795. Ausgabe

Passiertes! – Passierte es?

 

Die Neuigkeit. Gerade erst haben die Gelbwesten in Frankreich gezeigt, wie leicht die Bürger zur Durchsetzung ihrer Interessen auf Parteien und Gewerkschaften verzichten können, die doch nur ihr Organisationsinteresse vertreten. Prompt ließen sich beim Nachbarn Deutschland die Eisenbahnergewerkschaften zu Streikdrohungen hinreißen. Als ob sie was verstanden hätten.

 

Das haben wir gelernt: Demokratie ist was Gutes, weil sie uns die Wahl zwischen mehreren Übeln lässt. Und auch das haben wir gelernt: Die für eine Wahlentscheidung nötige Meinungsfreiheit ist was Gutes. Das Problem ist nur die Fremdbestimmung der Köpfe im Vorfeld der Wahlen. Macht sich doch kein Mensch klar, woher er das hat, was er so stolz seine Meinung nennt.

 

Wir leben in einer Zeit der Entgrenzungen. Womit nicht nur das globale Geschehen von Wirtschaft und Politik, Kunst und Wissenschaft sowie Sport gemeint ist, sondern auch der Wegfall der Grenzen zwischen Mann und Frau, Vater und Mutter, Ausländer und Inländer, gesund und krank, Arbeit und Freizeit, Tag und Nacht, Freund und Feind, Produzent und Konsument und so weiter. Überall Verwischungen und fließende Übergänge. Kein Wunder, dass die Menschen total verunsichert sind und sich auf ihr Ich zurückziehen.

 

Genau vor 200 Jahren soll das beliebteste und meistübersetzte Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ in der Christmette uraufgeführt worden sein. In der Kirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg. Zweistimmig gesungen, mit Gitarrenbegleitung, weil die Orgel defekt war. Dabei soll es Ärger gegeben haben, weil damals liturgische Gesänge nur in lateinischer Sprache erlaubt waren. War die Nacht also gar nicht so still?

 

Die Deutsche Nationalbibliothek hat ihren Sitz sowohl in Leipzig als auch in Frankfurt am Main. Und in diesen beiden Städten finden auch die größten Buchmessen der Welt statt. Diese erstaunliche Duplizität, um nicht Zerrissenheit zu sagen, die historisch gewachsen ist, passt wunderbar zum Wesen des Buches. Denn das Buch ist Subjekt von einerseits aufwendiger innerer wie andererseits aufwendiger äußerer Gestaltung, und es ist Objekt des Strebens einerseits nach immateriellen Werten wie andererseits nach materiellen. Das heißt, das Buch hat immer zwei Seiten – mindestens.

 

Nach Angaben des Goethe-Instituts nimmt das Interesse an der deutschen Sprache weiterhin zu. Allein in diesem Jahr nahmen im In- und Ausland 244 000 Menschen an den Deutschkursen des weltweit tätigen Instituts teil. Das waren 2000 mehr als im Vorjahr. Bei den abgelegten Sprachprüfungen gab es einen Anstieg von 484 000 auf 510 000 Teilnehmer. Das zeigt mir, dass in Zukunft immer noch mehr Besucher die Hilfe meines Extra-Service für Schreiber benötigen werden (hier im Netzine unter Vermischtes).

 

Ich lese in der Zeitung: Laufen kann die Welt verändern. Tröstlich, dass die Zeitung doch noch immer was Neues bringen kann. Früher hätte die Zeile gelautet: Denken kann die Welt verändern. Aber nach Denkern wie Karl Marx und Friedrich Engels und den Welt-Katastrophen, die diese Denker uns eingebracht haben, senkt man lieber den Blick von den Köpfen auf die Füße. Ist es doch nicht so problematisch, mit modischer Fußbekleidung das große Geld zu machen, statt mit modischen Kopfbedeckungen, bei denen all die unvermeidlichen Anklänge an Pickelhaube, Schlafmütze und Narrenkappe stören.

 

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Ich las in der Zeitung: Jede zweite Ehe wird geschieden. Das nenne ich eine Zeitungsente, denn bei mir wurde die erste Ehe geschieden. Und ohne dieses aufwendige Verfahren hätte es überhaupt keine zweite Ehe gegeben. Gack-gack!

 

Zur ganz persönlichen Jahresabschlussfeier schaue ich mir jetzt noch einmal den lustigen Viertelstundenfilm „Perkeos Rückkehr“ an (www.youtube.com/watch?v=6sm-bnmNFDo). Danach werde ich mich mit der einzig passenden Lektüre in meinen Lesesessel zurückziehen und die freudig frechen Lebensweisheiten des Hofnarren Perkeo genießen. In meinem historischen Heidelberg-Krimi „Tödliches Einmaleins“. Wird das Leben doch nur aus dem Blickwinkel des Narren erträglich.

 

 

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