Archiv des Autors: Laufenberg

Revolution

R., das Gegenteil von Evolution oder Reform, ist sowas wie ein Baiser. Für die einen, nämlich die Revoluzzer, der Inbegriff des Genusses, für alle anderen nur eine Luftnummer, also etwas Aufgeschäumtes, das keinen Menschen satt macht, ausgenommen die Führer der Revoluzzer, die nicht von ihren Kampfgenossen umgebracht wurdcn  (vgl. Spruchbeutel, Verführung).

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Freunde

F. sehen einander ins Gesicht, so offen füreinander sind sie. Wobei ihre Rücken, hinter denen sich die natürliche Rivalität verbirgt, in verschiedene Richtungen zeigen. Je mehr sie ein Gefühl für diese unvermeidliche Divergenz haben, umso mehr müssen sie ihr Einigsein betonen. Ein Übertünchen wie in der Werbung, wo die negative Eigenschaft eines Produkts stets als ein besonderer Vorzug dargestellt werden muss (vgl. Ehrlichkeit, Freundschaft, Missgunst, Neid, Rivalität).

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751. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Ob in Syrien, im Irak oder im Jemen: Wenn bei Luftangriffen der selbsternannten Weltpolizisten USA und Russland Zivilisten getötet wurden, finde ich das in der Zeitung prompt als Schreckensmeldung, durch den Hinweis verstärkt, dass unter den Opfern auch Frauen und Kinder seien. Dass Männer nicht so wichtig sind wie Frauen und Kinder, muss ich hinnehmen. Schwerer hinnehmbar ist für mich die Erinnerung an den permanenten und flächendeckenden Bombenterror im Zweiten Weltkrieg. Mit in den USA entwickelten Spezialbrandbomben, die jedes Mietshausdach durchschlugen und das ganze Haus ausräucherten. Das war ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung, der die wehrlosen Menschen – damals vor allem Frauen und Kinder, weil die Männer an der Front waren – zu Zigtausenden tötete, und das nicht irrtümlich, sondern in voller Absicht. Angeblich um die Bevölkerung zu demoralisieren. Dabei konnte von Moral längst keine Rede mehr sein, auf keiner Seite.

Bei manchem Bericht, den ich in der Zeitung lese, muss ich an den Untergang des Abendlandes denken. Doch wenn ich weiterblättere, ist der Untergang schon vergangen.

Die Wüste Negev im Süden Israels soll bewaldet werden, erfahre ich aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung.  Dafür kommen seit einem Vierteljahrhundert große Beträge deutscher Spendengelder nach Israel, womit Holocaust-Gedenkwälder gepflanzt werden, auch auf Land, das nachweisbar sesshaft gewordenen Beduinenfamilien gehört. Die werden gewaltsam verdrängt, ihre Behausungen werden abgerissen, ihre Pflanzungen plattgewalzt. Mehr als eine halbe Million Bäume wachsen bereits zur Beruhigung des schlechten Gewissens der Deutschen in der Wüste. Mit Gedenktafeln aller 16 Bundesländer bestückt und mit manchem Politikernamen geschmückt, doch für die vertriebenen Beduinen interessiert sich niemand. – Peinlicher geht’s nicht.

Und noch mehr imponierende Zahlen: 1960 waren in Deutschland 4,5 Millionen Autos zugelassen, heute sind es zehn Mal mehr. Jetzt verstehe ich, warum Autobahn-Fahren heute heißt Im-Stau-Stehen. Aber die Politik will ja was dagegen tun. Siehe allgemeine Mautpflicht.

Die Landesmedienanstalten haben eine neue Einnahmequelle entdeckt. Sie verlangen, dass jeder, der regelmäßig Beiträge im Internet, vor allem auch in YouTube anbietet, die von mehr als 500 Nutzern gleichzeitig abgerufen werden, dafür eine Rundfunklizenz beantragt. Diese kostet etliche Monate Geduld und einige tausend Euro. Ein Schock für Kreative. Schon gibt es Überlegungen, wie man dem Zwang ausweichen kann. Etwa indem man einfach auf die Regelmäßigkeit des Angebots verzichtet. Besser noch, man macht ein so anspruchsvolles Angebot, dass man unter der Mindestzahl von Nutzern bleibt. So wird Behördenwillkür zum Qualitäts-Tuner.

