

Das ist das Faszinosum der Nachrichtenübermittlung: Wenn du erreichen willst, dass einer deiner Zeitgenossen für dich das Maul aufreißt, musst du ihm hinten reinkriechen (vgl. Dank, Geschmackssache, Politik).

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Duzen

Das D., also die Anrede Du mit Vornamen, ist weiter auf dem Vormarsch, vielfach gefördert durch populäre Fernsehsendungen sowie das Internet, in einigen Unternehmen sogar schon zur Pflicht gemacht. Manch einer hält das für Modernität, die sich dem angelsächsischen Gebrauch anpasst. Dahinter steht peinliche Unkenntnis, denn das englische You ist sprachhistorisch kein Du, sondern ein Ihr. Ein Trugschluss auch, das Du mit Vornamen für persönlicher als das bisher übliche Sie mit Nachnamen zu halten. In Wahrheit ist die Duzerei mit Vornamen der Ausdruck von völligem Desinteresse an dem anderen und eine Methode der Anonymisierung. Aber das merkt man erst, wenn man irgendwann versucht, den geduzten Fremden, von dem man nur den Vornamen weiß, zu kontaktieren. Nichts geht. Da hilft kein Google und kein Telefonbuch (vgl. Amerikanisierung, Dummheit, Kontakt).

 

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757. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Meine Staatsbürger – deine Staatsbürger. Erdogan, der möglichst oft alle Türken in Deutschland mit feurigen Reden für sich einnehmen möchte, ist nur mit Mühe zu stoppen. Damit wird so nebenbei deutlich, wie unsinnig die doppelte Staatsbürgerschaft ist – und wie lästig sie sein kann.

Die Anrede Du mit Vornamen ist weiter auf dem Vormarsch, besonders gefördert durch populäre Fernsehsendungen, weil angeblich sehr viel persönlicher. Ein Trugschluss. Denn in Wahrheit ist die Duzerei eine Methode der Anonymisierung. Aber das merkt man erst, wenn man versucht, den Bekannten, von dem man nur den Vornamen weiß, zu kontaktieren. Nichts geht. Da hilft kein Google und kein Telefonbuch.

Am Freitag, dem 30. 6. 2017, als es um die Zulassung der Ehe für alle ging, hat der Deutsche Bundestag den schon seit der Inkraftsetzung des Grundgesetzes am 23. 5. 1949 geltenden Artikel 38, Satz 2 entdeckt: Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages „sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“ Damit sind eigentlich schon seit 1949 Einschränkungen der freien Stimmabgabe wie der Fraktionszwang und die Vereinbarung von Koalitionären, keine wechselnden Mehrheiten zu schaffen, unzulässig. Doch haben die Parteien, diese von den Vätern des Grundgesetzes bewusst nicht in den Rang von Staatsorganen erhobenen, sondern nur als notwendige Übel zugelassenen Interessengruppen, es bisher durch geschickte Gesetzesauslegung immer wieder geschafft, die wirklich freie Entscheidung der Abgeordneten zu verhindern.

Aus der Zeitung erfahre ich, dass die Zahl der Einkommensaktionäre in Deutschland kräftig steigt. Das passt zu den wiederholten Anregungen in der Presse, man solle seine Ersparnisse in Aktien anlegen. Wirklich ein guter Rat, aber von unserer Regierung zu teuer gemacht durch die Abgeltungssteuer, die von jedem Gewinn, gleich ob Dividende oder Verkaufserlös, sofort ein volles Viertel raubt. Eine  Zweitbesteuerung von Gewinnen, die mit bereits versteuertem Kapital erreicht wurden. Dabei muss der Kleinaktionär sich dann auch noch anhören, diese 25-%-Steuer sei ein besonderes Entgegenkommen, weil sonst der normale Einkommenssteuersatz gelten würde, und der geht ja hinauf bis 42 %. Ein Hohn für den Normalbürger, der es hinnehmen muss, dass mit der ihn besonders belastenden Abgeltungssteuer den Superreichen ein Extra-Geschenk gemacht wird.

Ob Elefanten, Nashörner oder Riesenmantas, sie müssen in Massen ihr Leben lassen für die Verrücktheit von Asiaten, die an die Kraft von aus ihrem Horn gemahlenem Aphrodisiakum glauben. Doch jetzt macht ein Berliner Start-Up-Unternehmen Hoffnung. Drei junge Leute mahlen aus alten Autoreifen Sex-Pülverchen, geschmacklich leicht veredelt, die sie auf den asiatischen Märkten mit dem Spruch bewerben: Und steht und steht und steht.

