Archiv des Autors: Laufenberg

Antipathie

Nicht so wichtig nehmen (vgl. Sympathie).

Veröffentlicht unter A, A-I, Lästerlexikon | Kommentare deaktiviert für Antipathie

Sympathie

Die wörtliche Übersetzung des Begriffs als Mitgefühl führt in die Irre und ist mit Recht in Vergessenheit geraten. Mit S. bezeichnet man die positive Einstellung eines Menschen zu einem anderen Menschen, die sich bei einer ersten Begegnung innerhalb von Sekundenbruchteilen bildet. Wenn sich im Gegenteil eine negative Einstellung bildet, spricht man von Antipathie. Sympathisch oder unsympathisch zu sein ist also niemals eine Eigenschaft eines Menschen, sondern seine Bewertung in den Augen eines anderen Menschen, nämlich dessen Zuneigung oder Abneigung. Was die Sache aber ziemlich wertlos macht: Die blitzschnelle Bewertung des ersten Augenscheins nach positiv oder negativ beruht bloß auf einem Vorurteil dessen, der sagt: Du bist mir sympathisch (bzw. unsympathisch). Und dieses Vorurteil muss sich schon in der Kindheit gebildet haben, als die ersten Urteile an Unterschieden der Physiognomien festmachten, mit denen angenehme oder unangenehme Erlebnisse verbunden waren. Also: Nichts draus machen, wenn dir einer an den Kopf wirft: Du bist mir unsympathisch. Aber auch nichts draus machen, wenn er sagt: du bist mir so sympathisch. So oder so ist das allein sein Problem und sagt über dich überhaupt nichts aus (vgl. Antipathie, Selbstbewusstsein, Komplement, Vorurteil).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S, S-Z | Kommentare deaktiviert für Sympathie

Isolierung

Durch irgendwelche Maßnahmen der I. wird ein Zustand des Abgeschottetseins hergestellt, den man Isolation nennt. Wie die Maßnahmen und das Ergebnis zu werten sind, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab (vgl. Coronavirus, Eremit, Isolation, Isolationsfolter, Quarantäne).

Veröffentlicht unter A-I, I, Lästerlexikon | Kommentare deaktiviert für Isolierung

Neoliberalismus

Was sich mit neue Freiheitlichkeit übersetzen lässt, ist ein tropfnasser Schwamm, den Wirtschaftspolitiker sich seit Jahrzehnten gern gegenseitig an den Kopf werfen. Als ein Ismus ist dieser Begriff generell fragwürdig, und weil jeder etwas anderes darunter versteht, ist er sogar eine Universalwaffe. Der eine verteidigt damit die Soziale Marktwirtschaft, der andere attackiert damit Reformer, die angeblich soziale Wohltaten zurücknehmen. Das Beste ist: einfach weghören (vgl. Ideologie, Politik, Weltverbesserer).

Veröffentlicht unter J-R, Lästerlexikon, N | Kommentare deaktiviert für Neoliberalismus

828. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Die Dummköpfe, die für alles einen englischen Begriff brauchen, fordern uns jetzt zu „Social Distancing“ auf, womit sie das Abstand-Halten meinen und den Verzicht auf Versammlungen. Leider mal wieder ein sprachlicher Fehlgriff, denn die gewünschte räumliche Distanz nennt der Engländer „Spacial Distancing“. Stattdessen verlangen unsere Anglizismus-Idioten nun mit ihrem Begriff „Social Distancing“ ausgerechnet den Verzicht auf Sozialkontakte, dabei sind diese menschlichen Zuwendungen (per Telefon, Internet, Brief) gerade in Zeiten der räumlichen Distanzierung besonders wichtig. Unsere peinliche Anglizismerei.

 

In den Medien so viel Coronavirus-Gerede, dass einem Hören und Sehen vergeht. Und doch bleibt man schlecht informiert. Was die einzelnen Staaten an Fällen melden, ist zumindest zweifelhaft; die Dunkelziffern dürften sich stark unterscheiden. Im Übrigen keine konkrete Angabe, wie viele Menschen wirklich am Coronavirus gestorben sind und wie viele an den Nebenumständen der Pandemie (Bettenmangel, fehlende Beatmungsgeräte, Personalengpass). Und wenn schon täglich die Zahl der Toten da und dort, dann doch bitte im Vergleich mit der Zahl der Toten in normalen Zeiten.

