Archiv des Autors: Laufenberg

Popanz

P. ist eine abwertende Bezeichnung, die wie Politiker mit Po anfängt, dem Softy-Wort für Arsch (vgl. Politiker).

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771. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Jetzt ist klar, dass wir vor Ostern keine neue Regierung kriegen. Die Wähler haben ihr Recht wahrgenommen und einen neuen Bundestag gewählt. Der trat auch zusammen, ist aber weitgehend stillgelegt. Denn große Entscheidungen kann das Parlament nicht treffen, solange die Regierenden nur ein Verlegenheitsprogramm abspulen. Eine Schwachstelle des Prinzips Demokratie: Die Parteien mit ihrem primären Interesse an ihrer Vereinsmacht und die Spitzenfunktionäre mit ihrem persönlichen Jobinteresse behindern das gewählte Parlament. Und das mehr als ein halbes Jahr lang. Womit dem neuen Parlament gut ein Achtel seiner Legislaturperiode gestohlen wird.

 

Abendfüllend. Das Wort ist neu auf der Liste der aussterbenden Begriffe. Noch vor dreißig Jahren benannte man so in der Film-Fernseh-Branche einen Film von 90 Minuten Länge. Heute füllen für viele meiner Zeitgenossen mindestens drei 90-Minuten-Filme hintereinander einen Fernsehabend.

 

Wenn mir von der Fernsehshow vorgeschwärmt wird, in der ein Moderator alle Besucher duzt und sich selbst auch duzen lässt, kriege ich dieses lästige Kopfschütteln. Ist die Duzerei, die so besonders freundlich wirkt, doch in Wirklichkeit eine Methode der Anonymisierung. Weil man keinen Du-Bekannten mehr kontaktieren und wiederfinden kann, wenn man nur seinen Vornamen kennt. Mit dem Du für einen Fremden zeigt man ihm, wie wurscht er einem ist. Dieses Du der Herablassung gegenüber jedem und jeder war Jahrhunderte lang das Vorrecht der Hofnarren. Die werden jetzt im Fernsehen wiederbelebt. Juchhe!

 

 

Wenn ein Unternehmen wie MediaMarkt oder Convergenta das Hinscheiden seines Gründers mit übergroßen, nämlich ganzseitigen Todesanzeigen in der überregionalen Tagespresse bekannt gibt, erzeugt das, wie ich mehrfach hörte, bei Otto Normalverbraucher nicht unbedingt eine entsprechend übergroße Trauer. Weil der sich dieses beidhändige Geld-Aus-Dem-Fenster-Werfen zu deuten weiß: In den Firmen müssen die Preise viel zu hoch sein, sonst könnten sie sich so ein Protzen nicht erlauben.

 

Da sitze ich im Taxi und wundere mich, wie geräumig und bequem der Wagen ist, und erfahre, es handelt sich um die etwas zu schlicht geratene VW-Luxus-Karosse Phaeton. Weil der Wagen nicht mehr gebaut werde, sei er gebraucht für relativ wenig Geld zu haben, verrät mir der Fahrer. Und ich verstehe: Die VW-Bosse haben, als sie diesen Wagen mit einem sechsstelligen Euro-Preis zur Befriedigung ihrer eigenen Renommee-Bedürfnisse auf den Markt brachten, die Neigung der Reichen zum Understatement gewaltig überschätzt.

 

Emojis, diese kleinen Bilder von stilisierten Menschen, Tieren, Pflanzen und Gegenständen, von Orten und Symbolen, ersetzen in der Kommunikation per Mobiltelefon und in den Kurznachrichtendiensten immer mehr das geschriebene Wort. Was begonnen hatte mit wenigen allgemeinverständlichen Piktogrammen und dann von den Smilies mit unterschiedlicher Mimik ergänzt wurde, ist zu einer eigenen Bilderschrift geworden. Für die rapide wachsende Zahl von Menschen, die sich nicht fehlerfrei schriftlich äußern können, eine sehr willkommene Hilfe. Was aber als eine putzige Bereicherung daherkommt, ist in Wahrheit eine Verarmung. Denn damit beendet die Buchstabenschrift, die im 9. Jahrhundert v.u.Z. von den Phöniziern eingeführt wurde, die lange Epoche ihrer Herrschaft. Sie entwickelt jetzt sich zur Bilderschrift zurück, wie sie vor viertausend Jahren im alten Ägypten üblich war, ähnlich auch bei den Mayas und den Eskimos.

