Passiertes! Passierte es?

(Keine Auflösung am Ende des Netzines)



Wenn ein Gewerkschaftsvorsitzender namens Bsirske seine Truppen aufmarschieren lässt, um ein Unternehmen wie die Lufthansa zu bestreiken, bei dem er als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender auf der Gehaltsliste steht, und er sich gleichzeitig auch noch von diesem Unternehmen einen zehntausend Euro kostenden Flug in die USA schenken lässt, dann sind das keine Verhältnisse wie in einer Bananenrepublik, nein, das ist Deutschland. Das Mitbestimmungsrecht, unsere vielbelächelte Anti-Globalisierungs-Pille, macht es möglich.

 

Deutschland gibt so viele Milliarden Euro zur Förderung der Spitzensportler und für die Entwicklung ihrer Geräte, Materialien und Trainingsstätten aus, dass jetzt in der Öffentlichkeit schon Vergleiche mit dem in Medaillen sichtbaren Erfolg angestellt werden. Recht so. Dagegen wird die Frage, ob eine Kulturnation nicht andere, wichtigere Felder kennt, auf denen sie sich groß darstellen kann, noch gar nicht gestellt.

 

Der Verein Deutsche Sprache hat jetzt aus gutem Grund die Aufforderung verbreitet: Wir Deutschen, als Reiseweltmeister bewundert, sollten nicht immer so servil mit unserem Schulenglisch auftreten. Wir sollten uns angewöhnen, genau wie die Engländer die dienstbaren Geister im Ausland in allen Situationen stets in unserer Muttersprache anzusprechen. Dann werden die sich schnell darum bemühen, Deutsch zu lernen, weil sie ja auf unser Geld angewiesen sind.

 

Die Statistiker melden: Inzwischen sind Zweidrittel der Deutschen online, und das im Durchschnitt etwa eine Stunde pro Tag. Am stärksten haben zu der Steigerung die sogenannten Silver Surfer beigetragen, die Menschen zwischen sechzig und neunundsiebzig Jahren. Das muss an der gestiegenen Qualität des Internet-Angebots liegen.

 

In einer großen Buchhandlung in Estland las ich über einem Regal die Kategorien: Filosoofia – Psühholoogia. Da war ich schon fast mit dem Humbug unserer sogenannten Rechtschreibreform versöhnt.

 

Die Massenmedien hämmern es unseren Kindern und Jugendlichen Tag für Tag ein: Die ganz große Karriere kannst du nur machen als Schauspieler, Musiker oder Sportler. Dem entspricht unser Schulstoff aber überhaupt nicht. Deshalb wird er nur mit Unlust angenommen. Die deutschen Kultusminister wollen nun ihre Blamage mit der verkorksten Rechtschreibreform ausgleichen, indem sie eine grundlegende Reform der Unterrichtspläne vorbereiten. Weg mit allem Geistigen, statt dessen mehr Rollenspielchen, selbsterzeugter Lärm und Schweißdrüsenaktivierung.

 

Weil ein Urlaub mit einem Fernseher auf dem Zimmer dazu führt, dass die Leute gleich nach dem Abendessen in ihren Zimmern verschwinden, um so die toten Abende zu verleben, wie sie es von daheim gewohnt sind, wird in den Reisebüros immer öfter die Frage nach Hotels ohne diesen zweifelhaften Service gestellt. Für Nichtfernsehabhängige, die am Urlaubsort Geselligkeit finden möchten, wird die TUI im kommenden Jahr in ihren Katalogen Extraangebote ausweisen unter dem Markenzeichen „Für Lebende“.

 
 
Die Iwan-Kathedrale in Sankt Petersburg wird mir als das nach dem Petersdom in Rom und der St.-Pauls-Kathedrale in London drittgrößte Kuppelgebäude der Welt vorgestellt. Dabei hatte ich das doch gerade erst in Mosta auf Malta bewundert.

 

Im dritten Obergeschoss des Wiener Leopold-Museums aus der Klimt-Umklammerung in den Saal des Malers Koloman Moser entflohen. Und was sah ich da? Ein Riesenbild: Links das graue Silo der Sammlung Ludwig, rechts weiße Kamine auf roten Dächern angetreten, dahinter das Kuppelchen des Volkstheaters, außerdem prächtige Paläste und in der Ferne die Moderne vor düsteren Hügeln. Bilder gibt es, die kann man gar nicht malen, verstand ich, als ich näher an das riesengroße Fenster herangetreten war.

 

Sitzstreik in grenzenloser Trauer. Da sitzen sie im Dutzend stumm und reglos herum, prächtig befiederte Erpel, und sehnen sich vergebens nach den Enten, die man umgebracht hat, um die Population in Grenzen zu halten. Auf der grünen Wiese vor dem Stuttgarter Landestheater eine Open-Air-Tragödie.

