Archiv des Autors: Laufenberg

902. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Wieder einmal zeigt sich: Alles ist ersetzbar. Je rasanter sich offensichtlich unsere Fähigkeit zur korrekten schriftlichen Äußerung verliert, umso beliebter und wichtiger werden die Emoticons. Schon wurden scheinbar nur witzige Emojis vor Gericht als Beleidigungen gewertet, die als Begründung für eine fristlose Kündigung genügten. Ein Daumen-Hoch ist als Vertragsannahme gewertet worden. Und in Frankreich hat mehrfaches Versenden eines Pistolen-Emojis an die Ex zur Verurteilung wegen Morddrohung gereicht.

 

Für Absurditätsliebhaber. Die Behauptung gilt als wissenschaftlich: Keine Schneeflocke ist in ihrer komplizierten kristallinen Struktur exakt einer anderen gleich. Doch wenn ich stundenlang mit Begeisterung zuschaue, wie sich draußen die Landschaft von immer mehr Schnee einpacken lässt, befallen mich gewisse Zweifel an unseren Naturwissenschaften.

 

Ein bisschen Fremdsprachen-Statistik gefällig? In Deutschland ist im Moment die von den meisten gelernte Fremdsprache das Englische. Ihm folgt in der Beliebtheit mit deutlichem Abstand das Französische, das dabei auch noch ständig abnimmt. An dritter Stelle steht Latein, und auf dem vierten Platz kommt Spanisch, das stetig wächst. Wenn ich mir klarmache, dass die englische Sprache ja genau wie das Deutsche aus Sprachen germanischer Stämme entstanden ist, kann ich feststellen: Zwischen den beiden in Mitteleuropa konkurrierenden Sprachfamilien Germanisch und Romanisch gibt es nach wie vor ein Auf und Ab, das noch kein Endergebnis mit einer Siegerin und einer Verliererin erkennen lässt. Immerhin ein Trost.

 

Ein befreundeter Schriftsteller klagte mir sein Leid: „Jetzt bin ich in einer öffentlichen Diskussion einfach damit abgetan worden, ich sei ja ein alter weißer Mann; deshalb habe ich zu schweigen. Und das sagen mir die Leute, die angeblich 24 Stunden am Tag gegen die Ungerechtigkeiten der Welt ankämpfen.“ Wirklich absurd, denn in dem Fall haben die Weltverbesserer gleich dreifach gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen, das in europäischen und deutschen Gesetzen und Verordnungen festgelegt ist. Weil weder der Hinweis auf das Alter meines Kollegen, noch auf seine Hautfarbe und auch nicht auf sein Geschlecht bei der Zurückweisung seines Gesprächsbeitrags erlaubt waren.

 

Es klingt verdammt naheliegend, dass aus künstlicher Intelligenz intelligente Kunst entsteht, ja entstehen muss. Doch gehört zu unserem Kunstbegriff, dass es dabei um eine menschliche Leistung geht. Diese Forderung lässt dem schönen Gedanken die Luft raus. Da hilft wohl nur ein neuer Kunstbegriff.

 

Der erste der vier Verlage, bei denen meine Bücher im Programm sind, hat mir jetzt im Januar schon die Abrechnung über die Verkäufe im Jahr 2022 geschickt. Der Verlag Regionalkultur. Vorbildlich. Was mich besonders freut: Die Verkäufe steigen von Jahr zu Jahr. Dank meiner stetig wachsenden Leserschaft.

 

Etliche meiner wichtigsten Bücher sind seit langem ausverkauft. So erfreulich das für einen Autor ist, so bedauerlich ist, dass sie weg sind.  Das betrifft „Axel Andexer oder Der Geschmack von Freiheit und so fort“, aber auch die beiden großen Historienbilder „Ritter, Tod und Teufel“ sowie „Im Paradies fing alles an“, bei denen auch die Folgeausgaben als Lübbe- und als Ullstein-Taschenbuch restlos verkauft sind. Von meiner Romanbiografie des Hofnarren Perkeo ist wenigstens die Taschenbuchausgabe „Perkeo, der Zwerg von Heidelberg“ noch auf dem Markt, sogar in der zweiten Auflage. Und meine nach der Jahrhundertwende erschienenen Bücher sind sämtlich noch im Handel. Um von denen nur ein literarisches Schwergewicht zu erwähnen: „Der Hund von Treblinka“, ein Roman über eine Männerfeindin. Ein Buch, zu dem es nichts Vergleichbares gibt. Mal reinschauen. Es lohnt sich:
https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/der-hund-von-treblinka/

 

 

 

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901. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Habe am Silvesterabend mal das Fernsehen angehabt. Das passiert mir nicht noch einmal. Denn hinterher musste ich den Bildschirm eine Stunde lang streicheln und ihm immer wieder zuprosten und alles Gute wünschen, damit er sich allmählich beruhigt nach all dem Geschrei und Gezappel, das ihm als fröhliches Feiern geboten worden war.