 

Platzmangel in der Zeitung und Zeitdruck bei Funk und Fernsehen bescheren uns immer mehr Schwanzwörter. Das ist nichts Pornografisches, nur was Abgeschliffenes. Beim Regenschirm und der Eisenbahn genügen uns die Wortschwänze Schirm und Bahn. Bei Auto, Info, Uni und Disko lassen wir der Einfachheit halber die Schwänze weg. Und was vom Trampeltier bleibt, hören wir tagtäglich in den Nachrichten.

 

Was macht die Kunst, frage ich gern meine Künstlerkollegen. Und höre dann immer öfter: Deutsche Finanzämter unterstellen freien Künstlern gern, keine Gewinnerzielungsabsicht zu haben, und nehmen ihnen damit das Recht, Betriebskosten steuerlich abzusetzen. Damit zwingen sie die Kunstschaffenden zu einer einnahmeorientierten Arbeitsweise, die im absoluten Widerspruch zu der künstlerischen Arbeitsweise steht und entsprechend geringwertige Werke hervorbringt. Denn der wahre Künstler schafft seine Kunstwerke nicht, um damit Geld zu scheffeln. Das unterscheidet den Künstler vom Kunstgewerbler. Es ist an der Zeit, dass der Gesetzgeber sich darum kümmert, dass die Kultur nicht weiterhin durch ignorante Finanzamtsmitarbeiter abgewürgt wird.

 

Der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA, Kalifornien, hat jetzt mit der Freigabe von Cannabis-Produkten als Genussmittel eine Lawine losgetreten. Und die US-Wirtschaft jubelt. Denn man rechnet damit, dass damit schon in drei Jahren ein Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Dollar möglich ist, was dem Staat mehr als 4 Milliarden Dollar im Jahr an Steuern einbringen wird. Dass die Aufhebung des Verbots von Cannabis (Haschisch bzw. Marihuana) kommen wird und kommen muss, wie sich bei der „Erfindung“ der Tabak- und Alkoholsteuer gezeigt hat, weil alle Staatsführer gleich gierig auf Steuereinnahmen sind, hatte ich schon in meinem 1971 erschienenen (inzwischen teilweise überholten und längst vergriffenen) Buch „Rauschgift – Der stille Aufstand“  geschrieben. Ein Teil der Auflage dieses über alle bekannten Rauschgifte aufklärenden Sachbuches ist damals von der Bundesregierung angekauft und an Erzieher, Lehrer, Ausbilder verteilt worden. Jetzt wird mein Steuer-Hinweis als erstes von den Amerikanern bestätigt.

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Zeitnot

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das manchmal keine Zeit hat, also in Z. gerät. Doch wird dieser Nachteil mehr als ausgeglichen, wenn er sich klarmacht, dass er auch das einzige Lebewesen ist, das Zeit hat, also frei über seine Zeit verfügen kann. Aber wann schafft man das mal (vgl. Bewusstsein, Denken).

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770. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Ob sie Schauspieler sind, Manager, Künstler oder Politiker, es häufen sich die Vorwürfe, sie hätten ihre Stellung zu sexuellem Missbrauch von Abhängigen genutzt. Was einen auf den Gedanken kommen lässt, ob das Streben, beruflich an die Spitze zu kommen, vielleicht generell nicht nur dem Gelderwerb dient – kann doch kein Mensch Millionen verfressen – , sondern dem Überwinden der störenden, aber auf gesellschaftlicher Vereinbarung beruhenden Grenzen beim Ausleben der Libido. Das heißt: Was sich die Herrscher schon immer herausgenommen haben, ist durch unsere alberne Prominenten-Verehrung schon halbwegs sozialisiert worden.

