Archiv des Autors: Laufenberg

747. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Die kanincheneifrige Vermehrung unserer Abgeordneten sollte zu denken geben. Bei der nächsten Bundestagswahl am 24. September werden wir voraussichtlich durch Überhangmandate zu einem neuen Rekord von etwa 700 (jetzt: 630) Abgeordneten kommen. Damit hinken wir zwar noch hinter dem Straßburger Europa-Parlament her, das 751 Abgeordnete hat, allerdings vertritt das EU-Parlament insgesamt 28 Staaten mit rd. 510 Millionen Bürgern, also gut sechsmal so viele wie Deutschland.

Im vertrauten Gespräch mit einem Amerikaner, stundenlang, und erstaunt darüber, wie einig wir uns waren. Dabei war das nicht verwunderlich, gibt es doch zur Zeit nur noch zwei Arten von Amerikanern, Trumpisten und Antitrumpisten.

Ich lese: Ford investiert eine Milliarde Dollar in künstliche Intelligenz. Und verstehe: Intelligenz wird überschätzt, denn egal ob künstlich oder natürlich, ist sie kein Wert an sich, sondern stets nur Mittel zum Zweck. Auch Putins Teileroberung der Ukraine war eine Intelligenzleistung, genauso wie die Wahlkampagne Trumps. Es geht also um das, was mit Intelligenzeinsatz erreicht wird. Das kann sowohl positive als auch negative Aspekte haben. Unsere Begeisterung für künstliche Intelligenz ist weitgehend das Ergebnis des Enttäuschtseins von der natürlichen Intelligenz – und wird uns die nächsten Enttäuschungen bringen.

Alle Hunde-, Katzen- und Pferdefreunde kennen das: Wenn man nicht aufpasst und ein männliches Tier mit einem sexy weiblichen Exemplar zusammenkommen lässt, gibt es Remmidemmi. Doch unter uns Menschen, so erfolgreich denaturiert, gibt es immer gleich das dumme Gerede von Ehebruch und Betrügen.

Es wird wieder schöngeschrieben. Selbstbedienungsmentalität heißt die aktuelle Umschreibung für jede Art von Unrechtshandlung, die aus schnöder Raffgier geschieht. Diese scheinbar weniger unschöne Mentalität wird sowohl Bankern als auch Topmanagern und Spitzenpolitikern zugeschrieben, aber auch Institutionen wie der GEZ oder Stadtvätern, die ihre Einwohnerzahl hochpuschen, um mehr Zuschüsse zu bekommen. Kein Wunder, dass immer öfter sogar der Kleine Mann diesen Vorbildern folgt.

Sinnvolle Arbeit zu leisten wird zum Unsinn, wenn man erfährt, dass eine VW-Managerin für nur 13 Monate Einarbeitungszeit im Konzernvorstand rund 15 Millionen Euro bekommt. Da kann ich mich nur noch wundern, dass die vielen Tausend anderen VW-Mitarbeiter zuverlässig weiter ihre mit vergleichsweise kleiner Münze bezahlte Arbeit verrichten.

Wenn ich sehe, wie die Frachtschiffe auf dem Rhein in stockdunkler Nacht dahingleiten, ohne Fernlicht, gelenkt von einem einsamen Menschen, der hoch oben in der Führerkabine im Dunkeln vor dem Radarschirm mit seinem immer gleich langweiligen Bild sitzt, da frage ich mich, wie dieser Kapitän oder diese Kapitänin es schafft, sich Stunde um Stunde wach zu halten. Wohl nur mit der Hoffnung, dass es bald auch Tesla-Schiffe gibt.

Jetzt wird so getan, als hätte man gerade das problematische Gegensatzpaar entdeckt: Fake News und Real News. Dabei bringe ich schon seit 21 Jahren im NETZINE in der Rubrik „Passiertes! – Passierte es?“ den Abgesang auf dieses Gegensatzpaar, indem ich wahre Berichte mit Realsatire und literarischer Satire konfrontiere.