 

Kein Zeichen von Wohlstand. Von 2019 bis 2021 ist bei uns die Zahl der übergewichtigen Kinder um 11 % gestiegen, meldete die Kaufmännische Krankenkasse KKH. Und was tut man dagegen? Man hat für 11.500 Kinder die Diagnose Adipositas erstellt. Na, das ist doch was.

 

Als niemand mehr mit dem Füllhalter schrieb, wurden die Füller zu Kultobjekten, von den Herstellern unsinnig aufgemotzt und zu Irrsinnspreisen angeboten. Den Armbanduhren ging es genauso, nachdem sie durchs Smartphone überflüssig geworden waren. Und jetzt könnte dieses Schicksal der Pseudo-Veredlung auch dem gedruckten Buch drohen, das immer mehr vom Internet ersetzt wird. Schon produziert man Prachtbücher, die als edle Coffee Table Books nur zur Demonstration der Wohnkultur ausgelegt werden.

 

Es gibt noch Menschen mit Sprachgefühl. Die bleiben bei dem Begriff Flüchtlinge, der vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sowie seit mehr als 70 Jahren von der Genfer Flüchtlingskonvention benutzt wird, und lehnen die scheinbare Modernisierung durch den Begriff Geflüchtete ab, weil damit die lebensgefährliche Flucht als getan und erledigt verharmlost wird

 

Vorsicht! Fremdsprachen-Lernen verändert einen. Je mehr wir englischsprachige Medien konsumieren, umso mehr verlieren wir unsere Muttersprache. Und das betrifft nicht nur die eigentlich unnötige Verdrängung deutscher Wörter durch englische, also den Anglizismen-Unfug. Inzwischen verändert sich bei vielen von uns auch der Satzbau, weil die Engländer nicht wie wir an die Folge von Subjekt-Prädikat-Objekt gebunden sind. Wer jede Äußerung einleitet mit „Ich denke“ oder „Ich meine“, der ist schon infiziert mit der englischen Verlegenheitsfloskel „I think“ und nicht mehr ernst zu nehmen. Und ein Ausdruck wie „Das macht Sinn“ ist kein Deutsch mehr, sondern die platte Übersetzung von „that makes sense“; denn im Deutschen wird Sinn nicht gemacht, vielmehr „ergibt es Sinn“ oder „ist sinnvoll“. 

 

Unverkäuflich gewordene Lebensmittel, Tag für Tag landen sie bei den Supermärkten nach Ladenschluss in den Abfallcontainern. Sich daraus Brauchbares zu holen, das so genannte Containern, ist zu einem neuen Überlebensweg für Leute mit wenig Einkommen geworden. Doch sind die Lebensmittel im Abfallcontainer nach deutschem Recht keine herrenlosen Sachen. Wer sie sich einfach nimmt, begeht deshalb Diebstahl. Das will Bundesernährungsminister Cem Özdemir jetzt ändern. Dabei dürfte ihm das französische Beispiel helfen. Denn bei unserem Nachbarn gilt das Weggeworfene als aufgegeben, ist also für jedermann freigegeben. Zusätzlich gibt es in Frankreich eine gesetzliche Pflicht für die Händler, unverkäufliche Lebensmittel zu spenden statt wegzuwerfen. So eine Pflicht käme hierzulande den immer mehr in Anspruch genommenen Tafeln sehr entgegen.

