Passiertes! Passierte es?

(Keine Auflösung am Ende des Netzines)



Präsident Obama hält die Irak-Wahl für einen Erfolg. Das ist typisch militärisches Denken, das immer eine Menge Menschenopfer in Kauf nimmt. Dabei hat der Irak mit seiner permanenten Menschenschlächterei wieder einmal gezeigt: Demokratisierung ist das falsche Rezept für Länder, in denen es nicht einfach um Parteien geht, sondern um verfeindete Religionsgemeinschaften oder Ethnien. Weil bei religiösen oder ethnischen Gruppierungen der demokratische Wettbewerb, auf den wir so stolz sind, nämlich das ritualisierte Kämpfen um Wählerstimmen, zum Vernichtungskampf gegen die Falschgläubigen oder die falschen Gene wird. Das ist einer der Hauptmängel des Prinzips Demokratie: Man kann Religionsgemeinschaften und Ethnien nicht mit Parteien gleichsetzen. Geht der Kampf von Parteien gegeneinander doch bloß so glimpflich ab, weil Parteien im Gegensatz zu Religionsgemeinschaften und Ethnien ihre Programme nicht so ernst nehmen, wie sie behaupten. Den Führern der Parteien geht es nur vordergründig um Programmatisches, in Wahrheit allein um ihre persönlichen Machtpositionen. Parteien sind ein lästiges Übel, das sich austarieren lässt, verfeindete Religionsgemeinschaften und Ethnien dagegen kann man offenbar nur sich selbst überlassen. Das wächst sich aus. Dabei kann man sich auf ihr Vernichtungspotential verlassen.

 

Wer jetzt mit erhobenem Drohfinger darauf hinweist, Steuerhinterziehung sei kriminell, der sollte bedenken, dass es erst Recht kriminell ist, wie unersättlich unser Staat uns Steuern abpresst und wie er dieses Geld dann Bankmanagern in den Rachen wirft, die damit eindeutig kriminelle Geschäfte zu unseren Lasten tätigen.

 

Bundeskanzlerin Merkel sagte beim Besuch des griechischen Regierungschefs Papandreou, Griechenland sei mit seinen Sparmaßnahmen auf dem richtigen Weg. Gleichzeitig bewies sie aber, dass ihre eigene Regierungsmannschaft nicht auf dem richtigen Weg ist, weil sie sich eine Neuverschuldung von mehr als 80 Milliarden Euro erlaubte, also mehr neue Schulden als je zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Verständlich, Besuchern anerkennend auf die Schulter zu klopfen macht Spaß, aber Geld auszugeben, das man nicht hat, macht noch viel mehr Spaß. Die kleine Merkel ist im Schulden-Machen ein großes Vorbild für den Kleinen Mann.

 

Ich kann mich nur noch wundern über die Isländer, die ich schon vor der Wirtschaftskrise bei sich daheim kennengelernt hatte. Jetzt haben sie es zu 93 % abgelehnt, ihre Schulden an England und die Niederlande zurückzuzahlen. Sie hatten die exorbitanten Preise in ihrem Land immer brav bezahlt, mit einer der Handvoll Kreditkarten, die jeder mit sich führte. In ihrer Gastronomie kam ich mir als Euro-Barzahler schon arm vor. Immobilienkauf mit null Kronen Eigenkapital war selbstverständlich. Und vor dem eigenen Haus oder der Eigentumswohnung, musste ein möglichst protziger Geländewagen stehen, obwohl man auf der Insel keinen Meter ins Gelände hineinfahren darf. Ich nannte das kopfschüttelnd: Total amerikanisiert. Und damit muss ich wohl auch heute um Verständnis für die gastfreundlichen Isländer bitten: Total amerikanisiert.

 

Jetzt überschlagen sich die Journalisten damit, über die steigende Korruption in Griechenland zu schreiben. Natürlich ohne zu bedenken, was das Besondere an der Korruption ist. Nämlich dass jede Erwähnung von vorhandener Korruption die Korruption fördert, weil sich jeder, der bisher dabei nicht mitgemacht hat, sagt: Ich will doch nicht der einzige Blöde sein, der nicht auf diese Weise abstaubt.