 

Das Corona-Virus macht einem schon Schwierigkeiten mit dem Artikel. Weil das Wort Virus zu den sehr seltenen Ausnahmefällen gehört, die mit der männlichen Endung us auftreten, obwohl sie nicht männlich sind, sondern sächlich. In Zeiten von Me too also mal nichts schrecklich Männliches. Ich kenne neben Virus mit dieser Anomalität nur noch Corpus, Genus und Opus. Kennt jemand weitere? Und haben die sonst noch was Gemeinsames?

 

Klar ist, eine Epidemie führt, wenn nicht zum Tod, dann doch zumindest zu einer Zeit der Isolation. Die Vorbereitung auf die durch das Coronavirus drohende Isolation verriet die unterschiedliche Mentalität der Leute. Die einen kauften schnell noch neue, neckische Unterwäsche, bevor die Läden dichtmachen mussten, die anderen ließen vor leeren Kirchenbänken Messen lesen. Alles verständlich. Doch die Toilettenpapier gehortet haben, die hatten schon ausgeschissen, ehe es richtig losging. Wir haben einen größeren Weinvorrat angeschafft und die Fenster geputzt, um mit guten Aussichten durch die Krise zu kommen. 

 

Eine konsequente Veganerin. „Ich bin einfach tierlieb“, gestand die alte Dame mir, „deshalb habe ich in meinem Letzten Willen festgeschrieben, dass ich nach meinem Ableben nicht ins Krematorium komme, sondern ganz normal unter die Erde.“

 

Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr an vielen Orten gleichzeitig gefeiert werden soll, war ein Pechvogel. Schon als 25-Jähriger mit Hörproblemen geschlagen, blieb ihm das Pech bis weit über seinen viel zu frühen Tod treu. In Wien hat er rund fünfzig Mal umziehen müssen, weil die Nachbarschaft ihm zu laut oder er den Nachbarn zu laut war und er mit seinen Wassergüssen gegen die peinigenden Kopfschmerzen die Wohnungen überschwemmte. Und in diesem Jubiläumsjahr 2020, das ihm mit mehreren tausend Veranstaltungen die Krone des größten Komponisten aller Zeiten aufsetzen sollte, droht nun eine Feier nach der anderen dem Corona-Virus zum Opfer zu fallen. Ein Glück, dass wenigstens seine Musik virenresistent ist, und die kann man sich ja auch zuhause anhören.

 

Die Bundeswehr, zum Schutz der Bundesbürger geschaffen und aufwendig unterhalten, ist inzwischen nicht einmal mehr in der Lage, sich selbst zu beschützen. Sämtliche Liegenschaften der Bundeswehr, so erfahre ich aus der Zeitung, werden von privaten Unternehmen bewacht, die dafür mehr als 8.000 Wachleute einsetzen. Und das lassen die Wächter sich immer besser bezahlen, im vergangenen Jahr schon mit über 430 Millionen Euro. Leider wurde nicht gemeldet, wer nun diese offenbar besonders wertvollen Beschützer der Bundeswehr beschützt – und zu welchem Preis.  

 

Das LLL, Laufenbergs Läster-Lexikon (www.netzine.de/laster-lexikon/), das 1998 gestartete interaktive Wörterbuch, das alles Selbstverständliche hinterfragt und garantiert jedem auf die Füße tritt, es hat inzwischen über tausend Stichwörter und wird in weit über hundert Ländern gelesen, vor allem in den USA und in China. Durch die unverschämten Verweisungen ist das viel mehr als ein Nachschlagewerk, nämlich eine aufregende Abenteuerreise für geistige Menschen. Denn was man in diesem Läster-Lexikon, meinem eigentlichen Alterswerk, vergebens sucht, das ist so was Braves wie Bescheidenheit oder Zurückhaltung.

 

Wir sparen viel Geld durch die Coronakrise und sitzen auf einmal viel mehr zuhause herum. Keine Reisen, keine Klamottenkäufe, keine Kneipenabende, keine Friseuse, keine teuren Veranstaltungstickets, da kann man sich doch einmal den Luxus erlauben, ein Buch zu kaufen. Das wird direkt ins Haus geliefert und hebt einen zuverlässig hoch über den Alltag hinaus. Habe gerade zwei Neuerscheinungen zu bieten, ein Sachbuch und einen Tatsachenroman. Beide hochaktuell und bei allen Online-Versendern zu bekommen. Alle Einzelheiten dazu und Leseproben sind unter www.netzine.de/library/ zu finden.