Wieder hatte ich vergessen, Klebeband oder einen Hafthaken mitzunehmen, als ich mit dem ICE fuhr. Damit hätte ich im Speisewagen meine Jacke an die Wand hängen können. So blieb mir nur, mich draufzusetzen und den Kopf zu schütteln, über Leute, die so dumm planen und konstruieren und ein Ergebnis begutachten, abnehmen und bezahlen, bei dem lediglich am Ende des Wagens, für die Hälfte der Fahrgäste im Rücken, ein paar Kleiderhaken angebracht sind. Wer da hinten seine Jacke mit Brieftasche und Fahrschein aufhängt, müsste ja genauso blöd sein wie die Wagen-Konstrukteure und die Einkäufer der Bahn.

Die Gendergerechtigkeitsfanatisierenden schlagen wieder zu: Das Verkehrszeichen Wildwechsel, das einen springenden Hirsch zeigt, soll weg. Stattdessen soll eine Hirschkuh auf das Schild. Als ob der Austausch weiblich gegen männlich der Gerechtigkeit auch nur ein Schrittchen näher käme. Besser wäre wohl, das Schild einfach zu vergrößern und eine ganze Herde von wildwechselnden Hirschartigen zu zeigen, ihr lieben Gleichstellungsauftragabsurdierenden.

In der Journaille findet sich die Feststellung, Jugendliche wendeten sich vom Rauchen ab, – und große Verwunderung. Was mich wundert. Ist doch überall zu sehen: Die früher fast permanent eine Zigarette in der Hand brauchten, was ihnen über die Unsicherheit hinweghalf, haben heute ebenso permanent ihr Smarty in der Hand. Habituelles ist immer austauschbar.

Oft höre ich die Bemerkung, mein Kulturthriller „Hypogäum – Triumph der  Buchumschlag_Hypogäum3Venus von Malta“ sei bei aller Spannung auch eine Art Malta-Reiseführer. Okay, das kommt davon, wenn man sich dort mehrfach zu intensiven Recherchen herumtreibt. Aber den Reiseführer-Tipp gebe ich gerne weiter. Für alle, die einen Malta-Urlaub planen. Und auch für die anderen, die es nicht auf diese höchst interessante Insel mit den ältesten erhaltenen Bauwerken der Menschheit schaffen.

 

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Österreicher

Ö. sind Lebenskünstler, und ganz gerissene. Erst kultivierten sie die Heiratspolitik als Ersatz für die noch anstrengendere Eroberungspolitik. Dann machten sie einem kleinbürgerlichen Problematiker das Leben so schwer, dass er abhaute und sich zum Deutschen machen ließ. Und nachdem der Flüchtling eine Weltkatastrophe veranstaltet hatte, gaben sie sich auch noch als seine Opfer aus. Doch damit nur ja kein Neid auf ihre überlegene Lebensart aufkommt, garnieren sie alles Schöne mit einer speziellen Art der ironischen Distanzierung, was sie Schmäh nennen und schön finden (vgl. Amerikaner, Deutscher, Schweizer, Verallgemeinerung).

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Bernd Schroeder: Warten auf Goebbels

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Morgenstern, Christian

Der Lyriker, Aphoristiker und Übersetzer (1871-1914), der scheinbar das Glück hatte,    Scan0052exakt die Friedensjahre zwischen dem Deutsch-Französischen Krieg und dem Ersten Weltkrieg als seine Lebenszeit zu haben, war das genaue Gegenteil von einem Glückskind und auch alles andere als der lustige Vogel, als den ihn seine Ulk-Gedichte (Galgenlieder, Palmström, Korf und Kunkel) zeigen. Dass sein Nachruhm sich fast ausschließlich auf diese von ihm selbst als „Beiwerkchen“ und „Nebensachen“ bezeichneten Sprach- und Gedankenspiele bezieht, die in der 9-bändigen Gesamtausgabe seiner Werke bloß einen Band füllen, ist eine böse Ironie des Schicksals. Von dem er ohnehin geschlagen war: Körper und Gemüt viel zu zart besaitet, mit neun Jahren die tuberkulosekranke Mutter verloren, bald mit dem ignoranten Vater total zerstritten, immer in Geldnot, harmoniesüchtig, lungenkrank und schließlich nur noch von Sanatorium zu Sanatorium pilgernd – ist er schon mit 42 Jahren gestorben. Sechs Jahre zuvor hatte er seine Frau gefunden, Margareta Gosebruch von Liechtenstern, die ihn jedoch an die Wirr-Philosophie Rudolf Steiners auslieferte, in der M. endlich den Weg ins Glück gefunden zu haben glaubte. – Friede, Freude, Eierkuchen (vgl. Glauben, Steiner).