 

Deutscher Spitzen-Journalismus: In Spanien liegt inzwischen die Zahl der jährlichen Selbsttötungen über der Zahl der jährlichen Todesopfer im Straßenverkehr. Und 80 % der Suizidopfer sind Männer. Das erfahre ich aus der FAZ. Weil aber kein Sterbenswörtchen dazu gesagt wird, warum das so ist, habe ich genau genommen nichts erfahren.

 

In dem afrikanischen Land Ruanda wird ab diesem Jahr in allen Schulen und Universitäten der Unterricht nicht mehr in der bisher geltenden Landessprache Französisch gehalten, sondern in Englisch. Was eine Ohrfeige für Frankreich ist, das bei dem Völkermord, den die Hutus an der Minderheit der Tutsi in den 90er Jahren verübt haben, die falsche Seite, nämlich die Hutus, unterstützt hat. Gleichzeitig ist das eine Starthilfe für die Elite der Tutsi, die in englischsprachigen Ländern im Exil gelebt hat und nun im Heimatland die besten Posten besetzen kann.

 

Weil das Problem mit den Fällen von Kindesmissbrauch vielfältig und kompliziert ist, hat die Bundesbildungsministerin Schavan vorgeschlagen, die Kultusministerkonferenz solle sich der Sache annehmen. Wir müssen also der Tatsache ins Auge sehen, dass Kindesmissbrauch demnächst nach Anweisung dieser Spitzenkoryphäen anders geschrieben wird: Kindesmiesbrauch.

 

Der Raubüberfall bei dem Pokerturnier in Berlin hat eine Gesetzeslücke deutlich gemacht, die Brüssel schnell schließen will. Handys mit integrierter Kamera sollen verboten werden, weil bei Notfällen nicht mehr Polizei und Feuerwehr angerufen und informiert werden, sondern Fotos und Videoaufnahmen von dem Geschehen den Augenzeugen wichtiger sind, weil sich damit gutes Geld machen lässt.

 

Ich erhielt eine schriftliche Information des Vereins Deutsche Sprache e.V. über die Henning Kaufmann-Stiftung zur Pflege der Reinheit der deutschen Sprache – und eine Gänsehaut. Hatte ich doch erwartet, dass man zur Ehre des Herrn Henning Kaufmann, der sich um die Namensforschung verdient gemacht hatte, wenigstens den Namen der Stiftung richtig schreibt: Henning-Kaufmann-Stiftung.



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 In der letzten Ausgabe konnten Sie lesen:

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Gute Nachricht für Drogenhändler: Die hauptsächlich von den USA veranstaltete Großoffensive, vordergründig gegen die Taliban in Helmand, der Südprovinz Afghanistans, gerichtet, führt durch eine deutliche Verminderung der Schlafmohnernte zu steigenden Heroinpreisen. Und steigende Preise bedeuten für jeden Dealer, der prozentual beteiligt ist, höhere Gewinne. Die Drogenhändler werden den Isaf-Soldaten, die dafür ihr Leben riskieren, dankbar sein.

 

Ein Schrei der Empörung. Unsere Regierung denkt über eine Milliardenhilfe für Griechenland nach. Und das, um Banken zu retten, die uns sowieso nur reinlegen. Da überschlagen sich die wütenden Kommentare der Bundesbürger, die mehr und länger arbeiten müssen als die Griechen. Doch unsere Regierung testet in der üblichen Art durch Andeutungen, wie weit sie gehen kann bei der Knebelung und Verdummung der Bürger. Das dürfte diesmal gefährlich werden. Bisher stöhnen unsere Spitzenpolitiker nur über das Anwachsen der Schwarzarbeit und über den Rückgang der Wahlbeteiligung. Und erst ein Minister sitzt im Rollstuhl. Die Regierung sollte es nicht so weit treiben, dass wir auch in der Politik amerikanische Verhältnisse bekommen, wie schon im öffentlichen Nahverkehr und in den Schulen.

