Archiv des Autors: Laufenberg

Sprachgefühl

Ein beachtliches S. hat, wer den Unterschied der Begriffe Boshaftigkeit und Bösartigkeit ohne lange Überlegung erklären könnte, aber beide Wortprotze in seiner Schreibe vermeidet (vgl. Ironie, Kritiker, Lästern, Sprache).

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Gewohnheiten

G. machen das Leben leichter, zugegeben, aber auch zum Nichtmehrleben. Deshalb sollte man sich seine G. abgewöhnen (vgl. Abenteuerlust, Langeweile, Tapetenwechsel, Verführung).

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Meinung 2

Wer etwas meint, der weiß es nicht und glaubt es nicht einmal. Deshalb sollte man seine  M. immer nur in Verbindung mit dem Wort bloß sagen. Im Englischen ist man darin konsequenter, da steht der Begriff belief sowohl für M. als auch für Glauben. Die Ergebnisse der Meinungsforschung, von Wirtschaft und Politik permanent teuer eingekauft und wichtig genommen, sind also nicht mehr als Blähungen (vgl. Äußerungen, Meinungsforschung).

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Wissen 2

So vorläufig, wie alles W. ist, so abhängig von der weiteren Forschung und von Zufallsfunden, hat es eher den Charakter einer Annahme als eines Besitzes (vgl. Äußerungen, Glauben).

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Äußerungen

Was wir an Ä. von uns geben, ist entweder Wissen oder Glauben oder Meinung. Weil wir aber nur zu wissen glauben, was wir als unser Wissen bezeichnen, und weil jede Meinung darauf beruht, dass wir das Gemeinte glauben, ist der eigentliche Charakter all unserer Ä. nicht mehr und nicht weniger als Glauben. Tut mir leid, aber ich glaube, das muss man sich zugeben (vgl. Meinungsforschung, Glauben, Wissen 2).

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818. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Quo vadis, Germania? Einige deutsche Universitäten bestrafen ihre Studenten schon mit Notenabzug bei Seminar- und Abschlussarbeiten, wenn sie den unsere Sprache verhunzenden Genderunfug nicht mitmachen, sondern ordentliches Deutsch schreiben. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) bietet mutigen Studenten, die von dieser Selbstherrlichkeit ihrer Universität betroffen sind, jetzt Prozesshilfe an, um die deutsche Sprache gerichtlich schützen zu lassen.

Agrarland wird immer teurer, so lese ich in der Zeitung. Die Bodenpreise haben sich zwischen 2009 und 2018 mehr als verdoppelt, was die zuständige Ministerin, die am besten wirkt, wenn sie ihr Lachen zeigt, alarmierend nennt, ausnahmsweise mit traurigem Blick. Aber erst am Vortag las ich, dass die Agrarsubventionen der EU den größten Einzelposten des EU-Haushalts ausmachen, mit mehr als einem Drittel aller Ausgaben, und dass dieser Geldsegen über Deutschlands Bauern umso reichlicher regnet, je größer ihr landwirtschaftlicher Betrieb ist. Da verstehe ich: Man muss sich angewöhnen, die Zeitung von gestern zusammen mit der von heute zu lesen.

Die Frage, wo man Urlaub machen wolle, wird immer schwerer zu beantworten, weil in immer mehr Ländern die Einwohner, unser Urlaubsgefühl dreist missachtend, in Massen auf die Straßen gehen, um sich von ihrer Polizei, deren perfekte Rüstung und Bewaffnung sie mit ihren Steuern bezahlt haben, verprügeln und töten zu lassen. Ob Chile, Brasilien, Bolivien, Ecuador oder Venezuela, ob Haiti, Irak, Libanon oder Katalonien, ob Äthiopien, Sudan oder Hongkong oder oder, in immer mehr Ländern wollen die Leute ihre Regierung loswerden. Aber wir Urlauber können doch nicht alle, nur weil dort kein Platz für störende Massendemonstrationen ist, Island oder die Malediven anfliegen.  

