Archiv des Autors: Laufenberg

Unterwegs diesseits und jenseits der deutsch-polnischen Grenze (2017)

 

Aber zunächst eine Zwischenstation: Heil in Weimar angekommen. Natürlich im Hotel  P1020109Elephant, weil Goethe an so manchem Abend im Elephantenkeller seinen Stammplatz gehabt hat. Leider ist der Großmeister der Schreiberei nicht mehr da, doch begegnet er mir in der Stadt auf Schritt und Tritt. Goethehaus und Goethe-Memorabilien aller Art in den Klimbimläden, Goethe und Schiller überlebensgroß vor dem Theater, Goethes Gartenhaus an der Ilm und die Buchhandlungen voller Goethe. Man atmet Goetheluft, speist mit Goetheappetit, trinkt Wein und Bier nach Goethes Herzenslust. Dabei ist der Mann nicht im BMW, Audi oder Mercedes herumgesaust, hat kein Flugzeug und keine Eisenbahn gekannt, hat nicht einmal ein Fahrrad und einen Laptop gehabt, auch kein Tablet und Smartphone, der Ärmste. So nackt kann er eigentlich mit keinem von all den Besuchern mithalten, mit Besuchern aus aller Welt, die ihn trotzdem verehren. Warum nur? – Kein Mensch zu sehen, der mit einem Goethebuch in der Hand dasitzt oder herumläuft statt mit einem Handy.

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Betrug

Wenn schon B., dann bitte in einer so imponierenden Dimension, dass keine Bestrafung möglich ist (siehe deutsche Autoindustrie). Kleine Betrüger werden dafür bestraft, dass sie nicht dem Gesetz folgten: Think big! Wenn unter Eheleuten über B. geschimpft wird, handelt es sich überhaupt nicht um B., sondern um Ärger wegen der Verwendung eines Lebensfreudeergänzungsmittels, das nicht apothekenpflichtig ist, weil zu Risiken und Nebenwirkungen kein Arzt oder Apotheker etwas sagen kann (vgl. Ehe, Liebe, Seitensprung, Treue).

 

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762. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Der gute Herr von Drais wird gleichzeitig gefeiert und ad acta gelegt. Was er vor 200 Jahren erfunden hat und was dann von vielen klugen Leuten weiterentwickelt wurde, das Fahrrad, war nicht nur ein billiges und sauberes Fortbewegungsmittel, es war vor allem ein Segen für die Volksgesundheit. Doch im Jubiläumsjahr machen Industrie und Handel den Leuten mit großem Werbeaufwand klar, dass sie eigentlich ein Fahrrad mit Elektromotor brauchen und sich auch leisten können. Also Schluss mit dem Volkssport Strampelei, weil an einem E-Bike viel mehr zu verdienen ist als an einem Fahrrad.

 

 

Der Nagelkünstler Günther Uecker hat jetzt mit seinem Bild „Friedensgebote 9“ den Nagel auf den Kopf getroffen. Fünf Krakelzeilen untereinander, die Schrift andeuten, aber jeweils von drei fetten gekreuzten Balken durchgestrichen sind, sollen die Gemeinsamkeit der Friedensgebote der fünf großen Weltreligionen zeigen. Fünf Zeilen, die sich frappierend ähnlich sind in der Art, wie sie jeweils total anders nichts sagen.

 

 

Der Verein Deutsche Sprache diskutiert in seinem Rundbrief den Ausdruck „erneuerbare Energie“ und bringt die Richtigstellung: Energie kann gar nicht erneuert werden. Sie schwindet nicht, sondern wandelt sich nur. Wenn man Öl verheizt, wandelt es sich in Wärme. Das Öl ist zwar weg, aber die Wärme ist da. Anders bei Energiequellen, die niemals versiegen wie Sonne, Wind, Wasser und Erdwärme. Die Energie, die wir dort mit teurem Geld zapfen, ist tatsächlich weg, wenn wir mit ihr geheizt haben. Erneuerbar ist sie nicht, es kommt nur immer weitere Energie nach. Also ist der Begriff erneuerbare Energie falsch. Aber unsere Politiker reden uns ungerührt dummes Zeug ein, und bringen es sogar in Gesetze. Auch in diesem Jahr haben sie das schon im Jahre 2000 zusammengeschusterte EEG, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, dummdreist einfach weiterentwickelt. Da ist ein Hinweis auf Karl Kraus angebracht, der schon wusste, dass eine falsche Ausdrucksweise das falsche Denken entlarvt.

