805. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Zahlen hinterlassen wir wie Kaninchen Küttel. Unsere Zustimmung wird gezählt mit Likes oder Followers, unsere Zugriffe und Besuche addieren sich als Hits und Visits. Wenn wir fernsehen, machen wir Quote, mit jedem Einkauf verändern wir den Zufriedenheitsquotienten. Und immer noch treiben wir mit der Liebe den Vermehrungsindex hoch. Was wir auch tun oder lassen, wir sind der Prozentsatz von etwas, an das wir dabei nicht gedacht haben. Und dass wir dabei sind, mit der totalen Digitalisierung das letzte Quäntchen Freiheit zu verlieren, daran zu denken haben wir überm permanenten Kütteln keine Zeit.

 

Out ist: Auf Experten hören! Viel zu frustrierend, weil es immer auch Experten mit gegenteiliger Meinung gibt. In ist: Auf die kindlich-klaren Ratschläge von Greta, Kevin und Co. hören! 

 

Die Gedanken sind frei!? Hirnforschern soll es gelungen sein, ein Gerät zu entwickeln, das Gedanken in rechnergenerierte Sätze umwandeln kann. Damit soll in Zukunft Patienten mit Sprachstörungen geholfen werden. Getestet und für gut befunden wurde das Gerät aber an Menschen ohne Sprachprobleme. Das Problem wird sein, dass mit der Fähigkeit zum Gedankenlesen unser Leben total umgekrempelt wird. Nach dem schon heute zu weit gehenden Verlust der freien Meinungsäußerung und der Rundum-Überwachung durch den Smartphonegebrauch ist die Gedankenfreiheit das letzte Reservat des freien Menschen. Eine Freiheit, die den Konzernschefs, Politikern, Militärs und Religionsführern schon lange missfällt.

 

Das ist gut sechzig Jahre her, dass ich als Schüler mit dem Fahrrad und meinem kleinen Sparkapital zur Deutschen Bank gefahren bin und meine ersten Aktien gekauft habe. Das waren Bayer-Aktien. Jetzt, da offensichtlich ist, dass die Bayer-Manager mit dem Ankauf von Monsanto, dem weltweit umstrittenen Glyphosat-Hersteller, den Bayer-Konzern dem amerikanischen Rechtssystem mit seinen Wahnsinnsurteilen ausgeliefert haben, bringe ich es nicht über mich, die Aktien abzustoßen. Denn Aktionär sein ist wie verheiratet sein, das heißt, in guten und in schlechten Zeiten zusammenzustehen.  

 

Bei der Berichterstattung über die turbulente Bayer-Hauptversammlung am 26. April zeigte Spiegel Online den kurzen Archivfilm über einen gemeinsamen Auftritt der beiden Vertragschließenden unmittelbar nach der Monsanto-Übernahme durch Bayer. Der Bayer-Chef Baumann in seinem Abiturientenlook und der Monsanto-Chef Grant, ein richtiger Erwachsener mit überlegenem Grinsen. Beide reden auf Englisch. Das erinnerte mich an die Verträge, die im 19. Jahrhundert gerissene europäische Kaufleute mit Vertretern von Kolonialvölkern abgeschlossen haben und die man heute gern als unsymmetrisch und deshalb nichtig betrachtet.

 

Die Bundesregierung will die weitere Ausbreitung der Masern verhindern, indem sie mittels gesetzlicher Impfpflicht auch die letzten Impfverweigerer zur Vorsorge zwingt. In den Fernsehnachrichten wurde diese Information mit Bildern untermalt, die in einer einzigen Sendung fünfmal zeigte, wie ein Kleinkind mit der Nadel gequält wurde. Eine aufmunternde journalistische Glanzleistung.  

 

Laut „Handelsblatt“ wird Facebook weltweit in 111 Sprachen angeboten. Weitere 31 Sprachen werden in dem Portal stark genutzt. Ein hauseigenes Regelwerk soll Hassbeiträge und Verherrlichung von Gewalt verhindern, ist jedoch noch nicht in alle Sprachen übersetzt. Deshalb gibt es die automatische Filterfunktion bisher erst in 30 Sprachen. Dabei drohen den Facebook-Managern in etlichen großen Ländern hohe Strafen, wenn unerwünschte Inhalte nicht rasch gelöscht werden.

 

Jetzt wird schon empfohlen, auch eine kurze Hotelierausbildung bei der Bestallung von Botschaftern vorauszusetzen. Die Köche in Botschaften sollen nach ihren Fertigkeiten in der Herstellung von fremdländischer Kost ausgesucht werden. Und die Architekten von Botschaftsgebäuden sollen weit mehr Platz für Besuchszimmer einplanen als bisher. Zu diesem Wandel haben die katastrophalen Verhältnisse bei den Botschaftsbesetzungen von 1989 durch Hunderte DDR-Flüchtlinge in Budapest und Prag geführt, dann auch der jahrelange Besuch des WikiLeaks-Gründers Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London und jüngst das Quartiernehmen des Oppositionsführers von Venezuela, Leopoldo López, in der spanischen Botschaft in Caracas. Das Diplomatenleben ändert sich radikal.   

 

Ich stieß in der „FAZ“ auf die große Überschrift: „Nur wer aufschreibt, verändert die Welt.“ Klar, dass ich mich trotz der mir angeborenen Bescheidenheit angesprochen fühlte. Deshalb habe ich mich sofort begierig auf diesen Artikel gestürzt. Doch dann die große Enttäuschung, weil dort mein Name nicht ein einziges Mal erwähnt wurde. Unglaublich, aber wahr. Wie kann der hochgeschätzten Tante „FAZ“ nur solch ein Fehler unterlaufen?

 

Flandern zum Kunst-Erwandern. Der Maler, dessen Bilder jedem schon begegnet sind, von dem man aber kaum was weiß, Pieter Bruegel der Ältere, wird jetzt anlässlich seines 450. Todestages in seiner Landschaft Flandern mit vielen Veranstaltungen gefeiert. Die Romanbiografie dieses Großmeisters der Malerei habe ich nach zwanzigjähriger Recherche im Jahre 2007 unter dem Titel „Die Frauen des Malers“ veröffentlicht. Das turbulente Leben eines Künstlers, wie es sich in seinen Bildern verrät und mit viel Geschick sogar noch unter dem Terror des von Spanien besetzten Landes möglich war. 352 Seiten, 15.50 Euro, das Erfolgsbuch, überall im Buchhandel.

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