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 IN DER LETZTEN AUSGABE KONNTEN SIE LESEN:

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In Trier eine Stadtrundfahrt erleben und aus dem Lautsprecher hören müssen, linkerhand sei das Geburtshaus eines der größten Söhne der Stadt, nämlich Karl Marx, Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus. Und man hat wieder dieses Würgen im Hals, wie früher in der Kirche, wenn der Pfarrer von der Kanzel seine phantastischen Geschichten verkündete, und man ihn nicht korrigieren konnte.


Die Krabbelkästen der Buchhandlungen und Kaufhäuser verraten die Fehler der deutschen Verleger, und das quer durch die Branche der Literaturproduzenten. Hauptsächlich ausländische Autoren, vor allem angelsächsische, ein Import, der jahrelang als das Erfolgsrezept galt und ein großer Reinfall wurde. Lauter schön gemachte, aufwendig gebundene Bücher, die viel Geld für Lizenzen und Übersetzungen gekostet haben und nun zu Schleuderpreisen verramscht werden müssen.


Nordic walking, das ist mehr als nur eine Fitness-Übung, nämlich schon fast eine Kulturrevolution. Wird damit doch das uralte Rätsel der Sphinx ausgehebelt: Was hat am Morgen vier Beine, am Mittag zwei und am Abend drei? Nur Ödipus konnte das Rätsel lösen. Wir widerlegen die Sphinx samt Ödipus, weil wir uns mit den zwei Stöcken in den Händen auch am Mittag und am Abend unseres Lebens auf vier Beinen bewegen.


Habe erfahren, dass wir Menschen viel mehr Schweißdrüsen haben als die Hominiden. Wir müssen also umdenken: Schluss mit dem scheußlichen Gestank der Deostifte. Schwitzen ist angesagt. Denn gerade das Verschwitztsein unterscheidet uns vom Tier.


Die Manager der Billigfluglinien basteln an einem völlig neuen Tarifsystem. Die Flugpreise sollen sich nach dem Gewicht der Passagiere richten. Damit wird für Leichtgewichtige ein besonderer Anreiz gesetzt, Schwergewichtige werden abgeschreckt, so dass eine noch engere Bestuhlung und damit der Transport von noch mehr Menschen pro Maschine möglich werden.


Die Apostrophe vermehren sich bei uns wie die Fliegen. Dabei sind sie so störend und fehl am Platze wie Fliegenschiss, wenn sie den Genitiv (Günter’s statt Günters) oder den Plural (Auto’s statt Autos) anzeigen wollen oder das weggelassene Wörtchen das bei Formulierungen wie ums, ins, ans, fürs, durchs. Und komisch, gerade die Leute, die das Wort Apostroph nicht einmal richtig sprechen und schon gar nicht schreiben oder übersetzen können, sind die eifrigsten Vermehrer von Fliegenschiss.


Fahne statt Flagge, scheinbar statt anscheinend, Wörter statt Worte, Zünglein an  der Waage, Bumerang, Brandschatzung und ähnliche Fehlgriffe. Blamabel.
Tag für Tag muss ich erstaunt feststellen: Es gibt immer noch Zeitungs- und Funkredaktionen, in denen meine kostenlos gebotene Schreibhilfe unter www.netzine.de/vermischtes/extraservice.html nicht ausgedruckt und an die Wand gepinnt wurde.


Nach dem ersten Tag auf Malta Kassensturz gemacht. Und was sehe ich da? Eine Menge Geld ausgegeben, aber dafür viel Kleingeld zurückbekommen, nämlich elf maltesische Euromünzen, vier deutsche und eine französische. So schön die maltesischen Stücke mit dem Malteserkreuz sind, ich frage mich doch: Funktioniert der wirtschaftliche Austausch mit den anderen Ländern Europas noch so schlecht? Oder aber sind die Malteser so clever, dass sie nur Schecks und Scheine nehmen und dafür Kleingeld zurückgeben.


Jetzt hat mir ein Fernfahrer endlich überzeugend klargemacht, dass Holland total überbevölkert ist. Was glaubst du denn, sagte er, warum ein Viertel der Bevölkerung ständig im Wohnwagen unterwegs sein muss.


Wenn ich die Bäume sehe, die silberne Socken anhaben, weiß ich, hier gibt es zu viele Hunde, die sich eifrig bemühen, ihnen mit ihrem scharfen Urin den Garaus zu machen. Und ich weiß, bald kommt die städtische Baumfällertruppe, weil die Bäume mit den silbernen Socken nicht mehr standfest sind und den Verkehr gefährden. Schade um die Bäume. Die Städtischen hätten besser die Hundehalter, die nicht für fünf Pfennige denken können, rechtzeitig aus dem Verkehr ziehen sollen.
 

 

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