 

 

In einer Weimarer Buchhandlung stand ein Kasten mit einzeln in Packpapier eingehüllten dicken Büchern. Das sollte ein Blind Date mit dem Medium Buch sein. Doch handschriftliche Bemerkungen einer Buchhändlerin auf dem Packpapier verrieten mir schon: Rache und Gewalt, ferne Welten, mächtige Feinde, starke Charaktere, einzigartige Gabe, Tyrannei. Wozu dann noch das Buch kaufen und lesen, fragte ich mich als blinder Seher.

 

 

Die genderberauschte Verkomplizierung unserer Sprache wird allmählich unerträglich. Überall diese Umstände mit Bürgerinnen und Bürger oder die totale Verballhornung mit den Begriffen Mitgliederinnen und Mitglieder, wenn nicht sogar: Liebes Mitglied, liebes Mitklit. Jede Ansprache, jeder Brief, jedes Gesetz wird unnötig gelängt. Nur zu verständlich daher, dass schon die ersten Vereinfachungen durch radikales Abschleifen auftauchen: Liebe Bürgen! Liebe Studen! Liebe Wählen! Liebe Reisen! Liebe Bewohnen! – Ach, ich bitte um Pardon, liebe Lesen!

 

 

Eine erfreuliche Häufung von Veranstaltungen rund um die deutsche Sprache im September: Weltalphabetisierungstag, Europäischer Tag der Sprachen, Festspiel der deutschen Sprache in Bad Lauchstädt, Luther und die deutsche Sprache in Halle, Schöne deutsche Sprache in Köthen und natürlich der Tag der deutschen Sprache. Dazu jeden Tag gepflegte deutsche Sprache im NETZINE und in meinen Büchern.

 

 

Das ist der Tag des Herrn. Heut seh’ ich sie ruhig dastehen, die Diesel MA-TT und MA-U, macht das Firmament doch endlich blau, ich seh’ den Boxer mit dem Alten am Hals, Skatevater, Skatemutter mit Kinderwagen, kein Radler und Jogger weiß was zu sagen, Eile, Eile, im Biergarten aber Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!

 

 

Jetzt fiel mir ein Brief in die Hände, den meine Mutter vor vierzig Jahren geschrieben hat. In deutscher Schrift, so gleichmäßig schön, dass das von der Siebzigjährigen beschriebene Blatt auf mich wie ein kalligraphisches Kunstwerk wirkte. Zumal ich den Brief immer noch nur mit Mühe lesen konnte. Ich habe ja die deutsche Schrift nicht gelernt, kann nur lateinisch schreiben. Für einen deutschen Schriftsteller eigentlich blamabel. Aber wir sind halt alle Opfer des staatlichen Schulunterrichts mit seinen wechselnden Direktiven von der Politik. Die sogenannte deutsche Schrift wurde von den Nazis 1941 zugunsten der aus dem Phönizischen entwickelten lateinischen Schrift, der Antiqua, verboten. Man wollte damit erreichen, dass auch überall im Ausland gelesen werden konnte, was man in Deutschland druckte.

 

 

Es ist da, mein neues Buch „Tödliches Einmaleins“. Hier eine ausdrückliche  Scan0062Kaufempfehlung: Kauft, Freunde und Freundinnen, kauft! Keine Angst, es tötet nicht, es macht nur Spaß. Mein neuer historischer Regionalkrimi spielt in Heidelberg im Jahre 1718. Der Zwerg Perkeo, Hofnarr und zweitwichtigster Mann auf dem Heidelberger Schloss, muss als Ermittler wider Willen aktiv werden. Ein frech-witziges Buch, das mehr erfrischt und in eine buntere Welt entführt als der Abendtrunk, den man sich stattdessen für den läppischen Preis von 12,95 Euro leisten könnte. Der neue Krimi ist jetzt in jeder Buchhandlung und bei jedem Buchversandhändler zu kriegen.