Weltweit leiden die Großstädte inzwischen an Verstopfung, weshalb erfahrene Reisende es vorziehen, sich nur noch per Untergrundbahn in ihnen zu bewegen. Das ist schnell und billig. Und es hat den Vorteil, dass man sich viele Besuche von Großstädten sparen kann, weil eine wie die andere aussieht.

Modernes Theater ist umstritten, weniger wegen der Sinnvermittlung als wegen der vielen plumpen Nacktszenen und der wilden Herumschreierei. Trotzdem müssen wir Bürger dafür, egal ob wir ins Theater gehen oder nicht, immer mehr zahlen. Nach Angaben des Steuerzahlerbundes betrug allein für die 46 Theater in Baden-Württemberg in der Spielzeit 2015/16 der Staatszuschuss 131 Millionen €, als städtische Zuschüsse kamen noch 187 Millionen € dazu. Diese 318 Millionen € wurden sehr unterschiedlich zugeteilt. Kleine und kleinste Theater bekamen 3-4 € Zuschuss pro Theaterbesucher oder auch überhaupt nichts, die großen Theater in Heidelberg, Freiburg, Mannheim und Stuttgart bekamen pro verkaufter Eintrittskarte zwischen 126 und 180 € Zuschuss vom Steuerzahler. Vorhang zu und alle Hände offen! 

In Berlin-Mitte gibt es jetzt ein Toleranz-Wunder: Eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee unter einem Dach. Also ein Rabbiner, ein Pfarrer und ein Imam, die sich wechselseitig tolerieren. Kein Problem, weil jeder von ihnen sich sagen kann, dass er den anderen beiden Entscheidendes voraushat. Der Rabbiner vertritt die älteste der drei Religionen, der Pfarrer die größte und der Imam die am stärksten wachsende. Gibt Sicherheit und Selbstvertrauen.

Irgendwo stand, die Zahl der im Moment auf der Erde lebenden Menschen sei höher als die Zahl aller schon irgendwann Verstorbenen zusammen. Das heißt dann wohl auch, wurde mir erschreckend klar, dass heute mehr Gequatsche um mich herum ist als all das gewesene Gequatsche all der Menschen, die in früheren Zeiten gelebt haben. – Hätte ich doch nur viel früher gelebt.

Wenn ich in dem neuen „Schwarzbuch der öffentlichen Verschwendung“ lese, das beim Bund der Steuerzahler zu erhalten ist, brauche ich keinen Krimi mehr. Denn die darin geschilderten Geschichten sind haarsträubend genug. Nur 3 von 100 Beispielen: In Berlin wurde ein 24-Karat-Vogelnest aus purem Gold als Kunst am Bau in eine neue Grundschule eingebaut. Kosten inklusive der Sicherheitsvitrine 92.500 €; nach einem halben Jahr war das Nest schon gestohlen. 50.000 € ließ sich die Landesregierung von Schleswig-Holstein ein Gesamtkonzept zur Einführung der gendergerechten Sprache in allen Papieren der öffentlichen Verwaltung kosten, obwohl es längst entsprechende Leitfäden gab und juristische Zweifel an der Rechtmäßigkeit behördlich vorgeschriebener Sprachverhunzung bestehen. Um die Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern zügig durchführen zu können, hat Bayern am Flughafen München eine besondere Hafteinrichtung gemietet; Warmmiete 425.000 € pro Monat.