Kulturträger: Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Deutschlandradio Kultur empfehlen auf einer Liste für den Monat Februar zehn Krimis, die ungenannte Leute ausgewählt haben. Davon sind acht bloß Übersetzungen aus dem Englischen, was zumindest sprachlich zweite Wahl heißt.  Immerhin bleibt man noch bei der deutschen Bezeichnung Krimibestenliste. Dass Kriminalliteratur auch Literatur sein kann, habe ich mit meinem ironischen Regionalkrimi bewiesen, der natürlich auf keiner Bestsellerliste zu finden ist: „Das Mannheimer TT ermittelt“

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746. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Abgesehen von all den Verschwörungstheorien, wie es zu der so unwahrscheinlichen Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten gekommen ist, gibt es auch vernünftige Überlegungen. Beispielsweise, dass es der Mentalität der Amerikaner entspricht, den überreich gewordenen Erfolgsmenschen besonders zu schätzen. Dahinter steht die alte religiöse Vorstellung, der Himmel habe ihn mit irdischen Schätzen überhäuft, weil er es verdient hat. Calvin lässt grüßen. Dieses Denken führt auf der anderen Seite dazu, jede staatliche Hilfe für Arme und Erfolglose abzulehnen, weil Notleidende Sünder sein müssen, die der Himmel bestraft. So unterminiert Calvin sogar noch Obamacare. Was uns zeigt: Nicht nur im nahen Osten ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, sondern auch im fernen Westen.

 

So werden wir krank gemacht: Da hat man brav die jährliche Blutuntersuchung machen lassen und danach auf dem Ausdruck in einer Sparte festgestellt, dass man mit 176 gefährlich hoch über dem Grenzwert von 150 liegt. Wenn man dann den Zettel mit dem vom Vorjahr vergleicht, sieht man, dass man vor einem Jahr mit 175 noch beruhigend weit unter dem Grenzwert lag. Da war allerdings der Grenzwert noch mit 200 angegeben. Gegen die Pharmalobby gibt es halt keine Medizin.

 

Alte Kameraden. Ist es eventuell ein typisch britisches Understatement, den BREXIT als nötigen Ausstieg aus Europa zu bezeichnen, obwohl die Akteure die Sache genau andersherum sehen? Nämlich als den Eintausch all der unvermeidlichen Schwierigkeiten mit dem vielsprachigen Europa gegen eine engere Kooperation mit den USA auf der Basis einer gemeinsamen Sprache – und etlicher gemeinsamer Kriegsabenteuer?

 

Geld oder Leben! Es gibt inzwischen einen weltweiten Krieg gegen das Bargeld. Und es gibt schon erste Verlierer, nämlich Skandinavier und Inder. Die Kriegsherren sind Banker und Politiker, die dabei mit fadenscheinigen Argumenten Interessen durchsetzen, die jedenfalls nicht die Interessen von Otto Normalverbraucher sind. Wir verschenken mit jedem Einsatz von Karte statt Geld ein weiteres Stück Bewegungsfreiheit, Privatsphäre und Schutz vor umfassender Durchleuchtung und staatlicher Überwachung. So verrät man sich beim täglichen Intelligenztest an der Ladenkasse als dämliches Opfer oder behauptet sich als autonome Persönlichkeit.

 

Mal was Anderes zum ewigen Streitthema Globalisierung: Jetzt erzählte mir ein Reisender, Dubai, dieses Sand-Sonne-Wolkenkratzer-Ländle, importiere in großem Stil Sand aus der Sahara, der in Bremen gereinigt wird, um damit seinen Kamelen zum Rennen und den Touristen zum Sonnenbaden die optimale Unterlage zu bieten.

 

Ein Riesenproblem ist die ungehemmte Plastikansammlung in den Weltmeeren. Schwimmende Müllinseln von der Größe ganzer Länder, die tagtäglich weiter wachsen, obwohl das Material über die Jahre immer weiter zerrieben wird. Die dabei entstehenden kleinsten Plastikteilchen werden von den Meeresbewohnern gefressen, weil die keinen Unterschied erkennen können zwischen Nahrung und Ballast. Und wir essen mit jedem Fisch und Hummer den Müll mit. Das trifft mal nicht nur Arme, sondern auch Reiche und jeden Gourmet. Trotzdem sind die Bemühungen um die Beseitigung der Plastikabfälle durch eine sinnvolle Wiederverwertung als Baumaterial oder als Rohöl noch immer in den Anfängen.

 

In China scheint man zur Lösung des Problems der Überbevölkerung eine elegante Lösung gefunden zu haben. Man erlaubt jedem, sich ein billiges, kleines elektrisch betriebenes Zweisitzer-Autochen mit Spitzengeschwindigkeit unter 100 km/h zu kaufen, das keine Zulassung braucht und ohne Führerschein und irgendwelche Kenntnisse gefahren werden darf – solange es gut geht.