Merkel und Seehofer machen uns mit ihrem Wahlprogramm klar, dass es uns sehr gut gehe. Wusste ich aber schon. Denn in einem Kleingartengelände hatte ich vor kurzem einen neuen Indikator für Wohlstand entdeckt. Dass inzwischen etwa 80 % der Gärten fast nur noch aus einer Rasenfläche bestehen, heißt: Es kann uns kaum noch besser gehen.

Mal wieder „Die Zeit“ gekauft und zu viel Zeit dafür aufwenden müssen, viel zu viel Papier um- und um- und umzuwenden. Da tat mir der Wald leid, der dafür sein Leben lassen musste.

Wer die Barbie-Puppe nicht nur hässlich findet, sondern auch eine Zumutung, muss sich eines Besseren belehren lassen: Die Barbie-Puppe ist nicht das Abbild der typischen Amerikanerin, sondern bloß die Kopie und Nachfolgerin einer deutschen Puppe, die nach einer 1952 geschaffenen Comic-Figur in der Bild-Zeitung im Jahre 1955 als Bild-Lilli in den Handel gebracht worden war. Schon bald darauf an ein US-Unternehmen verkauft, kam sie 1959 als unwiderstehlich amerikanische Barbie-Puppe über uns.

Jetzt hat mir ein Leser gestanden: „Ich habe die ersten dreißig Seiten Ihres  Hohe Zeit CoverLebensromans Hohe Zeit gelesen und war davon ziemlich irritiert. Deshalb habe ich das Lesebändchen auf Seite 30 gelegt und erst einmal das im Anhang abgedruckte Interview des Verlegers mit dem Autor gelesen. Das war sehr aufschlussreich. Danach habe ich das ganze Buch in einem Zug durchgelesen, und das mit Genuss.“

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756. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Afrika ertrinkt im Mittelmeer, Tag für Tag. Aber Afrika kam auch zur Afrika-Tagung nach Berlin. Und Zyniker könnten sagen: Die Unmengen an Wasserleichen werden nach wie vor mehr als ausgeglichen durch den extrem hohen Vermehrungsindex der Schwarzen. Doch war das kein Thema für die Afrikatage in Berlin. Daran wollte man nichts ändern, weil die Großindustrie mit am Tisch saß. Die aber hat kein Interesse an Geburtenbeschränkung, denn viel Volk bedeutet viel Umsatz.

In meiner Zeitung geht es vom Finanzteil über die Fondstabellen ungebremst in den Sportteil. Das ist irreführend, weil es die typische Entwicklung auf den Kopf stellt. Ist doch offensichtlich, dass der Sport ungebremst in den Finanzsumpf führt, wie die Fußballgötter Franz Beckenbauer und Christiano Ronaldo und Genossen vorgeführt haben.

Helmut Kohl ist gestorben. Für mich aber bleibt er in der Erinnerung lebendig, weil ich den Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz kennen gelernt habe, in seinem Wahlkampf 1971, den ich als Werbeberater (und Nicht-Parteimitglied) mitgestalten konnte. Mit dem Mann konnte man sich kurz und klar verständigen.

Lässt sich die Dummdreistigkeit unserer Spitzenpolitiker noch steigern? Jetzt muss die unzulässige Brennelementesteuer von 6 Milliarden Euro auch noch mit 6 % Jahreszinsen an die Atomherren zurückgezahlt werden. Von uns, den Steuerzahlern. Und das nur, weil die Bundesregierung es seit Jahren versäumt hat, diesen hohen Zinssatz, der in der Abgabenordnung festgeschrieben ist, per Gesetzesänderung den heutigen Verhältnissen anzupassen.

Der stationäre Buchhandel, dem die Versandhändler an die Gurgel gegangen waren, kann aufatmen. Denn die Buchkäufer gehen neuerdings wieder in die Buchhandlung, statt online zu bestellen, weil sie nicht mit jeder Buchbestellung unvermeidbar das heimlich erstellte Persönlichkeitsprofil ausbauen wollen und auch den Rattenschwanz von Werbung auf ihrem Bildschirm nicht mögen, der dann folgt.

In meiner Muttersprache Deutsch kommt der Mensch schlecht weg. Nichts, absolut nichts reimt sich auf ihn. Aber mich deshalb nur für Tiere (reimen sich so schön auf Biere) zu begeistern, nur für Geld (reimt sich ja noch halbwegs auf Welt) oder fürs Essen (reimt sich auf Fressen), halte ich für Feigheit.