Weil ich immer wieder danach gefragt werde: Ja, auch von mir ist einmal das, was man meist großspurig als die persönliche Lebensphilosophie bezeichnet, als Buch erschienen. Aus Unverstand hat der Verlag ihm den albernen Titel „Ratgeber für Egoisten“ gegeben und es mit Karikaturen von Manfred Limmroth geschmückt (Verlag Rasch und Röhring, Hamburg 1987, broschiert 192 Seiten). Ist ja auch ein gewitztes Buch, durchgehend in einem ironischen Tonfall geschrieben, dabei rücksichtslos in den genannten Fakten. Es wurde in der Presse begeistert aufgenommen. Und ein amerikanischer Student namens Stephen C. Merrick hat mit einer Arbeit über dieses Buch an der Arizona State University in Phoenix seinen Master of Arts (M.A.) gemacht. Mein „Ratgeber für Egoisten“ ist längst vergriffen, bloß hin und wieder in Antiquariaten zu finden. Aber ich habe einige dieser Raritäten im Schrank. Wer also unbedingt ein verlagsneues Exemplar erwerben möchte, gerne mit Widmung, schickt mir 30 Euro im Umschlag mit gut lesbarer Absenderangabe. Das Buch kommt dann – solange der Vorrat reicht – postwendend, andernfalls kommt das Geld zurück. 

 

 

 

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Kulturentwicklung

Kultur entwickelt sich in einer Gesellschaft und bei ihren einzelnen Gliedern immer aufgrund ökonomischer Zwänge, bei den Künstlern trotz (vgl. Hungerleider, Masche).

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Entfesselungskünstler

Beim E. liegt die wahre Kunst nicht im dramatisch vorgeführten Entfesseln, vielmehr im Fesseln, bei dem er den entscheidenden Knoten unauffällig so geschickt anbringen muss, dass er sich mit einem einzigen kräftigen Ruck befreien und den Applaus des dämlich dreinschauenden Publikums einheimsen kann (vgl. Kurpfuscher, Psychotherapeut, Unternehmensberater).

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Frust

F. ist angeblich das Gegenteil von Lust, anders betrachtet jedoch nur eine besondere Form der Lust, eine negative, die aber genauso stark und das Leben ausfüllend sein kann wie jede andere Lust. Wenn es nach unseren Wünschen ginge, gäbe es nur Lust; doch wäre das frustrierend. Im Endergebnis führt ein Übermaß an F. wie an Lust sehr schnell zu Überdruss. Dagegen hilft bloß Ablenkung, oder man macht sich klar: Alles nur eine Sache des Bewusstseins (vgl. Frusterlebnis, Gefühl, Genuss, Lust, Stress).

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817. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Politische Demonstrationen von Sportlern bei Sportveranstaltungen gelten als untragbar, weil sie Ausdruck von Nationalismus sind. Recht so. Feiert der Sport doch den Nationalismus schon zur Genüge bei allen internationalen Wettbewerben, in denen die Sportler ihre Landesfarben tragen. Was damit gerechtfertigt wird, dass der nach festen Regeln ablaufende sportliche Wettkampf zwischen den Ländern das nationale Bedürfnis der Menschen befriedige und Kriege überflüssig mache. Klingt gut. Doch entstehen Kriege niemals aus Nationalismus, sondern aus konkreten Raum- und Wirtschaftsinteressen von Machthabern, die so geschickt sind, in ihren Völkern Nationalismus oder religiösen Wahn wachzukitzeln und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.   

Anscheinend darf ich den Sport nicht so wichtig nehmen. Die Medien sind viel wichtiger. Lese ich doch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in einem Artikel über die Marathon-Verlegung von Tokio ins kühlere Sapporo: „1964, als Tokio erstmals Olympische Spiele ausrichtete, war die Hitze kein Problem. Das Sportereignis fand im Oktober statt. Die Sendepläne der großen Fernsehanstalten verlangen mittlerweile aber olympische Termine im Sommer.“

Was in meinem neuesten Buch „Die Triangel“ Erschütterndes erwähnt ist über die Irrfahrten des deutschen Luxusdampfers „St. Louis“, der im Jahre 1939 wochenlang erfolglos bemüht war, 937 geflüchtete Juden im freien Westen an Land zu bringen (s. S. 162), das servierte die ARD jetzt im Film unter dem Titel     „Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis“ als Abendunterhaltung. Im Übrigen steht die Verfilmung meines Buches aber noch aus.