 

Wenn ich die Äußerung eines Politikers höre, jetzt wolle er ergebnisoffen verhandeln, verstehe ich das als Eingeständnis, dass man bei all seinem sonstigen Gerede kein Ergebnis erwarten kann.

 

Seit dem 1. Januar dieses neuen Jahres läuft die Schuldenuhr an der Zentrale des Bundes der Steuerzahler in Berlin, auf der die Zunahme der Verschuldung der öffentlichen Hand pro Sekunde dargestellt wird, erstmals rückwärts. Weil Schulden abgebaut werden. Wieso bei den mehr als üppig fließenden Steuereinnahmen überhaupt für das Jahr 2018 noch eine Neuverschuldung in die öffentlichen Hauhaltsplanungen aufgenommen wurde, wird dem Bürger dadurch erst recht unverständlich. Aber die Schuldenuhr misst ja nicht den Schuldenstand, sondern die Zunahme der Verschuldung pro Sekunde, und die wird nur ein wenig verringert, bleibt aber eine Zunahme.

 

In Berlin hat ein Rentner in einem öffentlichen Verkehrsmittel ein Mädchen mit vorgehaltener Pistole dazu genötigt, für ihn den Sitzplatz freizumachen. Die herbeigerufene Polizei erkannte die Waffe als Schreckschusspistole, dennoch erwartet den Rentner jetzt ein Strafverfahren. Vermutlich, weil er in der falschen Zeit lebt. Denn früher hat man als Rentner nicht zu solchen Mitteln greifen müssen, um etwas so Selbstverständliches zu erreichen,

 

Habe gehört, das Riesenproblem mit dem Versand all der im Internet bestellten Waren sei nun gelöst. Ein junges Versandunternehmen hat ein Programm entwickelt, mit dessen Hilfe alles Bestellte direkt an die Adresse des örtlichen Sondermülllagers geliefert wird, womit der lästige und kostspielige Umweg über den kurzzeitigen Gebrauch des Krams durch den Besteller entfällt.

 

Schon immer gab es Menschen, die wissen wollten, wie viele Wörter die deutsche Sprache hat. Johann Christoph Adelung hat ein „Grammatisch-kritisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ herausgebracht, das im Jahre 1811 in seiner letzten Auflage 58.500 Wörter enthielt. Die von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm 1838 begonnene Wörtersammlung „Deutsches Wörterbuch“, erst 1961 vollendet, kam auf 450.000 Wörter. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften hatte im Jahre 2013 in ihrer Sammlung „Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache“ schon 5,3 Millionen Wörter. Und die elektronische Datenbank der Duden-Redaktion, „Das Dudenkorpus“, hatte Anfang 2017 schon 23 Millionen Wörter. Kein Grund, gleich sprachlos zu werden. Denn der deutsche Standardwortschatz besteht aus rund 70.000 Wörtern, alles andere gehört zu Fachsprachen, zum Jargon oder zu einem Dialekt, oder es handelt sich um nur einmal aufgetauchte Gelegenheitsbildungen von Wörtern.

 

Auffällig, aber mehrfach selbst erlebt und auch von anderen gehört: Das Finanzamt schickt Steuernachforderungen gerne so ab, dass sie exakt am Tag vor Weihnachten ankommen. Da kann man nur Mitleid haben. Mit den Staatsdienern, die sich zu solcher Schikane hinreißen lassen, weil sie so sehr unter den Minderwertigkeitsgefühlen leiden, die ihnen die Erfolge ihrer Mitbürger machen.