 

Denglisch, Denglisch über alles, über alles in der Welt. Jetzt hat mal einer nachgezählt, wie viele Wörter auf den Internet-Startseiten der deutschen Dax-Konzerne Anglizismen oder englische Wörter sind. Und siehe da, bei Infinion sind es 31, 83 %, bei BMW 30,27 %, bei Linde 29,89 %, und diesen Spitzen-Horsemen im bundesdeutschen Kauderwelsch-Wettbewerb folgen Deutsche Bank mit 26,75 % und Münchner Rückversicherung mit 25,23 % auf dem Fuße. Das stinkt mir.

 

Die Auslieferung meines neuen Buches „Hohe Zeit“ hat sich so verzögert, dass etliche Buchhändler den Kunden schon die Erklärung gegeben haben, das Buch sei bereits eine Woche nach Erscheinen ausverkauft. Das war leicht übertrieben. Hat doch nur die zeittypische Grippe im Verlag das Packen und Rechnungenschreiben verhindert. Wen jetzt eine „Hohe Zeit“ mit Rechnung gelüstet, bitte sehr: bestellung@salonliteraturverlag.de

 

 

 

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Hass

H. kenne ich nicht. Denn je mehr man über die Spezies Mensch nachgedacht und gelernt hat, umso weniger kann man einen Menschen hassen, weil er ist wie man selbst (vgl. Rückkopplung, Verständnis).

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745. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Selbstmord-Attentäter sind mal Menschen, die im Jenseits zu viel zu gewinnen hoffen, also der typische Islamist, mal Menschen, die in ihrem Leben nichts mehr zu verlieren haben. beispielsweise der Palästinenser bei dem LKW-Attentat in Jerusalem. Diese Unterscheidung wird jedoch in der täglichen Berichterstattung nicht gemacht. Es soll vor der Weltöffentlichkeit nicht deutlich werden, was dagegen helfen würde: Bei dem einen Aufklärung, bei dem anderen Verbesserung der Lebensverhältnisse.

 

Nicht zu übersehen: Die Demokratie ist keine Volksherrschaft mehr. Sie ist längst nur noch Cliquenherrschaft, in manchen Ländern eindeutig Geldherrschaft oder Familienherrschaft. Schon lange setzen sich die Spitzenpolitiker in vielen sogenannten Demokratien mit vom Volk nicht gewünschten Fraktionsbildungen und mit die Wählervoten missachtenden Wahlsystemen gegen den Volkswillen durch. Dazu kommen die neuen IT- Möglichkeiten, die den Volkswillen durch Scheininformationen umlenken. Dabei zeigt sich die Tendenz, die Demokratie durch Führerherrschaft zu ersetzen, und das nicht nur in Russland, sondern auch in Ungarn, in Polen, in vielen afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Staaten und demnächst wohl auch in den USA.

 

Der Euro-Schein, den du dir ehrlich verdient hast, er gehört dir nicht. Denn dir gehört nur der Geldwert, der Schein aber bleibt Eigentum des Staates. Deshalb darfst du ihn nicht in alter Großmannsart als Fidibus zum Pfeifeanzünden benutzen. Das wäre die strafbare Beschädigung einer fremden Sache. Und doch ist das etwas Anderes als Sozialismus. Und viel besser. Denn im Sozialismus gehört allen alles, mit der Folge, dass bis auf die Spitzenfunktionäre alle nichts haben. 

 

Unter dem schiefen Begriff soziale Medien fassen wir moderne Kommunikationsmittel wie Facebook, Twitter, YouTube, Blogs und andere Foren zusammen, die neben den etablierten Medien Presse, Funk und Fernsehen existieren. Mit ihnen sind erstmals für das Publikum Plattformen für die freie Meinungsäußerung in der Öffentlichkeit geschaffen. In der Praxis führen sie jedoch zu einer Beschränkung der Meinungsfreiheit, sobald man erkannt hat, dass man mit jeder Äußerung in den sozialen Medien sein persönliches Profil verdeutlicht. Denn unser Profil missbrauchen die hinter den sozialen Medien stehenden Interessengruppen für ihre Zwecke. Außerdem muss man befürchten, entweder unter Hasstiraden begraben oder von den falschen Freunden vereinnahmt zu werden.