„Imperialismus ist, wenn die eigene Kultur flöten geht. Jedes zweite Stück auf deutschen Spielplänen hat einen englischen Titel. Wir machen uns zu Sklaven, wir finden es schick, wenn die Internetsprache deutsche Bühnen bestimmt. Wenn wir so weitermachen, wird das Deutsche ‘ne Zwergensprache. Wir sind Deutsche durch Sprache, nicht durch Krupp oder die Bild-Zeitung.“ So formulierte es die Theaterlegende Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, der gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert hat. Zu überlegener Sicht gehört offenbar ein höheres Alter.

Jetzt bin ich von einer besonders kritischen Lektorin mit Carl Zuckmayer verglichen worden. Was mir passt, weil Zuckmayer genau die Flughöhe zwischen Sinndeutung und Unterhaltung einnimmt, die ich in meinen Büchern zu halten bemüht bin. Wenn das auch eine schwierige Position ist, wie der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki einmal über Zuckmayer gesagt hat: „Für die Kritik galt er oft als zu volkstümlich und für das Volk bisweilen als zu kritisch. Die Linken hielten ihn für konservativ und die Konservativen für allzu links. So saß er oft zwischen allen Stühlen. Das jedoch ist für einen Schriftsteller kein schlechter Platz.“

Ich bin ein Reisemensch. Doch als ich jetzt einmal gezählt habe, in welchen von den  Hohe-Zeit-Cover-Satiregut 200 Staaten der Erde ich schon war, kam ich nur auf 66. Da beschämt mich mein NETZINE, das nach den Angaben der Statistikfirma in weit über hundert Ländern gelesen wird. Ein Trost sind jedoch meine beiden Reisebücher, die in diesem Frühjahr erschienen sind, nämlich der radikal offene Roman „Hohe Zeit“ über meine Erlebnisse als Reiseleiter in den 50er, 60er und 70er Jahren sowie der doppelte Kreuzfahrtbericht „Karibik ohne Kannibalen“.

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Wahrheitsfindung

Sich modern gebende Wissenschaftler und Theologen bemühen sich um die Überwindung des alten Gegensatzes von Wissenschaft und Religion. Damit könnten sie Erfolg haben, weil es sich um keinen allzu großen Unterschied handelt.  Ist doch jede wissenschaftliche Aussage nur solange wahr, wie sie nicht von neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Kokolores gemacht wurde, während die religiösen Aussagen von Anfang an Kokolores sind (vgl. Dogma, Galilei, Inquisition, Spinat, Wahrheit).

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Fuzzi

Abwertende Bezeichnung für einen kleinen Kerl, den man nicht ganz ernst nimmt. In Österreich auch üblich für das deutsche Wort Fritze, wodurch der Werbefritze zum Werbefuzzi wird, der Computerfritze zum Computerfuzzi. Jedenfalls ist das Wort F. nicht zu verwechseln mit dem englischen Wort fuzzy, das in Fuzzilogik steckt. Logisch (vgl. Fuzzilogik)

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Fuzzilogik

Den Begriff fuzzy (englisch für verwischt, fusselig) hat der amerikanische Elektrotechnik-Professor Lotfi A. Zadeh im Jahre 1965 aufgebracht. Er erweitert das traditionelle abendländische Alternativdenken, das im binären System der Computertechnologie (1 oder 0) seinen Höhepunkt erreicht hat, durch den Blick auf einen Bereich unscharfer Mengen, der zwischen den Alternativen liegt. Wann ist jemand alt, wann jung? Was ist noch ein Hügel, was schon ein Berg? Die F. berücksichtigt auch das Vage und das Mehrdeutige. Erfolgreiche Praxisanwendungen auf vielen Gebieten, vor allem in Japan in der Regelungstechnik von U-Bahn-Systemen. Heute auch Grundlage der sogenannten Intelligenten Schadenprüfung (ISP) der Versicherungen, bei der auch die cleversten Betrüger alt aussehen (vgl. Alternativdenken, Fuzzi, Logik, Versicherungsbetrug).

