Archiv des Autors: Laufenberg

Erhängen

Das E. als Strafe ist eine Form der Erhöhung eines Menschen, mit der sich die dafür Verantwortlichen erniedrigen – durch Selbstüberhöhung (vgl. Gerechtigkeit, Todesstrafe).

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Alt

A. bist du erst, wenn sich dir Erfolgerlebnisse bloß noch auf dem Klo bieten (vgl. Alter, Entsorgung).

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840. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Die Medien servieren uns tagtäglich Massenproteste da und dort, rund um den Globus. Die Bilder gleichen sich, doch die Anlässe sind alles andere als gleich. Während es in Belarus, in den USA und Russland sowie in Hongkong um die Grundrechte des Menschen geht, genau wie in vielen südamerikanischen, afrikanischen und anderen asiatischen Staaten, ähneln die Massenproteste in den Freizeitgesellschaften Deutschlands, Frankreichs und Britanniens oft mehr den Narrenfesten, wie sie im Mittelalter üblich waren: Einfach mal lospoltern, weil es Spaß macht, und keinerlei Verbote akzeptieren.

                                                                              

Unsere Achtundsechziger hatten noch geglaubt, die wahre Volksherrschaft herstellen zu können, indem sie vermieden, dass es Unterlegene gibt, wie bei Mehrheitsentscheidungen unvermeidbar. Das Rezept dazu boten ihnen zwei große Vorbilder, die Einstimmigkeit verlangten, nämlich die Papstwahl und einige europäische Institutionen. Doch die Ernüchterung, weil die römische Kirche nicht als Ausstellungsstück der Demokratie taugte, war genauso unausweichlich, wie die Aufweichung des Einstimmigkeitsprinzips in Brüssel. Macht nichts, konnten sich viele Altachtundsechziger sagen. Waren sie doch beim Marsch durch die Institutionen inzwischen pensionsberechtigt geworden.

 

Die neuseeländische Ministerpräsidentin hat die Höchststrafe für den Massenmörder von Christchurch, der 51 Menschen ermordete und das per Helmkamera ins Internet übertrug, noch erhöht. Sie hat öffentlich empfohlen, dass der Name des Täters nie wieder genannt werde. Eine kluge Frau, die verstanden hat, worum es bei derart – eigentlich sinnlosen – Verbrechen geht, nämlich um das Ich des Täters. Vgl. Herostrat in Laufenbergs Läster-Lexikon (www.netzine.de/category/h/page/3/).            

 

Nicht nur Künstler und Forscher, Sportler, Politiker und Verbrecher, nein, jeder hat das Ziel, sich einen Namen zu machen. Und dieser Name ist in den westlichen Gesellschaften der Familienname, weil der nicht ganz so häufig vorkommt wie der Vorname. Doch moderne Flachdenker propagieren eifrig das Du mit dem Vornamen statt des Sie mit dem Nachnamen. Dieses vertraulich tuende Gerede mit Anna und Fritz, Maria und Horst, ist im Endeffekt die perfekte Methode der Anonymisierung. Denn was nach besonderem Entgegenkommen aussieht, das verdeckt das totale Desinteresse an dem Gegenüber, den man ja allein mit der Kenntnis seines Vornamens nie mehr kontaktieren kann.

 

Ich frage mich: Ist es ein gutes Zeichen oder ein schlechtes, dass in der Öffentlichkeit das Wort korrupt öfter gebraucht wird als das Wort korrekt? Bringt die Verwendung des Begriffs Korruption, wie in Laufenbergs Läster-Lexikon nachzulesen ist, doch verheerende Nebenwirkungen (www.netzine.de/category/k/page/5/). 

 

Gut 7 Milliarden Menschen leben neben mir auf der Erde, die meisten leider ganz und gar vergebens, wie ich in der mir angeborenen extremen Bescheidenheit feststellen muss. Weil ihre Lebensumstände ihnen nicht die Gelegenheit geben, wenigstens einmal im Leben ein Buch von mir zu lesen.