 

Habe gerade die Arbeit an einem Wien-Roman beendet, der ein skandalöses Ereignis in einem Frauenkloster zur Zeit der zweiten Belagerung Wiens durch die Türken zum Thema hat. Das Buch ist jetzt beim Verlag in Produktion und wird im März auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Ich würde es auch gerne in Wien mit einer Lesung präsentieren, wenn ich nur wüsste, wo. Das Literaturhaus Wien ist, anders als in Deutschland bei solchen Institutionen üblich, nur für die einheimischen Autoren zuständig. Nun bin ich aber kein Österreicher. Also was tun?

 

Ein Berliner Taxifahrer, der im Gespräch erfuhr, dass sein Fahrgast zu Maltas Botschaft gehört, schwärmte der Dame von meinem Malta-Kulturthriller „Hypogäum“ vor, den er kürzlich gelesen habe. Das sei die schönste Schilderung Maltas. Recht hatte er. Chapeau! Nun werde ich mich bei dem nächsten Taxifahrer, den ich mit der Frage, ob er frei sei, bei seiner Lektüre unterbreche, zunächst einmal entschuldigen müssen.

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Unsterblichkeit

Die Forscher, die uns U. attestieren, weil wir an unsere Nachkommen kleinste Elemente unseres Körpers weitergeben, die in der Kette der Abkömmlinge erhalten bleiben, überschätzen unsere Bescheidenheit bzw. unterschätzen unser gigantisches Ich-Bedürfnis. Wir gieren nach viel mehr, nämlich nach der individuellen U., und die ist an den Namen geknüpft, und zwar so innig, dass das jeweilige Ich nicht bloß einen Namen hat, sondern der Name das ganze Ich repräsentiert (vgl. Grundstreben, Ich).

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Singlesein

Das S. ist die gesündere Alternative zu jeder Form von Partnerschaft, weil ein Single kein Rülpsen und kein Furzen unterdrücken muss (vgl. Kultivierung, Luther, Natürlichkeit, Rücksicht).

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769. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Die scheinbar so clevere, weil lebensverlängernde Maßnahme, die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin mit 150 Millionen Euro aus dem Steuertopf noch mühsam über den Tag der Bundestagswahl hinweg in Betrieb zu halten, hat – wie zu erwarten war – nichts gebracht, nicht einmal den Hinauswurf der für diese Geldverschwendung verantwortlichen Politiker.

 

Down under, das gilt jetzt für die Katholische Kirche, nachdem in Australien ein Untersuchungsbericht darlegt, dass vor allem in Einrichtungen der Katholischen Kirche des Landes über Jahrzehnte hinweg systematisch sexueller Missbrauch an Kindern betrieben wurde. Als notwendige Konsequenz wird die Abschaffung des Zölibats gefordert.

 

Die Wissenschaftler, die uns Unsterblichkeit attestieren, weil wir kleinste Elemente unseres Körpers an unsere Nachkommen weitergeben, die in der Kette der Abkömmlinge erhalten bleiben, überschätzen unsere Bescheidenheit bzw. unterschätzen unser Ich-Bedürfnis. Wir gieren nach viel mehr, nämlich nach der individuellen Unsterblichkeit, und die ist an den Namen geknüpft, und zwar so innig, dass das jeweilige Ich nicht bloß einen Namen hat, sondern der Name das Ich repräsentiert.

 

Jetzt hat eine Forschergruppe in London den Einfluss untersucht, den das Geschichtenerzählen bei einem Naturvolk von Jägern und Sammlern hat, das weitgehend abgeschieden auf einer philippinischen Insel lebt. Die Forscher fanden heraus, dass die Erzählungen für die Organisation des Sozialverhaltens innerhalb der Gruppe entscheidend sind, weil durch sie die Kooperation gefördert wird und soziale Regeln weitergegeben werden, einschließlich der Folgen bei Nichtbeachten dieser Regeln. Erstaunlich? – Nein, wissen wir doch längst, dass unsere Märchen genau wie die Heldensagen dieselbe Funktion hatten. Noch platter die Seifenopern im Fernsehen. Und was schätzen wir bei aktueller Literatur neben der Meisterschaft im Umgang mit der Sprache?