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Alternativdenken

Die Zen-Philosophie macht sich darüber lustig, wie das westliche Denken, anders als das östliche Denken, immer in der Alternativvorstellung stecken bleibt. Bei uns ist alles entweder so oder das Gegenteil, weil wir alles aus seinem Gegenteil heraus definieren. Das ist simpel, aber bisher ungeheuer erfolgreich. Doch beim Gegensatzpaar Mann – Frau sind wir neuerdings ins Schwimmen geraten, bei dem Gegensatzpaar Mensch – Tier wollen wir lieber ganz weghören, und das Gegensatzpaar Belebtes – Unbelebtes bleibt unerklärlich. Also einfach abrücken von dem simplen westlichen Denken in Alternativen und generell das Zen-Denken einführen? – Damit wären wir dann auf die Alternative von westlichem und östlichem Denken hereingefallen. Schon Platon hat gesehen, dass zwischen wahr und falsch ein dritter Bereich liegt. Daraus hat sich mit peinlich großer Verzögerung die moderne Fuzzilogik entwickelt, vor allem in Japan, die sich sogar in der Praxis bewährt hat (vgl. Denken, Fuzzilogik, Logik, Zen).

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Sprichwörter

S. sind materialisierte Erfahrungen und Gedanken von unbekannten Altvorderen, die man deshalb dem Volksmund zuschreibt. Das unterscheidet sie von den Geflügelten Worten, die Zitate aus bekannten Werken sind. Die einen wie die anderen sind vielseitig einsetzbar und werden sehr gern eingesetzt, weil sie ohne eigene Erfahrung und Denkleistung schon dadurch überzeugend wirken, dass sie bekannt sind. Dass sich S. auch widersprechen können – Gleich und Gleich gesellt sich gern – Gegensätze ziehen sich an –, wird großzügig verziehen, denn auch für den Volksmund gilt: Irren ist menschlich (vgl. Rhetorik, Sprache, Spruchbeuel).

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Jugend

Wer seiner oder seinem Geliebten die viel bewunderte J. und Attraktivität auf ewig erhalten will, braucht sie oder ihn nur rechtzeitig zu verlassen – auf Nimmerwiedersehen. Nebeneffekt: Das macht auch die eigene Attraktivität ewig (vgl. Jugendlichkeit, Relativität).

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Auf nach Russland! (2017)

 

Jeder, ja, ausnahmslos jeder sieht sich im Mittelpunkt der Welt. Schon deshalb ist die Herumreiserei, der wir uns so gern hingeben, sinnvoll. Sie lässt uns aus dem Mittelpunkt rutschen. Weil wir damit zurechtkommen müssen, dass unsere Nationalität ein bloßer Zufall ist, genau wie unsere Sprache und unsere Religion und unser Beruf, unser Geschlecht, unser Alter und unsere Größe sowie Hautfarbe. Gibt es erstaunlicherweise alles auch ganz anders und doch genauso menschlich. Deshalb gibt es so viele Mittelpunkte der Welt, wie es Menschen gibt.

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Revolution

R., das Gegenteil von Evolution oder Reform, ist sowas wie ein Baiser. Für die einen, nämlich die Revoluzzer, der Inbegriff des Genusses, für alle anderen nur eine Luftnummer, also etwas Aufgeschäumtes, das keinen Menschen satt macht, ausgenommen die Führer der Revoluzzer, die nicht von ihren Kampfgenossen umgebracht wurdcn  (vgl. Spruchbeutel, Verführung).

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Freunde

F. sehen einander ins Gesicht, so offen füreinander sind sie. Wobei ihre Rücken, hinter denen sich die natürliche Rivalität verbirgt, in verschiedene Richtungen zeigen. Je mehr sie ein Gefühl für diese unvermeidliche Divergenz haben, umso mehr müssen sie ihr Einigsein betonen. Ein Übertünchen wie in der Werbung, wo die negative Eigenschaft eines Produkts stets als ein besonderer Vorzug dargestellt werden muss (vgl. Ehrlichkeit, Freundschaft, Missgunst, Neid, Rivalität).

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Österreicher

Ö. sind Lebenskünstler, und ganz gerissene. Erst kultivierten sie die Heiratspolitik als Ersatz für die noch anstrengendere Eroberungspolitik. Dann machten sie einem kleinbürgerlichen Problematiker das Leben so schwer, dass er abhaute und sich zum Deutschen machen ließ. Und nachdem der Flüchtling eine Weltkatastrophe veranstaltet hatte, gaben sie sich auch noch als seine Opfer aus. Doch damit nur ja kein Neid auf ihre überlegene Lebensart aufkommt, garnieren sie alles Schöne mit einer speziellen Art der ironischen Distanzierung, was sie Schmäh nennen und schön finden (vgl. Amerikaner, Deutscher, Schweizer, Verallgemeinerung).