Veröffentlicht unter Aktuell | Kommentare deaktiviert für 828. Ausgabe

Isolation

Die erzwungene I. ist die hässliche Schwester der gewollten I., die sich gern Splendid I. nennt. Das Alleinsein, das die schöne Schwester sich schafft, lässt sich genießen und nutzen als der ideale Nährboden für Kunst und Erkenntnis. Das Alleinsein der hässlichen Schwester wird als die neben den Körperstrafen härteste Strafe eingesetzt, weil sie zuverlässig das Wesen des Menschen, der ein Zoon Politikon ist, trifft. Pech für die Strafherren: Wie stark der Bestrafte mit der I. getroffen wird, ist völlig abhängig von seiner Mentalität und seiner Geschicklichkeit, die erzwungene I. durch das Bewusstsein auszuhebeln und als Chance zu nutzen. Der Dichter Alexander Puschkin hat im Jahr 1830 wegen einer verheerenden Cholera-Pandemie drei Monate in Quarantäne verbringen müssen, die er hinterher als die glücklichste Zeit seines Lebens bezeichnet haben soll, weil sie eine so fruchtbare Zeit war. Den Schlüssel für den Buchstabendreher von furchtbar zu fruchtbar findet man übrigens im Kopf (vgl. Bewusstsein, Gedankenfreiheit, Isolationsfolter, Isolierung, Kulturentwicklung).

Veröffentlicht unter A-I, I, Lästerlexikon | Kommentare deaktiviert für Isolation

Gefühle

Die Intensität seiner G. zu forcieren, durch Wiederholung, durch Verstärkung der Reize oder durch Sich-Bewusst-Machen der Aktion, die G. ausgelöst hat, viele halten das für die Formel zum Glück. Tatsächlich bringt das ein Mehr an Gefühlsgenuss, der aber sowohl freudvoll als auch tränenreich sein kann. Die wahre Steigerung der G. schafft man erst, indem man den Gefühlssturm durch den Einsatz von kühler Überlegung in feste Bahnen lenkt. Das heißt: Nur wer die Zonen unter und über der Gürtellinie zusammenbringt, ist der Meister seines Selbst (vgl. Denken, Rationalität, Sex).

Veröffentlicht unter A-I, G, Lästerlexikon | Kommentare deaktiviert für Gefühle

Rezension

Was da alles als R. bezeichnet wird, weil heutzutage jeder aufgerufen ist, zu neuen Veröffentlichungen Stellung zu nehmen, das ist manchmal bloß Applaus, gelegentlich auch der Respekt von Kennern vor dem fremden Werk, viel zu oft aber nur die typische Selbstüberschätzung der Ungebildeten (vgl. Bildung, Rezensent)

Veröffentlicht unter J-R, Lästerlexikon, R | Kommentare deaktiviert für Rezension

Tierlieb

Wer sich besonders t. zeigen will, dem sei empfohlen festzulegen, dass er nach seinem Ableben nicht ins Krematorium gebracht wird, sondern ganz normal unter die Erde. Soherum ist der Verzehr übrigens auch für konsequente Veganer erlaubt (vgl. Aasfresser,  Appetit, Fleischeslust, Konsequenz, Tierliebe, Veganismus).

Veröffentlicht unter Lästerlexikon, S-Z, T | Kommentare deaktiviert für Tierlieb

Anthropozän

Alle Epochen haben ihren Namen erst hinterher erhalten. Ob Gotik und Renaissance, ob Steinzeit und Bronzezeit, ob Perm und Kreide und so weiter, immer wurde die prägende Eigenart der Epoche erst im Blick auf die Vergangenheit erkannt und zur Bezeichnung. Die jeweilige Epoche wusste nichts von dieser Besonderheit. Da muss es zu denken geben, dass wir jetzt mit der Bezeichnung A. (deutsch: Menschenzeit) schon einen Namen haben für die Epoche, in der der Mensch das Leben auf der Erde prägt. Wir sind bei den ersten Tippelschrittchen ins Weltall, deshalb betrachten wir unser Zeitalter bereits in der Rückschau und nennen es – mit zweifelhaftem Stolz – nach dem schlimmsten Zeitgenossen die Menschenzeit (vgl. Aufbruch, Endzeitstimmung, Mensch, Natur, Umweltschädling).

Veröffentlicht unter A, A-I, Lästerlexikon | Kommentare deaktiviert für Anthropozän