 

Die Meere sind zugemüllt mit Plastik, das langsam und unaufhaltsam zerrieben wird und als Mikroplastik in die Nahrungskette gelangt. Auch wir Menschen nehmen permanent Mikroplastik in unseren Organismus auf. Ich habe gelernt, dass ich zu etwa zwei Dritteln aus Wasser bestehe. Doch weiß ich nicht, zu wie viel Prozent das übrige Drittel meines Körpers jetzt schon aus Plastik besteht. Jedenfalls wird das Jahr für Jahr mehr. Deshalb kann ich davon ausgehen, dass irgendwann in naher Zukunft unsere Nachkommen die ersten Plastiken sein werden, die belebt sind und herumlaufen. Schöne neue Welt.

 

Zum aktuellen Thema Homeoffice ein Blick in unsere jüngere Geschichte: In der Zeit der Industrialisierung haben die beiden traditionellen Hauptsysteme des Produzierens eine gegensätzliche Entwicklung durchgemacht. Dem Manufaktursystem (alle arbeiten unter einem Dach) ging bei der rasanten Vergrößerung der Aufträge bald die Luft aus. Dagegen konnte sich das Verlagssystem (Heimarbeiter und Kleinproduzenten arbeiten für ein Vertriebsunternehmen) den wachsenden Aufträgen problemlos anpassen. Nun sieht es so aus, als ob sich diese Entwicklung und damit die im Bereich Produktion gemachte positive Erfahrung im Bereich Verwaltung wiederholte. Unternehmen und öffentliche Institutionen sind plötzlich mit den Vorteilen und Vorlieben der Arbeit im Homeoffice konfrontiert. Nur Mut!

 

Die geplante Feier zum Erscheinen des neuen Buches „Zwei vor Zwölf“ musste ich wegen Corona leider absagen. Da tut ein Blick zurück gut, nämlich auf das Fest 2010 zum Erscheinen des Buches „Favoritin zweier Herren“, das die ersten 800 Jahre Geschichte der Johanniter und Malteser zum Erlebnis werden lässt. Mehr als siebzig Freundinnen und Freunde feierten mit uns in der Malteserstadt Heitersheim. Und als besonderer Gast hatte sich der Schauspieler Peter Brownbill eingefunden, in dem eigens dafür und für die Produktion des  Viertelstundenfilms „Perkeos Rückkehr“ (www.youtube.com/watch?v=6sm-bnmNFDo) vom Heidelberger Theaterschneider gefertigten Originalkostüm des Hofnarren Perkeo auf dem Heidelberger Schloss.

 

 

 

 

 

 

 

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Romanleser

Da ist Vorsicht geboten; denn Menschen, die sich in einen Roman versenken, führen ein Doppelleben, und das nicht ohne Grund. Gehören sie doch zu der anspruchsvolleren Variante von Mitmensch, dem der Alltag nicht genügt (vgl. Leben, Zufriedenheit).

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Gedanke

Wer glaubt, ein G. – das Wort einmal wörtlich genommen – sei  etwas, für das einem gedankt wird, der sollte viel mehr denken, um Satz für Satz derart Dankenswertes zu kreieren. Vielleicht sagt mir ja schon jemand für diesen G.n Dank. Denn falls G.n bei anderen so zwangsläufig zu Dankbarkeit führen, schenkt uns jede Denkarbeit Dankbarkeit, abgesehen von den Fällen, in denen nur Absurdität herauskommt (vgl. Dank, Denken, Gedanken).

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Dichtung

Die drei Formen der Dichtung heißen Epik, Lyrik und Drama. Für viele ist die Lyrik das Höchste, für mich die Epik. Das Drama ist nur noch eine Krüppelform des Erzählens, weil durch die Verselbständigung von Dialog und Monolog die Schilderung der Situationen fast ganz wegfällt. Dabei zeigt sich vor allem in diesen Sätzen, was ein Dichter an Verdichtung zu bieten hat. Allerdings hat auch die Epik eine Krüppelform ausgebildet, den Krimi, bei dem durch die Verselbständigung eines einzelnen Erzählelements, nämlich der Spannung, die den Leser über alles Drumherum hastig hinweg hoppeln lässt, die Erzählkunst deformiert wird (vgl. Krimi, Lyrik).

 

 

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Allein

Ein Begriff, der nie befragt wird, umso öfter aber beklagt. Dabei ist er so ehrlich. Denn er gibt offen zu, dass du unter Allen nur Einer bist, und zwar auch, wenn viele Menschen um dich herum sind. Muss man einfach positiv sehen (vgl. Lebenskunst, Selbstmitleid).