 

Zugegeben, es gibt Wichtigeres. Dennoch frage ich mich, warum wir die Narrheiten der Sprecher in unseren Medien dulden, wenn sie die Abkürzung für Informations-Technologie IT nicht als I und T sprechen, sondern als Ei und Ti und für die Hacker keine Hacker mehr sind, sondern Häcker, obwohl sie unsere Internet-Zugänge hacken und nicht häcken. Wenn die Sprecher nicht einmal mehr richtig ablesen können, sollte man sie vom Mikrophon nehmen.

 

Immer mehr Deutsche fragen sich: Was tut unsere Regierung überhaupt für den Kleinen Mann? Abgesehen von Versicherungen, die ohnehin problematisch sind, haben wir weit weniger Vermögen als die Leute in unseren Nachbarländern, vor allem weniger Wohnungseigentum. Und weit weniger Leute haben bei uns Aktienbesitz. Was kein Wunder ist; denn wer Jahrzehnte lang seine Ersparnisse in Aktien angelegt hat, um seinen Lebensabend zu sichern, wird beim Verkauf der Aktien durch die 2009 eingeführte Abgeltungssteuer so rabiat geschoren wie ein übler Spekulant. Eigentum und Aktienbesitz machen die Menschen frei, aber genau daran haben unsere Politiker kein Interesse.

 

Im Jahr 1980 hatte es eine Einheitsübersetzung der Bibel gegeben, an der katholische und protestantische Theologen gearbeitet hatten. 332 Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, in dem man Katholiken und Protestanten dazu gebracht hatte, sich wechselseitig zigtausendfach abzuschlachten, war die Einheitsübersetzung  ein großer Erfolg der Humanität. Aber das Jahr 2017 überrascht nun mit einer neuen revidierten Lutherbibel, neben der es prompt auch eine neue katholische Bibel gibt, die sich revidierte Einheitsübersetzung nennt, obwohl daran keine Protestanten mitgewirkt haben. Eine makabre Entwicklung angesichts der Tatsache, dass der weltweite Wettbewerb zwischen dem Christentum und dem Islam brutaler geworden ist. Politologen finden darin eine Bestätigung der Regel, dass Gegner sich umso mehr gleich werden, je intensiver sie sich bekämpfen. Da kann man nur hoffen, dass uns im christlichen Abendland ein Dauergemetzel, wie es im islamischen Morgenland zwischen Sunniten und Schiiten stattfindet, erspart bleibt.

 

Der aufrechte Gang, auf den wir traditionell so stolz sind, ist in Wahrheit so was wie die Erbsünde des Menschen. Denn damit haben wir uns die meisten Probleme eingehandelt, wenn ich nur an das verteufelte Sich-Verschlucken denke, an die vielen Menschen mit Kreuzschmerzen und an all die Hüft- und Knie-Operationen. Außerdem hat der Busen unserer Frauen durch den aufrechten Gang viel an Reiz verloren. Also zurück zur Natur?

 

Mein lang erwarteter Reiseleiterroman „Hohe Zeit“ ist endlich erschienen. Im Münchner Salon Literatur Verlag. Ein 501-Seiten-Buch, das es in sich hat, weil es die Extremform der Autobiografie kreiert. 38 Verlage haben nicht zuzugreifen gewagt. Und der Verleger des Salon-Verlags hat auch erst ein Intim-Interview mit mir gemacht, ehe er sich zur Veröffentlichung entschloss, und hat dieses Interview als Anhang mit in das Buch aufgenommen. „Hohe Zeit“ ist jetzt für 23.50 Euro in allen Buchhandlungen, bei allen Versandhändlern und auch direkt beim Verlag zu bekommen.

Hohe Zeit Cover

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Veganismus

V. ist die pure Überheblichkeit und Selbstüberschätzung, weil Veganer den Menschen als eine über der Tierwelt stehende besondere Gattung herausstellen. In Wahrheit sind wir Menschen bloß Tiere, deren Gehirn sich hypertroph entwickelt hat, wobei die natürliche Instinktsicherheit weitgehend verloren ging. Das führt zu absurd falschem Verhalten gegenüber Tieren wie auch gegenüber Menschen (vgl. Hybris, Pets, Sentimentalität, Vegetarier).