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761. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

In Berlin (sprich Böhlin) gibt es inzwischen immer mehr Restaurants und Kneipen, in denen die Gäste nur noch auf Englisch bedient werden, weil das Personal kein Deutsch kann. Geschickt, wie die Berliner sind, stellt man diesen Nachteil als besonderen Vorzug heraus, will man sich doch nicht länger mit dem Status als deutsche Hauptstadt zufrieden geben, lieber in einem Klein-London (sprich littellanden) leben. Und das auf BREXIT komm raus.

 

Ein Buch, sagte der Buchhändler, wertet der moderne Mensch nicht mehr als das Non-Plus-Ultra. Doch mit einem Buch nach dem anderen kommt er ihm schon näher.

 

Die Reiseveranstalter und Transportunternehmen freuen sich über eine neue Einnahmequelle: Flüchtlinge, auch anerkannte Asylanten, die in Deutschland leben, besuchen immer mal wieder als Touristen das Land, aus dem sie gerade geflohen sind. Das sollen zwar erst Zahlen im dreistelligen Bereich sein, doch gibt es berechtigte Hoffnungen auf eine deutliche Steigerung dieser neuen Tourismusvariante.

 

Bundespräsident Gauck fühlte sich gesundheitlich nicht in der Lage, auch noch die übliche zweite Amtszeit durchzustehen. Doch jetzt zieht er als Alt-Bundespräsident mit einem Stab von hoch bezahlten Leuten in das Bundestagsgebäude ein, wo er auf Kosten des Steuerzahlers neun Büros mit insgesamt 197 qm Fläche belegt, sich daneben einen Dienstwagen samt Chauffeur hält und den Ehrensold von rund 240.000 Euro im Jahr bezieht, der jedem ehemaligen Bundespräsidenten und Bundeskanzler bis ans Lebensende gezahlt wird. Und der Bundesbürger fragt sich: Ist das alles notwendig im Dienste der gesundheitlichen Erholung? ˗ Antwort: Nein, dieses alle Vergünstigungen im Extrem wahrnehmende Verhalten ist nur ein Beispiel für die modernste Form der Ausnutzung, die sich die hochrangigen Priesterschaften jeglicher Religion schon immer zu leisten pflegen. Wenn sie in ihrem Allmachtsanspruch dann auch noch die Verbindung mit der staatlichen Macht schaffen, wie schon im alten Ägypten und im kaiserlichen Rom, gibt es kein Halten mehr.

 

Die Regierenden wussten schon immer: Eine Bevölkerung, die durch religiöse Bestimmungen in ihrem natürlichen Freiheitsdrang eingeschränkt lebt, ist leichter zu regieren. Lässt diese Bindung an die Religion allmählich nach, öffnet man das Land geschickterweise für eine andere Religion, nach dem Prinzip: Konkurrenz belebt das Geschäft. Nach dieser Devise halfen sich viele deutsche Fürstentümer, auch das protestantische Preußen, mit der Öffnung der Grenzen für die calvinistischen Hugenotten und rechtfertigten das mit dem Spruch: Jeder soll nach seiner Fasson selig werden. In der Bundesrepublik half sich die Kanzlerin mit ihrem Marionetten-Bundespräsidenten Wulff genauso mit dem Spruch: Der Islam gehört zu Deutschland.

 

Den Richtern gehen die Kläger aus. Seit Jahren steigt bei uns die Zahl der zugelassenen Anwälte, während die Zahl der bei den Zivilgerichten eingelegten Klagen kontinuierlich abnimmt. Offensichtlich geben die Rechtsuchenden sich immer öfter mit der Hilfe von Ombudsmännern und Mediatoren zufrieden, was  nicht so teuer ist und schnellere Ergebnisse bringt. Damit wird dann aber die Weiterentwicklung unseres Rechtssystems durch höchstrichterliche Entscheidungen stark eingeschränkt. Die großen Unternehmen müssen ohnehin meistens vor internationalen Gerichten außerhalb des deutschen Sprachraums prozessieren. Die unterbeschäftigten Zivilrichter einfach an Gerichte zu versetzen, die mit Klagen zugeschüttet werden, wie die mit Flüchtlingsproblemen beschäftigten Verwaltungsgerichte, lässt jedoch das Gesetz nicht zu. Kein Wunder, dass der Deutsche Richterbund dafür plädiert, mehr Fälle durch Richterkollegien entscheiden zu lassen statt durch Einzelrichter.