 

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839. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Das Corona-Virus ähnelt einer Religion. Da wie dort heißt es: Nichts Genaues weiß man nicht, immer geht es um alles, die Hoffnung stirbt zuletzt, und der Kleine Mann zahlt die Rechnung. Bei beiden Phänomenen ist nicht nur die Priester- oder Guruschaft zerstritten, auch die Gesellschaft zerfällt in zwei Gruppen, die sich wechselseitig als Gläubige und Ungläubige beschimpfen.

 

Das Etikett Demokratie (= Volksherrschaft) hat inzwischen eine Beliebtheit erreicht wie Gold. Es gilt als ein Wert an und für sich, obwohl manchmal nur Schaumgold, oft bloß Vergoldetes oder sogar Blutgold. Weil es weltweit hochgeschätzt wird, kann sich sogar jeder Autokrat (= Alleinherrscher) damit schmücken, egal wie sehr ihm das Volk mit seinen Bedürfnissen zuwider ist.

 

Jetzt spricht man schon vom 3. Weltkrieg, den der amerikanische Präsident Donald Trump begonnen habe, nämlich mit dem Bann, den er gegen chinesische Internet-Unternehmen ausgesprochen hat. Viel Streit, weil der Verdacht besteht, dass mit Attraktionen wie Huawei, Tiktok, Tencent, Alibaba und Bytedance die westlichen Gesellschaften total ausspioniert und manipuliert werden können. Schließlich geht es in dem digitalen Weltkrieg um gewaltig große Blasen, die sich mit Meinungen und Wertungen füllen lassen, da in chinesischer Sprache, dort in englischer. Tatsächlich können wir uns nicht einmal vorstellen, was alles möglich ist im IT-Bereich. Und selbst die sich damit beruhigen können, dass das Internet von den Amerikanern erfunden wurde und nach wie vor weitgehend von ihnen beherrscht wird, werden sich irgendwann eingestehen müssen: Wir alle werden zu Opfern dieses neuen Krieges. 

 

Auf dem Bildschirm zu sehen, wie in der Autofabrik Karosserien am laufenden Band als Gerippe auf einen zu rutschen, eines nach dem anderen und eins so jämmerlich unfertig und nackt wie das andere, das ist genauso ein Schock wie ein Film aus dem Schlachthof, in dem halbe Schweine am Haken auf einen zu baumeln, eins nach dem anderen und so jämmerlich … Da schwindet der Wunsch nach einem Neuwagen genauso wie die Lust auf ein zartes Steak.

 

Huruhuru war der Name einer neuen Biersorte, die eine kanadische Brauerei auf den Markt gebracht hat. Das Wort aus der Sprache der Ureinwohner Neuseelands, der Maori, heißt offiziell soviel wie Wolle oder Feder, ist aber vor allem gebräuchlich für Schamhaar. Deshalb gab es Proteste. Die Brauer schämten sich, baten die Maori um Entschuldigung und gaben ihrem federleichten Bier einen anderen Namen. Welchen, das habe ich nirgends gefunden. Der Werbegag ist also danebengegangen.

 

Als ich ihn sah, dachte ich: Nie wird er erfahren, mit welch einer herablassenden Bezeichnung man ihn abtut, auch nicht, dass man ihn für einen ganz Schlimmen hält. Das belastet ihn alles nicht. Wie sollte er auch darauf kommen bei seiner flatterigen Lebensweise. Immer nur hin und her, auf und ab und hinter Seinesgleichen her, als wäre das ganze Dasein ein Tanz. So quicklebendig kann er das Leben feiern, weil er sich nicht vorstellen kann, was vorher und nachher ist, der bedauernswerte, schöne Kohlweißling.

 

Banken gelten bei uns als systemrelevant, auch der Flugverkehr, der Pflegebereich, die Energiekonzerne und die Rechenzentren. Doch was ich am Computer zustande bringe, fällt nicht unter diese großspurige Kategorie. Weil es keinem System dient, sondern bloß meinen Mitmenschen.

 

Aus gegebenem Anlass ein Wort in eigener Sache: Wer mich kennt, der weiß, ich bin nicht zu beglücken mit Blumen oder Geld, mit Energiegetränken, Pets, Spirituosen, Tabakwaren, Krawatten, Scherzartikeln, Unterhaltungselektronik, Sportgeräten, Porzellan, Werkzeug, Schmuck und Sexspielzeug sowie nicht selbst ausgewählten Süßigkeiten und Büchern. Trotzdem können Mitmenschen, die mir unbedingt was Gutes tun wollen, das schaffen, indem sie sich selbst was Gutes tun, nämlich eins meiner Bücher kaufen und lesen. Was ihnen garantiert mehr bringt als das Fernsehen.