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750. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Das Verhältnis von Auto zu Computer ist im Kippen. Als das Auto für jeden die größte Alltagswichtigkeit hatte, wuchs der Hilfsverein ADAC ins Gigantische. Zum Glück. Jetzt aber nimmt die Bedeutung des Autos spürbar ab, stattdessen wächst die des Computers in all seinen Formen und mit all seinen täglichen Problemen. Da frage ich mich: Warum gibt es noch nicht den Hilfsverein ADCC? Und wie ist es mit dem dritten der für uns bedeutendsten Problembereiche, dem Beischlaf? Wer ADAC und ADCC sagt, der muss auch ADBC sagen.

 

In der Schweiz hat man jetzt aus einer Umfrage unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 25 Jahren die Erkenntnis gewonnen, dass dieser Zielgruppe die Sprache der Politiker zu kompliziert ist, um sich eine eigene Meinung bilden zu können, was sie vom Wählen abhält. Das dürfte nicht nur dort ein neuer Anreiz sein, das Wahlalter per Gesetz noch weiter herunter zu setzen, um mit noch weniger Rücksicht auf die Wähler forsch durchregieren zu können.

 

Was man an aktuellen Nachrichten aus aller Welt liest, hört und sieht, bringt einen zu der Erkenntnis, dass in immer mehr Staaten die Menschen nur noch Geiseln in den Händen ihrer Regierenden sind. Nicht nur in Afrika, Südamerika und Asien. Selbst in vielen angeblichen Demokratien gibt es keinen Schutz für das Volk, weil die Regierenden mit ihrer Medienmacht das Volk verdummen und es von ihren hündisch gehorsamen Sicherheitskräften niederknüppeln lassen.

 

Ich habe nach der diesjährigen Leipziger Buchmesse den Eindruck, dass die literarisch anspruchsvollsten Erzählwerke von kleinen Verlagen gebracht werden statt von den großen renommierten Verlagshäusern. Was nicht zufällig ist. Die Verlagselefanten haben es unter dem Druck der Rentabilität nur zu gern zugelassen, dass freie Literatur-Agenten ihnen die Arbeit der Vorauswahl guter Manuskripte abnehmen. Mit dem doppelten Spar-Effekt, dass keine Kosten für den Ausbau des eigenen Lektorats anfallen und dass die Agenturen nicht vom Verlag bezahlt werden, sondern von den Autoren. Wobei ein dritter Effekt gern hingenommen wurde: Weil die Agenturen prozentual am Erfolg eines Buches beteiligt sind, schlagen sie dem Verlag – verständlicherweise – nur Manuskripte zur Veröffentlichung vor, die nach Thematik und Machart Chancen bei einem größeren Publikum haben, also leichter goutierbar sind. Die literarische Qualität ist dabei nachrangig. Daneben verlassen sich die großen Verlage auf Übersetzungen von Büchern, die in ausländischen Bestseller-Charts schon ihre Anziehungskraft bewiesen haben.

 

Dass wir heute in unserer Gedankenlosigkeit immer nur die wirtschaftlichen Erfolge bejubeln, ist zum Weinen. Das zeigt das Beispiel der Krebsseuche Kaposi-Sarkom, die inzwischen in Afrika die häufigste Todesursache für Männer ist. Die Wissenschaftler haben die auslösenden Viren gefunden, aber es gibt keinen Impfstoff, obwohl der leicht zu produzieren sein soll. Es besteht dafür einfach kein Interesse der Industrie, weil auf dem afrikanischen Arme-Leute-Markt kein schneller Dollar oder Euro zu machen ist.

 

Ein japanisches Beerdigungsunternehmen macht Senioren das verlockende Angebot, ihnen die Bestattungskosten um 15 % zu verbilligen, wenn sie freiwillig ihren Führerschein abgeben. Was auf den ersten Blick japanisch-absurd wirkt, ist nur konsequent: Denn nicht der Senior, sondern die Angehörigen erhalten einen Rabatt auf die Kosten, die demnächst auf sie zukommen werden, als Ausgleich dafür, dass sie nun mehr Fahrten für und mit dem führerscheinlosen Senior machen müssen.