 

In der Buchhandlung endlich den Durchblick gekriegt. Sogar ohne etwas zu lesen, einfach nur vor dem Regal der immer dicker werdenden historischen Romane verweilend, die mir ihre Rücken in imponierender Breite von vier bis sechs Zentimetern zuwandten. Ja, wurde mir plötzlich klar, man muss Verständnis haben für diese krass zunehmende Korpulenz der Bücher, wird doch auch die Vergangenheit Jahr für Jahr immer umfänglicher.

 

Etwas zu dem spektakulären Dreisprung in der Entwicklung der literarischen Gattung Kriminalroman: Agatha Christie glaubte den Krimi bis an die Grenze der Kuriosität fortentwickelt zu haben mit „The Murder of Roger Ackroyd“ (deutsch „Alibi“), in dem sie den Assistenten des Detektivs der Mörder sein ließ. Der britische Krimiautoren-Verband kürte diesen frühen Christie-Krimi zum besten Kriminalroman aller Zeiten. Doch hat die Baroness Emmuska Orczy in ihrem Krimi „The Old Man in the Corner“ noch eine Steigerung geschafft, indem sie den Detektiv selbst der Mörder sein ließ. Und jetzt mein Krimi „Das Mannheimer TT ermittelt“, der diese Entwicklung auf die Spitze treibt. Denn hier bringt die Suche nach dem Täter oder der Täterin – stopp! Das müsst Ihr selbst herausfinden. Macht entschieden mehr Spaß.

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Sommerbaustelle

Jede Baustelle auf der Autobahn ist ein Riesenärgernis für den Autofahrer. Leider meist unvermeidlich, wenn auch oft viel zu lang und zu lange. Dieses Übel mit dem eindeutig positiv besetzten Begriff Sommer zu kombinieren, ist eine pfiffige Verbesserungsmaßnahme. Ist ein Sommerdingsbums doch immer was Positives, sogar wenn der Sommer mal allzu sehr in die Länge gezogen wird (vgl. Wortsetzungsmacht).

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760. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Dass ich beim Verzehr von Eiern das Insektenvernichtungsmittel Fipronil schlucken muss, versuche ich mit Haltung hinzunehmen. Immerhin bewahre ich als tapferer Insektizidgourmet einige Tierläuse, Flöhe, Zecken, Schaben und Milben vor dem Tod. Wollen die doch auch leben.

Den Duden gibt es jetzt neu, mit rund 5000 neuen Begriffen. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) beklagt, die Duden-Neuausgabe fördere die Anglisierung der deutschen Sprache, weil zu viele der neuen Wörter eher in ein Englisch-Wörterbuch gehören als in ein Wörterbuch der deutschen Sprache. Und er erinnert daran, dass der Duden im Jahre 2013 von den Nutzern den wenig ehrenvollen Titel „Sprachpanscher des Jahres“ erhalten hat.

Das Statistische Bundesamt ist mit den Zahlen herausgerückt: Der Absatz von Dieselkraftstoff ist seit 1990 um fast ein Drittel gestiegen. Dabei ist seit langem bekannt, wie schädlich für die Gesundheit Diesel ist. Inzwischen hat Dieselöl seinen Anteil am Verkauf aller Kraftstoffe von 45 % auf 65 % gesteigert. Das tolle Ergebnis wurde erreicht, weil der Staat das Dieselöl mit nur 0,47 Euro pro Liter besteuert, gegenüber 0,65 Euro pro Liter Benzin. Dieses Geschenk der Regierung an die Dieselfahrer hat inzwischen insgesamt rund 250 Milliarden Euro gekostet. Die ein wenig höhere Kfz-Steuer für Dieselautos macht das nicht wett. Aber fragt mich jetzt nicht, warum unsere Regierung die Schädigung unserer Gesundheit subventioniert. Ich bin ja nicht bei den Beschenkten, weil ich nie ein Dieselfahrzeug gekauft habe. Da habe ich wohl was falsch gemacht, und das nur, weil ich auf die Warnung gehört habe: Diesel ist gesundheitsschädlich. Und jetzt bin ich noch einmal der Dumme, denn die Dieselfahrer sollen mit hohen Prämien beschenkt werden, wenn sie sich einen Neuwagen anschaffen. Ich aber bleibe auf meinem alten Benziner sitzen. Dafür bin ich um eine Erfahrung reicher  geworden: Wer Rücksicht nimmt auf die Allgemeinheit, sieht alt aus.