 

Riesige Parkhäuser werden bei uns besonders gern direkt neben einem Bahndamm gebaut. Standortvorteil: Die darin geparkten PKW können dann den Fahrtwind der vorbeisausenden Züge genießen – und das fröhliche Ätsch.

 

Zoll zahlen hieß früher einfach zollen. Ein untergegangenes Verb, das nur noch in der Verbindung Respekt zollen bekannt ist. Wenn wir fürs Steuernzahlen genauso einfach das Verb steuern verwenden würden, kämen wir in einen Sinnkonflikt mit dem uns geläufigen Verb steuern, das nicht von der Steuer abgeleitet ist, sondern von dem Steuer. Das wäre unpassend, werden wir doch vom Staat nicht nur besteuert, vielmehr auch mit Hilfe der Steuer gesteuert.

 

Wem es nicht in den Kopf geht, dass es heißt: so groß wie und größer als, der setzt einfach die Wörter als und wie hintereinander und ist damit auf der sicheren Seite. Er vertraut darauf, dass seine Zuhörer oder Leser wissen, was sie bei ihm überhören oder wegstreichen müssen. – Am besten alles!

 

Manch einer glaubt, man könne eine Region zum Heiligen Land machen, indem man ständig wiederholt: Der Friede sei mit Euch! Salam aleikum! Schalom! Dabei betont man damit nur seinen Herrschaftsanspruch und intensiviert den traditionellen Unfrieden. Statt anzuerkennen, dass der Mensch generell kein friedliches Wesen ist und deshalb verbindliche Regeln zu seiner Mäßigung nötig sind.

 

Das bebilderte Resümee meiner dritten Rundreise durch Israel, von der ich vor gut einer Woche zurückgekommen bin, steht jetzt als neuestes Reisebild unter dem Titel „Trotz allem auf nach Israel!“ im NETZINE, und zwar unter Vermischtes.

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Nacht

Die N. ist nicht nur die Schwester des Tages, sie ist der schwarze Fächer, mit dem die müde Sonne den Tag und alle Alltäglichkeiten wegwischt. Damit wir Schlaf tanken, unseren Kraftstoff für den nächsten Tag. Wir aber opponieren mit Kunstlicht, von je her ein Behelf, zudem eine Beleidigung für die Kunst (vgl. Kunst, Natürlichkeit).

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Sprachkolonisierung

S. ist die neue Form der Kolonisierung. Unter dem Vorwand einer unvermeidbaren Globalisierung werden kleinere Länder mit einer wenig verbreiteten eigenen Sprache gezwungen, die angebliche Welthilfssprache Englisch neben ihrer Sprache einzuführen, zu fördern oder zu dulden. So Island, Malta, Griechenland und viele andere, wohl auch Israel. Die von den sprachservilen Deutschen bis heute nicht gesehene Gefahr ist, dass sogar Deutschland allmählich auf das Niveau einer Angelsachsen-Kolonie absinkt (vgl. Anglizismen, Fremdsprache, Welthilfssprache).

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Spaßfrau

Es war schon immer so: Mancher Mann sieht sich erst rundum versorgt, wenn er neben seiner Ehefrau auch eine S. hat. Eine Nutte, Sklavin, Hausangestellte, Untergebene oder Mätresse, mit der er all das machen kann, wozu es ihn unwiderstehlich drängt, was er sich aber mit seiner Ehefrau nicht erlauben kann (vgl. Hedonismus, Hochachtung, Sex).

 

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Penis

Die wissenschaftlich neutrale Bezeichnung für die von Mutter Natur dem männlichen Körper angehängte Kurz-Geißel, von der nicht klar ist, wer damit malträtiert werden soll,  der Mann selbst oder Frauen (vgl. Penisneid, Vergewaltigung, Zeugungsfähigkeit).