 

Schon beim Autofahren ist fast alles verboten. Doch weil es jetzt auch für Flugreisende strikte Verbote für das Fummeln an Laptop und Tablet gibt, was ein Arbeiten in der Luft unmöglich macht, ist zu erwarten, dass der Mensch sich endlich abwendet von dem Irrsinn der Fliegerei, die nicht originär zu ihm passt, und wieder zu Fuß geht. Wenn damit auch ein paar Destinationen an Bedeutung verlieren, macht euch auf die Socken, ihr Kotzbrocken!

 

Im Internet war es zu bestaunen. Ein ebenso aufregendes Ereignis wie die Verwirklichung des archetypischen Menschheitstraumes zu sehen, wo man nicht ist, den uns das Fernsehen eingebracht hat. Jetzt flog ein Mann im Stehen durch die Luft. Also ein anderer archetypischer Traum der Menschheit, nämlich fliegen zu können, war damit Wirklichkeit geworden. Der französische Erfinder Franky Zapata hatte sich ein Trittbrett unter die Stiefel geschnallt, das mit kleinen Düsenantriebwerken ausgerüstet war, die dem Gerät, Flyboard Air genannt, Auftrieb und Vortrieb gaben. Gesteuert hat er einfach durch leichte Gewichtsverlagerung. Militärs in aller Welt waren sofort brennend interessiert. Das war den französischen Behörden unheimlich. Sie verboten mit Androhung von Gefängnisstrafe jeden weiteren Flug: Zu gefährlich.

 

Der doppelter Karibik-Reisebericht von meinen Kreuzfahrten 1971 (auf einem russischen Schiff) und 2015 (mit einem AIDA-Schiff) ist jetzt als Buch erschienen: „Karibik ohne Kannibalen“ (www.edition-karo.de). Prompt heißt es, das sei ein typischer Laufenberg: So amüsant wie widerborstig. – Da ist was dran.

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Klaus Modick: Bestseller

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749. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Das ist Berlin – breiter als sein Hemd. So lauten Beschwerden von Leuten, die sich darüber ärgern, dass man in Berlin in vielen Gaststätten nur noch auf Englisch bedient wird. Was ja zu dem Anspruch Berlins passt, die einzige Weltstadt zwischen Moskau und Paris zu sein. Die Sprachen dieser beiden Weltstädte sind allerdings zu schwierig, weshalb man lieber auf ein simples Barkeeper-Englisch setzt.

 

Bei Wissenschaftlern hat sich der fatale Glaube festgesetzt, es genüge, alles Wissenschaftliche in englischsprachigen Zeitschriften und Büchern zu veröffentlichen. Dabei führt das zu folgenschwerer Einseitigkeit, weil die Erkenntnisse all der neben der angelsächsischen Forschung tätigen Spezialisten und Institutionen fehlen. Die in anderen Sprachen tätigen Forscher werden einfach übersehen oder gezwungen, alle Jahresberichte und Förderanträge in ihrem schlechten Englisch abzufassen, mit entsprechend verminderten Chancen auf Akzeptanz. Ihnen bleibt ein schwacher Trost: Sobald demnächst das Englische in den Wissenschaften vom chinesischen Mandarin verdrängt wird, bekommen die bisher übersehenen Arbeiten in anderen Sprachen neue Bedeutung.

 

Beinahe weltweit ist für den gut gekleideten Mann die Krawatte die dämlichste Selbstverständlichkeit, die man sich denken kann. Wenn man es schaffen würde, für den gut entkleideten Mann beim Geschlechtsverkehr ein Kondom als Überzieher genauso selbstverständlich zu machen, hätte die Welt weit weniger Probleme.

 

Die Spitzengewerkschaftler und Spitzensportler, die sich als Polizeibeamte oder als Luxuskader der Bundeswehr durchmogeln, bestätigen nur, was mein Vater mir immer – vergebens – geraten hatte: Es geht nichts über ein festes Gehalt vom Vater Staat, wenn deine Ideale glänzen sollen!

 

In der Werbung sehen Treppenlifte immer aus wie besonders elegante Toiletten. Muss das sein? Da muss man ja gleich.