Aus gewöhnlich nicht gut informierter Quelle ist zu erfahren, dass in Berlin Vorbereitungen getroffen werden, die Berufskleidung unserer Spitzenpolitiker genauso wie die Trikots der Spitzensportler mit den gut bekannten Markenzeichen der Konzerne zu schmücken, deren Interessen sie vertreten.

Jetzt warnte der Deutsche Richterbund vor einer Erosion des Rechtsstaats. Er forderte erheblich mehr Personal für Justiz und Polizei. Als ob es darum ginge. Die Vermummung der Justitia, Symbol der Gerechtigkeit, ist das Problem. Justitia trägt traditionell eine Augenbinde. Weil sie blindlings zuschlägt? Nein, weil sie ohne Ansehen der Person zu urteilen hat. Neuerdings haben aber nicht nur die Strafrichter das Bedürfnis, möglichst ganz verschleiert aufzutreten, weil sie für sich selbst und ihre Familie um Gesundheit, Leben und Eigentum fürchten. Vor allem die Verwaltungsrichter, die mit den Abschiebeverfahren betraut sind, leben in ständiger Angst. Kein Wunder, dass ihre Entscheidungen so lasch ausfallen. Wer möchte sich Menschen aus einem fremden Kulturkreis und ganz anderen Vorstellungen von Recht und Unrecht, von Ehre und Rache zum Feind machen, wenn die seinen Namen kennen, sein Gesicht und seine Adresse? Ein Staat, der jetzt schon zugeben muss, dass er seine Bürger nicht mehr beschützen kann, sollte zumindest seine Richter schützen, und da geht an der Erlaubnis zur Vermummung kein Weg mehr vorbei.

So, wie das „Fasse Dich kurz!“, das früher an Telefonzellen stand, verschwunden ist, soll jetzt in München die Aufforderung verschwinden: „Rechts stehen, links gehen!“ Das gilt generell für das Treppauf genauso wie für das Treppab in U-Bahnhöfen. Jedoch in der Hauptstadt Bayerns heißt es jetzt: „Nebeneinander stehen, nicht gehen!“ Eine Kursänderung, hinter der sich angeblich keine politischen Gründe verstecken, sondern die Überzeugung, dass so jeder schneller vorankommt. Wohlgemerkt, ein Vorankommen durch Stehen statt durch Gehen.

Der Bundesfinanzhof hat in einem Urteil festgestellt, dass die Freimaurerlogen keine gemeinnützigen Vereine sind, weil sie keine Frauen als Mitglieder zulassen. Damit haben sich die obersten Finanzrichter den klassischen Denkfehler geleistet, zwei unterschiedliche Gesichtspunkte, die nichts miteinander zu tun haben, zur Deckung zu bringen. Sie setzen die Beurteilung der Logenbrüder mit der Beurteilung ihrer Tätigkeit gleich. Als ob nicht auch gute Menschen Schlechtes und schlechte Menschen Gutes tun könnten.

Das ist der Tag des Herrn. Heut’ dürfen sie ruhig da stehen, die Diesel MA-TT und MA-U, macht das Firmament doch endlich blau. Ich seh’ die Dogge mit dem Alten am Hals, Skatevater, Skatemutter mit Kinderwagen. Kein Radler und Jogger weiß was zu sagen, Eile, Eile, im Biergarten aber Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!

Mein satirisches Online-Wörterbuch LLL (Laufenbergs Läster-Lexikon, auch hier im NETZINE) wächst und wächst. Habe jetzt einmal durchgezählt, wie viele Stichwörter unter den einzelnen Buchstaben aufzurufen sind. Bei S sind es die meisten, nämlich 87. Mit 63 die zweitmeisten stehen bei E, an dritter Stelle kommen dann die Buchstaben G und M mit jeweils 62 Stichwörtern. Aber was mich nach dem Zusammenzählen überrascht hat: Das LLL hat jetzt schon exakt 999 Stichwörter. Frage an meine Leser: Welches Stichwort soll das Eintausendste sein, zu dem Ihr meinen lästerlich aufklärerischen Kommentar lesen wollt?