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Prioritäten

Dass Politiker nicht die Wahrheit sagen, kann man ihnen nicht vorwerfen, denn das gehört zum Geschäft. Man muss sich nur immer wieder klarmachen, dass sie bei ihrer eifrigen Wuselei konsequent und klammheimlich die falschen P. setzen: Immer an erster Stelle die eigene Karriere, an zweiter Stelle die Macht der Partei, der sie angehören, und erst an dritter Stelle das Interesse der Menschen, für die sie angeblich arbeiten (vgl. Ehrlichkeit, Ich, Politiker, Selbstlosigkeit).

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Medien, soziale

Unter diesem schiefen Begriff werden moderne Kommunikationsmittel zusammengefasst, die neben den etablierten Medien Presse, Funk und Fernsehen existieren, wie Facebook, Twitter, YouTube, Blogs und andere Foren. Mit ihnen sind erstmals für das Publikum Plattformen geschaffen für die freie Meinungsäußerung in der Öffentlichkeit. In der Praxis führen sie jedoch zu einer Beschränkung der Meinungsfreiheit, sobald man erkannt hat, dass man mit jeder Äußerung sein persönliches Profil verdeutlicht, das die hinter den s. M. stehenden Interessengruppen für ihre Zwecke verwenden, und weil man befürchten muss, entweder unter Hasstiraden begraben oder von den falschen Freunden vereinnahmt zu werden (vgl. Meinungsfreiheit, Persönlichkeit, Rückkopplung).

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Hintergrundmusik

Die H., beim Spielfilm auch Filmmusik genannt, kann ein beglückender Gewinn sein, wie bei den Kinofilmen „Der dritte Mann“ und „Die Brücke am Kwai“. Aber viel zu oft ist sie nur nervtötend. Und bei Fernsehdokumentationen zeugt sie fast immer von dem Bemühen der Tonmeister, alles unter einer Lärmdecke zu ersticken, was an klugen Kommentaren gebracht wird, weil die über ihren geistigen Horizont hinausgehen (vgl. Gesamtkunstwerk, Ignoranz, Musik).

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Komma

Die Regeln der K.-Setzung in der deutschen Sprache sind so kompliziert wie nicht verbindlich. Doch mit dieser Faustregel kann man sich gut in dem von den Germanisten geliebten Sprachurwald zurechtfinden: Den Text den man richtig schreiben will den Tieren der Wildnis laut vorlesen als wolle man sie zum Stillhalten überreden und an den Stellen an denen man eine kurze Pause machen muss um mehr Wirkung zu erzielen oder Luft zu holen ein K. setzen. In dieser Faustregel stehen dann ganz sicher sieben K.s (vgl. Deklamieren, Rechtschreibreform).

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Anerkennung

Zu den menschlichen Grundbedürfnissen zählt neben Essen, Trinken, Sex, Schlaf und ähnlich Unentbehrlichem zweifellos auch Anerkennung, denn ohne sie ist alles nichts. Wer mir jetzt zu widersprechen wagt, bestätigt damit meine These (vgl. Grundbedürfnisse, Ich-Instinkt, Renommiersucht).

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Meinungsäußerung

Dass jeder seine Meinung frei äußern darf, ist ein Recht, das der allgewaltigen Obrigkeit in Jahrhunderten unter schweren Opfern abgetrotzt wurde. Heute ist die Obrigkeit durch die Öffentlichkeit ersetzt. Denn je mehr Menschen in den sozialen Medien, in Leserbriefspalten und anderen Foren ihre Meinung äußern, umso mehr ist die Freiheit der M. eingeschränkt, weil sich auf diesen Plattformen bei jeder Äußerung sofort stimmgewaltige Gruppen bilden, die anderer Meinung sind und ohne jede Toleranz den anders Denkenden mit härtesten Abwertungen belegen. Das führt zum Schweigen der Gescheiten (vgl. Duckmäusertum, Meinungsfreiheit, Toleranz).

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Gegenöffentlichkeit

Der Begriff stammt aus der 68er-Bewegung des 20. Jahrhunderts. Er stand für ein Gemenge von Alternativaktionen, mit denen die Meinungsmonopole der etablierten Presse unterlaufen werden sollten. Zu diesen Aktionen zählten Demonstrationen, Blockaden, Flugblätter, Plakate sowie eigene Radiosender und die Herstellung von Videofilmen. Dazu sind auch Alternativverlage und die Zeitung taz zu zählen. Trotz aller Begeisterung und Energie blieb der Erfolg marginal. Erst durch das Internet bekam die G. seit der Jahrhundertwende eine ganz neue Dynamik, weil sich nun in den sozialen Medien und anderen Foren sowie Blogs für jeden die Möglichkeit auftut, seine Meinung den offiziell und pressemäßig verbreiteten Meinungen entgegenzusetzen, mit starker Resonanz, wenn auch oft schlecht durchdacht und in einem miserablen Deutsch. Und die etablierten Medien sehen mit hochgezogenen Augenbrauen, dass damit die ewige Einbahnstraßenregelung der Meinungsmache aufgehoben wird (vgl. Aktionismus, Blogs, Lügenpresse, Netzine).