 

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Trotz allem auf nach Israel! (2017)

 

Schon im Frankfurter Flughafen wird eindrucksvoll unterstrichen, dass es ins Heilige Land geht: Polizisten mit Maschinenpistolen am Check-In von El Al, dann auch noch in dem völlig abgelegenen Warteraum. Und neben dem Flieger ein gepanzertes Polizeifahrzeug. Dafür muss man Verständnis aufbringen. Ist doch alles, was als heilig gilt, selbstverständlich Streitobjekt, weil das Heilige, egal um welches es gerade geht, keine Konkurrenz durch Andersheiliges dulden kann. Ist es doch stets allein selig machend. Das macht weltweit die Friedhöfe groß, wenn auch die Erde nicht friedlich.

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Kommunikation

K. ist ein menschliches Urbedürfnis, das sich mündlich, schriftlich und nonverbal austobt. Es hat heute mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass wir beinahe ständig unter der Dusche von Presse, Funk, Fernsehen und Internet stehen, die die traditionellen Funktionen Tratschen, Plaudern, Berichten, Informieren, Erzählen und Ratgeben an sich gerissen haben. Immer mehr Menschen machen den Notausstieg, indem sie sich jede freie Minute mit ihrem Smartphone beschäftigen, was ihnen zumindest das Gefühl von individueller K. gibt. Ihren Mitmenschen können sie mit ihrer Telefonbegeisterung ganz schön auf die Nerven gehen. Wer mit einer schriftlichen Äußerung auf das Trittbrett der diversen Foren springt, ist meistens nicht ernst zu nehmen, weil er bei diesem ungelenken Sprung wie ein Analphabet wirkt. Er sollte sich besser sein Geschreibsel verkneifen und nur noch nonverbal kommunizieren, am besten mit Bildern, Filmen, Smileys und Emojis. Die stören weniger. Generell gilt die Kommunikationsregel Nr. 1: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Daneben bietet die Kommunikationswissenschaft zahlreiche weitere, oft tückische Regeln an, beispielsweise für Verführung, für Vernehmung oder für Gehirnwäsche (vgl. Journaille, Mitteilungsbedürfnis).

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Intersexuell

In der DDR, diesem deutsch-perfekten Großexperiment eines landesweiten Gefängnisses, es möge ruhen in Frieden, kriegte alles, was etwas Besonderes sein sollte, die Vorsilbe Inter verpasst, beispielsweise Interhotel und Intershop. Weil Inter wie international klang, also wie der absolute Gegensatz zur engen DDR-Wirklichkeit. Jetzt haben wir im wiedervereinten Deutschland den Zusatz Inter in dem Begriff I. ganz anders neu entdeckt: Alles andere als männlich und weiblich. Während sich bisher männlich als der Gegensatz von weiblich definierte und weiblich als der Gegensatz von männlich, gibt es jetzt mit I. ein drittes Geschlecht, das sich nicht sächlich nennt, weil das Neutrum nur in der Grammatik als drittes Geschlecht existiert. Wer will sich schon als sächlich oder als Neutrum bezeichnen lassen. Nun bietet sich an, die Unterscheidung von Menschen nach Geschlecht generell abzuschaffen. Ist uns bei Zug- und Flugzeugtoiletten ja längst selbstverständlich (vgl. Geschlecht, Gleichberechtigung, Mensch, Unisex).

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Impotent

Wenn deine Potenz nur noch darin besteht, dass du besonders großzügig Geld ausgeben kannst, wirst du zwar immer noch gerne gesehen, aber von anderen Augen (vgl. Potenz, Zeugungsfähigkeit).