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Amour Fou

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Investition

I. ist ein moderner Begriff mit der Tendenz zum Futuristischen, der immer auf die Aktivseite geschrieben wird, sogar wenn es allein um Rationalisierung oder Automatisierung geht, also um Lean Production, die der Freisetzung von Mitarbeitern dient. Denn auch das erhöht den Unternehmenswert. Den modernen Unternehmer immer noch als Arbeitgeber zu bezeichnen, ist zwar traditionell, aber mit der Tendenz zum Nostalgischen (vgl. Entlassungsproduktivität, Unternehmer, Wirtschaft).

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Alex Capus: Léon und Louise

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Toleranzmeister

Neben Fußball und Tennis ist Toleranz die dritte Sportart, in der wir Deutschen uns nicht gern übertreffen lassen. Wir tolerieren deshalb alles, und das bis zur Selbstaufgabe. Beispielsweise tolerieren wir, dass wir die Alleinschuld tragen am Ausbruch von zwei Weltkriegen. Dass wir die Kolonien verloren haben, weil wir nicht so mit den Einheimischen umgegangen sind wie unsere europäischen Nachbarn. Dass wir die Deutsche Mark abschaffen mussten, damit die Mauer fällt. Dass unsere Ersparnisse zugunsten der großzügigen Bankenrettung weggeschmolzen sind. Dass uns jetzt auch noch der Euro als Bargeld aus der Hand genommen wird. Dass wir uns daheim und auf der Straße nicht mehr sicher fühlen können. Dass unsere Sprache von den europäischen Institutionen, die wir finanzieren, als drittrangig abgetan wird. Dass ausländische Künstler generell besser sind als deutsche. Dass wir Ausländer, Zigeuner, Neger und zig andere Wörter nicht mehr in den Mund nehmen dürfen. Und dass uns nach zweihundert Jahre langem Ringen um Gedankenfreiheit eine neue Religion aus dem Orient aufs Auge gedrückt wird (vgl. Deutscher, Dummheit).

 

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Grieche

Als G. darf man sich genießerisch zurücklehnen, weil schon die Vorvorvorfahren all das durchgekaut haben, was die Barbaren aller Art heute noch an Grundsatzfragen beschäftigt. Die Erinnerung an diese Leistung ist ein großzügiges Honorar wert, auch heute und morgen und übermorgen. Verstanden? (vgl. Schläue, Überlegenheit, Verallgemeinerung).

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Förderer

Das ist das Faszinosum der Nachrichtenübermittlung: Wenn du erreichen willst, dass einer deiner Zeitgenossen für dich das Maul aufreißt, musst du ihm hinten reinkriechen (vgl. Dank, Geschmackssache, Politik).

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Duzen

Das D., also die Anrede Du mit Vornamen, ist weiter auf dem Vormarsch, vielfach gefördert durch populäre Fernsehsendungen sowie das Internet, in einigen Unternehmen sogar schon zur Pflicht gemacht. Manch einer hält das für Modernität, die sich dem angelsächsischen Gebrauch anpasst. Dahinter steht peinliche Unkenntnis, denn das englische You ist sprachhistorisch kein Du, sondern ein Ihr. Ein Trugschluss auch, das Du mit Vornamen für persönlicher als das bisher übliche Sie mit Nachnamen zu halten. In Wahrheit ist die Duzerei mit Vornamen der Ausdruck von völligem Desinteresse an dem anderen und eine Methode der Anonymisierung. Aber das merkt man erst, wenn man irgendwann versucht, den geduzten Fremden, von dem man nur den Vornamen weiß, zu kontaktieren. Nichts geht. Da hilft kein Google und kein Telefonbuch (vgl. Amerikanisierung, Dummheit, Kontakt).