 

Papst im Doppelpack im Vatikan, und wir können sagen: Wir sind dabei gewesen. War ja ordentlich geregelt: Der eine in function, der andere out of function, wenn auch beide schön in Weiß und als Heiligkeit bezeichnet. Aber seit Neujahr 2023 ist das Geschichte. Eine nicht so ordentliche Geschichte hat sich gut 600 Jahre vorher abgespielt, als der (erste) Papst Johannes XXIII. gewählt wurde, der dann das Konzil zu Konstanz einberief, um die zwei Päpste loszuwerden, die sich bekämpften, weil jeder der echte sein wollte. Plötzlich Papst im Dreifachpack. Das konnte ja nur ein großes Desaster werden. Der neue Papst, der aufräumen wollte, wurde selbst kurzerhand abgeräumt. Trotz Heiligenscheine ein spannender Krimi. Auf der Basis intensiver Recherchen von mir zu einem historischen Roman gestaltet, pünktlich zum Konzilsjubiläum erschienen und von der Katholischen Kirche vergebens totzuschweigen versucht: „Der Papst im Kerker“ https://www.netzine.de/library/walter-laufenberg/der-papst-im-kerker/

 

 

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900. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Diese 900. Netzine-Ausgabe ist jetzt so pünktlich im Netz, wie es alle anderen Ausgaben vor ihr waren. Und das Netzine wird auch nach 27 Jahren weltweit von immer mehr Menschen entdeckt und gelesen. Damit ist vermutlich ein absoluter Rekord aufgestellt. Weiß ich doch von keiner anderen Literatur-Gazette, die so viele Ausgaben erlebt und so viele Jahre überlebt hat. Aber die Presse zu einer Jubiläumsfeier einzuladen, habe ich mir verkniffen, weil die Zeitungsleute doch voll ausgelastet sind mit der Sorge um ihre eigenen Medien.

 

Die Bezeichnung Ampel für die gegenwärtige Regierungskoalition ist allgemein akzeptiert, weil die Ampelfarben Rot, Grün, Gelb zufällig den Symbolfarben der beteiligten Parteien entsprechen. Der Nürnberg-Erlanger Professor Horst Haider Munske wunderte sich jetzt darüber, dass diese Metapher bisher nicht weiter ausgedeutet wird: „Sonst stünde ja die SPD für Halt, die Grünen für Los geht’s und die Gelben für beides: jetzt auf die Bremse treten oder jetzt Gas geben.“   ̶  Wenn das nicht ein passender Spruch zum Neuen Jahr ist.

 

Üblich ist, dass uns in Presse, Funk und Fernsehen zum Jahresende die großen Ereignisse des Jahres noch einmal in Erinnerung gerufen werden. Also nur kalter Kaffee. Überraschend und sinnvoll dagegen, was heute die FAZ im Wirtschaftsteil unter der Überschrift bietet Unternehmen geht es gut: „Die hundert umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland haben ihren Umsatz in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 30 Prozent gesteigert … Fast drei Viertel der Unternehmen haben in den ersten neun Monaten neue Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt stieg die Beschäftigung um 2 Prozent auf 4,35 Millionen.“  ̶   Okay, bei diesem Feuerwerk positiver Meldungen muss die Wirtschaft es verkraften können, dass ich bei der albernen Silvester-Knallerei nicht mitmache.

 

Bemerkenswert selbstbewusst. Die Berufung einer erstplazierten Frau auf eine Forschungsstelle der Universität Triest musste jetzt zurückgezogen werden, nachdem der abgelehnte Zweitplazierte dagegen geklagt hat, weil die Frau ihren Lebenslauf nur auf Englisch eingereicht hatte. Damit hatte sie nach Ansicht des Gerichts nicht alle geforderten Bewerbungsunterlagen eingereicht. Es fehlte der Lebenslauf, denn ihre Bewerbung war amtlicher Schriftverkehr, und die Amtssprache in Italien ist Italienisch.  ̶  Es gibt noch Richter in Italien.

 

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Jahr 2021 rund 662.100 Menschen von deutschen Gerichten verurteilt. Das waren 5,3 % weniger als im Jahr 2020. Damit setzte sich eine Tendenz fort: Es wird bei uns immer weniger gestraft, und wenn überhaupt, dann in fast 80 % der Fälle nur mittels Geldstrafe. In nicht einmal 100.000 Fällen gab es Freiheitsentzug. Wie diese positive statistische Entwicklung mit dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung kontrastiert, dazu wurde leider nichts gemeldet. 

 

Ich lese in der Zeitung: „In Deutschland wird jede zweite Ehe geschieden.“ Toll! Bestätigt mir das doch, dass ich was Besonderes bin, denn bei mir war es die erste Ehe, die geschieden wurde. – Tja, man muss nur richtig lesen können.