 

Ich kannte eine fanatische Veganerin, die von Beruf Biologin war und den Ehrgeiz hatte, sich in der Wissenschaft einen Namen zu machen, indem sie Fleischfressenden Pflanzen (sogenannten Karnivoren) das Fleischfressen abgewöhnte. Sie fütterte ihre Versuchspflanzen, den Sonnentau, die Venusfliegenfalle und das Gemeine Fettkraut mit imitierten Insekten aus Soja und Mais, Kartoffeln und Reis. Das überlebten die Pflanzen nicht lange. Aus Wut aß die Forscherin die eingegangenen Pflanzen auf. Doch schmeckten sie ihr nicht. Als sie zum Vergleich auch mit Insekten ernährte Fleischfressende Pflanzen aß, die ihr viel besser schmeckten, hatte sie ihr großes Erweckungserlebnis: Plötzlich hatte die Welt eine Veganerin weniger.

 

Jetzt wurde mir klar: der Begriff herrlich ist genauso eine Übertreibung, wie der Begriff dämlich eine Unter… oh, pardon.

 

Besucher der Leipziger Buchmesse sollten sich bitte notieren: Am Freitag, den 24. März, stelle ich im Literaturcafé der Halle 4, Stand B600, in einer Lesung von 13.30-14.00 Uhr mein neues Buch vor: „Hohe Zeit – Der Roman eines Reiseleiters“. Anschließend sind signierte Exemplare zu erwerben. Keine Voranmeldung nötig, keine Eintrittsgebühr, nur pünktlich sollte man sein, weil die Lesezeiten auf der Messe so kurz sind und Schlag auf Schlag folgen.

 

Immer wieder werde ich gefragt, welche fünf von meinen Büchern ich für die wichtigsten halte. Nach einigem Überlegen kann ich – in der Reihenfolge ihres Erscheinens – die folgenden Titel nennen, von denen etliche längst vergriffen, aber im Antiquariatshandel noch zu ergattern sind: „Axel Andexer oder Der Geschmack von Freiheit und so fort“ (Roman, Hamburg 1985), „Ratgeber für Egoisten“ (Satire, Hamburg 1987), „So schön war die Insel“ (Roman, Berlin 1999), „Der Hund von Treblinka“ (Roman, München 2008) und „Hohe Zeit“ (Roman, München 2017). Leichter zu beantworten ist die ebenso oft gestellte Frage nach meinem Lieblingsbuch. Das ist immer das neueste Buch, weil ich damit Tag und Nacht beschäftigt bin. Wer mir auf einem Foto zeigt, dass er die oben genannten  fünf wichtigsten Bücher hat, bekommt das allerneueste Lieblingsbuch „Karibik ohne Kannibalen“, das der Verlag gerade in den Handel bringt, sofort als Geschenk zugesandt.

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Hass

H. kenne ich nicht. Denn je mehr man über die Spezies Mensch nachgedacht und gelernt hat, umso weniger kann man einen Menschen hassen, weil er ist wie man selbst (vgl. Rückkopplung, Verständnis).

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Veganismus

V. ist die pure Überheblichkeit und Selbstüberschätzung, weil Veganer den Menschen als eine über der Tierwelt stehende besondere Gattung herausstellen. In Wahrheit sind wir Menschen bloß Tiere, deren Gehirn sich hypertroph entwickelt hat, wobei die natürliche Instinktsicherheit weitgehend verloren ging. Das führt zu absurd falschem Verhalten gegenüber Tieren wie auch gegenüber Menschen (vgl. Hybris, Pets, Sentimentalität, Vegetarier).

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Prioritäten

Dass Politiker nicht die Wahrheit sagen, kann man ihnen nicht vorwerfen, denn das gehört zum Geschäft. Man muss sich nur immer wieder klarmachen, dass sie bei ihrer eifrigen Wuselei konsequent und klammheimlich die falschen P. setzen: Immer an erster Stelle die eigene Karriere, an zweiter Stelle die Macht der Partei, der sie angehören, und erst an dritter Stelle das Interesse der Menschen, für die sie angeblich arbeiten (vgl. Ehrlichkeit, Ich, Politiker, Selbstlosigkeit).