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Happy End

Ein H. E. ist das, was Roman und Spielfilm vom Leben unterscheidet. Weil das Leben normalerweise keinen willkürlich gewählten Endzeitpunkt hat, an dem abgeblendet wird, lässt das Ende des Lebens Familie und Freunde und Hund wie um die Wette heulen, soweit sie nicht zu den Erben, Konkurrenten und Feinden gehören, die so beglückt sind wie der Begräbnisunternehmer (vgl. Familie, Freundschaft, Glück).

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Mode

Im krassen Unterschied zur Herrenmode mit ihrer langweilig gleichförmigen Unansehnlichkeit ist die Damenmode spätestens seit der Zeit der kretisch-minoischen Kultur stets ein raffiniertes Präsentieren von teilweiser Nacktheit. In der Presse heißt das: Die Frau arbeitet mit viel Körpereinsatz. Feiner ausgedrückt ist das weiblicher Sex Appeal. Erlaubt sich ein Mann daraufhin eine Bemerkung oder Berührung, wird das als sexistische Attacke gewertet und bestraft. Denn sein Hinweis, es habe sich nur um eine Antwort auf eine Einladung gehandelt, wird als unverschämt verworfen. Als Ausweg aus dieser Zwickmühle aber nun die totale Verhüllung der Frau zu fordern, wie Islamisten es tun, das möchte ich mir doch nicht antun (vgl. Gleichbehandlung, Sex, Verführung).

 

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Lebensfeindlich

In den USA stellen Behörden und Medien mit Erschrecken fest, dass ihre Gesellschaft in allen Schichten mit Drogen der verschiedensten Art verseucht ist. Und man fragt sich, ob das Leben als Amerikaner wirklich nicht mehr ohne Drogen auszuhalten ist. Dazu gehört eine schonungslose Selbsterforschung. Die führt zu der Erkenntnis: Die amerikanische Gesellschaft ist zutiefst lebensfeindlich. Darauf deuten nicht nur die vielen Fliegenpatschen hin, die in jedem Haushalt herumliegen. Das zeigt auch der intensive, allgemeine Schusswaffengebrauch. Und das zeigt die in vielen Bundesstaaten erneuerte Selbstverständlichkeit der Todesstrafe. Nicht zuletzt ist entlarvend, dass in den USA in Wort und Bild alles ausführlich gebracht werden darf, was Leben beschädigt und vernichtet, während alles, was mit dem Zeugen und Entstehen von Leben zu tun hat, tabu ist und rigoros unterdrückt wird, bis hin zu dem Nippelchen am mütterlichen Busen (vgl. Gewaltverherrlichung, Pornografie, Todessstrafe, Zensur).

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Herostrat

Immer wieder dasselbe: Wenn ein schreckliches Verbrechen geschehen ist, fragt man querbeet in Presse, Funk und Fernsehen wortreich und gut bebildert, warum der Soundso das getan hat. Und das Warum findet keine Antwort. Da frage ich mich: Ist denn unter den heutigen Journalisten niemand, der einmal den Begriff Herostrat gehört hat? Weiß man nicht mehr, dass ein Mann namens Herostratos im Jahre 356 v. u. Z. den Tempel der Göttin Artemis in Ephesos in Brand gesteckt und damit eines der berühmten Sieben Weltwunder des Altertums vernichtet hat? Erst unter der Folter gab der  Täter das Motiv für diese Untat preis: “Ich wollte meinen Namen auf die Nachwelt bringen, um mich unsterblich zu machen.” Zugegeben, dass man sich heute nicht mehr an Herostratos erinnert, ist für die Leute von Ephesos ein voller Erfolg. Denn das war ihr Urteil über den Brandstifter: “Er soll vergessen sein für alle Zeiten!” Bekanntlich praktizierten schon die alten Juden das Vergessen als die einzig richtige Strafe für Schwerverbrecher. Ihr härtestes Urteil hieß: “Seines Namens soll nicht gedacht werden!” Sie wussten, dass das Ich mit seinem unstillbaren Bedürfnis nach Größe hinter all unserem Handeln steckt. Doch kann man der modernen Presse wohl nicht zumuten, generell keinen Namen und kein Foto von Verbrechern zu bringen, um damit potentiellen Verbrechern die Hoffnung auf Berühmtheit zu nehmen (vgl. Ignoranz, Ich, Ich-Instinkt).