 

Ob wir das gut finden oder nicht: Wir leben mit der amerikanischen Leitkultur. Und jetzt schiebt Putin mit seiner Eroberungspolitik uns noch fester an die amerikanische Brust. Ich habe die amerikanische Leitkultur bei etlichen USA-Besuchen kennen gelernt, nach dem dort vorherrschenden Motto: Have a taste! Daraus sind drei Bücher über Amerika entstanden. 1972 erschienen „Die letzten Tage von New York“, 1983 „Orakelfahrt“ und 2019 „Die Triangel“. Sehr persönliche, sehr ehrliche Bücher, die jedes Mal auch Blicke in unsere eigene Zukunft waren. Warum also nicht zum Jahresende einen solchen Blick nach vorne wagen?! In diesem Sinne wünsche ich all meinen Leserinnen und Lesern ein erfolgreiches und trotzdem angenehmes Jahr 2023!

 

 

 

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Literaturkritik

L. ist das große Drumherum-Gerede eines Nicht-Kreativen über einen Kreativen, das gekonnt die Plattheit vermeidet, die Dinge beim Namen zu nennen, das besprochene Werk stattdessen als ein Trampolin für eigene Wortkunststückchen benutzt (vgl. Beschlagnahme, Eitelkeit, Kritiker).

 

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Amerikanisch

A., noch um die 2. Jahrtausendwende und ein paar Jahrzehnte danach die Hauptsprache der Nordamerikaner, ist bloß ein schlecht gesprochenes Englisch, stellenweise mit vereinfachter Schreibung oder sogar anderer Bedeutung, dafür veredelt mit viel fuck, wow und okay (vgl. Dialekt, Muttersprache, Verdrängungswettbewerb).

 

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Prinz Rupi: Das liebestolle Krokodil

 

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Luxus

L. ist, ein Land mittlerer Größe wie Deutschland, das gerade nur etwas über 83 Millionen Einwohner hat, mit dem nach China (gut 1,4 Milliarden Einwohner) größten Parlament der Welt (über 700 Bundestagsabgeordnete) und 16 weiteren Parlamenten in 16 selbständigen Ländern zu regieren. Was natürlich nur möglich ist, wenn man das Volk von fast 100 Krankenkassen und einem runden Dutzend öffentlich-rechtlicher Sender einwickeln lässt. Doch bisher verhallt der Ruf: Macht mal halblang! Weil man nicht weiß, wohin mit dem eingesparten Geld (vgl. Politiker, Volksverdummung).

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Schwierigkeiten

S. sind meistens nur eine Sache des Bewusstseins, d. h. man macht sie sich selbst. Was der Volksmund so ausdrückt: Er stolpert über seine eigenen Füße. Ob man stolpert oder das Stolpern vermeidet, das hängt also von der mehr oder weniger geschickten Selbstmanipulation ab (vgl. Bewusstseinshygiene).

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Überleben

In immer mehr Naturfilmen wird uns vorgeführt: Es geht in der Natur ständig ums Fressen und Gefressenwerden. Alles Leben ist Jagd und Flucht vor dem Jäger, mit nur zeitweiligem Kampf um den Geschlechtspartner und das Revier. Der Mensch mit seinem extrem entwickelten Gehirn hat dieses rabiate Prinzip der Natur ergänzt und kultiviert, indem er den simplen Wunsch zu ü. ausgebaut hat, vor allem zu dem rücksichtslosen Bedürfnis, sein Leben auch in anderen Menschen zu genießen, die ihn bewundern oder fürchten sollen oder sich wenigstens an ihn erinnern (vgl. Egoismus, Ich-Instinkt, Nachruhm).

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898. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Verlustmeldung. Der Literat und Publizist Hans Magnus Enzensberger ist gestorben. Mit triumphalen 93 Jahren. Doch zu sagen: Der Mann hat ja was gehabt von seinem langen Leben, wäre Ignoranz. In diesem Fall muss es heißen: Die geistige Welt hat viel gehabt von diesem langen Leben und betrauert jetzt einen entsprechend großen Verlust. Zu den Trauernden zähle auch ich. Denn Hans Magnus Enzensberger hatte literarische Texte von mir gelesen und mir ab 1982 als Mitautor in „TransAtlantik“, dem von ihm und Gaston Salvatore gegründeten Kultur-Magazin von einmaligem Niveau, ein wichtiges Startbrett geboten. Möge er ruhen in Frieden, ich bleibe unfriedlich.