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Medien, soziale

Unter diesem schiefen Begriff werden moderne Kommunikationsmittel zusammengefasst, die neben den etablierten Medien Presse, Funk und Fernsehen existieren, wie Facebook, Twitter, YouTube, Blogs und andere Foren. Mit ihnen sind erstmals für das Publikum Plattformen geschaffen für die freie Meinungsäußerung in der Öffentlichkeit. In der Praxis führen sie jedoch zu einer Beschränkung der Meinungsfreiheit, sobald man erkannt hat, dass man mit jeder Äußerung sein persönliches Profil verdeutlicht, das die hinter den s. M. stehenden Interessengruppen für ihre Zwecke verwenden, und weil man befürchten muss, entweder unter Hasstiraden begraben oder von den falschen Freunden vereinnahmt zu werden (vgl. Meinungsfreiheit, Persönlichkeit, Rückkopplung).

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Hintergrundmusik

Die H., beim Spielfilm auch Filmmusik genannt, kann ein beglückender Gewinn sein, wie bei den Kinofilmen „Der dritte Mann“ und „Die Brücke am Kwai“. Aber viel zu oft ist sie nur nervtötend. Und bei Fernsehdokumentationen zeugt sie fast immer von dem Bemühen der Tonmeister, alles unter einer Lärmdecke zu ersticken, was an klugen Kommentaren gebracht wird, weil die über ihren geistigen Horizont hinausgehen (vgl. Gesamtkunstwerk, Ignoranz, Musik).

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Komma

Die Regeln der K.-Setzung in der deutschen Sprache sind so kompliziert wie nicht verbindlich. Doch mit dieser Faustregel kann man sich gut in dem von den Germanisten geliebten Sprachurwald zurechtfinden: Den Text den man richtig schreiben will den Tieren der Wildnis laut vorlesen als wolle man sie zum Stillhalten überreden und an den Stellen an denen man eine kurze Pause machen muss um mehr Wirkung zu erzielen oder Luft zu holen ein K. setzen. In dieser Faustregel stehen dann ganz sicher sieben K.s (vgl. Deklamieren, Rechtschreibreform).

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Anerkennung

Zu den menschlichen Grundbedürfnissen zählt neben Essen, Trinken, Sex, Schlaf und ähnlich Unentbehrlichem zweifellos auch Anerkennung, denn ohne sie ist alles nichts. Wer mir jetzt zu widersprechen wagt, bestätigt damit meine These (vgl. Grundbedürfnisse, Ich-Instinkt, Renommiersucht).

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Meinungsäußerung

Dass jeder seine Meinung frei äußern darf, ist ein Recht, das der allgewaltigen Obrigkeit in Jahrhunderten unter schweren Opfern abgetrotzt wurde. Heute ist die Obrigkeit durch die Öffentlichkeit ersetzt. Denn je mehr Menschen in den sozialen Medien, in Leserbriefspalten und anderen Foren ihre Meinung äußern, umso mehr ist die Freiheit der M. eingeschränkt, weil sich auf diesen Plattformen bei jeder Äußerung sofort stimmgewaltige Gruppen bilden, die anderer Meinung sind und ohne jede Toleranz den anders Denkenden mit härtesten Abwertungen belegen. Das führt zum Schweigen der Gescheiten (vgl. Duckmäusertum, Meinungsfreiheit, Toleranz).

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Gegenöffentlichkeit

Der Begriff stammt aus der 68er-Bewegung des 20. Jahrhunderts. Er stand für ein Gemenge von Alternativaktionen, mit denen die Meinungsmonopole der etablierten Presse unterlaufen werden sollten. Zu diesen Aktionen zählten Demonstrationen, Blockaden, Flugblätter, Plakate sowie eigene Radiosender und die Herstellung von Videofilmen. Dazu sind auch Alternativverlage und die Zeitung taz zu zählen. Trotz aller Begeisterung und Energie blieb der Erfolg marginal. Erst durch das Internet bekam die G. seit der Jahrhundertwende eine ganz neue Dynamik, weil sich nun in den sozialen Medien und anderen Foren sowie Blogs für jeden die Möglichkeit auftut, seine Meinung den offiziell und pressemäßig verbreiteten Meinungen entgegenzusetzen, mit starker Resonanz, wenn auch oft schlecht durchdacht und in einem miserablen Deutsch. Und die etablierten Medien sehen mit hochgezogenen Augenbrauen, dass damit die ewige Einbahnstraßenregelung der Meinungsmache aufgehoben wird (vgl. Aktionismus, Blogs, Lügenpresse, Netzine).