 

Anfang dieses Jahres schrieb mir ein großer Verlag für digitale Bücher, Saga-Egmont in Kopenhagen, er wolle meine längst vergriffenen historischen Romane, nach denen immer wieder gefragt wird, neu auf den Markt bringen, und zwar als E-Books. Ungekürzt, perfekt im Schriftbild, auf dem Laptop, dem Tablet, dem Handy oder dem Reader zu lesen. Ich habe die Erlaubnis erteilt, und die ersten drei Titel sind jetzt bei den Online-Buchhändlern bestellbar. Alle Einzelheiten zu diesen E-Books hier im NETZINE unter „Bücher“.

 

 

 

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838. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Da und dort und überall Massenproteste gegen die Corona-Einschränkungen. Dass so viele Menschen die Corona-Vorschriften für unnötig halten, beunruhigt mich, wundert mich aber nicht. Denn die Zahlenangaben zur Corona-Krise, mit denen wir in Radio, Fernsehen und Presse Tag für Tag abgespeist werden, sehen nach Verschleierung aus. Lassen diese Zahlen doch nicht erkennen, wie abhängig die Entwicklung der Krankheit von den staatlichen Maßnahmen der Einschränkung und dem Angebot an Testmitteln und Klinikbetten ist. Vor allem wird nicht geklärt, was als Corona-Sterbefall definiert wird und was nicht. Und den Vergleich der absoluten Todesfallzahlen von heute mit den Vorjahreszahlen in demselben Zeitraum und Gebiet sucht man vergebens.

 

Wir leben in einem wirtschaftlich gesunden und politisch einigermaßen klug geführten Staat. Trotzdem geht die Jugend in Deutschland nur noch gesenkten Hauptes daher. Ist ja unvermeidlich, wenn man das winzige Gekritzel auf dem Handy in der Hand entziffern will.

 

Wenn in den Fernsehnachrichten Gewaltszenen gebracht werden und die Kommentare der über die Gewaltausbrüche pflichtgemäß erstaunten und empörten Politiker, können die Fernsehzuschauer das gar nicht so richtig genießen, weil das so mickrig ist im Vergleich zu all der Brutalität, die tagtäglich und nachtnächtlich auf dem Bildschirm in Filmen und schon in ihren Trailern gezeigt wird,

 

Das Wort Rassismus erfährt heute eine fast schon hysterisch zu nennende Überbewertung als das absolut Böse. Und das nur, weil nicht unterschieden wird zwischen der unübersehbaren Feststellung von äußerlichen Unterschieden (Hautfarbe, Augenform, Langnase oder Kurznase) bei Gruppen von Menschen und der unsinnigen Behauptung, die Gruppen seien deshalb von Natur aus unterschiedlich wertvoll. 

 

Jetzt hat auch die Stadt Stuttgart einen Leitfaden herausgegeben, der für die Schriftsätze ihrer Behörden entgegen der geltenden orthografischen Norm Gendersternchen zur Regel machen soll. Wenn die Texte dadurch auch nicht mehr laut lesbar werden, hält man das nicht für schlimm. Erstens sollen die Bürger sowieso leise sein, und zweitens ist es für Behördensprache seit eh und je typisch, dass sie in schlechtem Deutsch daherkommt.

 

Heutzutage müssen Firmengründer meist ihr Konzept zunächst einem Geldgeber erläutern, und zwar in einer speziellen Präsentation, die Investoren-Pitch genannt wird. Kein  allzu schöner Begriff, der auch nicht gerade deutsch klingt. Dabei hat das Beratungsportal Basic Thinking gerade erst dazu geraten, bei solchen Präsentationen nicht mit Denglisch groß zu tun, weil das nur zeigt, dass man sich nicht klar und verständlich auszudrücken versteht.

 

Der Wirecard-Skandal zeigt Wirkung, und dem Leser des Wirtschaftsteils der Zeitung sträuben sich die Haare: Fängt man jetzt doch tatsächlich an, die Frage zu stellen, ob es richtig ist, dass Firmen, die sich von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beraten lassen, hinterher von derselben Gesellschaft sich die Ordnungsmäßigkeit ihrer Buchführung bestätigen lassen dürfen. Sind diese Bananen unseren Ministern zu groß?