 

Jetzt hat eine Lektorin mich verwarnt, als ich etwas über Schwarz-Weiß-Zeichnung geschrieben hatte. Das gehe nicht, weil es an Hautfarben erinnere und deshalb diskriminierend sei. Da verlor ich plötzlich die ganze Farbpalette, weil Gelb so wenig ging wie Schwarz, Rot ebenso unmöglich war, Braun ohnehin nazifarben und Grün marsmännchenhaft und einseitig parteipolitisch. Mein Trost, dass mir bei dieser farblichen Überempfindlichkeit wenigstens Blau noch bliebe, wurde mir dann auch noch mit dem Hinweis genommen: Blau sein heißt besoffen sein. Also nur noch Weißzeichnung, was dann so aussieht:

 

 

 

 

 

Das Bürgergeld ist da. Bundestag, Bundesrat, Regierung und Opposition haben damit gemeinsam klargestellt, dass die ganze Genderei ein Quatsch ist. Kommt doch kein Mensch, kein Bürger und kein Wähler, kein Deutscher und kein Europäer auf den Gedanken, bei dem Ausdruck Bürgergeld fehle was. Kein Mensch macht sich die unsinnige Mühe, das Bürgergeld auch noch verkleidet in die rund zwanzig inzwischen entdeckten Geschlechtsvarianten auftreten zu lassen.

 

Jede Mutter ist glücklich, wenn das erste Wort, das ihr Kind lallt, Mama ist. Doch nach dem Willen des Europarates sollte das Kind den Ausdruck Elter benutzen, weil das nicht sexistisch sei. Mittlerweile schon eine alte Forderung. Nach Auskunft von Hebammen hat sich jedoch das Verhalten der Babys bisher kein bisschen gebessert.

 

Nebenbei bemerkt: Heute gibt es für alle, die einen Facebook Account haben, als kleine Überraschung eine Verlosung meines Wien-Buches: https://www.facebook.com/groups/historischeLiteratur

 

Unsereins hat neuerdings, anders als unsere Politiker, immer häufiger Schwierigkeiten mit den Bezeichnungen Milliarde und Billion, weil die nicht in unsere Vorstellungswelt passen, außerdem teilweise bei den Amerikanern einen anderen Wert haben als bei uns Europäern. Für Datenwissenschaftler sind die im Computerbereich anfallenden Mengen nicht mehr mit diesen Begriffen und Vorsilben wie Milli-, Mega- und Tera- zu fassen. Deshalb sind jetzt auf einer Expertenkonferenz in Versailles neue Maßeinheiten kreiert worden. Die neuen Vorsilben für Zahlen mit 27 bzw. 30 Nullen lauten ab sofort Ronna- bzw. Quetta-. Die extrem kleinen Maße heißen dann Ronto und Quekto. Danach hat der Planet Jupiter eine Masse von 2 Quettagramm, und der Durchmesser des gesamten beobachtbaren Universums ist 1 Ronnameter. – Jetzt komme ich doch gleich viel besser zurecht im Weltall.

 

Das Vereinswesen, für uns Deutsche angeblich der Lebensinhalt, hat durch die Corona-Einschränkungen starke Einbußen erlitten. Die Zurückhaltung der Leute bei näheren Kontakten führt überall – vom Gesangsverein über Herrenvereinigungen bis zu den Kirchen –zu krassem Mitgliederschwund. Und das Gegenmittel, das großzügige Küren von Ehrenmitgliedern, kann den Niedergang nicht wirklich aufhalten. Eine der Folgen ist, dass Ehepartner mehr miteinander zu tun haben. Die gerade veröffentlichte neue Kriminalstatistik über die Zunahme von Gewalt in deutschen Familien zeigt, wie das aussieht. 

 

Bin Goethes Anregung gefolgt: „Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten.“ Habe auch in dem schwierigen Jahr 2022 zwei neue Bücher herausgebracht. Lektüre zum hellen Vergnügen und gleichzeitig auch noch hochinformativ, wie mir von allen Seiten gesagt wird: https://www.netzine.de/library/

 

 

 

 

 

 

 

 

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