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Deutscher Michel

Der d., ursprünglich teutsche M. ist seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die personifizierte deutsche Dummheit. Ein tumber, kräftiger Kerl mit Schlafmütze auf dem Kopf, der immer wieder das belächelte Opfer der diversen Obrigkeiten sowie der lebenstüchtigeren Menschen in den Nachbarländern wird. Von daher ist die überkommene bildliche Darstellung der deutschen Wesensart immer noch hochaktuell (vgl. Anglizismen, Deutscher, Dumm, Flüchtlingskrise, Gutmenschen, Politiker, Verdrängungswettbewerb).

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Postfaktisch

P. Ist die eingedeutschte Form des englischen Begriffs post-truth, den die Oxford Dictionaries zum Internationalen Wort des Jahres 2016 erklärt haben. Er bezeichnet ein politisches Denken und Handeln, bei dem nicht mehr Fakten im Mittelpunkt stehen. Der schnell Mode gewordene Begriff ist so blödsinnig wie das Phänomen, das er umschreibt, also passend. Beispiele dafür boten die verlogene Begründung der USA für den Überfall auf den Irak im Jahre 2003, die von Emotionen gesteuerte Brexit-Entscheidung oder die bundesdeutsche Kampagne: Die Rente ist sicher. Ebenso p. ist die Behauptung der etablierten Medien, die sogenannten sozialen Medien und Foren lieferten nur Vorurteile und Hasstiraden. Sprachwissenschaftler weisen darauf hin, dass p. wörtlich übersetzt heißt: nachtatsächlich, obwohl gemeint ist: neben den Tatsachen. Und dass auch schon die englische Version von p., nämlich post-truth, unsinnig ist, weil sie wörtlich übersetzt heißt: nachwahrheitlich. Aber statt p. einfach zu sagen: unsachlich oder sachfremd oder wahrheitswidrig oder emotionsgetrieben, das ging nicht. Weil viel zu sachlich (vgl. Nonsens, Sprache, Wahrheitsliebe, Wortsetzungsmacht).

 

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Leerlauf

Zwischenzeiten ohne jede Aktivität werden gern als L. diffamiert. Dabei können sie sich als wertvollste Zeiten erweisen, wenn man nur den Gedanken freien Lauf lässt. Danach könnte es sein, dass einem eher die Zeiten der Aktivität als L.-Zeiten erscheinen (vgl. Erinnerung, Idee, Innovativ, Phantasie).

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Michel Houellebecq: Unterwerfung

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Brechmittel

Wenn was Falsches aufgenommen wurde, kommt meistens ein B. (griechisch-lateinisch: Emetikum und lateinisch: Vomitivum) zum Einsatz, weil es weniger aufwendig ist als eine Magenspülung. Die diversen zum Erbrechen reizenden Mittel gab es früher nur in der Apotheke. Heute werden sie sogar Gesunden tagtäglich verabreicht, und zwar per Zeitung, Fernsehen und Radio, in erster Linie – aber nicht ausschließlich – in den politischen Berichten (vgl. Politiker, Schauspieler).

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Patrick Modiano: Die Kleine Bijou

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Im Salzkammergut, da … (2015)

 

Ja, stimmt, und da müsste man sich eigentlich auch besonders sicher fühlen, weil so imposante Felskolosse die Straßen flankieren. Aber sie machen mich klein und lassen mich verloren erscheinen, wie zwischen die Beine von Mammuts und Elefanten und 001Riesendinos geraten. Da nützt mir nicht einmal, dass ich mir vorstelle, das unendliche Himmelsblau sei bloß phantasievoll mit Bergzackenbildern bemalt, um keine blaue Langeweile aufkommen zu lassen. Nein, alles ist Wirklichkeit, wenn auch ein bisschen übertrieben. Etwa dass die stoppelbärtigen Hänge von der halben Höhe bis in die letzten Spitzen weiß überpudert sind, das wäre wirklich nicht nötig gewesen. So ein zusätzlicher Aufwand. Bin ich doch schon zufrieden damit, dass die Straße keine Löcher aufweist, dass Sturm und Eis abgemeldet sind und der Steinschlag ein anderes Timing hat als ich.

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