 

Der neue Duden kommt voller Stolz mit zusätzlichen 3.000 Wörtern daher. Dabei besteht die deutsche Sprache schon aus mehr als fünf Millionen Wörtern. Also kein erheblicher Zuwachs. Allerdings besteht der aktive Wortschatz meiner deutschsprachigen Zeitgenossen durchweg aus nur 12.000 bis 16.000 Wörtern. Da ist es schon eine Frage, ob der Neuerwerb von 3.000 Begriffen ein Zugewinn ist. Die Antwort hängt davon ob, welche deutschen Wörter, um die es schade ist, dafür wegfallen. Trösten wir uns damit, dass der Duden keine Norm setzen kann, sondern nur notiert, was nach Meinung der Redaktion üblich ist. 

 

Vor 33 Jahren bin ich, der ehemalige Opladener, Heidelberger geworden, nachdem ich mal Berliner, mal Bonner war, mal Aachener und mal Oldenburger. In Heidelberg wurde das Heidelberger Schloss meine Welt, und ich erkannte den Hofnarren Perkeo als meinen kleinen, großen Urahn. Der hat mich zu zwei Büchern inspiriert, zu der Romanbiografie „Perkeo – Der Zwerg von Heidelberg“ und zu dem historischen Regionalroman „Tödliches Einmaleins“, in dem Perkeo als Ermittler wider Willen agiert, sowie zu dem YouTube-Viertelstundenfilm „Perkeos Rückkehr“. Und ein weiterer Perkeo-Krimi mit dem Titel „Tödliche Lotterie“ ist fast fertig. Jetzt durfte ich meinem Urahn Perkeo mal wieder einen Vormittag lang einen Dienst erweisen, weil der deutsch-französische Fernsehsender ARTE mich eingeladen hatte, im Hof und im Fassbau des Heidelberger Schlosses über sein Leben und sein wildes Treiben zu berichten. Hat wieder Spaß gemacht, wenn ich auch befürchten muss, dass ich auf Perkeo-Format gekürzt werde, also von 1,90 auf 1,10 m. Wann der Film gesendet wird, erfahre ich erst in einigen Monaten, werde ich dann aber sofort hier und in Facebook bekannt geben. 

 

 

 

 

 

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835. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Es gibt in vielen Sprachen das Bedürfnis nach einem dritten Geschlecht, und das nicht nur bei der Suche nach der richtigen Tür der Bedürfnisanstalt für alle, die sich nicht als Herr und nicht als Dame fühlen. Im Schwedischen gibt es dafür neben han (er) und hon (sie) schon lange das Pronomen hen, das jetzt auch offiziell anerkannt wurde. Und im Englischen experimentiert man mit dem Mx, das neben Mr (Mister) und Mrs (Missis) fungieren soll. Nur weiß man noch nicht, wie man es aussprechen soll. Als Mix? Oder als Max? Da denkt unsereiner doch gleich an Moritz.

 

Dass Deutschland, einst eines der wichtigsten Kulturländer, als das Land der Dichter und Denker gerühmt, heute in der Welt nur noch als Lieferant von Autos und anderen Maschinen Bedeutung hat, ach ja, neben Kopfschmerztabletten und Hilfsgeldern, das ist blamabel. Eingelullt vom permanenten Krimi- und Fußballrummel haben wir Deutschen nicht mehr viel zu bieten. Wir sind eher die nützlichen Idioten der Welt geworden.

 

Die Nationalsozialisten haben den Begriff Rasse für ihre brutale Vernichtungspolitik gegenüber den Juden missbraucht und damit für uns Heutige zu einem Schreckwort gemacht. Also weg mit dem Begriff? So einfach geht es wohl nicht. Wissen wir doch, dass wir Menschen biologisch bloß eine höher entwickelte Tierart sind. Und bei Tieren – denken wir nur einmal an Pferde und Rinder, Hunde und Hühner – sind uns die Rassen eminent wichtig.