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Deutscher Michel

Der d., ursprünglich teutsche M. ist seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die personifizierte deutsche Dummheit. Ein tumber, kräftiger Kerl mit Schlafmütze auf dem Kopf, der immer wieder das belächelte Opfer der diversen Obrigkeiten sowie der lebenstüchtigeren Menschen in den Nachbarländern wird. Von daher ist die überkommene bildliche Darstellung der deutschen Wesensart immer noch hochaktuell (vgl. Anglizismen, Deutscher, Dumm, Flüchtlingskrise, Gutmenschen, Politiker, Verdrängungswettbewerb).

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Postfaktisch

P. Ist die eingedeutschte Form des englischen Begriffs post-truth, den die Oxford Dictionaries zum Internationalen Wort des Jahres 2016 erklärt haben. Er bezeichnet ein politisches Denken und Handeln, bei dem nicht mehr Fakten im Mittelpunkt stehen. Der schnell Mode gewordene Begriff ist so blödsinnig wie das Phänomen, das er umschreibt, also passend. Beispiele dafür boten die verlogene Begründung der USA für den Überfall auf den Irak im Jahre 2003, die von Emotionen gesteuerte Brexit-Entscheidung oder die bundesdeutsche Kampagne: Die Rente ist sicher. Ebenso p. ist die Behauptung der etablierten Medien, die sogenannten sozialen Medien und Foren lieferten nur Vorurteile und Hasstiraden. Sprachwissenschaftler weisen darauf hin, dass p. wörtlich übersetzt heißt: nachtatsächlich, obwohl gemeint ist: neben den Tatsachen. Und dass auch schon die englische Version von p., nämlich post-truth, unsinnig ist, weil sie wörtlich übersetzt heißt: nachwahrheitlich. Aber statt p. einfach zu sagen: unsachlich oder sachfremd oder wahrheitswidrig oder emotionsgetrieben, das ging nicht. Weil viel zu sachlich (vgl. Nonsens, Sprache, Wahrheitsliebe, Wortsetzungsmacht).

 

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Leerlauf

Zwischenzeiten ohne jede Aktivität werden gern als L. diffamiert. Dabei können sie sich als wertvollste Zeiten erweisen, wenn man nur den Gedanken freien Lauf lässt. Danach könnte es sein, dass einem eher die Zeiten der Aktivität als L.-Zeiten erscheinen (vgl. Erinnerung, Idee, Innovativ, Phantasie).

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Michel Houellebecq: Unterwerfung

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Brechmittel

Wenn was Falsches aufgenommen wurde, kommt meistens ein B. (griechisch-lateinisch: Emetikum und lateinisch: Vomitivum) zum Einsatz, weil es weniger aufwendig ist als eine Magenspülung. Die diversen zum Erbrechen reizenden Mittel gab es früher nur in der Apotheke. Heute werden sie sogar Gesunden tagtäglich verabreicht, und zwar per Zeitung, Fernsehen und Radio, in erster Linie – aber nicht ausschließlich – in den politischen Berichten (vgl. Politiker, Schauspieler).

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Patrick Modiano: Die Kleine Bijou

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Im Salzkammergut, da … (2015)

 

Ja, stimmt, und da müsste man sich eigentlich auch besonders sicher fühlen, weil so imposante Felskolosse die Straßen flankieren. Aber sie machen mich klein und lassen mich verloren erscheinen, wie zwischen die Beine von Mammuts und Elefanten und 001Riesendinos geraten. Da nützt mir nicht einmal, dass ich mir vorstelle, das unendliche Himmelsblau sei bloß phantasievoll mit Bergzackenbildern bemalt, um keine blaue Langeweile aufkommen zu lassen. Nein, alles ist Wirklichkeit, wenn auch ein bisschen übertrieben. Etwa dass die stoppelbärtigen Hänge von der halben Höhe bis in die letzten Spitzen weiß überpudert sind, das wäre wirklich nicht nötig gewesen. So ein zusätzlicher Aufwand. Bin ich doch schon zufrieden damit, dass die Straße keine Löcher aufweist, dass Sturm und Eis abgemeldet sind und der Steinschlag ein anderes Timing hat als ich.

