796. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Das war’s dann wieder, das Silvesterfeuerwerk, das viele Millionen Euro in Ah und Oh verwandelt hat. Eine Uralt-Unsitte, die ihren Ursprung darin haben soll, dass wir mit unserem Geböller die bösen Geister vertreiben wollen. Geistlos, wie wir heute sind, wird einfach weiter geböllert. Was ungeheuer viel Geld, Sauerstoff, Nerven und – durch Unfälle – auch Leben und Gesundheit kostet. Aber ich bin sicher: So wie man es geschafft hat, meinen Zeitgenossen das Zigarettenrauchen abzugewöhnen, wird man ihnen demnächst auch die Silvesterböllerei austreiben.   

 

Gemäß FAZ-Archiv waren von den 52 Unternehmen in Deutschland, die 2018 mit umfangreicheren Neueinstellungen – so was hat man ja gern – brillierten, allein 15 auf dem Gebiet der Beratung tätig. Also ein überproportionales Gegengewicht zu Produktion, Handel und Verkehr. Dabei wissen wir schon seit den Erfahrungen der Alten Griechen mit Delphi, wie wenig die Frage um Rat bringt. Was unsere besonders rathungrige Verteidigungsministerin bestätigen kann.

 

Nachdem ein deutsches Unternehmen nach dem anderen es gut findet, als Firmensprache Englisch einzuführen, kommen nun doch vermehrt Zweifel auf. Man merkt, dass die Mitarbeiter fürs gequälte Englisch-Parlieren mehr Arbeitszeit verbrauchen, dass sie sich ausländischen Partnern unterlegen fühlen, dass beim Übersetzen Fehlinterpretationen auftreten und dass aus Unsicherheit zu viel einfach ungesagt bleibt, was einen guten Eindruck machen würde. Obwohl es gescheiter wäre, alles in perfektem Deutsch rüberzugeben und der Gegenseite beim Übersetzen den Mehraufwand an Arbeitszeit, die Ängste und Unsicherheiten sowie Fehler zu überlassen, übernimmt man in deutschen Unternehmen lieber selbst die Opferrolle. Der deutsche Michel mit der über die Ohren gezogenen Schlafmütze war schon immer ein Symbol der Dummheit und für unsere Nachbarn die reine Freude.

 

Vom Verein Deutsche Sprache erfahre ich: Weil wir Deutschen nicht die Gelegenheit hatten, als Kolonisten riesigen Ländern der Dritten Welt unsere Sprache zu verordnen, gehört die Sprache Deutsch heute nur zu einem kleinen Sprachraum im Vergleich mit den Kolonistensprachen Englisch, Spanisch und Französisch. Doch an der Wirtschaftskraft gemessen, steht Deutsch hinter Englisch, Chinesisch und Japanisch an vierter Stelle der wichtigsten Sprachen der Welt, gleichrangig mit Spanisch.

 

Und dazu passend: Wie zuletzt belegt für das Jahr 2015, wird Deutsch in 128 Ländern gelehrt und gelernt. Die Anzahl der Lernenden hat sich seit 2010 von 14,9 Millionen auf 15,4 Millionen erhöht. 

 

Die Mickey Mouse wird 90. Und ein 500-Seiten-Buch versucht, ihre Geburt sowie gesamte Entwicklung nachzuzeichnen. Den Schinken kann ich hier ruhig nennen, ist ja keine Konkurrenz zu meinen Büchern: „Walt Disney’s Mickey Mouse – Die ultimative Chronik“.

 

In Zeitungen ist eine treffende Schlagzeile manchmal mehr wert als der ganze folgende Artikel. Jetzt fand ich eine Sammlung schönster Beispiele aus jüngster Zeit. Deren Spitzengruppe sah so aus: 1. Grün ist das neue Rot (Bild zur Landtagswahl in Bayern). 2. Liba mit Fibl (Der Spiegel zum klassischen Orthographieunterricht). 3. Junge, komm nie wieder (Die Süddeutsche über Berlusconis Rückkehr in die Politik). 4. Loch und Löcher (Der Berliner Tagesspiegel über den BER-Flughafen). 5. Brüllende Stille (Die Börsen-Zeitung über die Suche der Deutschen Bank nach einem neuen Chef). 6. Der wüste Sohn (Die Hannoversche Allgemeine Zeitung über den umstrittenen saudischen Kronprinzen). 

 

Vor wenigen Tagen, am 28. Dezember 2018, ist in Tel Aviv der große israelische Erzähler und engagierte Journalist Amos Oz im Alter von 79 Jahren gestorben. Aus diesem Anlass stelle ich die kurze Besprechung einer seiner Veröffentlichungen, die ich im Jahre 2004 geschrieben habe, noch einmal in den aktuellen Bestand meiner Buchbesprechungen, hier im Netzine in der Rubrik Rezensionen (www.netzine.de/amos-oz-wie-man-fanatiker-kuriert/).

 

Das Besondere am Beginn des neuen Jahres 2019 ist, dass „Das Laufenberg NETzine“ damit 23 geworden ist. Für eine literarische Zeitschrift eine ungewöhnliche Hartnäckigkeit. Dazu verhelfen dem Netzine vor allem die regelmäßig alle zwei Wochen erscheinenden satirischen/realsatirischen Passiertes-Texte. Daneben ist das ständig wachsende interaktive Projekt „Laufenbergs Läster-Lexikon“ eine Hauptattraktion. Dieses Lexikon besteht inzwischen aus mehr als tausend Stichwörtern, die Information und Hinterfotzigkeit vereinen, sowie einigen hundert dazu passenden Illustrationen. Wie ich jetzt erfahren habe, wird dieses Lexikon in vielen chinesischen Universitätsstädten systematisch heruntergeladen und gesammelt. Also ein deutsches Exportprodukt, aber anders als unsere Autos kostenlos und ohne Pfusch. Über eine Gegenleistung wurde noch nicht gesprochen.

 

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