 

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Wahrheitsfindung

Sich modern gebende Wissenschaftler und Theologen bemühen sich um die Überwindung des alten Gegensatzes von Wissenschaft und Religion. Damit könnten sie Erfolg haben, weil es sich um keinen allzu großen Unterschied handelt.  Ist doch jede wissenschaftliche Aussage nur solange wahr, wie sie nicht von neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Kokolores gemacht wurde, während die religiösen Aussagen von Anfang an Kokolores sind (vgl. Dogma, Galilei, Inquisition, Spinat, Wahrheit).

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Fuzzi

Abwertende Bezeichnung für einen kleinen Kerl, den man nicht ganz ernst nimmt. In Österreich auch üblich für das deutsche Wort Fritze, wodurch der Werbefritze zum Werbefuzzi wird, der Computerfritze zum Computerfuzzi. Jedenfalls ist das Wort F. nicht zu verwechseln mit dem englischen Wort fuzzy, das in Fuzzilogik steckt. Logisch (vgl. Fuzzilogik)

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Fuzzilogik

Den Begriff fuzzy (englisch für verwischt, fusselig) hat der amerikanische Elektrotechnik-Professor Lotfi A. Zadeh im Jahre 1965 aufgebracht. Er erweitert das traditionelle abendländische Alternativdenken, das im binären System der Computertechnologie (1 oder 0) seinen Höhepunkt erreicht hat, durch den Blick auf einen Bereich unscharfer Mengen, der zwischen den Alternativen liegt. Wann ist jemand alt, wann jung? Was ist noch ein Hügel, was schon ein Berg? Die F. berücksichtigt auch das Vage und das Mehrdeutige. Erfolgreiche Praxisanwendungen auf vielen Gebieten, vor allem in Japan in der Regelungstechnik von U-Bahn-Systemen. Heute auch Grundlage der sogenannten Intelligenten Schadenprüfung (ISP) der Versicherungen, bei der auch die cleversten Betrüger alt aussehen (vgl. Alternativdenken, Fuzzi, Logik, Versicherungsbetrug).

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Alternativdenken

Die Zen-Philosophie macht sich darüber lustig, wie das westliche Denken, anders als das östliche Denken, immer in der Alternativvorstellung stecken bleibt. Bei uns ist alles entweder so oder das Gegenteil, weil wir alles aus seinem Gegenteil heraus definieren. Das ist simpel, aber bisher ungeheuer erfolgreich. Doch beim Gegensatzpaar Mann – Frau sind wir neuerdings ins Schwimmen geraten, bei dem Gegensatzpaar Mensch – Tier wollen wir lieber ganz weghören, und das Gegensatzpaar Belebtes – Unbelebtes bleibt unerklärlich. Also einfach abrücken von dem simplen westlichen Denken in Alternativen und generell das Zen-Denken einführen? – Damit wären wir dann auf die Alternative von westlichem und östlichem Denken hereingefallen. Schon Platon hat gesehen, dass zwischen wahr und falsch ein dritter Bereich liegt. Daraus hat sich mit peinlich großer Verzögerung die moderne Fuzzilogik entwickelt, vor allem in Japan, die sich sogar in der Praxis bewährt hat (vgl. Denken, Fuzzilogik, Logik, Zen).

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Sprichwörter

S. sind materialisierte Erfahrungen und Gedanken von unbekannten Altvorderen, die man deshalb dem Volksmund zuschreibt. Das unterscheidet sie von den Geflügelten Worten, die Zitate aus bekannten Werken sind. Die einen wie die anderen sind vielseitig einsetzbar und werden sehr gern eingesetzt, weil sie ohne eigene Erfahrung und Denkleistung schon dadurch überzeugend wirken, dass sie bekannt sind. Dass sich S. auch widersprechen können – Gleich und Gleich gesellt sich gern – Gegensätze ziehen sich an –, wird großzügig verziehen, denn auch für den Volksmund gilt: Irren ist menschlich (vgl. Rhetorik, Sprache, Spruchbeuel).

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Jugend

Wer seiner oder seinem Geliebten die viel bewunderte J. und Attraktivität auf ewig erhalten will, braucht sie oder ihn nur rechtzeitig zu verlassen – auf Nimmerwiedersehen. Nebeneffekt: Das macht auch die eigene Attraktivität ewig (vgl. Jugendlichkeit, Relativität).