 

Die Nürnberger Arbeitsagentur meldet: Ende 2009 waren 11,3 Prozent mehr Akademiker arbeitslos als im Vorjahr. Dagegen ist die Zahl der Arbeitslosen ohne Berufsabschluss um 10 Prozent zurückgegangen. Das zeigt, wie weltfremd der gute Rat unserer Elterngeneration war: Lern was, damit du was wirst!

 

Aus dem Migrationsbericht der Bundesregierung war zu erfahren: Im Jahre 2008 sind erstmals seit 1984 mehr Menschen aus Deutschland ausgewandert als eingewandert. Erstaunlich, ging es doch 2008 noch aufwärts in deutschen Landen. Dann muss es ab 2009 ja deutlich leerer werden auf unseren Straßen.

 

Immer mehr Bundesbürger kaufen die neuen hochauflösenden Fernsehgeräte – und werden enttäuscht. Denn die Hoffnung, jetzt werde sich das meiste von dem Mist, der in den Programmen geboten wird, von selbst auflösen, erfüllt sich leider nicht. 

 

In so gut wie jedem Fernsehfilm und jeder Serie geht es um Liebe. Aber dass sich die beiden Akteure lieben, bleibt immer unbegründet. Kein Hinweis auf das Warum und Wieso oder darauf, was ein Mensch an einem anderen Menschen liebt. Liebe ist im Fernsehen bloß so was wie eine Infektion. Man muss sich lieben, wie man husten muss. Kein Mensch möchte zugeben, dass der Liebende sich doch nur dafür begeistert, dass sich da einer für ihn begeistert, was der natürlich nur tut, weil ihn begeistert, wie sich da einer für ihn begeistert …

 

Daimler zahlt für 2009 keine Dividende, TUI zahlt ebenfalls keine Dividende. So kommt eine Meldung nach der anderen. Das heißt, dass die Aktionäre jetzt mit zinslos gegebenem Geld das Versagen der Manager finanzieren müssen. Dass die Versager an der Spitze der Unternehmen ebenfalls zur Kasse gebeten werden, ist dagegen kein Thema.  

 

In der FAZ las ich, in Sachsen-Anhalt würden die Gefängnisse von Stendal und Halberstadt geschlossen, und zwar „wegen des Rückgangs von Strafgefangenen“. Derzeit säßen in diesem Bundesland 700 Strafgefangene weniger ein als vor sieben Jahren. Was für eine Meldung! Kein Wort zu den Gründen für den komischen Rückgang. Da stehe ich nun vor der Frage: Werden die Sachsen-Anhaltiner wirklich in jedem Jahr um hundert Mann anständiger?

 

Lange Zeit stand ich in Deutschland auf verlorenem Posten, wenn ich mich gegen Flyer und Counter und Sale und Kid und statement und shop und derartigen Quatsch wehrte. Jetzt kommt immer weiteren Kreisen der Bevölkerung allmählich in den Sinn, dass hinter der Anglizismen-Flut Methode steckt. Man erinnert sich daran, dass schon immer die Sieger den Besiegten ihre Sprache aufgezwungen haben. Die DDRler mussten Russisch lernen; das haben sie gerne abgeschüttelt, als die Mauer gefallen war. Sieht so aus, als ob wir im Westen nun ebenfalls anfingen, uns gegen diese sprachliche Unterdrückung durch die Angelsachsen zu wehren.

 

Da wehte die aufregende Nachricht durch die Medien, dass bei der Ausbildung der deutschen Gebirgsjäger menschenverachtender Missbrauch getrieben wird. Doch nach einigen Tagen erfuhr man in einer unscheinbaren Randnotiz: Da war nichts. Da hat sich bloß ein Zeitungsschreiber eine Story einfallen lassen, weil er dringend Geld brauchte. Man sieht, wie berechtigt die über diese Kolumne gesetzte Frage ist: Passierte es?

 








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