853. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Mit großzügigen Diäten verwöhnte Volksvertreter fanden es nicht anstößig, sich an dem Leiden des von ihnen vertretenen Volkes unter der Pandemie zu bereichern. Erschreckend! Aber schuld daran sind letztlich wir, weil wir es als selbstverständlich hinnehmen, dass in der öffentlichen Meinung bei der Menschenbeurteilung der Erfolg nur in hohen Geldbeträgen ausgedrückt wird. Immer geht es darum, wie viele Milliarden einer hat, oder zumindest wie viele Millionen. Andere Erfolge und andere Größen gelten uns nichts. Es geht uns nicht um Verdienste, sondern immer nur um Einnahmen, auch unverdiente. Das heißt, wir alle leiden an der Dagobert-Duck-Krankheit.

 

Auch in Corona-Zeiten gilt noch die alte Logik. Also muss ich schlussfolgern: Je mehr Schnelltests und Selbsttests gemacht werden, umso mehr Infektionen werden entdeckt; und je mehr Infektionen festgestellt werden, umso höher ist der aktuelle Inzidenzwert. Soweit ist alles klar, nur bleibt die lästige Frage: Wem nützt die Feststellung eines höheren Inzidenzwertes?

 

Die öffentliche Meinung wird geformt von den Medien, die so tun, als gäben sie die öffentliche Meinung wieder. Dass die Presse auf diese Weise schon lange als 4. Gewalt im Staat tätig ist, und das ohne demokratische Legitimation und Kontrolle, war schon immer ein Ärgernis. Doch ließ sich damit leben. Erst durch den Shitstorm, den die sog. sozialen Medien bei jeder störenden Bemerkung auslösen, wird das, was man öffentliche Meinung nennt, unerträglich. So schnürt heute die Meinungsfreiheit, einfach von der Leine gelassen, der von der Verfassung geschützten Meinungsvielfalt die Luft ab.

 

Wenn ich das so höre: „Von Aktien hab’ ich keine Ahnung, da lass’ ich die Finger von.“ Dabei muss man nur auf die Streuung achten, der alten Börsenweisheit folgend: Man legt nicht alle Eier in einen Korb. Dann ist die Sache ganz einfach. Man kauft nur Aktien von Unternehmen, deren Produkte  man kennt und schätzt, beispielsweise unter dem Buchstaben A: Adidas, Allianz oder Amazon. Oder unter B: BASF, Beiersdorf (Nivea) oder BMW. Und so weiter, aber niemals auf Kredit kaufen, sondern nur mit Geld, das man gerade übrig hat. Und dann die Aktien einfach liegen lassen. Jahre und Jahrzehnte sich nicht mehr drum kümmern, auch nicht um das Rauf und Runter an der Börse. Bloß einmal im Jahr die Dividenden, die man bekommen hat, wieder zu neuen Aktienkäufen einsetzen, so wird das was.

 

Jetzt stieß ich auf eine zwar sehr kleine, aber doch interessante Untersuchung. Die Berlin School of Business and Innovation (BSBI) hatte sich gefragt, was die Vorstände der 30 Dax-Konzerne studiert haben. Es ging also um die Ausbildung der Spitzenleute der deutschen Wirtschaft. Prompt stand an erster Stelle das Studium Master of Business Administration. Business bleibt Business. An zweiter Stelle kam das klassische BWL-Studium, und erst an dritter Stelle folgte das früher alles beherrschende Jura-Studium, gefolgt von Maschinenbau und VWL. Entsprechend fiel die Rangfolge der akademischen Abschlüsse aus, die diese Manager erreicht haben. Die meisten haben den Master, an zweiter Stelle kommt der Doktor, an dritter Stelle das Diplom, gefolgt von dem Bachelor. Passt, doch der häufigste Studienort der Spitzenmanager war nach dieser Mini-Untersuchung erstaunlicherweise nicht Berlin, sondern München vor Aachen, Darmstadt und Köln. Berlin kam erst auf Platz fünf.

 

Der Verein Deutsche Sprache macht in der neuesten Ausgabe seiner „Sprachnachrichten“ die modisch gewordene Duzerei zum Thema und ergeht sich in Betrachtungen von Nähe und Distanz. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es im Alltag um unangenehm spürbare Unterschiede geht. An dem Abend in Aachen, an dem ich mich angezogen hatte, um einer Kneipenbekanntschaft bei der heimischen Geburtstagsfeier zu gratulieren und ein Geschenk zu überreichen, überfiel mich erst beim Mantelanziehen die Frage: Wo wohnt der Willi überhaupt? Das wusste ich nicht, und weil ich wegen der Duzerei auch seinen Nachnamen nicht kannte, konnte ich nicht im Telefonbuch nachschlagen. Da blieb mir nur, die Schuhe wieder auszuziehen und daheim zu bleiben. Mit der Erkenntnis: Solange alle Verzeichnisse nach Familiennamen geordnet sind, ist es gescheiter, sich diese Namen zu merken statt der Massenware Vorname, und den Familiennamen kennt man nur, wenn man das scheinbar so freundschaftliche Du erst mal vermeidet.

 

Früher gab es am Aschermittwoch in der Kirche das Aschenkreuz, das der Priester den Gläubigen auf die Stirn malte. Dazu sagte er: „Bedenke, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“ Wegen der aktuellen Kontaktbeschränkungen ging das nun nicht. Deshalb hat manche Kirche eine Abholstelle für wortlos und berührungslos ausgegebene Asche eingerichtet, wohin sie ihre Schäfchen einlud. Natürlich in neuem Kirchenlatein: Ash to go. Da soll es allerdings zu manch peinlicher Verwechslung gekommen sein.

 

Die Lernverluste durch Schulschließungen sind nur schwer aufzuholen, so der aktuelle Seufzer der Corona-Redner. Dazu sage ich als ein Betroffener: Ich habe als Kind die allgemeine kriegsbedingte Schulschließung in Deutschland gegen Ende 1944 er- und überlebt. Der einzige bleibende Nachteil war, dass ich später, als sich niemand mehr an diese generelle Nichtversetzung erinnerte, in allen Bewerbungsschreiben so aussah, als wäre ich einmal sitzen geblieben. Bin ich aber nicht.

 

Dass Religionsgemeinschaften sich unbarmherzig bekämpfen, ist Tradition. Begründet in dem Anspruch jeder Religion, die „Richtige“ zu sein. Jetzt hat Papst Franziskus den Irak besucht und eine Messe gefeiert in Mossul, wo vor Jahren der Führer des sog. Islamischen Staats IS sein Kalifat ausgerufen und angekündigt hatte, man werde „nach Rom ziehen“ und „dem Papst den Kopf abschneiden“. Jetzt kam der Papst den Moslems entgegen, nicht triumphierend, sondern als Verkünder einer revolutionären Idee: Das historische Nacheinander der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam ist kein Sich-Ablösen, wie beim Staffellauf, sondern ein Nebeneinander-Laufen. Über den Hot-Spot Irak gibt ein Buch auf ungewöhnliche Weise Auskunft: „Denk ich an Bagdad in der Nacht“ (www.netzine.de/library). Hier zwei Reportage-Fotos aus diesem Buch.

 

 

 

 

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