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Auf nach Russland! (2017)

 

Jeder, ja, ausnahmslos jeder sieht sich im Mittelpunkt der Welt. Schon deshalb ist die Herumreiserei, der wir uns so gern hingeben, sinnvoll. Sie lässt uns aus dem Mittelpunkt rutschen. Weil wir damit zurechtkommen müssen, dass unsere Nationalität ein bloßer Zufall ist, genau wie unsere Sprache und unsere Religion und unser Beruf, unser Geschlecht, unser Alter und unsere Größe sowie Hautfarbe. Gibt es erstaunlicherweise alles auch ganz anders und doch genauso menschlich. Deshalb gibt es so viele Mittelpunkte der Welt, wie es Menschen gibt.

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Revolution

R., das Gegenteil von Evolution oder Reform, ist sowas wie ein Baiser. Für die einen, nämlich die Revoluzzer, der Inbegriff des Genusses, für alle anderen nur eine Luftnummer, also etwas Aufgeschäumtes, das keinen Menschen satt macht, ausgenommen die Führer der Revoluzzer, die nicht von ihren Kampfgenossen umgebracht wurdcn  (vgl. Spruchbeutel, Verführung).

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Freunde

F. sehen einander ins Gesicht, so offen füreinander sind sie. Wobei ihre Rücken, hinter denen sich die natürliche Rivalität verbirgt, in verschiedene Richtungen zeigen. Je mehr sie ein Gefühl für diese unvermeidliche Divergenz haben, umso mehr müssen sie ihr Einigsein betonen. Ein Übertünchen wie in der Werbung, wo die negative Eigenschaft eines Produkts stets als ein besonderer Vorzug dargestellt werden muss (vgl. Ehrlichkeit, Freundschaft, Missgunst, Neid, Rivalität).

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Österreicher

Ö. sind Lebenskünstler, und ganz gerissene. Erst kultivierten sie die Heiratspolitik als Ersatz für die noch anstrengendere Eroberungspolitik. Dann machten sie einem kleinbürgerlichen Problematiker das Leben so schwer, dass er abhaute und sich zum Deutschen machen ließ. Und nachdem der Flüchtling eine Weltkatastrophe veranstaltet hatte, gaben sie sich auch noch als seine Opfer aus. Doch damit nur ja kein Neid auf ihre überlegene Lebensart aufkommt, garnieren sie alles Schöne mit einer speziellen Art der ironischen Distanzierung, was sie Schmäh nennen und schön finden (vgl. Amerikaner, Deutscher, Schweizer, Verallgemeinerung).

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Bernd Schroeder: Warten auf Goebbels

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Morgenstern, Christian

Der Lyriker, Aphoristiker und Übersetzer (1871-1914), der scheinbar das Glück hatte,    Scan0052exakt die Friedensjahre zwischen dem Deutsch-Französischen Krieg und dem Ersten Weltkrieg als seine Lebenszeit zu haben, war das genaue Gegenteil von einem Glückskind und auch alles andere als der lustige Vogel, als den ihn seine Ulk-Gedichte (Galgenlieder, Palmström, Korf und Kunkel) zeigen. Dass sein Nachruhm sich fast ausschließlich auf diese von ihm selbst als „Beiwerkchen“ und „Nebensachen“ bezeichneten Sprach- und Gedankenspiele bezieht, die in der 9-bändigen Gesamtausgabe seiner Werke bloß einen Band füllen, ist eine böse Ironie des Schicksals. Von dem er ohnehin geschlagen war: Körper und Gemüt viel zu zart besaitet, mit neun Jahren die tuberkulosekranke Mutter verloren, bald mit dem ignoranten Vater total zerstritten, immer in Geldnot, harmoniesüchtig, lungenkrank und schließlich nur noch von Sanatorium zu Sanatorium pilgernd – ist er schon mit 42 Jahren gestorben. Sechs Jahre zuvor hatte er seine Frau gefunden, Margareta Gosebruch von Liechtenstern, die ihn jedoch an die Wirr-Philosophie Rudolf Steiners auslieferte, in der M. endlich den Weg ins Glück gefunden zu haben glaubte. – Friede, Freude, Eierkuchen (vgl. Glauben, Steiner).

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