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Bernd Schroeder: Warten auf Goebbels

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Morgenstern, Christian

Der Lyriker, Aphoristiker und Übersetzer (1871-1914), der scheinbar das Glück hatte,    Scan0052exakt die Friedensjahre zwischen dem Deutsch-Französischen Krieg und dem Ersten Weltkrieg als seine Lebenszeit zu haben, war das genaue Gegenteil von einem Glückskind und auch alles andere als der lustige Vogel, als den ihn seine Ulk-Gedichte (Galgenlieder, Palmström, Korf und Kunkel) zeigen. Dass sein Nachruhm sich fast ausschließlich auf diese von ihm selbst als „Beiwerkchen“ und „Nebensachen“ bezeichneten Sprach- und Gedankenspiele bezieht, die in der 9-bändigen Gesamtausgabe seiner Werke bloß einen Band füllen, ist eine böse Ironie des Schicksals. Von dem er ohnehin geschlagen war: Körper und Gemüt viel zu zart besaitet, mit neun Jahren die tuberkulosekranke Mutter verloren, bald mit dem ignoranten Vater total zerstritten, immer in Geldnot, harmoniesüchtig, lungenkrank und schließlich nur noch von Sanatorium zu Sanatorium pilgernd – ist er schon mit 42 Jahren gestorben. Sechs Jahre zuvor hatte er seine Frau gefunden, Margareta Gosebruch von Liechtenstern, die ihn jedoch an die Wirr-Philosophie Rudolf Steiners auslieferte, in der M. endlich den Weg ins Glück gefunden zu haben glaubte. – Friede, Freude, Eierkuchen (vgl. Glauben, Steiner).

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Klaus Modick: Bestseller

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Hass

H. kenne ich nicht. Denn je mehr man über die Spezies Mensch nachgedacht und gelernt hat, umso weniger kann man einen Menschen hassen, weil er ist wie man selbst (vgl. Rückkopplung, Verständnis).

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Veganismus

V. ist die pure Überheblichkeit und Selbstüberschätzung, weil Veganer den Menschen als eine über der Tierwelt stehende besondere Gattung herausstellen. In Wahrheit sind wir Menschen bloß Tiere, deren Gehirn sich hypertroph entwickelt hat, wobei die natürliche Instinktsicherheit weitgehend verloren ging. Das führt zu absurd falschem Verhalten gegenüber Tieren wie auch gegenüber Menschen (vgl. Hybris, Pets, Sentimentalität, Vegetarier).

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Prioritäten

Dass Politiker nicht die Wahrheit sagen, kann man ihnen nicht vorwerfen, denn das gehört zum Geschäft. Man muss sich nur immer wieder klarmachen, dass sie bei ihrer eifrigen Wuselei konsequent und klammheimlich die falschen P. setzen: Immer an erster Stelle die eigene Karriere, an zweiter Stelle die Macht der Partei, der sie angehören, und erst an dritter Stelle das Interesse der Menschen, für die sie angeblich arbeiten (vgl. Ehrlichkeit, Ich, Politiker, Selbstlosigkeit).

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Medien, soziale

Unter diesem schiefen Begriff werden moderne Kommunikationsmittel zusammengefasst, die neben den etablierten Medien Presse, Funk und Fernsehen existieren, wie Facebook, Twitter, YouTube, Blogs und andere Foren. Mit ihnen sind erstmals für das Publikum Plattformen geschaffen für die freie Meinungsäußerung in der Öffentlichkeit. In der Praxis führen sie jedoch zu einer Beschränkung der Meinungsfreiheit, sobald man erkannt hat, dass man mit jeder Äußerung sein persönliches Profil verdeutlicht, das die hinter den s. M. stehenden Interessengruppen für ihre Zwecke verwenden, und weil man befürchten muss, entweder unter Hasstiraden begraben oder von den falschen Freunden vereinnahmt zu werden (vgl. Meinungsfreiheit, Persönlichkeit, Rückkopplung).

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Hintergrundmusik

Die H., beim Spielfilm auch Filmmusik genannt, kann ein beglückender Gewinn sein, wie bei den Kinofilmen „Der dritte Mann“ und „Die Brücke am Kwai“. Aber viel zu oft ist sie nur nervtötend. Und bei Fernsehdokumentationen zeugt sie fast immer von dem Bemühen der Tonmeister, alles unter einer Lärmdecke zu ersticken, was an klugen Kommentaren gebracht wird, weil die über ihren geistigen Horizont hinausgehen (vgl. Gesamtkunstwerk, Ignoranz, Musik).

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