 

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Boulevard

Wie Perlen aufgereiht Frauen, so auf schön gemacht, dass man aufspringen und hinterherlaufen möchte. Nein, lieber abwarten, bis sie zurückkommen und irgendwann ihre Gesichter zeigen. Die sind entweder zum Davonlaufen oder zum Anstimmen eines Klageliedes über die grenzenlosen  Möglichkeiten der Zivilisation. Da hilft auch nicht, sich die Männer anzuschauen, die hinter ihren Frauen her trotteln. Die Bildzeitungslesergesichter so ernst, dass man platzen könnte vor Lachen (vgl. Schein, Sein).

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Islam

Der Islam als Religion ist nicht schlechter als das Christentum. Doch hatten in den christlichen Ländern Aufklärung und Naturwissenschaften genau wie der allgemeine Wohlstand dafür gesorgt, dass die christliche Lehre nur noch als schmückende Bordüre des Lebens und als Trösterchen wahrgenommen und damit erträglich geworden war. Umso größer das Erschrecken, dass jetzt eine Religion in den frei gewordenen Glaubensraum eindringt, die von ihren Gläubigen mehr verlangt, weil sie weitgehend von Fundamentalisten getragen wird. Mit ihrer harten Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten erinnert sie uns an die gleichartige Situation im Christentum vor vierhundert Jahren, als Katholiken und Protestanten sich noch ernst nahmen und hart bekämpften. Und ein Problem mit einer Nachfolgereligion (Bahai) hat der Nachfolger des Christentums auch schon (vgl. Bahai, Fundamentalismus, Glauben, Religion).

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Rosen

Gönn’ sie dir, die Tage der Rosen, wann immer sie sich bieten. Der lange Abend der Dornen ist dir ohnehin gewiss, und dann hilft dir nicht einmal mehr dein Wissen, dass R. keine Dornen haben, sondern Stacheln (vgl. Besserwisser, Lebenskünstler).

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Glauben

Glauben ist der Gegensatz zu wissen und himmelhoch überlegen. Wird doch alles, was wir zu wissen glauben, eines schönen Tages durch neues Wissen widerlegt. Was den Glaubensgewissheiten nicht passieren kann, weil sie niemals Wissen waren und weil ein anderes Glauben bloß die Farbpalette der Glaubensangebote bereichert (vgl. Glaube, Islam, Wissen).

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Ephemera

In der Medizin der Fachbegriff für Eintagsfieber. Im Alltagsgebrauch der Sammelbegriff für allerlei Flüchtiges, für Dinge ohne bleibende Bedeutung, die nur für einmaligen Gebrauch bestimmt sind. Das sind vor allem diverse Papiererzeugnisse wie Fahrscheine und Eintrittskarten, Zeitungen, Reklamezettel, Poster und Bierdeckel, Tütchen und Kassenbons. Auf sie haben sich E.-Sammler spezialisiert. Erstaunlich ist, dass E. durch den Gebrauch wertvoller werden können wie Briefmarken, Notizzettel und Ansichtskarten. Was aber ganz sicher nicht generell gilt, weil auch Papiertaschentücher und Toilettenpapier unter den Begriff E. fallen, und die werden nun mal nicht durch den Gebrauch, sondern durch den Verbrauch wertvoller – für den Hersteller (vgl. Abfall, Kleinkram).

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Wiedersehen

Ein W. nach langer Trennung ist in Wirklichkeit mehr ein Neusehen mit viel Nachsicht, weil sich das Aussehen bei dem einen wie dem anderen so sehr geändert hat, dass es kaum noch mitanzusehen ist (vgl. Alter, Gesicht, Verzicht).

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