Archiv des Autors: Laufenberg

784. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Dass Europa von Afrikanern überschwemmt wird, scheint unvermeidbar zu sein. Denn Grenzen lassen sich nicht absolut dicht halten. Und noch so viel Geld, das nach Afrika geschafft wird, kann in Staaten mit völlig korrupten Herrschercliquen keine Besserung der Lebensverhältnisse schaffen. Kein Wunder, dass sich viele Afrikaner inzwischen nach den europäischen Kolonialherrschern zurücksehnen, weil die mit effektiver Verwaltung, Ausbau der Infrastruktur, sinnvollen Investitionen, einer Weltsprache und staatlicher Geburtenkontrolle das Land vorwärts bringen würden.

 

Die Fußballweltmeisterschaft 2018 bescherte uns ein belgisches Wunder: 13 der 23 Spieler im WM-Kader Belgiens hatten einen Migrationshintergrund, und trotzdem begeisterten sie sich für Belgien. Sie tragen es dem Land also nicht mehr nach, dass der belgischen König Leopold II. (1835-1909) zur persönlichen Bereicherung im Elfenbein- und Kautschukhandel in der Kolonie Kongo Millionen Schwarze, die ihm nicht effektiv genug schufteten, verstümmeln und umbringen ließ.   

 

In einer naiven Art begeistern wir uns für Künstliche Intelligenz. Dabei sollten wir bei der Entwicklung sich selbst steuernder Computer bedenken, wohin es führt, wenn Computer lernfähig gemacht werden. Ein automatisiertes Lernen, das sich selbst zu immer weiteren Lernschritten antreibt und befähigt, wird irgendwann unsere beschränkte menschliche Lernfähigkeit übertreffen. Dann steht uns Menschen erstmals eine Kreatur von überlegener Intelligenz gegenüber. Und die wird ganz selbstverständlich mit uns so verfahren, wie wir Menschen es mit allen anderen Kreaturen gemacht haben, denen wir an Intelligenz überlegen waren, – wir haben sie brutal bekämpft und uns dienstbar gemacht. Denn das ist ein Naturgesetz: Der Bessere herrscht. Warum sollten die kommenden Supercomputer der Künstlichen Intelligenz nicht nach diesem Naturgesetz handeln? Sie sind ja unsere Kinder.

 

Seht Ihr den Mond dort stehen … Mein Vorfahr hat vor 10.000 Jahren den Mond genauso gesehen, wie ich ihn sehe. Er von seinem Höhleneingang aus, wenn auch nicht so bequem sitzend, gut gesättigt und im Warmen wie ich. Ganz sicher hat er sich gefragt, was das Helle da oben ist. Und hat sich damit abfinden müssen, dass es Fragen gibt, für die er keine Antworten findet. Genau wie ich es muss. Also hat sich seitdem nicht viel geändert, nur die offenen Fragen sind andere.

 

Statistiker können immer wieder mit Überraschungen dienen. So wenn sie auf das auffällige Nebeneinander von Schwere des Hörverlustes verheirateter Männer und die Dauer ihrer Ehe hinweisen. Dabei drücken sie sich klugerweise um die Frage herum, ob es sich um bloße Gleichzeitigkeit handelt (Korrelation) oder um Kausalität. Oder sogar um finales Handeln der Natur? Dann kommen die Mediziner daher und stellen fest: Flucht in die Krankheit. Und die Theologen sprechen sogar von Gnade. Da steh’ ich nun (an der Seite von Goethes Faust), ich armer Thor, und bin so klug als wie zuvor.

 

Jetzt muss ich befürchten, geizig zu werden. Weil ich verstanden habe: Jeder Euro, den ich ausgebe, ist ein Stück meines Lebens, das ich mit unsinnigem Arbeiten vertan habe. Denn Geld ist Leben.

 

Ich schrieb: Ein Leben, von dem Urlaub zu nehmen mir großzügig gestattet wird, mit dem stimmt doch was nicht. Darauf antwortete mir ein Rentner: Wart’s nur ab, bis du in Rente bist und stöhnst: Gäbe es doch noch einmal Urlaub.

 

Beim Zeitungslesen darüber gestolpert: Das Kreuz, im Alten Rom ein besonders brutales Hinrichtungsgerät, das zum Lieblingssymbol des Christentums wurde, hat seinen Stammplatz in den Todesanzeigen verloren. Nur noch hin und wieder zu sehen. Und das Wort Kreuz ist heute nur noch von Bedeutung in den Begriffen Kreuzfahrt und Kreuzworträtsel.

 

Auf der Fahrt zu einer Lesung in München im ICE notiert: Nur Gehügel, mal vereinzeltes Gehölz, mal düster klumpige Wälder, zwischen akkuraten Feldern und Äckern hingestreute Siedlungen, da ein Bach, dann ein Kirche, jetzt ein Tümpel. Und hin und wieder ein Gehöft, kühn in die grüne Staffage hineingemalt. Aber wie das alles an einem vorbeirast, muss es sich abtun lassen mit dem Begriff Landschaft. Ja, bloß Landschaft. So was Unbestimmtes wie Mannschaft und Verwandtschaft und Kundschaft oder Zuhörerschaft.

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Urlaub

Ein Leben, von dem du mal U. machen darfst, mit dem stimmt doch was nicht, schrieb ich. Darauf antwortete mir ein Rentner: Wart’s nur ab, bis du im Ruhestand bist, dann hättest du gern noch mal einen U. (vgl. Abwechslung, Autonomie, Lohnsklaven).

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Geldschein

Der für seinen Unterhalt arbeitende Teil der Menschheit lebt in dem Bewusstsein: Jeder G., den ich ausgebe, ist ein kleines Stück meines Lebens, das ich mit unsinnigem Arbeiten vertue. Der nicht für seinen Unterhalt arbeitende Teil der Menschheit kann das umgekehrt sehen: Jeder G., den ich ausgebe, ist ein kleines Stück Lebensgenuss. So oder so gilt: Geld ist Leben (vgl. Arbeit, Geld, Leben, Verschwendung).

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