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Bestsellerregal

Das B. steht in den Buchhandlungen immer an dem auffälligsten Platz. Und die Leute kaufen die Bestseller, weil sie einem Missverständnis zum Opfer fallen: Der Begriff Best suggeriert ihnen, es handle sich um ein bestes Buch. Dabei sagt er in Wahrheit: Vorsicht, Massenware (vgl. Bestseller, Dummheit).

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Buchreligionen

Sammelbezeichnung für die drei auf einander aufbauenden großen Glaubensgemeinschaften Judentum, Christentum und Islam, die sich auf ein jeweils anderes Buch stützen. Diese Herkunft wird gern betont, weil das Wort Buch zumindest noch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts der Inbegriff des Wissens war. Gilt der Glaube doch vielen als das bessere Wissen, sozusagen das Sahnehäubchen der Erkenntnis. Diesem Bezug zum Buch widerspricht nur scheinbar, dass lange vor Beginn unserer Zeitrechnung der Ursprung der B. in der Konkurrenz von sesshaft gewordenen Schafhirten des Vorderen Orients zu sehen ist, die möglichst viele Schafe ihr Eigen nennen mussten, um bedeutend zu sein (vgl. Besserwissen, Glauben, Massenmord, Religion).

 

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Beratungsdiebstahl

Ein neuer Begriff aus den Zehnerjahren des 21. Jahrhunderts, entstanden aus den Seufzern von Einzelhändlern, die sich als Opfer des Internets sehen. Tatsache ist, dass die Konsumenten immer öfter die Beratung im Geschäft in Anspruch nehmen und das gewünschte Objekt aussuchen, es dort jedoch nicht kaufen, sondern anschließend im Internet zum niedrigsten Preis bestellen. B. ist so problematisch wie Korruption: Indem man darauf hinweist, gibt man dem nächsten einen Tipp. Also besser darüber schweigen. Die Cleverness der Konsumenten als Diebstahl zu bezeichnen, ist ohnehin keine Lösung des Problems der unterschiedlichen Angebotswege. Der gescheite Einzelhändler bietet Nebenvorteile an wie Transport, Aufbau, längere Garantie oder Bestpreisgarantie und sonstigen Service oder steigt zum Internetpreis ein (vgl. Dummheit, Kommerz, Korruption).

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Propaganda-Bots

Regierungen in Ost und West und ihre Geheimdienste arbeiten mit hoch entwickelten Computer-Programmen, die in den sozialen Netzwerken automatische Meinungsäußerungen platzieren, auch gezielte Entgegnungen auf andere Äußerungen produzieren und sogar ganze Diskussionen kreieren. Alles nur automatische Beiträge, die aber wie von Menschen geschrieben wirken, weil sie die üblichen naiven Formulierungen von Meinungen benutzen, angereichert mit den allseits beliebten Katzen- und Babybildern. Wir sollten lieber wieder “Mensch, ärgere dich nicht!” spielen (vgl. Lüge, Öffentlichkeitsarbeit, Politiker, Wahlkampf).

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Globus

Dieses altertümliche Ding gehört in jede Wohnung. Denn mit seiner permanenten stummen Gegenwart schafft der G. , selbst wenn er viel zu klein ist,  um was darauf zu finden, Großes. Er pumpt das Bewusstsein auf,  dass es sich über Tisch und Bett hinaushebt, über das Haus, die Straße, die Nachbarschaft, den Ort und das Land wie auch weit über den Kontinent hinaus (vgl. Bewusstsein, Perspektive).

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Alkohol

Ein in manchen Kreisen zu Unrecht perhorreszierter Begriff. Boten doch schon in einer Periode der Klimaerwärmung vor mehr als zehn Millionen Jahren die von Obstbäumen abgefallenen Früchte, die schnell vergoren waren, den gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Menschenaffe die erste Dosis A.. Das heißt, wir waren schon Saufköppe, als es uns noch gar nicht gab. Soweit diese Saufköppe Träger des mutierten Enzyms ALDH waren, das A. verträglich machte, sollen sie ihre helle Freude an diesem Stöffchen gehabt haben (vgl. Alkoholintoleranz, Asiaten, Drogen, Rauschgift).

 

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