854. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

 

Ist die Corona-Politik des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro wirklich so unsinnig? Oder ist sie vielleicht das Ergebnis eines Triagierens auf höchstem Niveau? Das heißt, man opfert lieber die Alten und die Kranken, statt die Wirtschaft durch harsche Beschränkungen kaputt zu machen, den Staatshaushalt zu ruinieren und dem Volk die Lust am Sich-Vermehren zu nehmen, wie das die meisten anderen Staatsführer machen. Also eine bewusste Entscheidung gegen die Teile der Bevölkerung, die ohnehin nicht mehr viel zu erwarten und zu bieten haben? Zum Glück ist solch eine Abwägung bei uns nicht möglich, weil sie gegen die Menschenwürde verstoßen würde.

 

Von der Tageschau erfahre ich, dass die Bundesregierung im vergangenen Jahr gut 430 Millionen Euro für Unternehmensberater ausgegeben hat, was 46 % mehr war als im Vorjahr, wobei sich besonders hervorgetan haben das Innenministerium, das Verkehrsministerium und das Finanzministerium. Da fällt mir spontan ein, wie dieses Loch im Eimer geflickt werden könnte, und das ohne Kompetenzverlust: Einfach den Ministerien, die sich Rat von außen gekauft haben, das Budget fürs nächste Jahr kürzen, und zwar in der Höhe des gezahlten Beratungshonorars.

 

Ob es um die Meinungsfreiheit geht oder um die Währungssicherheit, beides klassische Aufgaben des Staates, es gerät das neuerdings immer mehr in private Hände. Großkonzerne wie Facebook und Google machen Agitation und Zensur, und sie arbeiten bereits an eigenen Währungen, nicht bloß moderneren Zahlungsmethoden. Zudem ist die Zahl der Lobbyisten, die in den Regierungszentralen die Interessen von Firmen und Verbänden vertreten, noch größer als die Zahl der Abgeordneten. Das heißt, die Staatsform Demokratie ist im Schwinden. Denn die Leute, die wir wählen, mutieren immer mehr zu Handpuppen von Wirtschaftsführern, die wir nie gewählt haben. Die von einer einzelnen Person autoritär geführte Scheindemokratie zeigt sich als die Staatsform von morgen, da und dort unübersehbar schon die von heute.

 

Neues aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Forscher aus Princeton haben in einem Bericht der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften dargelegt, dass Bildung die Lebenserwartung erhöht. So sollen Erwachsene mit dem Studienabschluss Bachelor durchschnittlich drei Jahre länger leben als solche ohne Abschluss. Das würde die Erfahrung bestätigen, dass in Sachen Gesundheit der Einsatz von Verstand schon die halbe Miete ist.

 

Corona ist sowas von ungerecht. Die Kartonagenfabriken und die Post gewinnen, gut tut die Seuche auch den Spieleanbietern, Scheidungsanwälten und Tierasylen, erst recht den Sargherstellern und der kränkelnden Umwelt, der Handel mit Alkohol und anderen Drogen wird belebt, aber Vereine aller Art verlieren Mitglieder, die Frauenhäuser sind überfüllt, die Züge und Flugzeuge leer, der Staat nimmt weniger Steuern ein und Hotels, Geschäfte, Kneipen sowie Restaurants machen Pleite. Achtung, diese Aufzählung erhebt nicht den Anspruch, vollständig zu sein – nur verständig.

 

Die junge Amerikanerin Amanda Gorman, die mit ihrer toll gestylten Aufmachung und einem langen Gedicht dem Präsidenten Joe Biden bei seiner Vereidigung die Schau gestohlen hat, kommt mit den Übersetzern ihres Gedichts nicht zurecht. Schon zwei Versuche sind gescheitert. Nun ist Lyrik ohnehin so gut wie unübertragbar. Eine Übersetzung ergibt immer ein anderes, eigenständiges Werk und sollte deshalb lieber ganz unterbleiben. Was aber auch für jeden sprachlich anspruchsvollen Roman gilt. Trotzdem würde ich die Erlaubnis erteilen bei meinem Buch „Hitlers Double“, für das The British Society of Authors die dringende Empfehlung gegeben hat, es ins Englische zu übersetzen und dann zu verfilmen (www.netzine.de/library/walter-laufenberg/hitlers-double/). Leider noch nicht geschehen, weil der Verleger gestorben ist.

 

Sprache lebt und macht ständig Wandlungen durch. Im Deutschen entstehen dadurch üblicherweise pro Jahr rund zweihundert neue Wörter. Offensichtlich steigert die Corona-Pandemie diesen Trend noch. Sie überfällt uns nicht nur mit einem Wust von Anglizismen, sondern auch mit einer Inflation neuer oder in der Bedeutung veränderter deutscher Wörter, beispielsweise Abstandsbier, Impfneid und Coronafrisur sowie Coronaparty, Maskenmuffel und Mobilarbeit. Eine ständig aktualisierte alphabetische Übersicht, genannt Corona-Glossar zur Covid-19-Pandemie, bietet das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache: www.dwds.de.

 

Dieser Nachthimmel voller Wolken, bedrückend düster bis beinahe schwarz, er lässt auf einmal den Mond durch. So plötzlich ein helles Licht, wie ein in den dunklen Vorhang gerissenes Loch. Wer war das? Aber schon wieder weg. Wenn ich so dasitze, hinter der Doppelverglasung, in meinem Lesesessel, die Füße auf dem Schreibtisch, im gut geheizten Arbeitszimmer, dann erlebe ich etwas, das irgendeiner meiner Vorfahren in der Steinzeit exakt genauso erlebt hat: Plötzlich ein helles Licht, als er vor seiner Wohnhöhle auf einem Stein saß, in den Nachthimmel starrte und auf die Frau wartete, die längst vom Beerensammeln zurück sein müsste. – Sein Problem, Schluss damit. Ich werde gerade zum Abendessen in die Küche gerufen.

 

Das uralte Thema: Eine Frau zwischen zwei Männern. In dem Roman „Die Triangel“ ist es eine mutige, aber nicht gefühllose Journalistin in den besten Jahren, die in die Zwickmühle gerät. Das ist jedoch weit mehr als ein normaler Liebesroman, weil sich alles in authentischem Rahmen abspielt, in Tel Aviv und Jerusalem, in New York, Berlin und Heidelberg. Also nebenbei schon fast ein Reiseführer, aber nur mit stark erhöhtem Pulsschlag zu lesen (www.netzine.de/library/).

 

 

 

 

 

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