798. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Armes Deutschland. Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden lagen im Jahr 2005 schon bei stattlichen 452 Milliarden Euro, doch 2018 haben die staatlichen Raffhände sogar 775 Milliarden Euro eingenommen, was einem Anstieg des Steueraufkommens um mehr als 71 % entspricht. So die Angaben des Bundes der Steuerzahler, der mit seiner Schuldenuhr seit 23 Jahren darauf hinweist, dass die ständig wachsende Verschuldung der öffentlichen Hand nicht nötig wäre. Ab dem 1.1. 2018 lief die Schuldenuhr erstmals rückwärts, weil in jeder Sekunde 78 Euro Schulden abgebaut wurden. Seit Anfang des Jahres 2019 läuft sie sogar etwas schneller zurück, weil jetzt pro Sekunde 94 Euro Schulden getilgt werden. So wird die Schuldenuhr, als das Schandmal des Staates gedacht, fast schon zu einer Beruhigungspille. Die lässt uns übersehen, dass nur die Länder und Gemeinden ihre Schulden reduzieren, während die Bundesregierung, die fast Zweidrittel aller Schulden gemacht hat, sich weigert, mit dem Abbau zu beginnen.

 

Das Bundeskanzleramt in Berlin wächst und wächst durch teure Anbauten und Nebengebäude, weil sich die Zahl der Mitarbeiter seit dem Anfang des neuen Jahrtausends fast verdoppelt hat. Oder weil Deutschland immer bedeutender wurde? Oder weil die Steuereinnahmen Jahr für Jahr so viel höher ausfallen als geschätzt? Wer weiß. Da sieht man nicht hinter. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hieß es schon, das Bundeskanzleramt igle sich immer mehr ein und werde so zu einer verbotenen Stadt mitten in der Stadt. 

 

Die neue Aufregung heißt Transparency International und ist eine rangmäßige Auflistung der Staaten der Welt nach dem Umfang der dort herrschenden Korruption. Gut gemeint, aber dumm, weil sich das Problem Korruption nicht mit Publizität bekämpfen lässt, es dadurch im Gegenteil noch gefördert wird. Denn je mehr einer von der um ihn herum üblichen Korruption hört und liest, umso lauter meldet sich sein innerer Schweinhund mit der Ermahnung: Mit deiner verdammten Ehrlichkeit wirst du bald als der letzte Dumme dastehen. 

 

Facebook hat Schwierigkeiten mit seinem Image. Es füllt die Köpfe seiner Nutzer mit Ballast aller Art, worunter manchmal aber auch brauchbare Informationen zu finden sind. Den Ballast geben die Nutzer selbst sowie Werbung treibende Unternehmen und Organisationen ein. Doch liegt die eigentliche Bedeutung von Facebook in der Gegenrichtung. Facebook sammelt und ergänzt permanent klammheimlich Informationen aller Art über jeden Nutzer, womit perfekte Verbraucherprofile erstellt werden, die für zielgruppenorientierte Werbung an Wirtschaft und Politik verkauft werden. Das heißt, wir liken und teilen nicht einfach nur, sondern wir verschenken uns Klick für Klick mit allem, was wir sind und wollen, an einen Moloch, der über uns steht wie der Himmel, unkontrollierbar und allgewaltig. 

 

Die deutsche Sprache wird immer reicher. Und jetzt bin ich einer der Bereicherer, wenn ich feststelle, dass es neben dem gerade in der Zeitung gefundenen Kundenmonitor auch einen Kundinnenmonitor geben müsste. Doch prompt kommt eine Leserin daher und verlangt auch eine Kundenmonitorin, was die nächste mit der Forderung nach der Kundinnenmonitorin noch überbietet. Da lege ich die Zeitung lieber beiseite.

 

Triumph der Gendernden*innen: Die Stadt Hannover hat jetzt alle Verwaltungen per Verordnung dazu verpflichtet, in ihren Verlautbarungen stets sämtliche Geschlechter zu berücksichtigen. Dass dabei beispielsweise Wahlberechtigte zu Wählenden werden, egal ob sie wählen gehen oder nicht, Sterbeversicherte zu sicher Sterbenden, Besucher einer öffentlichen Toilette zu öffentlichen Toilettenbesuchenden und ähnlicher Unsinn wird behördlicherseits in Kauf genommen. Deshalb sollte man diese neue Verordnung als einen vorgezogenen Aprilscherz von Oberbürgendenmeister*in Schostak ansehen – und einfach übersehen.

 

Offenbar sind wir immer noch Frömmler. Denn fast jeder Abschiedsgruß – bis auf das neutrale Auf Wiedersehen oder das österreichische Servus (Dein gehorsamer Diener) – ist eine religiöse Grußformel. Ob wir tschüss sagen oder tschö oder eine der anderen geläufigen mundartlichen Verwandlungen benutzen, sie stammen alle vom spanischen adiós (zu Gott) ab. Wenn wir stattdessen ade sagen oder adieu, benutzen wir das lateinische ad Deum (Gott befohlen), und wenn wir, wie in Bayern üblich, pfüeti sagen, heißt das soviel wie: Behüte dich Gott.

 

Die Verwertungsgesellschaft VG Wort, deren Mitglied ich bin, schickt mir jedes Jahr eine eMail mit dem Hinweis, mir stünden Gelder zu für einzelne meiner Veröffentlichungen im Internet. Zu dem komplizierten Abrufverfahren dieser Gelder gibt es eine 44-seitige Information, die jedoch bei allem guten Willen nicht weiterhilft. Denn ich muss nicht bloß den umfangreichen Meldebogen ausfüllen, sondern auch die von der VG Wort als vom Umfang her honorarberechtigt angesehenen Texte einsenden. Ohne diese Einsendung geht nichts. Dabei wird mir aber nicht verraten, welche von den mehreren hundert Texten, die ich pro Jahr ins Internet bringe, honorarberechtigt sein sollen. Also kann ich keine honorarberechtigten Texte einsenden. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass ich nie etwas von den mir zustehenden Geldern sehen werde.

 

Am Dienstag, dem 5. Februar 2019, lese ich um 19 Uhr im Capitol Lichtspiel-Theater Limburgerhof bei Ludwigshafen aus meinem Tatsachenroman „Hohe Zeit“. Daneben stelle ich das Buch „Karibik ohne Kannibalen“ vor. Eintritt 8,- Euro, freie Sitzplatzwahl, Einlass 18.30 Uhr.

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