Bei uns versuchen Geschäfte immer noch krampfhaft, mit einem englischen Firmennamen groß zu tun, obwohl schon so viele Unternehmungen damit kaputt gegangen sind – und auch daran. Dagegen wird im Ausland die deutsche Sprache hoch geschätzt. Jetzt gibt es schon 157 Goethe-Institute in 98 Ländern, die sich für die Verbreitung deutscher Kultur einsetzen und deren Deutschkurse für Ausländer immer gut besucht sind. Der französische Erziehungsminister Blanquer äußerte sich stolz darüber, dass seit 2017 „mehr als eine halbe Million Schüler wieder Deutsch lernen.“ Der diesjährige Literaturnobelpreis für Peter Handke zeigt ebenfalls, welch bedeutende Stellung Deutsch in der Welt hat. Das ist immerhin schon das 14. Mal, dass dieser Preis an Schreiber deutscher Sprache verliehen wurde. Und mein deutschsprachiger Blog „NETZINE“ wird in weit über hundert Ländern regelmäßig gelesen, neuerdings direkt epidemiemäßig in China.

Mut ist gefordert, wenn man sich heute ins Verkehrsgewühl stürzt. Der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zeigt viel Mut, und das nicht nur mit der Maut. So vermeidet er den albernen Anglizismus Newsroom für den heute vielfach in Behörden und Firmen eingerichteten Raum der innerbetrieblichen Kommunikation. In seinem Ministerium ist das schlicht und richtig das Neuigkeiten-Zimmer.

Leute, lest Leserbriefe! Die werden immer wichtiger, wenn man die verkehrte Welt verstehen will. Jetzt habe ich in der Zeitung einen köstlichen Kommentar gefunden zu dem neuesten Modegag deutscher Unis, mehr rein englischsprachige Studiengänge anzubieten. Der Leser hatte nach einem Postgraduate-Studium in England seine Dissertation in Englisch bei der Uni München eingereicht, wo sie zurückgewiesen wurde. Er musste sie ins Deutsche übersetzen und neu einreichen. Und das 1953, als in Deutschland noch Besatzungsrecht galt. Dagegen sind wir heute offenbar die zwei Jahre später wiedererlangte Souveränität schon leid und geilen uns lieber am Englischen auf.

Das Sprachmagazin „Deutsch perfekt“ hat in einer Umfrage unter Deutschlernenden aus 46 Ländern erforscht, welcher Begriff als das schönste deutsche Wort empfunden wird. Heraus kam „Gemütlichkeit“. Na, das passt doch exakt zu meinem Eindruck, dass wir schon wieder auf dem Weg in ein neues Biedermeier sind.

So vehement, wie derzeit das Problem Klimawandel diskutiert wird, erscheint mir das schon als eine Entlastungshandlung. Wäre doch die Verzweiflung noch viel größer, wenn wir mit Sicherheit wüssten, dass der Klimawandel überhaupt nichts mit unserem Verhalten zu tun hat und unvermeidlich als eine Katastrophe über uns kommt, die wir nicht im Geringsten abmildern können.

Im Irak, wo die USA mit einer militärischen Invasion die Demokratie eingeführt haben, protestieren jetzt die Menschen gegen die schlechte Versorgung und die korrupte Regierung. Die Demonstranten werden im Regierungsauftrag mit gezielten Kopfschüssen ruhig gestellt. Die Zahl der vom Staat getöteten Bürger ist schon dreistellig, aber der weltweite Aufschrei bleibt aus. Den Hintergrund des irakischen Großdesasters habe ich in dem mit Fotos ausgestatteten Buch, einer Reportage, ausgeleuchtet: „Denk ich an Bagdad in der Nacht“.

 

 

 

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