 

Vor vielen Jahren wurde ich in einem Ostblockland von einem Einheimischen gefragt: „Wie kommt es, dass es euch Deutschen so viel besser geht als uns, wo ihr doch den Krieg verloren habt?“ Da konnte ich nur antworten: „Weil wir gleich nach Kriegsende führende Politiker hatten, die sich vernünftig für ihr Land eingesetzt haben und nicht korrupt waren.“ Was prompt die nächste Frage auslöste: „Und wie kommt es, dass ihr solche Politiker hattet und wir nicht?“ Ich wollte nicht überheblich wirken, musste aber ehrlich zugeben: „Weil wir in Deutschland eine etwas höhere allgemeine Volksbildung hatten, die dazu führte, dass nur höher gebildete Politiker, die sich schon in anerkannten Berufen bewährt hatten, an die Spitze kommen konnten, nicht aber Leute, die sich durch windige Aktionen die Macht erschlichen haben.“

 

Seitdem so gut wie jeder Zugang zum Internet hat, ist es für die einfacher gestrickten Zeitgenossen selbstverständlich, dass fast alles rechtefrei und kostenlos ist. Damit nähern wir uns einem Zustand, den es schon früher gab, als die Maler ihre Bilder noch nicht signierten, und die Schreiber und Bildhauer, die Bauherren wie die Musikschaffenden unbekannt blieben, weil Nachahmung und Vervielfältigung sogar Kulturtaten waren. Wenn wir uns weiter in dieser Richtung zurückentwickeln, sieht das Urheberrecht eines Tages nur noch wie ein heiteres Zwischenspiel aus, genau wie das kreative Leben der freien Künstler.

 

Wie dieses störende, gerade nur punktgroße Tierchen auf meinem Blatt Papier keine Vorstellung davon hat und haben kann, wo es sich befindet und wie leicht ich es zerdrücken kann, so stehen wir Menschen den unvorstellbaren Dimensionen des Weltalls gegenüber: Als noch nicht einmal punktgroße Winzwesen ohne die Vorstellung von einem übergroßen Wesen, das uns aus Ordnungssinn oder aus Versehen zerdrücken kann. Und was das Tollste ist: Wenn man an solch ein Superwesen glaubt, findet man auch immer wieder Bestätigungen für diesen Glauben.

 

Rentner klagen darüber, dass sie trotz 40 Jahren Arbeit und Einzahlung in die Rentenversicherung, dann doch nur eine Monatsrente von weniger als 1.000 Euro bekommen. Als ich vor 35 Jahren in West-Berlin gesehen habe, dass die Bürohäuser der Rentenversicherung fast ein ganzes Stadtviertel füllen, wo Tausende Angestellte sitzen, die das Rentengeld verwalten, wurde mir klar: Da kann für Rentenzahlung kaum was übrig bleiben. Abgesehen davon, dass noch viele weitere personalstarke Rentenburgen in den einzelnen Bundesländern stehen. Immerhin hatte der zuständige Minister mit dem Spruch: „Die Rente ist sicher“, für den großen Volksbetrug die richtige Wortwahl getroffen. Denn sicher gibt es irgendwann die Rente, nur wie niedrig sie ist, das blieb eine offene Frage.

 

Die Hirnforschung verrät uns, dass wir beim Anhören von Sprache vor allem die linke Gehirnhälfte benutzen, beim Musikhören dagegen die rechte. Das gibt uns die Chance, einmal verstärkt unsere gesamte Gehirnkapazität einzusetzen. Wir brauchen uns einfach nur ein Lied vorsingen zu lassen, allerdings nicht aus den Carmina Burana, sondern ein Lied, bei dem wir auch den Text verstehen.

 

Wochenlang hat Facebook mir 5 Dollar als Geschenk angeboten, wenn ich bereit wäre, etwas zu bewerben. Jetzt habe ich dem Drängen nachgegeben und Facebook einen Werbeauftrag für „Tödliches Einmaleins“ erteilt, meinen historischen Heidelberg-Krimi über den Zwerg Perkeo als Hofnarr und Ermittler. Doch schon am zweiten Tag der Aktion wurde mir mitgeteilt: „Abgelehnt. Dieser Beitrag kann nicht beworben werden, weil er den Facebook-Werberichtlinien nicht entspricht.“ Was für Schwierigkeiten die Facebooker konkret mit dem Einmaleins haben, wurde nicht verraten. Aber dieser Barockzeit-Krimi ist natürlich nicht nur zeitgemäß sexy, sondern auch eine intellektuelle Herausforderung.  

 

 

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